Dienstag, 7. November 2017

"Die Lichter von Paris" - Eleanor Brown

Insel Verlag, 2017
14,95 Euro


Handlung:
Nach außen scheint alles perfekt. Madeleine ist mit einem erfolgreichen Geschäftsmann verheiratet, sie hat ein schönes Zuhause in Chicago und keine finanziellen Sorgen. Dennoch ist sie nicht glücklich: Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter ist sie gefangen in einem Leben, das aus gesellschaftlichen Verpflichtungen besteht; die eigenen Träume
sind auf der Strecke geblieben.
Als Madeleine eines Tages auf dem Dachboden ihres Elternhauses die Tagebücher ihrer Großmutter entdeckt, erfährt sie Unglaubliches: Die strenge, stets auf Etikette bedachte Großmutter Margie war einst eine lebenslustige junge Frau, die der Enge des Elternhauses nach Europa ins wilde Paris der 20er Jahre entfloh, um frei und unabhängig als Schriftstellerin zu leben. Dort verliebte sie sich in einen charismatischen jungen Künstler und verbrachte einen glücklichen Sommer in der Pariser Boheme ...
Von Margies Geschichte ermutigt, fasst sich Madeleine endlich ein Herz, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen …


Meine Meinung:
Hach, ein schönes Schmökerbuch für ein Herbstwochenende... Mir hat "Die Lichter von Paris" von Eleanor Brown wirklich gut gefallen. Auf zwei Erzählebenen taucht man in die Geschichte zweier Frauen (Großmutter Margie und Enkelin Madeleine) ein, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit der Erfüllung ihrer Lebensträume zu kämpfen haben. Während Margie in einer für Frauen noch recht schwierigen Zeit aufwächst, wenn es um Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit geht, stehen Madeleine dafür eigentlich alle Türen auf. Zumindest fast, denn was sie zurückhält, sind die Vorstellungen und Erwartungen ihrer Familie, besonders ihrer Mutter und ihres Mannes. Beide möchten Madeleine eigentlich nach ihren eigenen Vorstellungen der "perfekten" Ehefrau und Tochter formen, und Madeleine lässt dies jahrelang auch mit sich machen. Anfangs hatte ich daher so meine Probleme mit der Figur Madeleine, weil sie so passiv ist und alles erduldet, auch wenn es in ihr eigentlich brodelt. Ob es um Termine geht, die ihr aufgezwungen werden; Kleider, die sie tragen soll; Dinge, die sie essen darf - ihr Leben wird von anderen bestimmt, und das hat mich als Leserin richtig unruhig gemacht. Als Madeleine dann zufällig auf die Tagebücher ihrer Großmutter Margie stößt, ändert sich ihre Weltsicht und sie hinterfragt die Dinge, die sie nicht machen will, aber soll. Margie, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vor ähnlichen Problemen mit den Erwartungen ihrer Familie stand, aber für zumindest eine kurze Zeit diesen Vorstellungen für ein wunderbares Abenteuer nach Paris entkommen konnte.
Ich habe die Geschichte beider Frauen sehr gern gelesen, weitestgehend empfand ich sie auch als nachvollziehbar und echt. Leider haben mir dennoch ein paar erklärende Punkte gefehlt, die vor allem Margies Leben und Wandlung betreffen. Zuviel verraten möchte ich nicht, aber Margie macht eine Veränderung durch, die für mich anhand der beschriebenen Punkte nicht ganz nachvollziehbar war. Auch Madeleine macht eine Veränderung durch, die ich ihr jedoch gönne und um die ich froh bin - denn vorher war sie in meinen Augen zu passiv, zu leblos, zu wenig Madeleine.
"Die Lichter von Paris" ist eine schöne Leseempfehlung für alle, die diese gelegentliche Unsicherheit in eigenen Lebensentscheidungen kennen, die sich gern mal lenken lassen, sich aber zugleich fragen, ob es nicht noch viel mehr gibt: mehr zu entdecken und mehr zu leben. Ein Buch mit einer schönen Botschaft, die einen zum Nachdenken bringen kann.

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