Mittwoch, 13. September 2017

"Der Lügenbaum" - Frances Hardinge

Verlag Freies Geistesleben, 2017
22,00 Euro

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Handlung:
Ihr Vater, der Reverend Sunderly soll ein Betrüger und Schwindler sein? Das kann Faith nicht glauben, die ihn verehrt und die gleiche naturwissenschaftliche Neugier hat wie er. Doch seitdem die Familie fluchtartig Kent verlassen hat und auf diese Insel gekommen ist, wo ihr Vater an einer Grabung teilnehmen will, ereignet sich ein dubioser Unfall nach dem anderen bis – ihr Vater tot aufgefunden wird. Mord! Faith wird es beweisen und gräbt sich in die Unterlagen ihres Vaters, um eine unheimliche Entdeckung zu machen …
Es geht um Fossilien und Fälschung, Glauben und Wissenschaft und – Mord. Mittendrin steht die 14-jährige Faith, die das Unheimliche auf klären und als Mädchen forschen will.

Meine Meinung:
"Der Lügenbaum" - ich muss es so sagen - ist eines jener Bücher, die mich zuerst sprachlos sitzen lassen und dann schließlich auch ein bisschen befremden, weil sie mir vor Augen führen, wie anders Frauen vor gut 150 Jahren noch gelebt haben. Leben mussten. Welche Rolle eine Frau zu spielen hatte, welchen Status sie inne hatte - oder eben auch nicht. Wie unfassbar eintönig das Leben einer Frau von damals gewesen sein muss, weil sie nichts durfte, nichts entscheiden konnte, gewissermaßen nur das lästige Anhängsel ihres Ehemannes war.
Ein solches Bild wird im Buch "Der Lügenbaum" gezeichnet, durchaus realistisch, wie ich denke. Das Widerspenstige in mir erwacht beim Lesen solcher Beschreibungen; am liebsten würde ich ins Buch greifen und die Heldin Faith schütteln, ihr sagen "Lass dir das nicht gefallen, lass das nicht mit dir machen." Aber geht nun mal nicht. Und es hätte ja auch damals nicht anders funktioniert, was schlecht für alle großdenkenden und neugierigen Frauen der damaligen Zeit war.
Denn Faith ist neugierig und hat eigentlich große Träume und Pläne. Sie möchte Forscherin und Naturwissenschaftlerin werden, in die Fußstapfen ihres Vaters treten, einem angesehenen Mann der Wissenschaft. Dieser macht ihr jedoch auch unmissverständlich klar, dass sie ihm lästig ist, als Mädchen nicht zum Nachfolger taugt und ihnen finanziell nur auf der Tasche liegt. Harter Tobak und im Buch eindeutig der Moment, in dem ich den Vater noch weniger leiden konnte als ohnehin schon. Faith gerät dennoch in einen Strudel aus Geheimnissen und Gerüchten um ihren Vater und dessen Arbeiten mit merkwürdigen Fossilien. Als ihr Vater auf recht mysteriöse Art und Weise stirbt, will sie die Wahrheit herausfinden.
Mir hat "Der Lügenbaum" an sich sehr gut gefallen, trotz kleiner Startschwierigkeiten. Der Anfang hat sich für mich ein wenig gezogen, da zunächst auch überhaupt nicht klar wird, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird. Erst auf Seite 180 etwa lüftet Faith das Geheimnis des titelgebenden Lügenbaums und dann nimmt die Geschichte auch richtig an Fahrt auf. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, die Geschichte ist allemal lesenswert, nicht zuletzt, weil sie nun mal so ein realistisches und wahres Bild der damaligen Gesellschaft zeichnet. Leider habe ich Faith an manchen Stellen als zu "wankelmütig" empfunden, was ihre Gefühle und Einstellungen betrifft, z.B. gerade in Bezug auf ihren Vater. Sie lässt sich ihre Emotionen, die ich sehr echt und nachvollziehbar fand, immer gleich auf 2, 3 Zeilen wieder ausreden und das fand ich schade. Hier hätte ich mir Faith als Trägerin der Geschichte etwas charakter- und willensstärker gewünscht.

"Der Lügenbaum" hat den Costa Book Prize gewonnen, durchaus zu Recht, wie ich finde. Es ist eine historische, spannende Abenteuergeschichte um ein Mädchen, das gern für sich und seine Träume einstehen möchte - und ist damit letztlich auch heute noch sehr aktuell.

Vielen Dank an den Verlag Freies Geistesleben!

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