Dienstag, 7. November 2017

"Die Lichter von Paris" - Eleanor Brown

Insel Verlag, 2017
14,95 Euro


Handlung:
Nach außen scheint alles perfekt. Madeleine ist mit einem erfolgreichen Geschäftsmann verheiratet, sie hat ein schönes Zuhause in Chicago und keine finanziellen Sorgen. Dennoch ist sie nicht glücklich: Wie schon ihre Mutter und ihre Großmutter ist sie gefangen in einem Leben, das aus gesellschaftlichen Verpflichtungen besteht; die eigenen Träume
sind auf der Strecke geblieben.
Als Madeleine eines Tages auf dem Dachboden ihres Elternhauses die Tagebücher ihrer Großmutter entdeckt, erfährt sie Unglaubliches: Die strenge, stets auf Etikette bedachte Großmutter Margie war einst eine lebenslustige junge Frau, die der Enge des Elternhauses nach Europa ins wilde Paris der 20er Jahre entfloh, um frei und unabhängig als Schriftstellerin zu leben. Dort verliebte sie sich in einen charismatischen jungen Künstler und verbrachte einen glücklichen Sommer in der Pariser Boheme ...
Von Margies Geschichte ermutigt, fasst sich Madeleine endlich ein Herz, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen …


Meine Meinung:
Hach, ein schönes Schmökerbuch für ein Herbstwochenende... Mir hat "Die Lichter von Paris" von Eleanor Brown wirklich gut gefallen. Auf zwei Erzählebenen taucht man in die Geschichte zweier Frauen (Großmutter Margie und Enkelin Madeleine) ein, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise mit der Erfüllung ihrer Lebensträume zu kämpfen haben. Während Margie in einer für Frauen noch recht schwierigen Zeit aufwächst, wenn es um Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit geht, stehen Madeleine dafür eigentlich alle Türen auf. Zumindest fast, denn was sie zurückhält, sind die Vorstellungen und Erwartungen ihrer Familie, besonders ihrer Mutter und ihres Mannes. Beide möchten Madeleine eigentlich nach ihren eigenen Vorstellungen der "perfekten" Ehefrau und Tochter formen, und Madeleine lässt dies jahrelang auch mit sich machen. Anfangs hatte ich daher so meine Probleme mit der Figur Madeleine, weil sie so passiv ist und alles erduldet, auch wenn es in ihr eigentlich brodelt. Ob es um Termine geht, die ihr aufgezwungen werden; Kleider, die sie tragen soll; Dinge, die sie essen darf - ihr Leben wird von anderen bestimmt, und das hat mich als Leserin richtig unruhig gemacht. Als Madeleine dann zufällig auf die Tagebücher ihrer Großmutter Margie stößt, ändert sich ihre Weltsicht und sie hinterfragt die Dinge, die sie nicht machen will, aber soll. Margie, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts vor ähnlichen Problemen mit den Erwartungen ihrer Familie stand, aber für zumindest eine kurze Zeit diesen Vorstellungen für ein wunderbares Abenteuer nach Paris entkommen konnte.
Ich habe die Geschichte beider Frauen sehr gern gelesen, weitestgehend empfand ich sie auch als nachvollziehbar und echt. Leider haben mir dennoch ein paar erklärende Punkte gefehlt, die vor allem Margies Leben und Wandlung betreffen. Zuviel verraten möchte ich nicht, aber Margie macht eine Veränderung durch, die für mich anhand der beschriebenen Punkte nicht ganz nachvollziehbar war. Auch Madeleine macht eine Veränderung durch, die ich ihr jedoch gönne und um die ich froh bin - denn vorher war sie in meinen Augen zu passiv, zu leblos, zu wenig Madeleine.
"Die Lichter von Paris" ist eine schöne Leseempfehlung für alle, die diese gelegentliche Unsicherheit in eigenen Lebensentscheidungen kennen, die sich gern mal lenken lassen, sich aber zugleich fragen, ob es nicht noch viel mehr gibt: mehr zu entdecken und mehr zu leben. Ein Buch mit einer schönen Botschaft, die einen zum Nachdenken bringen kann.

Donnerstag, 2. November 2017

"Ein Mann der Tat" - Richard Russo

Dumont Buchverlag, 2017
26,00 Euro



Handlung:

Eigentlich sollte das Memorial-Day-Wochende für alle Bewohner von North Bath eine Zeit der Ruhe und Besinnung sein. Aber in diesem Jahr ist es, als hätte jemand ungebeten die Büchse der Pandora geöffnet. Chief Raymer, der Leiter der Polizeidirektion, kollabiert auf einer Beerdigung, fällt ins offene Grab und verliert dabei das einzige Beweisstück dafür, dass seine Frau ihn betrogen hat. Die Wand eines Gebäudes, das der impotente Bauunternehmer Carl errichtet hat, stürzt ein. Sein ehemaliger Kontrahent Sully hat alle Hände voll damit zu tun, eine schwere Krankheit vor den Menschen, die er liebt, zu verheimlichen. Und zu allem Übel ist auch noch eine illegal gehaltene Giftschlange entwichen und irgendwo in den Straßen der Kleinstadt an der Ostküste unterwegs.
Chief Raymer, dem es eigentlich am liebsten ist, wenn die Dinge so bleiben, wie sie immer waren, wird aktiv: Er schreitet zur Tat, um wieder Ordnung in das verheerende Chaos zu bringen. Und um dem Mann auf die Schliche zu kommen, der ihn gehörnt hat. Aber auch die anderen Bewohner der Stadt müssen an diesem Wochenende Farbe bekennen und von ihren gewohnten Mustern abweichen ...



Meine Meinung:
Müsste ich "Ein Mann der Tat" in nur einem Wort zusammenfassen, dann wäre es wohl tatsächlich "langatmig". Glücklicherweise habe ich viel mehr Worte zur Verfügung, um dieses doch eher negativ angehauchte "langatmig" zu entkräften und in eine andere Perspektive zu rücken. Um zu erklären, wie ich das meine. Denn die Geschichte ist langatmig, ja doch, das finde ich durchaus. Ich habe eine ganze Weile für das komplette Buch gebraucht, habe auch mittendrin immer wieder Pausen gemacht, es mal mehrere Tage komplett weggelegt, in der Zwischenzeit ein anderes Buch gelesen. Aber - ich bin immer wieder zu "Ein Mann der Tat" zurückgekommen. Und das ist nicht so selbstverständlich bei langatmigen Büchern, wenn ich noch zig andere ungelesene Bücher daneben liegen habe.
Warum also? Warum habe ich es schließlich doch zu Ende gelesen? Das liegt an einer Mischung aus tollen Einfällen, einem unvergleichlichen Sprachstil und der Liebe zu seinen Figuren, die Richard Russo hier wohl ohne Probleme fast 700 Seiten hat füllen lassen. Ich habe selten eine solche detailverliebte Schilderung von Figurenkonstellationen, Personen und deren Eigenheiten gelesen. Richard Russo lässt jedem, aber wirklich jedem seiner Darsteller in seinem Buch Platz und Raum und Zeit, zum Sich-Entfalten, zum Sich-Entwickeln, einfach zum Sich-Äußern. Als Leser bekommt man so genaue Einblicke in deren Leben mit ihren Vorgeschichten, mit all den Schwierigkeiten, Freuden, Höhepunkten und Niederschlägen, um die es aktuell geht. Das hat mich sehr beeindruckt, muss ich sagen. Es ist ungewöhnlich, und es dauert nun mal seine Zeit, bis man sich da durch die Kapitel gelesen hat (Stichwort: langatmig). Aber ich habe nicht eine einzige Seite bereut, sondern vielmehr genossen.
Mittendrin findet man immer mal ganz tolle Sätze, die man erstmal nachschwingen lassen muss; so eine kleine Weisheits-Perle mitten in einem langen Absatz. Toll! Die Story an sich ist gar nicht mal so umfangreich, zusammengefasst passt sie wohl auf eine Seite. Und vor allem ist "Ein Mann der Tat" eine Art Fortsetzung um die Geschehnisse im Örtchen North Bath, um das es bereits in "Ein grundzufriedener Mann" (ebenfalls Dumont Verlag) ging. Das wusste ich vorher nicht, ich kenne auch dieses Vorgänger-Buch nicht, aber "Ein Mann der Tat" kann man problemlos ohne Vorwissen lesen und verstehen. Und das würde ich hiermit auch allen, die sprachlich begeisternde, einen ganzen Ort und seine Bewohner umfassende Romane mögen und dabei ein bisschen Zeit und Ausdauer beim Lesen mitbringen, sehr empfehlen.

Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Buchverlag!

Dienstag, 31. Oktober 2017

"Selbstzerstörungsaktivierung" - Daniela Rohr

Kindle Edition, 2017
ebook: 2,00 Euro

(als Taschenbuch: 5,00 Euro)

-> Teil 4 aus der Reihe "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All"

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Handlung:
Kein Sprit, kein Kaffee und keine Rettung in Sicht. Auf halber Strecke zum nächsten Ziel geht der Titanicus der Saft aus und die provisorische Crew – bestehend aus Kiki, Max und Pieh – muss improvisieren, um nicht wochenlang durchs All zu driften. Ein abenteuerlicher Plan zur Selbsthilfe ist schnell gefasst. Alles, was es dazu braucht, sind eine selbstmörderische Außenmission und die Bereitschaft, reihenweise Gesetze zu brechen. Ein bisschen Sachverstand, Erfahrung und Besonnenheit wären mindestens genauso wichtig, doch Kiki und ihre Gefährten müssen sich wohl einfach auf ihr Glück verlassen.


Meine Meinung:
Kiki ist wieder da - allerdings nicht wirklich in Hochstimmung, denn ihr Kaffeevorrat ist leider schon vor diversen Kapiteln ausgegangen und das wirkt sich alles andere als positiv auf ihre Stimmung und ihre Reizbarkeit aus. 
Teil 4 von "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All" ist also erschienen. Ich muss gestehen, mir war die Pause zwischen Teil 3 und 4 ein bisschen zu lang, ich hatte schlicht und einfach nicht mehr genau auf dem Schirm, was zuletzt so passiert ist. Bei Kiki und ihrer weltraumabenteuerlichen Reise passiert ja aber eine ganze Menge, daher kam mir die Kurzzusammenfassung am Anfang von Teil 4 sehr gelegen. Auch Teil 4 hat mich wieder durch den Wortwitz, die kurzweiligen Kapitel-Episoden und vor allem die Aneinanderreihung von irrwitzigen Ideen und Einfällen überzeugt. Zu Beginn dieser "Buchreihe" habe ich ein bisschen daran gezweifelt, ob Daniela Rohr wirklich genügend Material und Inhalte findet, um damit 11 geplante Episoden (!!) zu füllen, aber mittlerweile mache ich mir da keine Sorgen mehr. Jede Episode ist wie eine Folge einer kleinen Soap Opera im Weltall, herrlich durchgeknallt und nicht ganz so ernst zu nehmen - dennoch aber beeindruckend, weil Daniela mit einer Leichtigkeit abstruse Science-Fiction Einfälle mit physikalischen Elementen und teils derbem Wortwitz verpackt - und am Ende klingt das alles wunderbar logisch und durchaus so, dass man es mit einem Kopfnicken hinnimmt! Wenn Kiki mal eben die Technik und Elektronik checkt und sich dann ins Shuttle schwingt - ja, genau so muss das sein! Und genügend Herzschmerz und Missverständnisse und Irrungen und Wirrungen wie in einer TV-Soap gibt´s auch allemal. Teil 4 hat mir auch inhaltlich ziemlich gut gefallen, weil hier ein Problem im Vordergrund steht, das Kiki, Max und Pieh zumindest halbprofessionell angehen, um sich zu retten. Ein Kompliment an dieser Stelle übrigens mal an die Namensgebung der Figuren, die haut mich manchmal echt weg. Ich schätze, auch wenn er im Buch leider kein echter Held ist, den Namen Krass Pauer werde ich eine Weile gedanklich in Ehren halten, einfach, weil er so echt daherkommt ;)

Ich freue mich auf die Fortsetzungen!


Dankeschön an Daniela für die neue Episode rund um Kiki!

Sonntag, 22. Oktober 2017

"Das Wunderreich von Nirgendwo" - Ross Mackenzie

Verlag Freies Geistesleben, 2017
19,00 Euro



Handlung:
Das Wunderreich von Nirgendwo kann jederzeit in jeglicher Stadt auftauchen. Das Labyrinth seiner Räume enthält unglaublich viele Sensationen. Doch am Eingang muss man einen Preis zahlen, ohne es zu wissen. Als Daniel auf seiner Flucht in das geheimnisvolle Geschäft in Glasgow hineinstolpert, öffnet sich für ihn die Tür zu einer Welt voll atemberaubender Magie und lauernder Gefahr.


Meine Meinung:
Irgendwo habe ich gelesen, dass dieses Buch mit "Harry Potter" verglichen und zugleich mit diesem Vergleich beworben wird. Nun ja, seien wir ehrlich: ein neuer Harry Potter ist Daniel Holmes nicht. Und die Geschichte um ihn herum hat auch nicht das Zeug zu einer Buchreihe, wie sie um Harry herum geschaffen wurde. Als Leser kommt man jedoch nicht drumherum, einige Parallelen zwischen Daniel und Harry zu erkennen, die sicher auch so gewollt waren. Zudem fielen mir einige Szenen, Figurenbeschreibungen oder Motive auf, die mich an andere Bücher erinnert haben, eben "Harry Potter" oder auch "Die unendliche Geschichte". Diese offensichtlichen Ähnlichkeiten fand ich ein bisschen schade.
Aber "Das Wunderreich von Nirgendwo" hat mir dennoch ganz gut gefallen. Das fängt schon bei der äußeren Gestaltung des Buches und dann bei den Illustrationen im Buch an. Die sind wirklich ein Hingucker und führen dazu, dass man auf dem Ladentisch wohl erstmal interessiert zum Buch greift, um zu lesen, was einen erwartet. Und das, was man dann als Leser erleben darf, bietet Kindern und Jugendlichen sicher einige Stunden gute Leseunterhaltung. Viele Themen werden angesprochen, in denen man sich wiederfinden kann, von Freundschaft über nicht gelebte Träume und Ängste bis zum gefühlten Anderssein als andere. Dabei verliert sich der Autor nicht so sehr in Beschreibungen oder Ausführungen von Gefühlswelten, sondern verlegt sich eher auf das Vorantreiben der Handlung. Es geht um Wunder, es geht um Magie. Wie ergeht es Daniel, der plötzlich von einem Niemand zu jemand Besonderem wird, der die Fähigkeit besitzt, Wunder zu erschaffen? Wie kann er mit dieser Verantwortung umgehen? Und was führt eigentlich der undurchsichtige Vindictus Sharpe im Schilde? Einen kleinen Applaus übrigens für die Namensgebung im Buch, manche Namen haben mir außerordentlich gut gefallen! Auch die geschaffenen Wunder, die im Buch vorgestellt werden, fand ich toll; solche würde ich gern selbst einmal ansehen und erleben.
Und obwohl ich manche Punkte der Handlung insgesamt leider ein bisschen vorhersehbar fand, hat mir der Weg zur Auflösung am Ende dennoch sehr gut gefallen, als Daniel und seine Wunderkraft gefragt sind.
Zusammenfassend ist "Das Wunderreich von Nirgendwo" schöne kurzweilige Literatur für eher jüngere Leser, empfehlenswert für alle, die gern träumen, wie gern selbst mal ein Wunder erleben und sich in fremde Welten entführen lassen wollen.


Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

Sonntag, 15. Oktober 2017

"Die Melodie meines Lebens" - Antoine Laurain

Atlantik Verlag, 2017
20,00 Euro


Handlung:
Ein Brief, der mit 33 Jahren Verspätung sein Ziel erreicht, stellt Alains ruhiges Leben auf den Kopf. Er ist Arzt und hat die fünfzig überschritten, seine Frau betrügt ihn, die Kinder sind längst aus dem Haus – trotzdem ist er eigentlich ganz zufrieden. Doch eines Morgens liegt in der Post ein Plattenvertrag für Alains Band The Hologrammes – von 1983. Alain wird zurückgeworfen in eine Zeit, als er und seine Band um ein Haar berühmt geworden wären, als noch alles möglich schien. Er macht sich auf die Suche nach den anderen Bandmitgliedern – und findet einen erfolgreichen, aber verbitterten Künstler, dessen Freundin Alain ein vieldeutiges Lächeln schenkt, einen Präsidentschaftskandidaten und einen populistischen Politiker. Nur die Sängerin, die schöne Bérangère, in die Alain heimlich verliebt war, scheint zunächst verschwunden …


Meine Meinung:
"Die Melodie meines Lebens" ist das erste Buch, das ich von Antoine Laurain lese, und wenn dieses exemplarisch steht für den Schreibstil, den Aufbau seiner Geschichten und der Art, wie Figuren dargestellt werden, dann - befürchte ich - wird es auch zugleich das letzte sein, das ich von ihm gelesen habe. Denn irgendwie ist der Funke, den so viele Leser beim Lesen seiner Bücher anpreisen, bei mir nicht übergesprungen. 
Ich fand die Geschichte zu großen Teilen langweilig, kaum spannend, kaum überzeugend. Es fängt schon damit an, dass sich Herr Laurain scheinbar nicht entscheiden konnte, wen er denn zu seiner Hauptfigur der Geschichte kürt. Eigentlich soll es wohl Alain sein, der eines Tages einen Brief mit großer Verspätung erhält, einen Brief, der damals sein Leben hätte verändern können. Zugleich läuft jedoch sein ehemaliger Bandkollege "JBM" - neuer bescheidener Präsidentschaftskandidat Frankreichs - Alain den Rang als Plotträger ab, denn er ist nicht nur weitaus interessanter als Alain, sondern auch viel präsenter. Vielleicht hat Herr Laurain selbst während des Schreibprozesses bemerkt, dass JBM mehr hergibt als Alain, denn in meinen Augen spricht er JBM den weitaus größeren Rahmen in seinem Buch zu. Sympathisch ist - mal so nebenbei - jedoch keine von den dargestellten Figuren.
Dazu kommt ein Hin und Her der Erzählebenen. So viele (Neben-)Figuren bekommen ein eigenes Kapitel und dürfen etwas über ihre Vergangenheit erzählen. Das an sich hat mich nicht gestört, das war eigentlich ein interessanter Einfall. Aber die Wortmeldungen sind mitunter so banal, so wenig zielführend für die Geschichte, dass ich mich mehrfach gefragt habe, was mir als Leser diese 5 Seiten jetzt bringen sollten. Keine der Figuren wird einem dadurch nahe gebracht. Und mir haben die Emotionen, die Beschreibungen, das "Persönliche" im Buch gefehlt. Es ist ein Abriss von Geschehnissen, die passiert wären oder auch nicht, völlig egal, ob es jenen besagten Brief gegeben hätte, den Alain mit so viel Verspätung erhält. Der Brief und die Geschichte der Band "Hologrammes", die Alain und Co. in den 80ern gegründet haben, ist völlig nebensächlich für alles, was im Buch geschieht. Und da fühlte ich mich als Leser ein bisschen veralbert...


Mittwoch, 13. September 2017

"Der Lügenbaum" - Frances Hardinge

Verlag Freies Geistesleben, 2017
22,00 Euro

HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)


Handlung:
Ihr Vater, der Reverend Sunderly soll ein Betrüger und Schwindler sein? Das kann Faith nicht glauben, die ihn verehrt und die gleiche naturwissenschaftliche Neugier hat wie er. Doch seitdem die Familie fluchtartig Kent verlassen hat und auf diese Insel gekommen ist, wo ihr Vater an einer Grabung teilnehmen will, ereignet sich ein dubioser Unfall nach dem anderen bis – ihr Vater tot aufgefunden wird. Mord! Faith wird es beweisen und gräbt sich in die Unterlagen ihres Vaters, um eine unheimliche Entdeckung zu machen …
Es geht um Fossilien und Fälschung, Glauben und Wissenschaft und – Mord. Mittendrin steht die 14-jährige Faith, die das Unheimliche auf klären und als Mädchen forschen will.

Meine Meinung:
"Der Lügenbaum" - ich muss es so sagen - ist eines jener Bücher, die mich zuerst sprachlos sitzen lassen und dann schließlich auch ein bisschen befremden, weil sie mir vor Augen führen, wie anders Frauen vor gut 150 Jahren noch gelebt haben. Leben mussten. Welche Rolle eine Frau zu spielen hatte, welchen Status sie inne hatte - oder eben auch nicht. Wie unfassbar eintönig das Leben einer Frau von damals gewesen sein muss, weil sie nichts durfte, nichts entscheiden konnte, gewissermaßen nur das lästige Anhängsel ihres Ehemannes war.
Ein solches Bild wird im Buch "Der Lügenbaum" gezeichnet, durchaus realistisch, wie ich denke. Das Widerspenstige in mir erwacht beim Lesen solcher Beschreibungen; am liebsten würde ich ins Buch greifen und die Heldin Faith schütteln, ihr sagen "Lass dir das nicht gefallen, lass das nicht mit dir machen." Aber geht nun mal nicht. Und es hätte ja auch damals nicht anders funktioniert, was schlecht für alle großdenkenden und neugierigen Frauen der damaligen Zeit war.
Denn Faith ist neugierig und hat eigentlich große Träume und Pläne. Sie möchte Forscherin und Naturwissenschaftlerin werden, in die Fußstapfen ihres Vaters treten, einem angesehenen Mann der Wissenschaft. Dieser macht ihr jedoch auch unmissverständlich klar, dass sie ihm lästig ist, als Mädchen nicht zum Nachfolger taugt und ihnen finanziell nur auf der Tasche liegt. Harter Tobak und im Buch eindeutig der Moment, in dem ich den Vater noch weniger leiden konnte als ohnehin schon. Faith gerät dennoch in einen Strudel aus Geheimnissen und Gerüchten um ihren Vater und dessen Arbeiten mit merkwürdigen Fossilien. Als ihr Vater auf recht mysteriöse Art und Weise stirbt, will sie die Wahrheit herausfinden.
Mir hat "Der Lügenbaum" an sich sehr gut gefallen, trotz kleiner Startschwierigkeiten. Der Anfang hat sich für mich ein wenig gezogen, da zunächst auch überhaupt nicht klar wird, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird. Erst auf Seite 180 etwa lüftet Faith das Geheimnis des titelgebenden Lügenbaums und dann nimmt die Geschichte auch richtig an Fahrt auf. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, die Geschichte ist allemal lesenswert, nicht zuletzt, weil sie nun mal so ein realistisches und wahres Bild der damaligen Gesellschaft zeichnet. Leider habe ich Faith an manchen Stellen als zu "wankelmütig" empfunden, was ihre Gefühle und Einstellungen betrifft, z.B. gerade in Bezug auf ihren Vater. Sie lässt sich ihre Emotionen, die ich sehr echt und nachvollziehbar fand, immer gleich auf 2, 3 Zeilen wieder ausreden und das fand ich schade. Hier hätte ich mir Faith als Trägerin der Geschichte etwas charakter- und willensstärker gewünscht.

"Der Lügenbaum" hat den Costa Book Prize gewonnen, durchaus zu Recht, wie ich finde. Es ist eine historische, spannende Abenteuergeschichte um ein Mädchen, das gern für sich und seine Träume einstehen möchte - und ist damit letztlich auch heute noch sehr aktuell.

Vielen Dank an den Verlag Freies Geistesleben!

Mittwoch, 30. August 2017

Ein August-Rückblick, der sich eigentlich gar nicht lohnt...

Aber ich wollte mich trotzdem gern mal wieder melden ;)
Ja, denn den August kann ich als Lese-Monat aktuell ziemlich vergessen. Ich habe ganze drei Bücher gelesen und das auch nur, weil ich die letzten beiden Tage krank zuhause war und dadurch "Der Lügenbaum" beenden und "Aquila" am Stück verschlingen konnte. Sonst sähe es echt mau aus diesen Monat. 

Gelesen im August: 
Abir Mukherjee "Ein angesehener Mann" (Rezension)
Frances Hardinge "Der Lügenbaum" (Rezension folgt)
Ursula Poznanski "Aquila"

Irgendwie war der Monat gar nicht so vollgepackt mit anderen Sachen und Terminen, aber zum Lesen bin ich dennoch nicht gekommen. Ich habe zwei Faktoren ausgemacht, die Schuld daran sind, dass mein Leseverhalten diesen Monat so kläglich untergegangen ist:

1. Meine Doktorarbeit. Der habe ich in den letzten Wochen tatsächlich doch mal ein bisschen mehr Zeit gewidmet. Zwar längst nicht genug und mein schlechtes Gewissen, weil ich schon längst weiter sein wollte (und sollte), wächst gerade ins Unermessliche. Aber immerhin bin ich einen kleinen Schritt weitergekommen. (Immer schön das Positive formulieren!)

2. Ich habe mir eine Playstation 4 gekauft und das ... nun ja, das war dann wohl wirklich das Einläuten des Endes des Lesezeit. Noch dazu, wenn man die Weiten und Möglichkeiten dieser Spielekonsole und der ganzen Games-Technik mit einem Spiel wie "Uncharted 4" beginnt - ein Spiel, das mich bereits nach 5 Minuten süchtig gemacht hatte und mich bei jeder neuen Szene schlucken und die Augen aufreißen lässt. Vielleicht sollte ich erklären, dass mein Bruder und ich früher eine Playstation 2 hatten, und ich daher einfach ... ähm, noch andere Standards gewöhnt war, was realistische Animationen und Spielemöglichkeiten betrifft. Ist halt doch schon etwas her. Nun hab ich "Uncharted 4" fast durch, bin nicht zuletzt auch von Nathan Drake, dem Helden des Spiels, völlig hin und weg. (Ziemlich attraktiv animiert oder wie auch immer man das korrekt nennt, muss ich mal sagen...) Die drei Vorgänger der "Uncharted"-Reihe habe ich mir zwischenzeitlich auch geholt, aber wann ich mir für die mal guten Gewissens Zeit nehmen kann, puhhhhh....

Ich hoffe, der September wird besser, was das Lesen betrifft. In den letzten Tagen habe ich so viele tolle Bücher bekommen, teilweise vorbestellt, teilweise aus der Laune heraus bestellt, teilweise kurzentschlossen im Buchladen mitgenommen. Jetzt bräuchte ich nur einige freie Tage (und Nathan Drake-freie Tage), dann könnte ich mich mal wieder richtig in ein paar Geschichten fallen lassen. Außerdem!!! erscheint in wenigen Tagen der neue und zugleich letzte Teil der "Lockwood & Co."-Reihe, was mich einerseits vor Freude springen lässt, andererseits wehmütig macht, weil es nun mal das letzte Buch dieser großartigen Reihe ist. Ich bin sowas von gespannt! :D

Sonntag, 6. August 2017

"Ein angesehener Mann" - Abir Mukherjee

Heyne Verlag, 2017
9,99 Euro

Handlung:

Kalkutta 1919 – die Luft steht in den Straßen einer Stadt, die im Chaos der Kolonialisierung zu versinken droht. Die Bevölkerung ist zerrissen zwischen alten Traditionen und der neuen Ordnung der britischen Besatzung.

Aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, findet sich Captain Sam Wyndham als Ermittler in diesem Moloch aus tropischer Hitze, Schlamm und bröckelnden Kolonialbauten wieder. Doch er hat kaum Gelegenheit, sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Denn ein Mordfall hält die ganze Stadt in Atem. Seine Nachforschungen führen ihn in die opiumgetränkte Unterwelt Kalkuttas – und immer wieder an den Rand des Gesetzes.



Meine Meinung:
"Ein angesehener Mann" ist ein perfekter Roman für lange Lesestunden, für all jene, die sich für die indische Geschichte interessieren, mit Fokus auf die Kolonialzeit Anfang des 20. Jahrhunderts. 1919 wird in Kalkutta ein wichtiger Verwaltungsbeamter ermordet und der englische Polizist Sam Wyndham soll diesen Fall lösen. 
Als Leser begleitet man Wyndham nicht nur bei der Spurensuche und den Ermittlungen, sondern bekommt auch vielfältige Einblicke in die indische Kultur, in das Leben zur damaligen Zeit unter britischer Herrschaft, in Land und Leute. Und das hat mir an sich sehr gut gefallen, denn ich weiß wenig über Indien, muss ich gestehen. Gerade historische Fakten sind mir da nicht geläufig und so hat mir diese Geschichte auch jede Menge Informationen geliefert über die Standesunterschiede, über Rechte und Missstände in der Bevölkerung. Und noch dazu auf eine sehr interessante und auch unterhaltsame Art und Weise geliefert, denn Abir Mukherjee kann wirklich sehr gut schreiben. Er schafft es, die Hitze, die Farben, die Gerüche, ja, die ganze indische Vielfalt Gestalt annehmen zu lassen in seinen Beschreibungen. Er verliert sich manchmal ganze Abschnitte lang in Beschreibungen, die aber so treffend und gut gelungen sind, dass sie einem Film über das Geschehen in nichts nachstehen würden. Während mich dieser Sprachstil einerseits sehr begeistert hat, ist er für mich zugleich so ziemlich der einzige Kritikpunkt der Geschichte: mir wurde das Buch an mancher Stelle leider ein wenig zu langatmig. Das Buch hat über 500 Seiten und für mein Empfinden hätte es gut 150 Seiten kürzer sein können. Manchmal hat mich diese Sprachgewalt, dieser Erzählreichtum ein wenig erdrückt und gelähmt beim Lesen. Hier und da habe ich eine Seite überblättert, und bin dennoch immer wieder gut in die Geschichte hinein gekommen.
Fazit: Eine spannende Geschichte über Spurensuche und Ermittlungsarbeit im Kalkutta 1919, mit einem sympathischen und vor allem "echten" Ermittler, über den man durchaus mehr lesen wollen würde - und auch kann, denn soweit ich mitbekommen habe, wird es eine Reihe um Sam Wyndham geben. Er und sein Sergeant Banerjee sind definitiv lesenswert. Letztlich ist mir die Fülle der Geschichte und der Beschreibungen jedoch einen Tick zu langatmig geworden.


Freitag, 4. August 2017

Blitzlicht #3: Man sieht sich immer zweimal im Leben

So ein abgedroschener Spruch. Dachte ich immer. Und dann steht da plötzlich eine Person vor einem, von der man dachte (und befürchtete), man würde sie nie wieder sehen. 
So ging´s mir diese Woche. Da war plötzlich wieder jemand da, den ich von früher (er)kannte und der einiges bei mir ausgelöst hat. Damals und heute, beziehungsweise als ich neulich merkte "Oha, den kennst du." Und auch jetzt beschäftigt mich dieses unerwartete Wieder-Aufeinandertreffen immer noch. Ich will hier gar nicht ins Detail verfallen, denn die Vorgeschichte dazu aufzuschreiben, würde ewig dauern und hat mich ohnehin schon so viele Minuten und Stunden meines Lebens beschäftigt. Aber weil es eben eine Person ist, die mir irgendwann nicht mehr ganz egal war, sitzen die Gedanken an damals (und eben plötzlich auch an heute) doch noch tief irgendwo da oben im Gehirn drin. Diese Gedanken beinhalten viele Warum´s und vor allem Warum-nicht´s und wenn und aber und hach´s. So ist das halt manchmal. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennen lernt und wer einem im Kopf bleibt. Und da selbst nach Jahren noch drin ist. 
So gesehen waren die letzten Tage für mich ein ziemliches emotionales Auf und Ab, und mit einem fetten "Ab" endete genau diese unerwartete Begegnung heute leider auch. Ich kam mir kurz vor wie Hugh Grant in "Tatsächlich Liebe"...



Ja, doch, ungefähr so. Wie blöde.

Warum ist das so? Dass man manchmal gedanklich so an alten Sachen festhält und drin hängt? Manche Menschen können sowas ja sehr gut, sich selbst gedanklich aufräumen und sich von Dingen lossagen, die sie nicht mehr im Kopf haben wollen. So Meditations-mäßig. Ich kann sowas nicht. 
Manchmal will ich es aber - zugegeben - auch gar nicht. Manchmal mag ich es, Erinnerungen an Dinge zu haben, die mir auch nicht so schöne Zeiten beschert haben in meinem Leben. Erinnerungen an Dinge, die ja schließlich auch zu meinem Leben dazu gehören. Und die - so war es zumindest in Bezug auf die genannte Person - ja irgendwie auch mit so vielen guten Momenten verknüpft sind, rückblickend. Und die es mir dann eben beispielsweise ermöglichen, diesen Spruch "Man sieht sich immer zweimal im Leben" wahr werden zu lassen. Auch, wenn ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte.

Ich hab Gedankenknoten und - wirrwarr im Kopf, das merkt man vielleicht auch. Warum ich das hier eigentlich geschrieben habe? Keine Ahnung. Das wollte irgendwie gerade eben mal raus. Beim nächsten Mal schreib ich wieder was Buch-bezogenes, versprochen.


Montag, 10. Juli 2017

Blitzlicht #2: Von keiner Zeit, keiner Lust, Facebook und Clueso

Huhu! Mich gibt es dann tatsächlich doch noch, auch wenn der Blog hier seit Wochen anderes vermuten lässt. Ich sag´s ganz ehrlich: ich hab einfach ÜBERHAUPT keine Lust, übermäßig viel Zeit am Laptop oder auch Handy zu verbringen und hier was zu schreiben. Bloggen. Bei mir ist da gerade die Luft raus, aber ich kann mich dennoch nicht dazu durchringen, das Ganze hier aufzugeben. Ich lese, ja. Und ich denk mir nach dem Zuklappen auch häufig, dass ich dieses oder jenes dazu loswerden will oder könnte. Aber mich dann an eine Rezension zu setzen? Da schreien alle Motivations-Lichter und - Glöckchen in meinem Kopf "Ach nö! Bloß nicht!" Und dann bleibt es halt. Vielleicht führe ich eine neue Form der Rezension ein: nach jedem Buch nur einen Satz zu dem Buch zu schreiben. Mal sehen, ob ich das durchsetzen kann ;)

Ich habe mich eben mal bei Facebook rauf- und runtergescrollt - etwas, was mich mittlerweile fast immer unglaublich nervt, weil so viele so viel Müll posten und liken und teilen, pfff. Daher auch etwas, was ich eigentlich nur noch selten tue. Außerdem ist das so ein Zeitphänomen-Ding: wenn man sich echt mal hinreißen lässt und sich da so durchscrollt und dann beim nächsten Mal aufschaut und auf die Uhr sieht, sind für gewöhnlich gleich mehrere Minuten vergangen. Und irgendwie ist mir das zu schade um meine Zeit. Tja, aber wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen?... Ach ja, Facebook hat mir mitgeteilt, dass ich mein Profil seit 58 Wochen nicht mehr aktualisiert habe, sprich: nix gepostet habe. Das spricht wohl auch schon für sich. (Oder gegen Facebook?) Irgendwie ist es mir trotzdem völlig egal und dass ich da überhaupt daran erinnert werde, find ich auch gerade total schräg. Ich meine, ich bin doch nicht dazu verpflichtet. Und jetzt erinnert mich irgendetwas virtuelles daran, als gäbe es eine Mindestanzahl an Posts, die man im Jahr abarbeiten muss. Und ich hab mein Soll nicht erreicht. Facebook, ich mag dich irgendwie nicht...

Ich hätt jetzt aber auch nichts, was ich groß bei Facebook posten könnte. Bei mir steht nicht mal ein Urlaub ins Haus (verdammich!). Ich glaube, als ich das letzte Mal dieses Blitzlicht-Dingens hier geschrieben habe, war das noch vor dem Beginn meines neues Jobs (also schon ne Weile her). Denn neu ist der Job jetzt schon gar nicht mehr, sondern schon über 3 Monate alt und meine Probezeit ist damit auch schon fast wieder gegessen. Tatsächlich (falls das hier irgendjemanden interessiert) mach ich den Job gern und find ihn total interessant. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben, das Team ist toll und ich bedauere jetzt schon, dass es nur ein Job für 1 Jahr als Elternzeitvertretung ist. Schade. Das heißt für mich, dass die große Jobsucherei schon bald wieder aufs Neue losgehen kann - etwas, was ich in den letzten Jahren definitiv zu häufig machen musste. Immer nur Jobverträge für eine umschriebene Zeit, mal Drittmittel-finanziert, mal nur befristet für 1 Jahr; ich kenne mich damit leider schon viel zu sehr aus...

Der Job hat den (nicht) netten Nebeneffekt, dass ich nachmittags ein bisschen mehr Zeit habe, was ich (mein Schweinehund lässt grüßen) eigentlich für meine Doktorarbeit nutzen könnte (wenn ich denn wollte.) (Meistens will ich nicht.) Auch so eine Sache wie der Blog hier: Das Ganze läuft und funktioniert nun mal leider nur mit Zeit, Motivation und Enthusiasmus. Und wenn das eine (nämlich die Zeit) da ist, fehlt für gewöhnlich das zweite, nämlich die Motivation. Das dritte wurde übrigens schon eine ganze Weile nicht mehr bei mir gesichtet. :o 
Naja. Guter Vorsatz im Hinterkopf halt. 

Übrigens, mal was musikalisches an dieser Stelle. Zur Zeit und in naher Zukunft bringen erfreulich viele Leute und Bands, die ich mag, neue Alben raus und kündigen Touren an. Yippie! Nachdem ich schon so manche Konzerttermine in diesem Jahr abblasen und auslassen musste, weil die doofe Vernunft über den Spaß gesiegt hat, hoffe ich, dass sich in den nächsten Monaten nochmal ein paar neue Chancen auftun. Tickets für den Herrn Sheeran nächstes Jahr zumindest hab ich schon mal sicher. Und: Eigentlich bin ich bisher kein großer Clueso-Fan gewesen. Zumindest hab ich ihn nicht so gehört. Kannte eigentlich auch nicht viel von ihm. Aber mit seinem aktuellen Lied spricht er mir so aus der Seele, dass ich nicht anders kann, als ihm anerkennend zuzunicken und sein Liedchen ganz laut aufzudrehen. Könnt ihr ja auch machen: ;)




Schöne Woche!

Montag, 19. Juni 2017

"Caraval" - Stephanie Garber

ivi Verlag, 2017
14,99 Euro


Handlung:
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...


Meine Meinung:
Es ist jetzt schon ein paar Tage her, dass ich "Caraval" gelesen habe und ich muss sagen, dass ich mittlerweile echte Probleme habe, mich an die Figuren, deren Namen und große Teile der Handlung zu erinnern. Das spricht wohl eher dafür, dass "Caraval" gar nicht so sehr viel Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Wobei das so gar nicht unbedingt stimmt. Ich hab es gern gelesen, es hat Spaß gemacht, in die Geschichte von "Caraval" einzutauchen, aber irgendwie ist es mir nicht im Kopf geblieben. Das mag daran liegen, dass ich die Figuren einfach nicht eindrucksvoll genug fand. Gerade Scarlett war mich völlig farblos und ohne eigenen Willen und Charakter. Sie läuft die ganze Zeit nur anderen hinterher und wirkt unendlich hilflos und abhängig. Das fand ich echt schade, zumal es auch nicht besser wird, selbst als sie mit Julian zu tun hat.
Dann hatte ich mir Caraval vielleicht auch einfach anders vorgestellt, bunter, abwechslungsreicher, mehr "zirkus-artig". Und das war es letztlich überhaupt nicht.
Leider blieben für mich hier letztlich aber auch zu viele Fragen und Hintergründe ungeklärt. Zum Beispiel, was das eigentlich für eine Welt ist, in der Scarlett und ihre Schwester leben. Was sind das für Ländernamen, spielt das ganze in der Zukunft? Wo kommt "Caraval" eigentlich her, warum fährt es herum und warum ausgerechnet dieses Jahr nicht? Solche Hintergrundinformationen haben mir hier einfach gefehlt, um ein besseres Gesamtbild zu bekommen. Dann mochte ich zwar das ganze Verwirrspiel, was in Caraval gespielt und gelebt wird - und die Tatsache, dass man auch als Leser nie so ganz weiß, was das jetzt eigentlich soll und was als nächstes kommt. Aber letztlich möchte man ja doch überrascht werden als Leser, und eben nicht nur verwirrt. Ich war am Ende verwirrt, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, manche Dinge und Zusammenhänge am Ende nicht verstanden oder vielleicht überlesen zu haben, und das stört mich.

"Caraval" ist in meinen Augen also eine gute kurzweilige Lektüre, die zumindest für mich jedoch zu viele Fragen ungeklärt lässt und letztlich zu wenig Eindruck hinterlässt.

Sonntag, 11. Juni 2017

"Sommer in Edenbrooke" - Julianne Donaldson

Pendo Verlag, 2017
20,00 Euro


Handlung:
Marianne Daventry würde alles dafür geben, der Langweile in Bath zu entkommen, wo ein lästiger Verehrer immer wieder versucht, sie für sich zu gewinnen. Deswegen zögert sie nicht, als sie eines Tages eine Einladung von ihrer Zwillingsschwester Cecily erhält, sie auf dem großen Landsitz Edenbrooke zu besuchen. Marianne hofft, dort in aller Ruhe entspannen und die schöne Landschaft erkunden zu können, während ihre Schwester damit beschäftigt ist, den attraktiven Erben von Edenbrooke zu umwerben – doch spätestens, als sie dem sehr unfreundlichen, aber sehr gut aussehenden Sir Philip in die Arme läuft, wird Marianne allmählich klar, dass man manche Dinge einfach nicht planen kann. Denn der geheimnisvolle Mann wird nicht nur ihr Herz in Aufruhr versetzen, sondern auch ihr ganzes Leben durcheinanderwirbeln ...




Meine Meinung:
Wer mal Lust hat auf die Zeit von Jane Austen, die Manieren und die Gesellschaft, die damals gängig waren, aber schon alle Bücher von Jane Austen kennt oder keine Lust hat, sie zum x-ten Mal zu lesen, der kann gut und gerne zu "Sommer in Edenbrooke" greifen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Zum einen ist die Hauptfigur Marianne eine echte Sympathieträgerin, mit der man lachen und leiden kann. War halt keine einfache Zeit für Frauen damals. Dennoch schafft sie es, als Charakter willensstark und eigenständig zu wirken, zumindest gedanklich. Nach außen hin hätte ich sie mir gern aktiver und mehr auf sich selbst bedacht gewünscht, sie lässt sich leider manchmal sehr herumschubsen. Aber nochmal: es geht auch um andere Zeiten und die hat die Autorin in meinen Augen sehr gut eingefangen. Nicht nur auf der Figurenebene, sondern auch was Plot und solche Dinge wie Ortsbeschreibungen und Kleidung betrifft. Sehr realitätsnah, wie ich finde.
Natürlich geht hier am Ende alles irgendwie gut aus, und auch wenn man das schon vorher weiß oder zumindest ahnen kann, hat es mir um keine Seite Lesen leid getan. Im Gegenteil: "Sommer in Edenbrooke" ist für Freunde des Genres ein echtes Leseschmankerl.

Mittwoch, 7. Juni 2017

"Hinter dem Café das Meer" - Phillipa Ashley

Dumont Verlag, 2017
10,00 Euro



Handlung:

Türkisblaues Wasser, raue Steilküsten, kilometerlange Sandstrände – der Sommer in St Trenyan/Cornwall hat einiges zu bieten. Leider ist Demi viel zu beschäftigt, um ihn zu genießen. Sie arbeitet als Kellnerin in einem kleinen Strandcafé, um sich und ihren Hund Mitch über die Runden zu bringen. 
Dann verliert sie ihren Job – und trifft Cal. Er hat ein Anwesen in der Nähe einer idyllischen Bucht geerbt. Das alte, baufällige Haus und das vernachlässigte Gelände will er in eine Ferienanlage umwandeln, und er braucht dringend Unterstützung. Auf einmal hat Demi wieder Arbeit. Und während sie gärtnert, Wände verputzt und Dachziegel anbringt, träumt sie von ihrem eigenen kleinen Café. Aber auch ihr neuer Chef beschäftigt sie – obwohl der es ihr nicht gerade leicht macht. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Wenn nur Cals Exfreundin nicht wäre, für die er noch Gefühle zu hegen scheint. Als Cal erkennt, was Demi ihm bedeutet, ist es fast zu spät …




Meine Meinung:
Ich war gar nicht auf der Suche danach und habe es trotzdem gefunden: ein perfektes Sommerbuch. Das ist "Hinter dem Café das Meer"; nicht nur Titel und Aufmachung lassen es vermuten, es steckt wirklich Sommer drin. Und eine schöne Liebesgeschichte obendrein.
Mal ehrlich, Sommerbücher mit Liebesgeschichten findet man ja aber an jeder Ecke. Wenn man will. Warum also auch noch diese hier? Mir hat diese Liebesgeschichte hier vor allem gefallen, weil sie nicht völlig abgehoben und vorhersehbar und von einer Seite auf die andere plötzlich DA ist, so nach dem Motto "Große Liebe, Seelenverwandte, und jetzt erst entdeckt, trallala". Hier entwickelt sich wirklich was. Die beiden Figuren Demi und Cal lernen sich kennen, arbeiten zusammen an einem Projekt, dem Projekt "Öko-Resort", das ich (ich muss es gestehen) anfangs vom Begriff her ein bisschen albern, aber mit zunehmender Beschreibung und Entwicklung im Buch doch richtig nett fand. Würde ich auch Urlaub machen, dort.
Manche Handlungsverläufe vor allem in der zweiten Buchhälfte schrammen ein wenig an der Realität vorbei und hätten in meinen Augen nicht unbedingt sein müssen. Intrigen, Missgunst, kleine Plänkeleien, die fiese Exfreundin, naja, von vielem was dabei, was die Literatur so hergibt.
"Hinter dem Café das Meer" ist dennoch eine schöne kurzweilige Sommerlektüre, mit der man die Seele mal ein bisschen gedanklich baumeln lassen kann. Sympathische Figuren, (ein Hund ist auch dabei!! ;) ), mit Cornwall eine echt schöne nette Ecke als Schauplatz ausgewählt - passt also alles irgendwie und lässt sich deswegen auch so gut weglesen.


Dankeschön an den Dumont Buchverlag!

Samstag, 20. Mai 2017

"Morgen lieb ich dich für immer" - Jennifer L. Armentrout

cbt Verlag, 2017
12,99 Euro


Handlung:
Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich für immer verloren haben. Doch gleich am ersten Tag an der neuen Highschool kreuzt Rider ihren Weg – ein anderer Rider, mit Geheimnissen und einer Freundin. Das Band zwischen Rider und Mallory ist jedoch so stark wie zuvor. Als Riders Leben auf eine Katastrophe zusteuert, muss Mallory alles wagen, um ihre eigene Zukunft und die des Menschen zu retten, den sie am meisten liebt …


Meine Meinung:
"Morgen lieb ich dich für immer" ist das erste Buch, das ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Ihre so berühmte Obsidian-Reihe habe ich mal angefangen, aber schon nach wenigen Kapiteln abgebrochen, weil ich das alles irgendwie zu jugendlich-kitschig fand und mich der Held auch einfach zu sehr an den glitzernden Edward erinnert hat. Nicht mein Fall. Jetzt also dieses Büchlein hier, aber auch hier bin ich leider alles andere als Feuer und Flamme. Oder vielleicht auch einfach schon zu alt, das werfe ich als Argument mal ganz ehrlich in die Runde. Ein paar Jahre weniger, mein Schulbesuch weniger weit weg in zurückliegender Ferne und ich hätte hier vielleicht Gefallen dran gefunden, weil ich manche Sorgen und Nöte eventuell noch besser nachvollziehen könnte.
Aber so bleibt mir eigentlich nur das Fazit, dass die blasse Heldin der Geschichte in eine farblose, sehr vorhersehbare Geschichte gesetzt wurde. Tatsächlich habe ich hier ganze Seiten überblättert, weil mir gelegentlich die Geduld gefehlt hat - und ich habe trotzdem gar nichts von der Handlung verpasst! Ich habe alles mitbekommen, von dem Wiedersehen nach einigen Jahren zwischen Mallory und Rider, den aufkeimenden Gefühlen, Riders verzwickter "sozialer" Lage, dem dramatischen Höhepunkt und natürlich den besorgten Adoptiveltern, dir für Mallory nur das Beste wollen und sie deswegen am liebsten in Watte packen würden. 
Zugegeben, Mallorys Innenleben und ihre Gedanken haben mir gut gefallen, die sind schön und vor allem nachvollziehbar beschrieben, wenn man so eine Vorgeschichte wie sie im Buch erlebt hat. Ich fand auch schön, dass sie eine Wandlung durchläuft und am Ende viel selbstbewusster dasteht. Aber das Drumherum war mir persönlich zu weichgespült und zu absehbar. Man weiß sofort, woran man hier ist, und das fand ich schade. 
Außerdem ist das ganze Buch wie mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben: Geh immer fleißig zur Schule, nur dann kann was aus dir werden. Nimm bloß keine Drogen, die schaden dir nur. Such dir auf jeden Fall Freunde, denn Einzelgänger sein - das geht gar nicht. Halt dich von den bösen Buben fern. Ach ja, und bloß kein Sex ohne Verhütung!
Ist ja alles schön und gut, wichtig sicher auch. Aber irgendwie halt auch langweilig. Zumindest fand ich das dadurch alles so ... hach nö. 
Fazit: Zu dem Buch hätte ich wohl selbst nicht gegriffen, schon allein der Titel hätte mich davon abgehalten. Aber das Buch hat seinen Weg allein zu mir gefunden, und so habe ich ihm eine Chance gegeben. Die Geschichte finde ich für Jugendliche okay, mehr aber eben leider auch nicht.


Mittwoch, 10. Mai 2017

"Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" - Chris Grabenstein

Verlag Freies Geistesleben, 2017
18,90 Euro


Handlung:
Kyle liebt Spiele, mit Büchern hat er es nicht so. Als er aber erfährt, dass der berühmteste Spiele-Erfinder die neue Stadtbibliothek gestaltet hat, will er unbedingt eine Einladung zur Eröffnungsnacht gewinnen, in der zwölf Zwölfjährige in der Bibliothek eingeschlossen werden. Was er nicht weiß: Um den Weg hinaus zu finden, braucht man mehr als nur ein bisschen Glück und Verstand. Nur gut, dass der originelle Mr. Banancello auf Einfallskraft und Kombinationsgabe setzt. Da hat Kyle gar nicht so schlechte Karten.


Meine Meinung:
Du magst Rätsel? Liest auch gern mal zwischen den Zeilen? Dein Traum wäre es, eine Art Schnitzeljagd quer durch eine verrückte und außergewöhnliche Bibliothek zu unternehmen, bei der du Rätsel und Aufgaben erledigen sollst? Eine Bibliothek, die völlig interaktiv ist, mit Hologrammen und alten Filmaufnahmen sowie einem Café dienen kann? Dann wäre das Buch "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" vielleicht etwas für dich. Denn genau das findest du hier: Bücher, Rätsel und beides zusammen in einer Bibliothek. Als Leser darfst du die ganze Zeit miträtseln. 
Ich hab das Buch sehr gern gelesen. Ich gehöre sicher nicht mehr zur unmittelbaren Leser-Zielgruppe, aber für ein Rätsel war ich schon immer zu haben. Und da kommt man hier auf seine Kosten, denn man begleitet das Grüppchen Schüler bei ihrem Versuch, sich den Weg aus der Bibliothek zu "errätseln". Da kommt man selbst unweigerlich ins Überlegen, zieht Schlüsse und stellt Theorien auf, was gemeint sein könnte. Ich habe die Geschichte von Kyle und seinen Mitschülern sehr gern - und vor allem gespannt verfolgt. Der Autor Chris Grabenstein hat es schon drauf, den Leser am Ball zu halten. Die Kapitel sind schön kurz und enden fast immer mit einem kleinen Aha- oder wahlweise Schreck-Moment, sodass man einfach Kapitel für Kapitel weiterlesen möchte. Insgesamt ist "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" ein abwechslungsreiches, ungewöhnliches und spannendes Jugendbuch, das viele Möglichkeiten zum Mit-Überlegen und Mit-Rätseln bietet - und vielleicht genau deswegen ein bisschen aus der Masse der Jugendbücher heraus sticht.


Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

Dienstag, 25. April 2017

"Überall bist du" - Gerhild Stoltenberg

Atlantik Verlag, 2017
20,00 Euro

Handlung:
Wenn Martha geahnt hätte, dass Tom vom einen auf den anderen Tag aus ihrem Leben verschwinden würde, hätte sie ihn nachts geweckt, statt ihn nur anzuschauen. Sie wäre mit Tom nur U-Bahn statt Fahrrad gefahren, dann gäbe es in der Stadt jetzt weniger Orte, die sie mit ihm verbindet. Und sie hätte versucht, viel weniger mit ihm zu erleben, damit die Liste der Dinge, die sie so sehr an ihn erinnern, jetzt nicht so lang ist. Zum Glück gibt es den fünfjährigen Oskar und seine Brüder, die ihr die unausgesprochenen Gesetze des Spielplatzes erklären und mit denen sie unbeschwerte Sommertage im Freibad verbringt. Doch wenn der Liebeskummer so schlimm wird, dass nicht mal Winnie Puuh-Pflaster helfen, weiß selbst der sehr weise Oskar nicht mehr weiter. Martha muss sich eingestehen, dass sie nicht die besten Ideen hat, um über Tom hinwegzukommen, und entscheidet kurzerhand, alles hinter sich zu lassen.


Meine Meinung:
Mir hat "Überall bist du" gefallen. Es fiel mir so leicht, mich gleich auf den ersten Seiten in die Geschichte fallen zu lassen - wahrscheinlich, weil es gar nicht mal so sehr eine Geschichte ist. Sondern wohl eher eine Erzählung über ein Gefühl, das jeder von uns wohl mehr oder weniger schon einmal hatte: Liebeskummer. Sehnsucht. Einsamkeit. 
Diese Gefühle hat Gerhild Stoltenberg in meinen Augen wirklich gut eingefangen, auch wenn bei der Protagonistin Martha der Liebeskummer nach der Trennung nicht unmittelbar, sondern eigentlich erst nach einer ganzen Weile einsetzt. Mir haben die Beschreibungen von ihr gefallen, welche kleinen und großen Dinge, Sätze, Orte usw. sie an ihre ehemalige Liebe Tom erinnern. Tom, der eigentlich gar nicht Tom heißt. Und dass sie das Gefühl hat, soviele Dinge, Sätze, Orte usw. jetzt nicht mehr nutzen oder besuchen zu können, weil alles unweigerlich an die Zeit mit ihm verknüpft ist. Schön!
Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin, mich von Seite zu Seite mehr zu fragen, was das eigentlich für eine Beziehung war, die die beiden da hatten. Und warum Martha nicht schon viel früher mal manche Sachen hinterfragt hat. Tom wurde mir immer unsympathischer, sodass ich Martha irgendwann am liebsten geschüttelt hätte, um ihr die Augen zu öffnen. Martha macht stattdessen in der Zwischenzeit Bekanntschaft mit dem kleinen, aber ungeheuer altklugen Oskar und seinen beiden Geschwistern, deren "Nanny" sie wird. Diesen Erzählungsstrang fand ich ganz nett, aber irgendwie ein wenig undurchschaubar. Mir wurde nicht ganz klar, was die Autorin damit eigentlich bezwecken wollte. Denn der Umstand, dass Martha tatsächlich irgendwann "aufwacht" und die Augen öffnet, für sich auch ganz andere Lebenswege in Betracht zieht - dieser Umstand hat eigentlich wenig bis gar nichts mit Oskar zu tun.
Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, ich habe es an einem Nachmittag weggelesen. Ein schönes ruhiges Buch über Liebeskummer, den man niemandem wünscht, der einen aber leider manchmal erwischt. 

Sonntag, 23. April 2017

Tag des Buches - Gewinnspiel

Hallo ihr Lieben!
Heute ist der Tag des Buches und ich werde diesen Tag entsprechend passend verbringen - nämlich mit einem Buch in der Hand :) Aber vorher werfe ich noch ein kleines Gewinnspiel in die Runde und verschenke ein Buch. 
Als ich "Ready Player One" von Ernest Cline vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen habe, hat mir das Buch einige sehr spannende und atemlose Stunden beschert, ich konnte das Buch tatsächlich überhaupt nicht aus der Hand legen. Und dieses Erlebnis möchte ich gern auch einem anderen Leser ermöglichen, der das Buch noch gar nicht kennt.

Im Jahr 2044 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ...



Aus dem Grund verschenke ich "Ready Player One" als Taschenbuch, das sogar erst in den nächsten Tagen erscheinen wird. Schreibt mir, wenn ihr es gern gewinnen möchtet, eine Email an 
i-am-bookish@web.de
- und zwar bis zum 27.4.17, 18 Uhr. Verratet mir in der Email, welches Buch eurer Lese-Highlight im Jahr 2016 war, und ihr seid im Lostopf. Das übliche Kleingedruckte: Versand nur innerhalb von Deutschland (oder ihr übernehmt das Porto), der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden, teilnehmen könnt ihr ab 18 (oder mit Zustimmung eurer Eltern).

Macht euch einen schönen Tag des Buches!


Montag, 10. April 2017

"Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" - Salvatore Basile

Blanvalet Verlag, 2017
19,99 Euro



Handlung:
Seit seine Mutter ihn als Kind verlassen hat, lebt der dreißigjährige Michele von der Außenwelt abgeschottet im Bahnhofshäuschen eines verschlafenen, idyllischen Dorfs in Italien. Seine einzige Gesellschaft sind die liegengebliebenen Gegenstände, die er im täglich ein- und ausfahrenden Zug einsammelt und in seinem Zuhause um sich schart. Doch dann begegnet ihm Elena, die sein Leben wie ein Wirbelwind auf den Kopf stellt und ihn aus seiner Einsamkeit reißt. Als er kurz darauf sein altes Tagebuch wiederfindet, das seine Mutter damals mitnahm, als sie aus seinem Leben verschwand, gibt dies den Anstoß für eine wundersame Reise quer durch Italien, die Micheles ganzes Leben verändern wird …


Meine Meinung:
Auf "Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" bin ich wegen der Inhaltsangabe neugierig geworden. Denn von Außenseitern, die etwas schrullig schon in der Inhaltsbeschreibung wirken, lese ich irgendwie gern. Und in der Hinsicht bin ich hier auch nicht zu kurz gekommen mit Michele. Der lebt seit seiner Geburt im Bahnhofshäuschen eines kleinen italienischen Ortes und hat etwa seit seiner Jugendzeit kaum Kontakt zu Menschen mehr. Sein Leben bestimmen die Abfahr- und Ankunftszeiten des einzigen Zuges, der in seinem Bahnhof hält. Das sind die einzigen Highlights seines Tages, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Ein anderes Leben kennt er nicht und will er scheinbar auch nicht haben, auch wenn er sich schon hin und wieder fragt, warum seine Mutter ihn damals bei seinem Vater zurück gelassen hat und einfach verschwunden ist. 
Jeden Tag dasselbe Einerlei bei Michele also, bis - ja, bis plötzlich gleich zwei wesentliche Dinge in seinem Leben passieren. Zum einen taucht Elena auf, die Gefallen an ihm findet und ihn irgendwie gar nicht mehr wirklich allein lassen mag. Und Micheles Tagebuch, in das er als Kind schrieb und das zusammen mit seiner Mutter verschwand, findet auf einmal den Weg zu ihm zurück. Das kann dann selbst Michele nicht ignorieren und so macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter, unterstützt von Elena.
Micheles Geschichte fand ich sehr schön, an mancher Stelle unerwartet, an mancher leider sehr ehrlich und - wie Michele am eigenen Leib erfahren muss - auch brutal. Klar, am Ende spielt selbst für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr der Zufall in die Geschichte rein. Manche Sachen, die passieren, könnte man hinterfragen - wenn man will. Hab ich aber nicht, immerhin ist es nun mal eine Geschichte, da können sich dank der Fantasie des Autors ja auch einige Dinge einfach so fügen, wie sie es hier tun. Schön ist vor allem zu sehen, wie Michele auftaut und sich nach und nach den Menschen und dem Leben öffnet. Aus dem eigenbrötlerischen Außenseiter wird ein aufgeschlossener junger Mann, der verstanden hat, dass das Leben auch mehr sein kann als ein einsames Bahnhofshäuschen, in dem man sich nur mit Fundsachen unterhalten kann. Die letzte Seite habe ich sehr zufrieden zugeklappt. 

Ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet Verlag!


Sonntag, 9. April 2017

"Die Zutaten zum Glück" - Louise Miller

Insel Taschenbuchverlag, 2017
14,95 Euro


Handlung:
Wer rechnet schon damit, dass aus einem Flammeninferno das große Glück erwächst? Am wenigsten die Patissière Olivia, als sie mit ihrem flambierten Dessert einen Bostoner Luxusclub in Brand setzt. Dass genau das ihr ein neues Leben  und eine Liebe auf Umwegen beschert, noch dazu in Vermont, kommt für sie genauso unverhofft wie für all diejenigen, denen sie dort in die Quere stolpert …
Nachdem sich Olivias Karriereaussichten in Rauch aufgelöst haben, flüchtet sie sich kurzerhand zu ihrer besten Freundin ins ländliche Vermont. Wo sie nicht nur Unterschlupf und eine Anstellung wider Willen in einem kleinen Landgasthof findet, sondern auch ein neues Zuhause, nach dem sie bislang gar nicht gesucht hatte. Doch bevor Olivia selbst erkennt, wohin ihr Herz gehört, muss sie sich mit der kauzigen Lokalbevolkerung anfreunden – und das Geheimnis um den besten Apple Pie lüften. Und nicht zuletzt die Gunst einer eigensinnigen alten Dame erobern, unter deren rauer Schale mehr verborgen liegt, als Olivia ahnen kann …


Meine Meinung:
"Die Zutaten zum Glück"-lichen Lesen sind: eine Wohlfühlgeschichte von Seite 1 an, eine sympathische Heldin, die nicht den üblichen Klischees entspricht, Kuchen und Desserts, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen (gibt es hier nahezu auf jeder Seite!), und das Zusammenspiel von netten wohlwollenden Figuren, heimeliger Gegend, garniert mit der Suche nach dem großen Glück und ein bisschen Liebe.

Olivia mochte ich von Beginn an, sie ist lustig, ehrlich, ein bisschen schrill, läuft auch ganz gern mal mit grünen oder türkisen Haaren durch die Gegend, vor allem aber ist sie schlicht und einfach auf der Suche nach ein bisschen Glück und Geborgenheit. Das hat sie in Boston bisher nicht wirklich finden können und als sie durch einen dummen Zufall ihre Arbeitsstätte fast in Brand setzt, hält sie die Gelegenheit für gekommen, ihrer besten Freundin Hannah im ländlichen Vermont einen Besuch abzustatten. Aus diesem Besuch wird ein längerer Aufenthalt, als ihr recht spontan ein neuer Job im Sugar Maple Inn angeboten wird. Nach Lust und Laune kann sie hier ihrer Backleidenschaft frönen, kommt aber auch nicht umhin, zunehmend in die Lebensgeschichten ihrer Chefin und einer befreundeten Familie einzutauchen. Schneller als sie es für möglich hält, gewinnt sie nicht nur Freunde, verliebt sich sogar ein wenig, sondern fühlt sich auf einmal sogar aufgenommen, akzeptiert und geliebt. Sie, die immer ganz alleine war seit ihrem 16. Lebensjahr, hat plötzlich ein Zuhause gefunden. Oder... doch nicht?
"Die Zutaten zum Glück" ist ein wunderbares Schmökerbuch, in dem man sich herrlich verlieren kann, nur weil man Olivia begleitet und ihr die Daumen drückt. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, immerhin ist sie selbst Patissière; aber dass sie drumherum um die leckersten Kuchen auch noch so eine gelungene, toll geschriebene und runde Geschichte geschrieben hat - Hut (oder Kochmütze) ab!
Achja, und genau da liegt vielleicht auch das größte "Problem" an dem Buch: Man sollte es nicht lesen, wenn man hungrig ist. Beim Lesen der ganzen Beschreibungen von Kuchen, Keksen und Torten denkt man sich unweigerlich "Hach, das will ich auch haben. Jetzt sofort." Also am besten immer ein paar Kekse während des Lesens neben sich liegen haben! ;)

Ein herzliches Dankeschön an den Suhrkamp/ Insel Taschenbuch- Verlag!

Freitag, 31. März 2017

Blitzlicht #1

"Blitzlicht" nennen wir Psychologen die Anfangs- und oft auch Endmomente z.B. in einer Gruppentherapie, wenn jeder Patient mal sagen soll, wie es ihr/ihm gerade geht und was ihr/ihm so gerade durch den Kopf geht. Eine Momentaufnahme sozusagen. Ich bin jetzt zwar kein Patient und auch nicht in einer Gruppentherapie, aber ich nutze den Begriff einfach mal für den Blog, um eine neue Post-Rubrik zu "erschaffen". Aktuelle Momentaufnahmen, Updates, was bei mir so los ist - sozusagen.

Bei mir war in den letzten Tagen eine ganze Menge los. Ich hatte heute meinen letzten Arbeitstag. Letzte Arbeitstage haben irgendwie immer so etwas melancholisches an sich. So etwas wehmütiges, weil einem doch plötzlich mit voller Wucht klar wird, was man ab sofort alles nicht mehr haben wird. Wen man zurücklässt, welche Vorteile dieser Job vielleicht mit sich gebracht hat, welche schönen Momente man hatte. Klar, ein Ende von etwas bedeutet auch immer ein Anfang von etwas anderem. So wird es für mich auch direkt am Montag an einer neuen Arbeitsstelle weitergehen. Aber da ist eben nun mal alles ungewiss. Bis auf die Jobbeschreibung hat man nicht sehr viel mehr in der Hand - welche Mitarbeiter und Kollegen einen dort erwarten werden, welches Büro, welche Station, welche genauen Arbeitsabläufe. Alles nicht bekannt, und genau so fühle ich mich gerade seit ein paar Tagen: in der Schwebe. Ich bin gerade fürchterlich aufgeregt, wie der Montag für mich laufen wird; aber das wird noch nichts sein im Vergleich zu der Aufregung am Sonntag Abend. Es ist nicht der erste Job, den ich neu anfange. Nicht der erste Arbeitstag, den ich erlebe. Und es wird auch nicht der letzte erste Arbeitstag in meinem Leben sein. Aber diese "Wehmütigkeit", dieses Grübeln und fast ... naja, Nachtrauern um all die Dinge und Personen, die ich heute zum letzten Mal gesehen und gesprochen habe, das wird mich sicher immer wieder begleiten. 

Durch das Arbeitsende hatte ich in den letzten Tagen auch noch einige Urlaubstage "abzubummeln" und die habe ich für viele schöne Dinge genutzt. So war ich beispielsweise an einem Tag auf der Buchmesse in Leipzig und habe mich durch die Massen schubsen lassen. Ich habe das dieses Mal eher sehr "unaufgeregt" geschehen lassen, bin nicht von einem Lesungstermin zur nächsten Signierstunde gehetzt, sondern bin einfach durch die Stände geschlendert - sofern Schlendern möglich war. War auch mal ganz schön, auch wenn ich dadurch letztlich gar nicht so sehr viel erlebt habe.

Ich war ein paar Tage im Harz unterwegs, habe die Leute, die sich "Harzdrenalin" tatsächlich zutrauen, mit offenem Mund zugesehen (NIE IM LEBEN würde ich das machen, da über die Talsperre hinweg zu fliegen!!!). Ich war in Potsdam und Berlin, habe Ed Sheeran live auf seinem Berlin-Konzert gesehen - es war einfach hach. Wunderbar. 😍 Der hat´s echt drauf, die ganze Halle nicht nur zu rocken, sondern sie auch zu verzaubern. Schnulzen genauso wie Rap-Songs, das muss erstmal einer hinkriegen...
Außerdem war´s künstlerisch im Barberini Museum in Potsdam, auch wenn ich leider immer wieder merke, dass der Impressionismus irgendwie nicht meine bevorzugte Kunstepoche ist... 😮 Auf den Bildern ist mir einfach zu wenig los 😃

Und ich habe natürlich auch die Zeit mit Lesen verbracht, u.a. "Wo das Dunkel schläft", das Finale der Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater. Und es kam - lange ersehnt - auch "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón raus, an dem ich noch lese. Ich habe übrigens festgestellt (ich hänge da etwas hinterher), dass der gute Herr Zafón nächste Woche tatsächlich in Deutschland auf Lesereise unterwegs ist. Den will ich unbedingt mal live sehen, insofern war meine Enttäuschung einfach unbeschreiblich groß, als mir klar wurde, dass das nichts wird. Nächste Woche ist, wie oben erwähnt, die erste Woche in meinem neuen Job, frei nehmen ist da nicht. Und alle Lese-Städte sind zu weit weg, als dass ich abends mal eben hinfahren könnte. So ein Mist!!! Geht zufällig jemand von euch hin?

Außerdem kamen im Laufe der Tage und Wochen einige neue tolle Bücher an, die zeige ich euch in den nächsten Tagen mal auf einem extra Foto. 
Soweit fürs erste. Habt ein schönes Wochenende!

Sonntag, 26. März 2017

"Hallo Leben, hörst du mich?" - Jack Cheng

cbt Verlag, 2017
14,99 Euro

Handlung:

Was würdest du tun, wenn du allein mit deiner Mom lebst, die manchmal ihre “ruhigen Tage” hat, und du planst, deinen iPod mit einer selbstgebauten Rakete ins All zu schießen, um den Außerirdischen das menschliche Leben auf der Erde zu erklären?
Ganz einfach: Der 11-jährige Alex wagt gemeinsam mit seinem Hund Carl Sagan die große Reise quer durchs Land zu einer Convention von Raketen-Nerds. Dabei lernt er nicht nur die unterschiedlichsten Menschen kennen, sondern erfährt auch eine Menge über Freundschaft, Familie, Liebe und all die anderen Dinge, die das Leben als Mensch so lustig, traurig, wunderschön und überraschend machen. Und zum Schluss ist Alex´ Welt um viele kostbare Freundschaften und sogar eine Schwester reicher.



Meine Meinung:
Ach je, dieses Buch... Beim Lesen schwankte ich ständig zwischen Ungläubigkeit und Mitleid. Denn eigentlich kann einem Alex, die Hauptfigur in diesem Buch, fast nur Leid tun. Für einen 11-Jährigen hat er sich eine ordentliche Portion Naivität, Gutgläubigkeit bewahrt und sieht alles tatsächlich noch aus den Augen eines Kindes. Zum Glück. Denn die Lebensumstände von Alex sind eigentlich eher besorgniserregend. Seine Mutter verbringt wegen psychischer Probleme den ganzen Tag auf der Couch liegend und kümmert sich eigentlich um gar nichts mehr, um Alex am wenigsten. Seinen Vater hat Alex nie kennengelernt, der ist wohl recht früh gestorbene. Alex´ älterer Bruder Ronnie hat sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht und wohnt in einer anderen Stadt, meldet sich nur alle paar Tage mal am Telefon. Eigentlich... weiß also niemand so genau, was Alex rumtreibt und beschäftigt. Und das ist eigentlich eine total niedliche Idee, mit der er sich beschäftigt. Alex ist fest davon überzeugt, dass es Außerirdische gibt und spricht aus diesem Grund diverse Textmeldungen auf einen iPod, den er mit einer Rakete ins All schicken will - um den Außerirdischen zu erzählen, wie das Leben der Menschen hier so auf der Erde aussieht. Als Leser liest man diese Texte, die Alex auf seinen iPod spricht und erlebt seine Story auf diese Art und Weise. Ich fand diese Beschreibungen von Alex so niedlich, so unbedarft und ehrlich, wie man wohl nur als Kind sein kann. In seiner Welt sieht er die ganzen Probleme nicht, die ihn eigentlich umgeben, sieht nicht, dass seine Mutter - und er - eigentlich Hilfe brauchen. Vielmehr lebt er seinen Traum, macht sich mit seinem Hund selbstständig auf den Weg zu einer Raketen-Convention und lernt dabei verschiedene Personen kennen, die den Ernst der Lage eher erkennen als er. Am Ende wird sich für Alex einiges ändern, nicht nur durch die Menschen, die er getroffen und lieb gewonnen hat. 
Durch die Textpassagen, die von Alex gesprochen werden, und die man sozusagen liest und empfängt, als wäre man der Außerirdische, der sie sich anhört, ist das Buch etwas ganz anderes, etwas ganz ungewöhnliches. Ich habe so mit Alex mitgelitten, auch wenn man es eigentlich nicht musste, weil er der Optimismus in Person ist und sein Leben selbst mag, wie es ist. Eine schöne Geschichte, die zu Herzen geht.

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