Mittwoch, 13. September 2017

"Der Lügenbaum" - Frances Hardinge

Verlag Freies Geistesleben, 2017
22,00 Euro

HIER geht´s zum Buch (Verlagsseite)


Handlung:
Ihr Vater, der Reverend Sunderly soll ein Betrüger und Schwindler sein? Das kann Faith nicht glauben, die ihn verehrt und die gleiche naturwissenschaftliche Neugier hat wie er. Doch seitdem die Familie fluchtartig Kent verlassen hat und auf diese Insel gekommen ist, wo ihr Vater an einer Grabung teilnehmen will, ereignet sich ein dubioser Unfall nach dem anderen bis – ihr Vater tot aufgefunden wird. Mord! Faith wird es beweisen und gräbt sich in die Unterlagen ihres Vaters, um eine unheimliche Entdeckung zu machen …
Es geht um Fossilien und Fälschung, Glauben und Wissenschaft und – Mord. Mittendrin steht die 14-jährige Faith, die das Unheimliche auf klären und als Mädchen forschen will.

Meine Meinung:
"Der Lügenbaum" - ich muss es so sagen - ist eines jener Bücher, die mich zuerst sprachlos sitzen lassen und dann schließlich auch ein bisschen befremden, weil sie mir vor Augen führen, wie anders Frauen vor gut 150 Jahren noch gelebt haben. Leben mussten. Welche Rolle eine Frau zu spielen hatte, welchen Status sie inne hatte - oder eben auch nicht. Wie unfassbar eintönig das Leben einer Frau von damals gewesen sein muss, weil sie nichts durfte, nichts entscheiden konnte, gewissermaßen nur das lästige Anhängsel ihres Ehemannes war.
Ein solches Bild wird im Buch "Der Lügenbaum" gezeichnet, durchaus realistisch, wie ich denke. Das Widerspenstige in mir erwacht beim Lesen solcher Beschreibungen; am liebsten würde ich ins Buch greifen und die Heldin Faith schütteln, ihr sagen "Lass dir das nicht gefallen, lass das nicht mit dir machen." Aber geht nun mal nicht. Und es hätte ja auch damals nicht anders funktioniert, was schlecht für alle großdenkenden und neugierigen Frauen der damaligen Zeit war.
Denn Faith ist neugierig und hat eigentlich große Träume und Pläne. Sie möchte Forscherin und Naturwissenschaftlerin werden, in die Fußstapfen ihres Vaters treten, einem angesehenen Mann der Wissenschaft. Dieser macht ihr jedoch auch unmissverständlich klar, dass sie ihm lästig ist, als Mädchen nicht zum Nachfolger taugt und ihnen finanziell nur auf der Tasche liegt. Harter Tobak und im Buch eindeutig der Moment, in dem ich den Vater noch weniger leiden konnte als ohnehin schon. Faith gerät dennoch in einen Strudel aus Geheimnissen und Gerüchten um ihren Vater und dessen Arbeiten mit merkwürdigen Fossilien. Als ihr Vater auf recht mysteriöse Art und Weise stirbt, will sie die Wahrheit herausfinden.
Mir hat "Der Lügenbaum" an sich sehr gut gefallen, trotz kleiner Startschwierigkeiten. Der Anfang hat sich für mich ein wenig gezogen, da zunächst auch überhaupt nicht klar wird, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird. Erst auf Seite 180 etwa lüftet Faith das Geheimnis des titelgebenden Lügenbaums und dann nimmt die Geschichte auch richtig an Fahrt auf. Davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, die Geschichte ist allemal lesenswert, nicht zuletzt, weil sie nun mal so ein realistisches und wahres Bild der damaligen Gesellschaft zeichnet. Leider habe ich Faith an manchen Stellen als zu "wankelmütig" empfunden, was ihre Gefühle und Einstellungen betrifft, z.B. gerade in Bezug auf ihren Vater. Sie lässt sich ihre Emotionen, die ich sehr echt und nachvollziehbar fand, immer gleich auf 2, 3 Zeilen wieder ausreden und das fand ich schade. Hier hätte ich mir Faith als Trägerin der Geschichte etwas charakter- und willensstärker gewünscht.

"Der Lügenbaum" hat den Costa Book Prize gewonnen, durchaus zu Recht, wie ich finde. Es ist eine historische, spannende Abenteuergeschichte um ein Mädchen, das gern für sich und seine Träume einstehen möchte - und ist damit letztlich auch heute noch sehr aktuell.

Vielen Dank an den Verlag Freies Geistesleben!

Mittwoch, 30. August 2017

Ein August-Rückblick, der sich eigentlich gar nicht lohnt...

Aber ich wollte mich trotzdem gern mal wieder melden ;)
Ja, denn den August kann ich als Lese-Monat aktuell ziemlich vergessen. Ich habe ganze drei Bücher gelesen und das auch nur, weil ich die letzten beiden Tage krank zuhause war und dadurch "Der Lügenbaum" beenden und "Aquila" am Stück verschlingen konnte. Sonst sähe es echt mau aus diesen Monat. 

Gelesen im August: 
Abir Mukherjee "Ein angesehener Mann" (Rezension)
Frances Hardinge "Der Lügenbaum" (Rezension folgt)
Ursula Poznanski "Aquila"

Irgendwie war der Monat gar nicht so vollgepackt mit anderen Sachen und Terminen, aber zum Lesen bin ich dennoch nicht gekommen. Ich habe zwei Faktoren ausgemacht, die Schuld daran sind, dass mein Leseverhalten diesen Monat so kläglich untergegangen ist:

1. Meine Doktorarbeit. Der habe ich in den letzten Wochen tatsächlich doch mal ein bisschen mehr Zeit gewidmet. Zwar längst nicht genug und mein schlechtes Gewissen, weil ich schon längst weiter sein wollte (und sollte), wächst gerade ins Unermessliche. Aber immerhin bin ich einen kleinen Schritt weitergekommen. (Immer schön das Positive formulieren!)

2. Ich habe mir eine Playstation 4 gekauft und das ... nun ja, das war dann wohl wirklich das Einläuten des Endes des Lesezeit. Noch dazu, wenn man die Weiten und Möglichkeiten dieser Spielekonsole und der ganzen Games-Technik mit einem Spiel wie "Uncharted 4" beginnt - ein Spiel, das mich bereits nach 5 Minuten süchtig gemacht hatte und mich bei jeder neuen Szene schlucken und die Augen aufreißen lässt. Vielleicht sollte ich erklären, dass mein Bruder und ich früher eine Playstation 2 hatten, und ich daher einfach ... ähm, noch andere Standards gewöhnt war, was realistische Animationen und Spielemöglichkeiten betrifft. Ist halt doch schon etwas her. Nun hab ich "Uncharted 4" fast durch, bin nicht zuletzt auch von Nathan Drake, dem Helden des Spiels, völlig hin und weg. (Ziemlich attraktiv animiert oder wie auch immer man das korrekt nennt, muss ich mal sagen...) Die drei Vorgänger der "Uncharted"-Reihe habe ich mir zwischenzeitlich auch geholt, aber wann ich mir für die mal guten Gewissens Zeit nehmen kann, puhhhhh....

Ich hoffe, der September wird besser, was das Lesen betrifft. In den letzten Tagen habe ich so viele tolle Bücher bekommen, teilweise vorbestellt, teilweise aus der Laune heraus bestellt, teilweise kurzentschlossen im Buchladen mitgenommen. Jetzt bräuchte ich nur einige freie Tage (und Nathan Drake-freie Tage), dann könnte ich mich mal wieder richtig in ein paar Geschichten fallen lassen. Außerdem!!! erscheint in wenigen Tagen der neue und zugleich letzte Teil der "Lockwood & Co."-Reihe, was mich einerseits vor Freude springen lässt, andererseits wehmütig macht, weil es nun mal das letzte Buch dieser großartigen Reihe ist. Ich bin sowas von gespannt! :D

Sonntag, 6. August 2017

"Ein angesehener Mann" - Abir Mukherjee

Heyne Verlag, 2017
9,99 Euro

Handlung:

Kalkutta 1919 – die Luft steht in den Straßen einer Stadt, die im Chaos der Kolonialisierung zu versinken droht. Die Bevölkerung ist zerrissen zwischen alten Traditionen und der neuen Ordnung der britischen Besatzung.

Aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, findet sich Captain Sam Wyndham als Ermittler in diesem Moloch aus tropischer Hitze, Schlamm und bröckelnden Kolonialbauten wieder. Doch er hat kaum Gelegenheit, sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Denn ein Mordfall hält die ganze Stadt in Atem. Seine Nachforschungen führen ihn in die opiumgetränkte Unterwelt Kalkuttas – und immer wieder an den Rand des Gesetzes.



Meine Meinung:
"Ein angesehener Mann" ist ein perfekter Roman für lange Lesestunden, für all jene, die sich für die indische Geschichte interessieren, mit Fokus auf die Kolonialzeit Anfang des 20. Jahrhunderts. 1919 wird in Kalkutta ein wichtiger Verwaltungsbeamter ermordet und der englische Polizist Sam Wyndham soll diesen Fall lösen. 
Als Leser begleitet man Wyndham nicht nur bei der Spurensuche und den Ermittlungen, sondern bekommt auch vielfältige Einblicke in die indische Kultur, in das Leben zur damaligen Zeit unter britischer Herrschaft, in Land und Leute. Und das hat mir an sich sehr gut gefallen, denn ich weiß wenig über Indien, muss ich gestehen. Gerade historische Fakten sind mir da nicht geläufig und so hat mir diese Geschichte auch jede Menge Informationen geliefert über die Standesunterschiede, über Rechte und Missstände in der Bevölkerung. Und noch dazu auf eine sehr interessante und auch unterhaltsame Art und Weise geliefert, denn Abir Mukherjee kann wirklich sehr gut schreiben. Er schafft es, die Hitze, die Farben, die Gerüche, ja, die ganze indische Vielfalt Gestalt annehmen zu lassen in seinen Beschreibungen. Er verliert sich manchmal ganze Abschnitte lang in Beschreibungen, die aber so treffend und gut gelungen sind, dass sie einem Film über das Geschehen in nichts nachstehen würden. Während mich dieser Sprachstil einerseits sehr begeistert hat, ist er für mich zugleich so ziemlich der einzige Kritikpunkt der Geschichte: mir wurde das Buch an mancher Stelle leider ein wenig zu langatmig. Das Buch hat über 500 Seiten und für mein Empfinden hätte es gut 150 Seiten kürzer sein können. Manchmal hat mich diese Sprachgewalt, dieser Erzählreichtum ein wenig erdrückt und gelähmt beim Lesen. Hier und da habe ich eine Seite überblättert, und bin dennoch immer wieder gut in die Geschichte hinein gekommen.
Fazit: Eine spannende Geschichte über Spurensuche und Ermittlungsarbeit im Kalkutta 1919, mit einem sympathischen und vor allem "echten" Ermittler, über den man durchaus mehr lesen wollen würde - und auch kann, denn soweit ich mitbekommen habe, wird es eine Reihe um Sam Wyndham geben. Er und sein Sergeant Banerjee sind definitiv lesenswert. Letztlich ist mir die Fülle der Geschichte und der Beschreibungen jedoch einen Tick zu langatmig geworden.


Freitag, 4. August 2017

Blitzlicht #3: Man sieht sich immer zweimal im Leben

So ein abgedroschener Spruch. Dachte ich immer. Und dann steht da plötzlich eine Person vor einem, von der man dachte (und befürchtete), man würde sie nie wieder sehen. 
So ging´s mir diese Woche. Da war plötzlich wieder jemand da, den ich von früher (er)kannte und der einiges bei mir ausgelöst hat. Damals und heute, beziehungsweise als ich neulich merkte "Oha, den kennst du." Und auch jetzt beschäftigt mich dieses unerwartete Wieder-Aufeinandertreffen immer noch. Ich will hier gar nicht ins Detail verfallen, denn die Vorgeschichte dazu aufzuschreiben, würde ewig dauern und hat mich ohnehin schon so viele Minuten und Stunden meines Lebens beschäftigt. Aber weil es eben eine Person ist, die mir irgendwann nicht mehr ganz egal war, sitzen die Gedanken an damals (und eben plötzlich auch an heute) doch noch tief irgendwo da oben im Gehirn drin. Diese Gedanken beinhalten viele Warum´s und vor allem Warum-nicht´s und wenn und aber und hach´s. So ist das halt manchmal. Man kann sich nicht aussuchen, wen man kennen lernt und wer einem im Kopf bleibt. Und da selbst nach Jahren noch drin ist. 
So gesehen waren die letzten Tage für mich ein ziemliches emotionales Auf und Ab, und mit einem fetten "Ab" endete genau diese unerwartete Begegnung heute leider auch. Ich kam mir kurz vor wie Hugh Grant in "Tatsächlich Liebe"...



Ja, doch, ungefähr so. Wie blöde.

Warum ist das so? Dass man manchmal gedanklich so an alten Sachen festhält und drin hängt? Manche Menschen können sowas ja sehr gut, sich selbst gedanklich aufräumen und sich von Dingen lossagen, die sie nicht mehr im Kopf haben wollen. So Meditations-mäßig. Ich kann sowas nicht. 
Manchmal will ich es aber - zugegeben - auch gar nicht. Manchmal mag ich es, Erinnerungen an Dinge zu haben, die mir auch nicht so schöne Zeiten beschert haben in meinem Leben. Erinnerungen an Dinge, die ja schließlich auch zu meinem Leben dazu gehören. Und die - so war es zumindest in Bezug auf die genannte Person - ja irgendwie auch mit so vielen guten Momenten verknüpft sind, rückblickend. Und die es mir dann eben beispielsweise ermöglichen, diesen Spruch "Man sieht sich immer zweimal im Leben" wahr werden zu lassen. Auch, wenn ich mir einen anderen Ausgang gewünscht hätte.

Ich hab Gedankenknoten und - wirrwarr im Kopf, das merkt man vielleicht auch. Warum ich das hier eigentlich geschrieben habe? Keine Ahnung. Das wollte irgendwie gerade eben mal raus. Beim nächsten Mal schreib ich wieder was Buch-bezogenes, versprochen.


Montag, 10. Juli 2017

Blitzlicht #2: Von keiner Zeit, keiner Lust, Facebook und Clueso

Huhu! Mich gibt es dann tatsächlich doch noch, auch wenn der Blog hier seit Wochen anderes vermuten lässt. Ich sag´s ganz ehrlich: ich hab einfach ÜBERHAUPT keine Lust, übermäßig viel Zeit am Laptop oder auch Handy zu verbringen und hier was zu schreiben. Bloggen. Bei mir ist da gerade die Luft raus, aber ich kann mich dennoch nicht dazu durchringen, das Ganze hier aufzugeben. Ich lese, ja. Und ich denk mir nach dem Zuklappen auch häufig, dass ich dieses oder jenes dazu loswerden will oder könnte. Aber mich dann an eine Rezension zu setzen? Da schreien alle Motivations-Lichter und - Glöckchen in meinem Kopf "Ach nö! Bloß nicht!" Und dann bleibt es halt. Vielleicht führe ich eine neue Form der Rezension ein: nach jedem Buch nur einen Satz zu dem Buch zu schreiben. Mal sehen, ob ich das durchsetzen kann ;)

Ich habe mich eben mal bei Facebook rauf- und runtergescrollt - etwas, was mich mittlerweile fast immer unglaublich nervt, weil so viele so viel Müll posten und liken und teilen, pfff. Daher auch etwas, was ich eigentlich nur noch selten tue. Außerdem ist das so ein Zeitphänomen-Ding: wenn man sich echt mal hinreißen lässt und sich da so durchscrollt und dann beim nächsten Mal aufschaut und auf die Uhr sieht, sind für gewöhnlich gleich mehrere Minuten vergangen. Und irgendwie ist mir das zu schade um meine Zeit. Tja, aber wie bin ich jetzt eigentlich darauf gekommen?... Ach ja, Facebook hat mir mitgeteilt, dass ich mein Profil seit 58 Wochen nicht mehr aktualisiert habe, sprich: nix gepostet habe. Das spricht wohl auch schon für sich. (Oder gegen Facebook?) Irgendwie ist es mir trotzdem völlig egal und dass ich da überhaupt daran erinnert werde, find ich auch gerade total schräg. Ich meine, ich bin doch nicht dazu verpflichtet. Und jetzt erinnert mich irgendetwas virtuelles daran, als gäbe es eine Mindestanzahl an Posts, die man im Jahr abarbeiten muss. Und ich hab mein Soll nicht erreicht. Facebook, ich mag dich irgendwie nicht...

Ich hätt jetzt aber auch nichts, was ich groß bei Facebook posten könnte. Bei mir steht nicht mal ein Urlaub ins Haus (verdammich!). Ich glaube, als ich das letzte Mal dieses Blitzlicht-Dingens hier geschrieben habe, war das noch vor dem Beginn meines neues Jobs (also schon ne Weile her). Denn neu ist der Job jetzt schon gar nicht mehr, sondern schon über 3 Monate alt und meine Probezeit ist damit auch schon fast wieder gegessen. Tatsächlich (falls das hier irgendjemanden interessiert) mach ich den Job gern und find ihn total interessant. Ich fühle mich da sehr gut aufgehoben, das Team ist toll und ich bedauere jetzt schon, dass es nur ein Job für 1 Jahr als Elternzeitvertretung ist. Schade. Das heißt für mich, dass die große Jobsucherei schon bald wieder aufs Neue losgehen kann - etwas, was ich in den letzten Jahren definitiv zu häufig machen musste. Immer nur Jobverträge für eine umschriebene Zeit, mal Drittmittel-finanziert, mal nur befristet für 1 Jahr; ich kenne mich damit leider schon viel zu sehr aus...

Der Job hat den (nicht) netten Nebeneffekt, dass ich nachmittags ein bisschen mehr Zeit habe, was ich (mein Schweinehund lässt grüßen) eigentlich für meine Doktorarbeit nutzen könnte (wenn ich denn wollte.) (Meistens will ich nicht.) Auch so eine Sache wie der Blog hier: Das Ganze läuft und funktioniert nun mal leider nur mit Zeit, Motivation und Enthusiasmus. Und wenn das eine (nämlich die Zeit) da ist, fehlt für gewöhnlich das zweite, nämlich die Motivation. Das dritte wurde übrigens schon eine ganze Weile nicht mehr bei mir gesichtet. :o 
Naja. Guter Vorsatz im Hinterkopf halt. 

Übrigens, mal was musikalisches an dieser Stelle. Zur Zeit und in naher Zukunft bringen erfreulich viele Leute und Bands, die ich mag, neue Alben raus und kündigen Touren an. Yippie! Nachdem ich schon so manche Konzerttermine in diesem Jahr abblasen und auslassen musste, weil die doofe Vernunft über den Spaß gesiegt hat, hoffe ich, dass sich in den nächsten Monaten nochmal ein paar neue Chancen auftun. Tickets für den Herrn Sheeran nächstes Jahr zumindest hab ich schon mal sicher. Und: Eigentlich bin ich bisher kein großer Clueso-Fan gewesen. Zumindest hab ich ihn nicht so gehört. Kannte eigentlich auch nicht viel von ihm. Aber mit seinem aktuellen Lied spricht er mir so aus der Seele, dass ich nicht anders kann, als ihm anerkennend zuzunicken und sein Liedchen ganz laut aufzudrehen. Könnt ihr ja auch machen: ;)




Schöne Woche!

Montag, 19. Juni 2017

"Caraval" - Stephanie Garber

ivi Verlag, 2017
14,99 Euro


Handlung:
Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...


Meine Meinung:
Es ist jetzt schon ein paar Tage her, dass ich "Caraval" gelesen habe und ich muss sagen, dass ich mittlerweile echte Probleme habe, mich an die Figuren, deren Namen und große Teile der Handlung zu erinnern. Das spricht wohl eher dafür, dass "Caraval" gar nicht so sehr viel Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Wobei das so gar nicht unbedingt stimmt. Ich hab es gern gelesen, es hat Spaß gemacht, in die Geschichte von "Caraval" einzutauchen, aber irgendwie ist es mir nicht im Kopf geblieben. Das mag daran liegen, dass ich die Figuren einfach nicht eindrucksvoll genug fand. Gerade Scarlett war mich völlig farblos und ohne eigenen Willen und Charakter. Sie läuft die ganze Zeit nur anderen hinterher und wirkt unendlich hilflos und abhängig. Das fand ich echt schade, zumal es auch nicht besser wird, selbst als sie mit Julian zu tun hat.
Dann hatte ich mir Caraval vielleicht auch einfach anders vorgestellt, bunter, abwechslungsreicher, mehr "zirkus-artig". Und das war es letztlich überhaupt nicht.
Leider blieben für mich hier letztlich aber auch zu viele Fragen und Hintergründe ungeklärt. Zum Beispiel, was das eigentlich für eine Welt ist, in der Scarlett und ihre Schwester leben. Was sind das für Ländernamen, spielt das ganze in der Zukunft? Wo kommt "Caraval" eigentlich her, warum fährt es herum und warum ausgerechnet dieses Jahr nicht? Solche Hintergrundinformationen haben mir hier einfach gefehlt, um ein besseres Gesamtbild zu bekommen. Dann mochte ich zwar das ganze Verwirrspiel, was in Caraval gespielt und gelebt wird - und die Tatsache, dass man auch als Leser nie so ganz weiß, was das jetzt eigentlich soll und was als nächstes kommt. Aber letztlich möchte man ja doch überrascht werden als Leser, und eben nicht nur verwirrt. Ich war am Ende verwirrt, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Irgendwie habe ich nach wie vor das Gefühl, manche Dinge und Zusammenhänge am Ende nicht verstanden oder vielleicht überlesen zu haben, und das stört mich.

"Caraval" ist in meinen Augen also eine gute kurzweilige Lektüre, die zumindest für mich jedoch zu viele Fragen ungeklärt lässt und letztlich zu wenig Eindruck hinterlässt.

Sonntag, 11. Juni 2017

"Sommer in Edenbrooke" - Julianne Donaldson

Pendo Verlag, 2017
20,00 Euro


Handlung:
Marianne Daventry würde alles dafür geben, der Langweile in Bath zu entkommen, wo ein lästiger Verehrer immer wieder versucht, sie für sich zu gewinnen. Deswegen zögert sie nicht, als sie eines Tages eine Einladung von ihrer Zwillingsschwester Cecily erhält, sie auf dem großen Landsitz Edenbrooke zu besuchen. Marianne hofft, dort in aller Ruhe entspannen und die schöne Landschaft erkunden zu können, während ihre Schwester damit beschäftigt ist, den attraktiven Erben von Edenbrooke zu umwerben – doch spätestens, als sie dem sehr unfreundlichen, aber sehr gut aussehenden Sir Philip in die Arme läuft, wird Marianne allmählich klar, dass man manche Dinge einfach nicht planen kann. Denn der geheimnisvolle Mann wird nicht nur ihr Herz in Aufruhr versetzen, sondern auch ihr ganzes Leben durcheinanderwirbeln ...




Meine Meinung:
Wer mal Lust hat auf die Zeit von Jane Austen, die Manieren und die Gesellschaft, die damals gängig waren, aber schon alle Bücher von Jane Austen kennt oder keine Lust hat, sie zum x-ten Mal zu lesen, der kann gut und gerne zu "Sommer in Edenbrooke" greifen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Zum einen ist die Hauptfigur Marianne eine echte Sympathieträgerin, mit der man lachen und leiden kann. War halt keine einfache Zeit für Frauen damals. Dennoch schafft sie es, als Charakter willensstark und eigenständig zu wirken, zumindest gedanklich. Nach außen hin hätte ich sie mir gern aktiver und mehr auf sich selbst bedacht gewünscht, sie lässt sich leider manchmal sehr herumschubsen. Aber nochmal: es geht auch um andere Zeiten und die hat die Autorin in meinen Augen sehr gut eingefangen. Nicht nur auf der Figurenebene, sondern auch was Plot und solche Dinge wie Ortsbeschreibungen und Kleidung betrifft. Sehr realitätsnah, wie ich finde.
Natürlich geht hier am Ende alles irgendwie gut aus, und auch wenn man das schon vorher weiß oder zumindest ahnen kann, hat es mir um keine Seite Lesen leid getan. Im Gegenteil: "Sommer in Edenbrooke" ist für Freunde des Genres ein echtes Leseschmankerl.

Mittwoch, 7. Juni 2017

"Hinter dem Café das Meer" - Phillipa Ashley

Dumont Verlag, 2017
10,00 Euro



Handlung:

Türkisblaues Wasser, raue Steilküsten, kilometerlange Sandstrände – der Sommer in St Trenyan/Cornwall hat einiges zu bieten. Leider ist Demi viel zu beschäftigt, um ihn zu genießen. Sie arbeitet als Kellnerin in einem kleinen Strandcafé, um sich und ihren Hund Mitch über die Runden zu bringen. 
Dann verliert sie ihren Job – und trifft Cal. Er hat ein Anwesen in der Nähe einer idyllischen Bucht geerbt. Das alte, baufällige Haus und das vernachlässigte Gelände will er in eine Ferienanlage umwandeln, und er braucht dringend Unterstützung. Auf einmal hat Demi wieder Arbeit. Und während sie gärtnert, Wände verputzt und Dachziegel anbringt, träumt sie von ihrem eigenen kleinen Café. Aber auch ihr neuer Chef beschäftigt sie – obwohl der es ihr nicht gerade leicht macht. Trotzdem fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Wenn nur Cals Exfreundin nicht wäre, für die er noch Gefühle zu hegen scheint. Als Cal erkennt, was Demi ihm bedeutet, ist es fast zu spät …




Meine Meinung:
Ich war gar nicht auf der Suche danach und habe es trotzdem gefunden: ein perfektes Sommerbuch. Das ist "Hinter dem Café das Meer"; nicht nur Titel und Aufmachung lassen es vermuten, es steckt wirklich Sommer drin. Und eine schöne Liebesgeschichte obendrein.
Mal ehrlich, Sommerbücher mit Liebesgeschichten findet man ja aber an jeder Ecke. Wenn man will. Warum also auch noch diese hier? Mir hat diese Liebesgeschichte hier vor allem gefallen, weil sie nicht völlig abgehoben und vorhersehbar und von einer Seite auf die andere plötzlich DA ist, so nach dem Motto "Große Liebe, Seelenverwandte, und jetzt erst entdeckt, trallala". Hier entwickelt sich wirklich was. Die beiden Figuren Demi und Cal lernen sich kennen, arbeiten zusammen an einem Projekt, dem Projekt "Öko-Resort", das ich (ich muss es gestehen) anfangs vom Begriff her ein bisschen albern, aber mit zunehmender Beschreibung und Entwicklung im Buch doch richtig nett fand. Würde ich auch Urlaub machen, dort.
Manche Handlungsverläufe vor allem in der zweiten Buchhälfte schrammen ein wenig an der Realität vorbei und hätten in meinen Augen nicht unbedingt sein müssen. Intrigen, Missgunst, kleine Plänkeleien, die fiese Exfreundin, naja, von vielem was dabei, was die Literatur so hergibt.
"Hinter dem Café das Meer" ist dennoch eine schöne kurzweilige Sommerlektüre, mit der man die Seele mal ein bisschen gedanklich baumeln lassen kann. Sympathische Figuren, (ein Hund ist auch dabei!! ;) ), mit Cornwall eine echt schöne nette Ecke als Schauplatz ausgewählt - passt also alles irgendwie und lässt sich deswegen auch so gut weglesen.


Dankeschön an den Dumont Buchverlag!

Samstag, 20. Mai 2017

"Morgen lieb ich dich für immer" - Jennifer L. Armentrout

cbt Verlag, 2017
12,99 Euro


Handlung:
Mallory und Rider kennen sich seit ihrer Kindheit. Vier Jahre haben sie sich nicht gesehen und Mallory glaubt, dass sie sich für immer verloren haben. Doch gleich am ersten Tag an der neuen Highschool kreuzt Rider ihren Weg – ein anderer Rider, mit Geheimnissen und einer Freundin. Das Band zwischen Rider und Mallory ist jedoch so stark wie zuvor. Als Riders Leben auf eine Katastrophe zusteuert, muss Mallory alles wagen, um ihre eigene Zukunft und die des Menschen zu retten, den sie am meisten liebt …


Meine Meinung:
"Morgen lieb ich dich für immer" ist das erste Buch, das ich von Jennifer L. Armentrout gelesen habe. Ihre so berühmte Obsidian-Reihe habe ich mal angefangen, aber schon nach wenigen Kapiteln abgebrochen, weil ich das alles irgendwie zu jugendlich-kitschig fand und mich der Held auch einfach zu sehr an den glitzernden Edward erinnert hat. Nicht mein Fall. Jetzt also dieses Büchlein hier, aber auch hier bin ich leider alles andere als Feuer und Flamme. Oder vielleicht auch einfach schon zu alt, das werfe ich als Argument mal ganz ehrlich in die Runde. Ein paar Jahre weniger, mein Schulbesuch weniger weit weg in zurückliegender Ferne und ich hätte hier vielleicht Gefallen dran gefunden, weil ich manche Sorgen und Nöte eventuell noch besser nachvollziehen könnte.
Aber so bleibt mir eigentlich nur das Fazit, dass die blasse Heldin der Geschichte in eine farblose, sehr vorhersehbare Geschichte gesetzt wurde. Tatsächlich habe ich hier ganze Seiten überblättert, weil mir gelegentlich die Geduld gefehlt hat - und ich habe trotzdem gar nichts von der Handlung verpasst! Ich habe alles mitbekommen, von dem Wiedersehen nach einigen Jahren zwischen Mallory und Rider, den aufkeimenden Gefühlen, Riders verzwickter "sozialer" Lage, dem dramatischen Höhepunkt und natürlich den besorgten Adoptiveltern, dir für Mallory nur das Beste wollen und sie deswegen am liebsten in Watte packen würden. 
Zugegeben, Mallorys Innenleben und ihre Gedanken haben mir gut gefallen, die sind schön und vor allem nachvollziehbar beschrieben, wenn man so eine Vorgeschichte wie sie im Buch erlebt hat. Ich fand auch schön, dass sie eine Wandlung durchläuft und am Ende viel selbstbewusster dasteht. Aber das Drumherum war mir persönlich zu weichgespült und zu absehbar. Man weiß sofort, woran man hier ist, und das fand ich schade. 
Außerdem ist das ganze Buch wie mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben: Geh immer fleißig zur Schule, nur dann kann was aus dir werden. Nimm bloß keine Drogen, die schaden dir nur. Such dir auf jeden Fall Freunde, denn Einzelgänger sein - das geht gar nicht. Halt dich von den bösen Buben fern. Ach ja, und bloß kein Sex ohne Verhütung!
Ist ja alles schön und gut, wichtig sicher auch. Aber irgendwie halt auch langweilig. Zumindest fand ich das dadurch alles so ... hach nö. 
Fazit: Zu dem Buch hätte ich wohl selbst nicht gegriffen, schon allein der Titel hätte mich davon abgehalten. Aber das Buch hat seinen Weg allein zu mir gefunden, und so habe ich ihm eine Chance gegeben. Die Geschichte finde ich für Jugendliche okay, mehr aber eben leider auch nicht.


Mittwoch, 10. Mai 2017

"Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" - Chris Grabenstein

Verlag Freies Geistesleben, 2017
18,90 Euro


Handlung:
Kyle liebt Spiele, mit Büchern hat er es nicht so. Als er aber erfährt, dass der berühmteste Spiele-Erfinder die neue Stadtbibliothek gestaltet hat, will er unbedingt eine Einladung zur Eröffnungsnacht gewinnen, in der zwölf Zwölfjährige in der Bibliothek eingeschlossen werden. Was er nicht weiß: Um den Weg hinaus zu finden, braucht man mehr als nur ein bisschen Glück und Verstand. Nur gut, dass der originelle Mr. Banancello auf Einfallskraft und Kombinationsgabe setzt. Da hat Kyle gar nicht so schlechte Karten.


Meine Meinung:
Du magst Rätsel? Liest auch gern mal zwischen den Zeilen? Dein Traum wäre es, eine Art Schnitzeljagd quer durch eine verrückte und außergewöhnliche Bibliothek zu unternehmen, bei der du Rätsel und Aufgaben erledigen sollst? Eine Bibliothek, die völlig interaktiv ist, mit Hologrammen und alten Filmaufnahmen sowie einem Café dienen kann? Dann wäre das Buch "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" vielleicht etwas für dich. Denn genau das findest du hier: Bücher, Rätsel und beides zusammen in einer Bibliothek. Als Leser darfst du die ganze Zeit miträtseln. 
Ich hab das Buch sehr gern gelesen. Ich gehöre sicher nicht mehr zur unmittelbaren Leser-Zielgruppe, aber für ein Rätsel war ich schon immer zu haben. Und da kommt man hier auf seine Kosten, denn man begleitet das Grüppchen Schüler bei ihrem Versuch, sich den Weg aus der Bibliothek zu "errätseln". Da kommt man selbst unweigerlich ins Überlegen, zieht Schlüsse und stellt Theorien auf, was gemeint sein könnte. Ich habe die Geschichte von Kyle und seinen Mitschülern sehr gern - und vor allem gespannt verfolgt. Der Autor Chris Grabenstein hat es schon drauf, den Leser am Ball zu halten. Die Kapitel sind schön kurz und enden fast immer mit einem kleinen Aha- oder wahlweise Schreck-Moment, sodass man einfach Kapitel für Kapitel weiterlesen möchte. Insgesamt ist "Flucht aus Mr. Banancellos Bibliothek" ein abwechslungsreiches, ungewöhnliches und spannendes Jugendbuch, das viele Möglichkeiten zum Mit-Überlegen und Mit-Rätseln bietet - und vielleicht genau deswegen ein bisschen aus der Masse der Jugendbücher heraus sticht.


Dankeschön an den Verlag Freies Geistesleben!

Dienstag, 25. April 2017

"Überall bist du" - Gerhild Stoltenberg

Atlantik Verlag, 2017
20,00 Euro

Handlung:
Wenn Martha geahnt hätte, dass Tom vom einen auf den anderen Tag aus ihrem Leben verschwinden würde, hätte sie ihn nachts geweckt, statt ihn nur anzuschauen. Sie wäre mit Tom nur U-Bahn statt Fahrrad gefahren, dann gäbe es in der Stadt jetzt weniger Orte, die sie mit ihm verbindet. Und sie hätte versucht, viel weniger mit ihm zu erleben, damit die Liste der Dinge, die sie so sehr an ihn erinnern, jetzt nicht so lang ist. Zum Glück gibt es den fünfjährigen Oskar und seine Brüder, die ihr die unausgesprochenen Gesetze des Spielplatzes erklären und mit denen sie unbeschwerte Sommertage im Freibad verbringt. Doch wenn der Liebeskummer so schlimm wird, dass nicht mal Winnie Puuh-Pflaster helfen, weiß selbst der sehr weise Oskar nicht mehr weiter. Martha muss sich eingestehen, dass sie nicht die besten Ideen hat, um über Tom hinwegzukommen, und entscheidet kurzerhand, alles hinter sich zu lassen.


Meine Meinung:
Mir hat "Überall bist du" gefallen. Es fiel mir so leicht, mich gleich auf den ersten Seiten in die Geschichte fallen zu lassen - wahrscheinlich, weil es gar nicht mal so sehr eine Geschichte ist. Sondern wohl eher eine Erzählung über ein Gefühl, das jeder von uns wohl mehr oder weniger schon einmal hatte: Liebeskummer. Sehnsucht. Einsamkeit. 
Diese Gefühle hat Gerhild Stoltenberg in meinen Augen wirklich gut eingefangen, auch wenn bei der Protagonistin Martha der Liebeskummer nach der Trennung nicht unmittelbar, sondern eigentlich erst nach einer ganzen Weile einsetzt. Mir haben die Beschreibungen von ihr gefallen, welche kleinen und großen Dinge, Sätze, Orte usw. sie an ihre ehemalige Liebe Tom erinnern. Tom, der eigentlich gar nicht Tom heißt. Und dass sie das Gefühl hat, soviele Dinge, Sätze, Orte usw. jetzt nicht mehr nutzen oder besuchen zu können, weil alles unweigerlich an die Zeit mit ihm verknüpft ist. Schön!
Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin, mich von Seite zu Seite mehr zu fragen, was das eigentlich für eine Beziehung war, die die beiden da hatten. Und warum Martha nicht schon viel früher mal manche Sachen hinterfragt hat. Tom wurde mir immer unsympathischer, sodass ich Martha irgendwann am liebsten geschüttelt hätte, um ihr die Augen zu öffnen. Martha macht stattdessen in der Zwischenzeit Bekanntschaft mit dem kleinen, aber ungeheuer altklugen Oskar und seinen beiden Geschwistern, deren "Nanny" sie wird. Diesen Erzählungsstrang fand ich ganz nett, aber irgendwie ein wenig undurchschaubar. Mir wurde nicht ganz klar, was die Autorin damit eigentlich bezwecken wollte. Denn der Umstand, dass Martha tatsächlich irgendwann "aufwacht" und die Augen öffnet, für sich auch ganz andere Lebenswege in Betracht zieht - dieser Umstand hat eigentlich wenig bis gar nichts mit Oskar zu tun.
Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, ich habe es an einem Nachmittag weggelesen. Ein schönes ruhiges Buch über Liebeskummer, den man niemandem wünscht, der einen aber leider manchmal erwischt. 

Sonntag, 23. April 2017

Tag des Buches - Gewinnspiel

Hallo ihr Lieben!
Heute ist der Tag des Buches und ich werde diesen Tag entsprechend passend verbringen - nämlich mit einem Buch in der Hand :) Aber vorher werfe ich noch ein kleines Gewinnspiel in die Runde und verschenke ein Buch. 
Als ich "Ready Player One" von Ernest Cline vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen habe, hat mir das Buch einige sehr spannende und atemlose Stunden beschert, ich konnte das Buch tatsächlich überhaupt nicht aus der Hand legen. Und dieses Erlebnis möchte ich gern auch einem anderen Leser ermöglichen, der das Buch noch gar nicht kennt.

Im Jahr 2044 ist die Welt ein hässlicher Ort: Die Erdölvorräte sind aufgebraucht, ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut. Einziger Lichtblick ist die OASIS, eine virtuelle Ersatzwelt, in der man leben, arbeiten, zur Schule gehen und spielen kann. Die OASIS ist ein ganzes Universum, es gibt Tausende von Welten, von denen jede ebenso einzigartig wie phantasievoll ist. Und sie hat ein Geheimnis.

Der exzentrische Schöpfer der OASIS hat tief im virtuellen Code einen Schatz vergraben, und wer ihn findet, wird seinen gesamten Besitz erben – zweihundertvierzig Milliarden Dollar. Eine Reihe von Rätseln weist den Weg, doch der Haken ist: Niemand weiß, wo die Fährte beginnt. Bis Wade Watts, ein ganz normaler Junge, der am Stadtrand von Oklahoma City in einem Wohnwagen lebt, den ersten wirklich brauchbaren Hinweis findet. Die Jagd ist eröffnet ...



Aus dem Grund verschenke ich "Ready Player One" als Taschenbuch, das sogar erst in den nächsten Tagen erscheinen wird. Schreibt mir, wenn ihr es gern gewinnen möchtet, eine Email an 
i-am-bookish@web.de
- und zwar bis zum 27.4.17, 18 Uhr. Verratet mir in der Email, welches Buch eurer Lese-Highlight im Jahr 2016 war, und ihr seid im Lostopf. Das übliche Kleingedruckte: Versand nur innerhalb von Deutschland (oder ihr übernehmt das Porto), der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden, teilnehmen könnt ihr ab 18 (oder mit Zustimmung eurer Eltern).

Macht euch einen schönen Tag des Buches!


Montag, 10. April 2017

"Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" - Salvatore Basile

Blanvalet Verlag, 2017
19,99 Euro



Handlung:
Seit seine Mutter ihn als Kind verlassen hat, lebt der dreißigjährige Michele von der Außenwelt abgeschottet im Bahnhofshäuschen eines verschlafenen, idyllischen Dorfs in Italien. Seine einzige Gesellschaft sind die liegengebliebenen Gegenstände, die er im täglich ein- und ausfahrenden Zug einsammelt und in seinem Zuhause um sich schart. Doch dann begegnet ihm Elena, die sein Leben wie ein Wirbelwind auf den Kopf stellt und ihn aus seiner Einsamkeit reißt. Als er kurz darauf sein altes Tagebuch wiederfindet, das seine Mutter damals mitnahm, als sie aus seinem Leben verschwand, gibt dies den Anstoß für eine wundersame Reise quer durch Italien, die Micheles ganzes Leben verändern wird …


Meine Meinung:
Auf "Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" bin ich wegen der Inhaltsangabe neugierig geworden. Denn von Außenseitern, die etwas schrullig schon in der Inhaltsbeschreibung wirken, lese ich irgendwie gern. Und in der Hinsicht bin ich hier auch nicht zu kurz gekommen mit Michele. Der lebt seit seiner Geburt im Bahnhofshäuschen eines kleinen italienischen Ortes und hat etwa seit seiner Jugendzeit kaum Kontakt zu Menschen mehr. Sein Leben bestimmen die Abfahr- und Ankunftszeiten des einzigen Zuges, der in seinem Bahnhof hält. Das sind die einzigen Highlights seines Tages, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Ein anderes Leben kennt er nicht und will er scheinbar auch nicht haben, auch wenn er sich schon hin und wieder fragt, warum seine Mutter ihn damals bei seinem Vater zurück gelassen hat und einfach verschwunden ist. 
Jeden Tag dasselbe Einerlei bei Michele also, bis - ja, bis plötzlich gleich zwei wesentliche Dinge in seinem Leben passieren. Zum einen taucht Elena auf, die Gefallen an ihm findet und ihn irgendwie gar nicht mehr wirklich allein lassen mag. Und Micheles Tagebuch, in das er als Kind schrieb und das zusammen mit seiner Mutter verschwand, findet auf einmal den Weg zu ihm zurück. Das kann dann selbst Michele nicht ignorieren und so macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter, unterstützt von Elena.
Micheles Geschichte fand ich sehr schön, an mancher Stelle unerwartet, an mancher leider sehr ehrlich und - wie Michele am eigenen Leib erfahren muss - auch brutal. Klar, am Ende spielt selbst für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr der Zufall in die Geschichte rein. Manche Sachen, die passieren, könnte man hinterfragen - wenn man will. Hab ich aber nicht, immerhin ist es nun mal eine Geschichte, da können sich dank der Fantasie des Autors ja auch einige Dinge einfach so fügen, wie sie es hier tun. Schön ist vor allem zu sehen, wie Michele auftaut und sich nach und nach den Menschen und dem Leben öffnet. Aus dem eigenbrötlerischen Außenseiter wird ein aufgeschlossener junger Mann, der verstanden hat, dass das Leben auch mehr sein kann als ein einsames Bahnhofshäuschen, in dem man sich nur mit Fundsachen unterhalten kann. Die letzte Seite habe ich sehr zufrieden zugeklappt. 

Ein herzliches Dankeschön an den Blanvalet Verlag!


Sonntag, 9. April 2017

"Die Zutaten zum Glück" - Louise Miller

Insel Taschenbuchverlag, 2017
14,95 Euro


Handlung:
Wer rechnet schon damit, dass aus einem Flammeninferno das große Glück erwächst? Am wenigsten die Patissière Olivia, als sie mit ihrem flambierten Dessert einen Bostoner Luxusclub in Brand setzt. Dass genau das ihr ein neues Leben  und eine Liebe auf Umwegen beschert, noch dazu in Vermont, kommt für sie genauso unverhofft wie für all diejenigen, denen sie dort in die Quere stolpert …
Nachdem sich Olivias Karriereaussichten in Rauch aufgelöst haben, flüchtet sie sich kurzerhand zu ihrer besten Freundin ins ländliche Vermont. Wo sie nicht nur Unterschlupf und eine Anstellung wider Willen in einem kleinen Landgasthof findet, sondern auch ein neues Zuhause, nach dem sie bislang gar nicht gesucht hatte. Doch bevor Olivia selbst erkennt, wohin ihr Herz gehört, muss sie sich mit der kauzigen Lokalbevolkerung anfreunden – und das Geheimnis um den besten Apple Pie lüften. Und nicht zuletzt die Gunst einer eigensinnigen alten Dame erobern, unter deren rauer Schale mehr verborgen liegt, als Olivia ahnen kann …


Meine Meinung:
"Die Zutaten zum Glück"-lichen Lesen sind: eine Wohlfühlgeschichte von Seite 1 an, eine sympathische Heldin, die nicht den üblichen Klischees entspricht, Kuchen und Desserts, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen (gibt es hier nahezu auf jeder Seite!), und das Zusammenspiel von netten wohlwollenden Figuren, heimeliger Gegend, garniert mit der Suche nach dem großen Glück und ein bisschen Liebe.

Olivia mochte ich von Beginn an, sie ist lustig, ehrlich, ein bisschen schrill, läuft auch ganz gern mal mit grünen oder türkisen Haaren durch die Gegend, vor allem aber ist sie schlicht und einfach auf der Suche nach ein bisschen Glück und Geborgenheit. Das hat sie in Boston bisher nicht wirklich finden können und als sie durch einen dummen Zufall ihre Arbeitsstätte fast in Brand setzt, hält sie die Gelegenheit für gekommen, ihrer besten Freundin Hannah im ländlichen Vermont einen Besuch abzustatten. Aus diesem Besuch wird ein längerer Aufenthalt, als ihr recht spontan ein neuer Job im Sugar Maple Inn angeboten wird. Nach Lust und Laune kann sie hier ihrer Backleidenschaft frönen, kommt aber auch nicht umhin, zunehmend in die Lebensgeschichten ihrer Chefin und einer befreundeten Familie einzutauchen. Schneller als sie es für möglich hält, gewinnt sie nicht nur Freunde, verliebt sich sogar ein wenig, sondern fühlt sich auf einmal sogar aufgenommen, akzeptiert und geliebt. Sie, die immer ganz alleine war seit ihrem 16. Lebensjahr, hat plötzlich ein Zuhause gefunden. Oder... doch nicht?
"Die Zutaten zum Glück" ist ein wunderbares Schmökerbuch, in dem man sich herrlich verlieren kann, nur weil man Olivia begleitet und ihr die Daumen drückt. Die Autorin weiß, wovon sie schreibt, immerhin ist sie selbst Patissière; aber dass sie drumherum um die leckersten Kuchen auch noch so eine gelungene, toll geschriebene und runde Geschichte geschrieben hat - Hut (oder Kochmütze) ab!
Achja, und genau da liegt vielleicht auch das größte "Problem" an dem Buch: Man sollte es nicht lesen, wenn man hungrig ist. Beim Lesen der ganzen Beschreibungen von Kuchen, Keksen und Torten denkt man sich unweigerlich "Hach, das will ich auch haben. Jetzt sofort." Also am besten immer ein paar Kekse während des Lesens neben sich liegen haben! ;)

Ein herzliches Dankeschön an den Suhrkamp/ Insel Taschenbuch- Verlag!

Freitag, 31. März 2017

Blitzlicht #1

"Blitzlicht" nennen wir Psychologen die Anfangs- und oft auch Endmomente z.B. in einer Gruppentherapie, wenn jeder Patient mal sagen soll, wie es ihr/ihm gerade geht und was ihr/ihm so gerade durch den Kopf geht. Eine Momentaufnahme sozusagen. Ich bin jetzt zwar kein Patient und auch nicht in einer Gruppentherapie, aber ich nutze den Begriff einfach mal für den Blog, um eine neue Post-Rubrik zu "erschaffen". Aktuelle Momentaufnahmen, Updates, was bei mir so los ist - sozusagen.

Bei mir war in den letzten Tagen eine ganze Menge los. Ich hatte heute meinen letzten Arbeitstag. Letzte Arbeitstage haben irgendwie immer so etwas melancholisches an sich. So etwas wehmütiges, weil einem doch plötzlich mit voller Wucht klar wird, was man ab sofort alles nicht mehr haben wird. Wen man zurücklässt, welche Vorteile dieser Job vielleicht mit sich gebracht hat, welche schönen Momente man hatte. Klar, ein Ende von etwas bedeutet auch immer ein Anfang von etwas anderem. So wird es für mich auch direkt am Montag an einer neuen Arbeitsstelle weitergehen. Aber da ist eben nun mal alles ungewiss. Bis auf die Jobbeschreibung hat man nicht sehr viel mehr in der Hand - welche Mitarbeiter und Kollegen einen dort erwarten werden, welches Büro, welche Station, welche genauen Arbeitsabläufe. Alles nicht bekannt, und genau so fühle ich mich gerade seit ein paar Tagen: in der Schwebe. Ich bin gerade fürchterlich aufgeregt, wie der Montag für mich laufen wird; aber das wird noch nichts sein im Vergleich zu der Aufregung am Sonntag Abend. Es ist nicht der erste Job, den ich neu anfange. Nicht der erste Arbeitstag, den ich erlebe. Und es wird auch nicht der letzte erste Arbeitstag in meinem Leben sein. Aber diese "Wehmütigkeit", dieses Grübeln und fast ... naja, Nachtrauern um all die Dinge und Personen, die ich heute zum letzten Mal gesehen und gesprochen habe, das wird mich sicher immer wieder begleiten. 

Durch das Arbeitsende hatte ich in den letzten Tagen auch noch einige Urlaubstage "abzubummeln" und die habe ich für viele schöne Dinge genutzt. So war ich beispielsweise an einem Tag auf der Buchmesse in Leipzig und habe mich durch die Massen schubsen lassen. Ich habe das dieses Mal eher sehr "unaufgeregt" geschehen lassen, bin nicht von einem Lesungstermin zur nächsten Signierstunde gehetzt, sondern bin einfach durch die Stände geschlendert - sofern Schlendern möglich war. War auch mal ganz schön, auch wenn ich dadurch letztlich gar nicht so sehr viel erlebt habe.

Ich war ein paar Tage im Harz unterwegs, habe die Leute, die sich "Harzdrenalin" tatsächlich zutrauen, mit offenem Mund zugesehen (NIE IM LEBEN würde ich das machen, da über die Talsperre hinweg zu fliegen!!!). Ich war in Potsdam und Berlin, habe Ed Sheeran live auf seinem Berlin-Konzert gesehen - es war einfach hach. Wunderbar. 😍 Der hat´s echt drauf, die ganze Halle nicht nur zu rocken, sondern sie auch zu verzaubern. Schnulzen genauso wie Rap-Songs, das muss erstmal einer hinkriegen...
Außerdem war´s künstlerisch im Barberini Museum in Potsdam, auch wenn ich leider immer wieder merke, dass der Impressionismus irgendwie nicht meine bevorzugte Kunstepoche ist... 😮 Auf den Bildern ist mir einfach zu wenig los 😃

Und ich habe natürlich auch die Zeit mit Lesen verbracht, u.a. "Wo das Dunkel schläft", das Finale der Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater. Und es kam - lange ersehnt - auch "Das Labyrinth der Lichter" von Carlos Ruiz Zafón raus, an dem ich noch lese. Ich habe übrigens festgestellt (ich hänge da etwas hinterher), dass der gute Herr Zafón nächste Woche tatsächlich in Deutschland auf Lesereise unterwegs ist. Den will ich unbedingt mal live sehen, insofern war meine Enttäuschung einfach unbeschreiblich groß, als mir klar wurde, dass das nichts wird. Nächste Woche ist, wie oben erwähnt, die erste Woche in meinem neuen Job, frei nehmen ist da nicht. Und alle Lese-Städte sind zu weit weg, als dass ich abends mal eben hinfahren könnte. So ein Mist!!! Geht zufällig jemand von euch hin?

Außerdem kamen im Laufe der Tage und Wochen einige neue tolle Bücher an, die zeige ich euch in den nächsten Tagen mal auf einem extra Foto. 
Soweit fürs erste. Habt ein schönes Wochenende!

Sonntag, 26. März 2017

"Hallo Leben, hörst du mich?" - Jack Cheng

cbt Verlag, 2017
14,99 Euro

Handlung:

Was würdest du tun, wenn du allein mit deiner Mom lebst, die manchmal ihre “ruhigen Tage” hat, und du planst, deinen iPod mit einer selbstgebauten Rakete ins All zu schießen, um den Außerirdischen das menschliche Leben auf der Erde zu erklären?
Ganz einfach: Der 11-jährige Alex wagt gemeinsam mit seinem Hund Carl Sagan die große Reise quer durchs Land zu einer Convention von Raketen-Nerds. Dabei lernt er nicht nur die unterschiedlichsten Menschen kennen, sondern erfährt auch eine Menge über Freundschaft, Familie, Liebe und all die anderen Dinge, die das Leben als Mensch so lustig, traurig, wunderschön und überraschend machen. Und zum Schluss ist Alex´ Welt um viele kostbare Freundschaften und sogar eine Schwester reicher.



Meine Meinung:
Ach je, dieses Buch... Beim Lesen schwankte ich ständig zwischen Ungläubigkeit und Mitleid. Denn eigentlich kann einem Alex, die Hauptfigur in diesem Buch, fast nur Leid tun. Für einen 11-Jährigen hat er sich eine ordentliche Portion Naivität, Gutgläubigkeit bewahrt und sieht alles tatsächlich noch aus den Augen eines Kindes. Zum Glück. Denn die Lebensumstände von Alex sind eigentlich eher besorgniserregend. Seine Mutter verbringt wegen psychischer Probleme den ganzen Tag auf der Couch liegend und kümmert sich eigentlich um gar nichts mehr, um Alex am wenigsten. Seinen Vater hat Alex nie kennengelernt, der ist wohl recht früh gestorbene. Alex´ älterer Bruder Ronnie hat sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht und wohnt in einer anderen Stadt, meldet sich nur alle paar Tage mal am Telefon. Eigentlich... weiß also niemand so genau, was Alex rumtreibt und beschäftigt. Und das ist eigentlich eine total niedliche Idee, mit der er sich beschäftigt. Alex ist fest davon überzeugt, dass es Außerirdische gibt und spricht aus diesem Grund diverse Textmeldungen auf einen iPod, den er mit einer Rakete ins All schicken will - um den Außerirdischen zu erzählen, wie das Leben der Menschen hier so auf der Erde aussieht. Als Leser liest man diese Texte, die Alex auf seinen iPod spricht und erlebt seine Story auf diese Art und Weise. Ich fand diese Beschreibungen von Alex so niedlich, so unbedarft und ehrlich, wie man wohl nur als Kind sein kann. In seiner Welt sieht er die ganzen Probleme nicht, die ihn eigentlich umgeben, sieht nicht, dass seine Mutter - und er - eigentlich Hilfe brauchen. Vielmehr lebt er seinen Traum, macht sich mit seinem Hund selbstständig auf den Weg zu einer Raketen-Convention und lernt dabei verschiedene Personen kennen, die den Ernst der Lage eher erkennen als er. Am Ende wird sich für Alex einiges ändern, nicht nur durch die Menschen, die er getroffen und lieb gewonnen hat. 
Durch die Textpassagen, die von Alex gesprochen werden, und die man sozusagen liest und empfängt, als wäre man der Außerirdische, der sie sich anhört, ist das Buch etwas ganz anderes, etwas ganz ungewöhnliches. Ich habe so mit Alex mitgelitten, auch wenn man es eigentlich nicht musste, weil er der Optimismus in Person ist und sein Leben selbst mag, wie es ist. Eine schöne Geschichte, die zu Herzen geht.

Montag, 6. März 2017

"Und jetzt lass uns tanzen" - Karine Lambert

Diana Verlag, 2017
17,99 Euro

Handlung:
Beinahe wären sie einander nie begegnet: Marcel, der den Sternenhimmel liebt, und Marguerite, die nur dem Tag Schönheit abgewinnen kann. Er, für den nur die Freiheit zählt, und sie, die ausnahmslos allen Regeln folgt. Doch dann verlieren beide ihre langjährigen Ehepartner. An diesem Wendepunkt in ihrem Leben treffen Marguerite und Marcel aufeinander und stellen überrascht fest, dass sie über die gleichen Dinge lachen. Wagen sie es auch, noch einmal zu lieben?


Meine Meinung:
"Und jetzt lass uns tanzen" hat mich zwiespältig zurückgelassen nach dem Lesen. Zum einen fand ich es schön, dass ein Thema angesprochen wird, das viel zu selten Thema ist, nämlich das Sich-Verlieben im höheren Alter, der zweite Frühling oder wie man es auch immer nennen mag. Natürlich hört das Gefühl des Verliebtseins nicht auf, nur weil man irgendwann die Altersgrenze von 70 überschritten hat. So geht es eben Marguerite und Marcel hier im Buch, die sich kennen- und lieben lernen. Die beiden haben damit am wenigsten ein Problem, dann schon eher ihre jeweiligen Familien, Kinder und auch Bekannte. Gehört sich das? Kann man sich als Witwe mit 78 noch einmal einen neuen Mann suchen? Kann man sich wirklich noch einmal so in das Gefühl fallen lassen, wie damals, als man das erste Mal verliebt war?
Ja, natürlich! Und warum auch nicht?! Und das hat Karine Lambert schön zum Ausdruck gebracht, das hat mir sehr gut gefallen. Das Sich-Verlieben im höheren Alter ist kein Tabu, es ist normal und wünschenswert. Also warum nicht eine Geschichte darüber schreiben?
Nicht ganz so sehr hat mir dagegen die Umsetzung gefallen bzw. der Schreibstil. Frau Lambert schreibt typisch französisch: kurz, knackig, aufs Wesentliche reduziert. Und so findet man hier in diesem Buch zwar eine Menge Dialoge, aber leider wenig Drumherum. Ich habe Beschreibungen vermisst, von Personen, von Handlungen, von Orten usw. Immer werden wesentliche Teile der voranschreitenden Handlung in nur wenigen Dialogsätzen abgefertigt, und das fand ich schade. Man hätte hier mehr "Drumherum" schreiben können, um der ganzen Geschichte noch mehr Platz und Raum zum Sich-Entfalten geben können.

Dienstag, 28. Februar 2017

"Herz"-Buchreihe - Kathrin Lange

Arena Verlag, 2014-2015

Buchreihe:
1. Herz aus Glas
2. Herz in Scherben
3. Herz zu Asche



Inhaltsangabe Teil 1:
Juli ist wenig begeistert, die Winterferien auf Martha’s Vineyard verbringen zu müssen. Auf der Insel trifft sie den verschlossenen David, dessen Freundin bei einem Sturz von der Klippe ums Leben gekommen ist. Bald erfährt Juli, dass ein Fluch für den Tod weiterer  Mädchen verantwortlich sein soll. Eine geisterhafte Stimme beginnt, ihr nachts Warnungen zuzuflüstern. Als sie sich in David verliebt, gerät sie in tödliche Gefahr.


Meine Meinung:
* Ich versuche es ohne, aber vielleicht sind doch kleine Spoiler in Bezug auf die ganze Reihe drin...*

Ich habe die Buchreihe von Kathrin Lange beendet - endlich, möchte ich fast sagen. Denn so sehr mich der erste Teil noch interessiert und ... ja, fast mitgerissen hat, umso anstrengender fand ich den Verlauf der weiteren Handlung. Der dritte Teil letztlich hat mich mit seinem Hin und Her und dem Fehlen einer wirklichen greifbaren Handlung fast nur noch genervt.
Denn genau das ist nun leider das, was von der 3-teiligen Buchreihe in meinem Kopf hängenbleibt: dass ich sie insgesamt zu lang geraten finde, weil ab der zweiten Hälfte von Buch 2 eigentlich nicht mehr viel passiert. In meinen Augen hätte man die ganze Reihe gut um ein ganzes Buch kürzen können und hätte dafür die wichtigen Punkte aus Buch 2 und 3 in eins gepackt. Herausgekommen wäre für mich eine schlüssigere Handlung, insgesamt mit mehr Spannung und auch Tiefgang. Denn der hat mir gerade im letzten Teil völlig gefehlt. Band 3 besteht eigentlich nur aus einem endlosen Hin und Her, sowohl bezogen auf Ortswechsel (mal im Haus, dann raus auf die Klippen, dann wieder ins Haus, dann an den Strand, dann mal kurz nach Boston und wieder zurück auf die Klippen), als auch bezogen auf das für mich nur schwer zu durchschauende Gefühlswirrwarr zwischen Juli und David. Auf der einen Seite wollen sie sich, dann mal wieder nicht, dann heißt es wieder "große Liebe", nur um auf der nächsten Seite wieder getrennt zu sein. Nervig fand ich das, tut mir Leid.
Sicher, ich mag nicht mehr zur unmittelbaren Zielgruppe zu gehören, daher empfinde ich das vielleicht auch ein wenig anders als jüngere Leserinnen. Aber andererseits lese ich häufig mal ein Jugendbuch und finde auch immer wieder welche, die mir (trotz meines "Alters") richtig gut gefallen.

Woran hat es also hier gehapert? Abgesehen von der bereits erwähnten Länge und meinem Empfinden, dass man die ganze Geschichte um das ganze Hin und Her hätte kürzen können, ist es wahrscheinlich auch die Tatsache, dass mir mit fortschreitender Handlung das Mysteriöse und Geheimnisvolle ein wenig abhanden gekommen ist. Teil 1 fand ich herrlich geheimnisvoll, schon allein der Beschreibung wegen: eine einsame abgelegene Villa auf einer abgelegenen Insel, beladen mit einem jahrhundertealtem Familienfluch, der hier und da im Verlauf auch für ein paar Gänsehautmomente gesorgt hat, wenn plötzlich geflüstert wurde mitten in der Nacht, oder Türen offen standen, die eben noch geschlossen waren. Das hat für mich den Reiz von Buch 1 ausgemacht. Und ich war neugierig, ja. Ich wollte wissen, wie es mit Juli und David weitergeht. Ich wollte wissen, warum David so ein toller Hecht sein soll, dass Juli für ihn alle Bedenken über Bord wirft. Ich wollte Drama, Spannung, Leid und Liebe und das alles schön gewürzt mit Geheimnissen und mysteriösen Momenten. Das hat aber leider von Seite zu Seite nachgelassen, war in Teil 2 schon kaum noch zu finden und in Teil 3 (wie oben erwähnt) dann irgendwie gar nicht mehr da. Madeleine, die Fluch-Sprecherin, erscheint hier mal ab und zu und winkt Juli zu, ok, tolle Sache. Aber Grusel? Und geheimnisvoll? Nee. Vor allem wurde mir der Abschluss dann auch wegen Charlie, Davids Ex-Verlobten, einfach zu anstrengend. Die hat so ziemlich jedes Klischee einer nervigen Ex-Freundin auf den Leib geschrieben bekommen: leider ziemlich heiß aussehend, dennoch ein fieses intrigantes und obendrein auch noch reiches Miststück, das arrogant die Neue ihres Ex´ belächelt. Und besagter Ex macht natürlich mit. Hach nee, wie doof. Und irgendwie vorhersehbar. Auch der Showdown im letzten Buch sorgt zwar für spannende Momente, aber so wirklich der Überraschungsknaller ist es in meinen Augen nicht geworden. 

So bleibt mir das Fazit, dass ich Kathrin Langes Buchreihe zwar zu Beginn mochte und Teil 1 wirklich gern gelesen habe, dass mir der Verlauf aber einerseits zu lang und auch zu gewollt erschien. Für mich hätte die Geschichte kürzer, knackiger und dadurch spannender sein können, ohne das ganze nervtötende Hickhack und Hin und Her im letzten Teil.


Samstag, 25. Februar 2017

Der März wird teuer! Zum Glück... :)

Oh du lieber März. Du wirst teuer. Und leseintensiv...
Denn im März erscheinen ja unglaublich viele neue interessante Bücher. Damit erzähle ich euch ja nichts neues; in den letzten Wochen haben soviele von euch ebenfalls auf den Blogs oder bei facebook & Co. zusammen getragen, welche neuen Bücher euch im März besonders interessieren.
Ich muss ehrlich sagen: ich habe gar nicht bewusst nach Neuerscheinungen gesucht. Das habe ich schon ziemlich lange nicht mehr, was auch ein Grund für mein zunehmendes schlechtes Gewissen als "Buch-Bloggerin" ist. Eigentlich hätte ich mich mit Freuden und Motivation auf die ganzen Verlagsvorschauen stürzen müssen, aber ich hab es nun mal nicht getan. Mir hat da einfach ein bisschen die Zeit, aber auch der Nerv für gefehlt. Trotzdem macht das eigentlich gar nichts, finde ich. Denn auch so - ohne bewusst nach neuen Büchern zu suchen - habe ich eine schier unglaubliche Masse an Neuerscheinungen zusammen bekommen, die im März ihren Weg in die Buchhandlungen finden werden. Einfach nur so durch "mitbekommen, was andere so lesen wollen", aber auch "sehnsuchtsvolles Warten auf manche Bücher, bei denen ich dann doch mal geschaut und gegoogelt habe, wann der Erscheinungstermin ist". Letzteres war z.B. der Fall beim vierten und letzten Teil der Barcelona-Tetralogie von Carlos Ruiz Zafón oder auch "Wo das Dunkel wohnt" von Maggie Stiefvater, ebenfalls vierter und letzter Teil ihrer grandiosen Buchreihe um die Raven Boys. Tatsächlich habe ich diese Buchreihe schon auf Englisch gelesen, weil ich damit einmal mit Teil 1 angefangen hatte. Daher weiß ich nun schon, wie es ausgeht, und was mit Gansey und Blue und Glendower & Co. passiert - aber das hält mich keinesfalls davon ab, das Ganze nochmal auf Deutsch zu lesen... ;)

Folgende neue März-Bücher machen mich besonders neugierig und haben außerordentlich gute Chancen, bei mir einziehen zu dürfen:









Ich verzichte jetzt mal darauf, euch zu jedem Buch eine Inhaltsangabe zu kopieren, ich glaube, viele sind eh in aller Munde und von vielen sehnsüchtig erwartet. Bei anderen (wie z.B. bei Carlos Ruiz Zafón oder auch Christoph Marzi) wäre es mir erstmal völlig egal, worum es geht, weil ich deren neuen Bücher auf jeden Fall lesen wollen würde und mir so oder so zulegen würde. So ist das irgendwann mit Lieblingsautoren... Ich habe euch aber die Titel zur Inhaltsangabe verlinkt, wenn ihr bei dem ein oder anderen Buch doch nachlesen möchtet, worum es geht.

Wie sieht denn eure März-Neuerscheinungsliste aus? Worauf wartet ihr ganz sehnsüchtig?


Sonntag, 19. Februar 2017

Ich habe ein Blind Date.

Nicht mit einer Person, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Nein, mit einem Buch, aber unter Umständen kann das ja sowieso die angenehmere Begegnung werden... 
Ich habe schon häufig in Buchläden (in größeren Ketten, aber auch in kleinen privat geführten Geschäften) sogenannte Blind Date - Büchertische erspäht, auf denen Bücher in Papier eingewickelt und mit nichts mehr als einer kurzen (meist kryptischen) Inhaltsbeschreibung oder sogar nur kurzen Stichpunkten darauf vermerkt auf Käufer warten. Ich gucke mir solche Bücher eigentlich ganz gern mal an, meistens jedoch sprechen mich diese Inhaltsangaben oder eben die Stichpunkte darauf nicht wirklich an. Und dann ist da ja auch immer noch der Gedanke, dass es ein Buch sein könnte, das a) ich schon besitze (was ich vielleicht trotz der Kurzbeschreibung nicht merke), oder b) mir einfach gar nicht gefällt, weil es so gar nicht mein Fall ist, und es mir im Normalfall niemals gekauft hätte.
Da geht es einem mit einem Blind Date-Buch also eigentlich wie mit einem Blind Date-Menschen, wenn man sich denn auf sowas einlässt. Aus diesem Unsicherheits-Faktor und dem Gedanken "Da ist mir mein Geld zu schade, ich habe ohnehin schon soviele Buchwünsche!" heraus, habe ich um solche Blind Date- Bücher also bisher einen Bogen gemacht. Angesehen ja. Das Buch in der Hand gewogen und eine Sekunde darüber nachgedacht auch. Aber gekauft habe ich ein solches Buch bisher nie.

Gestern aber doch. Ich habe in der Mittagspause meiner Weiterbildungsveranstaltung die nur 50m entfernt liegende thalia-Buchhandlung besucht, mir eine halbe Stunde die Beine vertreten und bin schließlich mit 2 Büchern wieder rausgegangen - und eins davon war in unauffälliges braunes Packpapier eingewickelt und versprach laut Kuli-Aufschrift eine lustige tolle Geschichte. 






Ich habe mit dem Auspacken gewartet, bis ich zuhause war. Und ja, ich war tatsächlich ein bisschen aufgeregt - hallo, es handelt sich schließlich um ein Blind Date! Nun ja, dennoch wurde die Aufregung dann von ein wenig Enttäuschung abgelöst, wenn ich mal ehrlich sein soll. Denn das Buch, das zum Vorschein kam, ist so eins, das ich eigentlich unter die Rubrik "Nicht mein Fall" ablegen würde. Zumindest hatte ich bisher noch nie Interesse an dem Buch, auch wenn es mir auf Blogs und in Buchläden natürlich schon begegnet ist.


"Johan Andersson – seit seinen zahllosen Gefängnisaufenthalten nur noch »Mörder-Anders« genannt – ist frisch aus dem Knast entlassen und braucht einen neuen Job sowie neue Freunde. Da kommt ihm die Begegnung mit der geschäftstüchtigen Pfarrerin Johanna Kjellander, die wegen ihrer atheistischen Gesinnung arbeitslos geworden ist, gerade recht. Zusammen mit dem Hotel-Rezeptionisten Per Persson gründen sie eine »Körperverletzungsagentur« mit Mörder-Anders in der Rolle des Auftragsschlägers. Die Nachfrage läuft blendend. Bis Mörder-Anders nach dem höheren Sinn des Ganzen fragt, sich plötzlich für Gott interessiert und friedfertig werden will. Doch Stockholms Gangsterbosse haben mit ihm noch eine Rechnung offen und nehmen Mörder-Anders und seine Freunde gründlich in die Zange …"
Eigentlich kann ich nicht erklären, warum mich diese Geschichte bisher so gar nicht gereizt hat. Klingt ja eigentlich schön schräg und für sowas bin ich manchmal zu haben. Also mal sehen, ob es und ich doch noch Freunde werden. Reinlesen werde ich auf jeden Fall.

Wie steht ihr zu solchen "Blind Date- Büchern"? Habt ihr euch selbst schon einmal eins gekauft? Oder wurde euch vielleicht eins geschenkt? Habt ihr gute Erfahrungen gemacht?

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