Dienstag, 13. Dezember 2016

"Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod" - Gerhard Jäger

Blessing Verlag, 2016
22,99 Euro


Handlung:

Im Herbst 1950 kommt der junge Wiener Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um einem alten Geheimnis auf den Grund zu gehen. Konfrontiert mit der archaischen Bergwelt und der misstrauischen Dorfgemeinschaft , fühlt er sich mehr und mehr isoliert. In seiner Einsamkeit verliert er sich in der Liebe zu einer jungen Frau, um die jedoch auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, ein Stall lichterloh brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos – nur seine Aufzeichnungen bleiben zurück.
Mehr als ein halbes Jahrhundert später will ein alter Mann endlich die Wahrheit wissen. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, begibt er sich auf Spurensuche in die Vergangenheit.



Meine Meinung:
Inmitten dieser unscheinbaren weiß-grauen Buchdeckel, auf denen vorne dieser zuerst etwas sperrig wirkende Titel zu lesen ist, verbirgt sich eine durchweg lesenswerte, spannungsgeladene und mitreißende Geschichte über einen Mann, der in ein Dorf kommt und dort wie nebenbei das ganze Leben der Mitbewohner umwirft. Dabei gibt es eine Geschichte in der Geschichte, denn als Leser begleitet man den 80-jährigen Protagonisten dabei, wie er sich mithilfe eines alten Manuskripts auf Spurensuche begibt, der Suche nach seinem verschollenen Cousin. Eben dieser Cousin hat das Manuskript verfasst, in dem die Rede ist von seiner Zeit in einem kleinen Bergdorf, von dem Kennenlernen und Sich-Annähern bei den anderen Dorfbewohnern, von der Liebe, die nicht sein darf und schließlich von höchst dramatischen Wendungen, aus denen nicht jeder lebend wieder herauskommt. 
Mich hat diese Geschichte tatsächlich schon nach wenigen Seiten völlig in ihren Bann gezogen. Ich wollte unbedingt wissen, was mit Max passiert ist, warum es dem 80-jährigen Herrn im Jetzt so wichtig ist, etwas über ihn zu erfahren - mehr als 50 Jahre nach den dramatischen Ereignissen. Wo ich mir anfangs beim Lesen noch gedacht habe, dass hier und da kleine Längen im Text sind und man manches auch kürzer hätte darstellen können, würde ich jetzt nach dem Lesen rückblickend doch nichts anders haben wollen. Das Buch ist gut so, wie es ist. Es ist eindringlich, es beschäftigt den Leser auch noch über das Lesen hinaus. Es ist bedrückend. 
Irgendwo habe ich das Wort "sprachgewaltig" gelesen, und das ist die Geschichte von Max Schreiber wirklich. Zunächst war ich angesichts dieses Sprachstils, dieses gelegentlichen Wiederholens von Wörtern, Aufzählungen, ganzen Teilsätzen ein wenig irritiert, bis mir aufgefallen ist, dass genau das den Reiz der Erzählung ausmacht. Und schon nach kurzer Zeit macht auch der holprige Titel mehr als Sinn.
Eine wirklich gelungene Erzählung im winterlichen Ambiente, für mich ein echtes Jahresabschluss-Highlight.

1 Kommentare:

  1. Das klingt wirklich interessant. Mir ist der Titel in der letzten Zeit ein paarmal untergekommen, aber ich habe mich nie so recht informiert, worum es da überhaupt geht. Jetzt ist das Buch mal auf meiner Wunschliste gelandet.

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