Sonntag, 6. November 2016

"Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" - Susann Rehlein

Dumont Verlag, 2016
18,00 Euro



Handlung:

Lucy Schröder würde die Liebe nicht erkennen, wenn man sie mit der Nase darauf stieße. Als sie sieben war, erwischte ihr Vater sie bei einer Testreihe zur Funktionsweise des Küssens und schärfte ihr daraufhin ein, sich von Liebe und Gefühlsduselei fernzuhalten. Jetzt ist sie erwachsen – und hält sich immer noch daran. Erfolgreich wehrt sie jeden Annäherungsversuch ab. Ihr Leben als Schneekugeldesignerin ist auch ohne die Gegenwart anderer Menschen interessant genug, findet sie. 
Doch eines Tages ändert sich alles. Als wäre im Himmel die Zuckerwattemaschine verrückt geworden, hüllt Zuneigung die spröde Lucy von allen Seiten ein. Sie hat nämlich eine Beratertätigkeit im maroden Kaufhaus Schönstedt angenommen, und hier arbeiten so liebevolle und freundliche Menschen, dass Lucy gar nicht anders kann, als sich zu öffnen. Die Folge ist der völlige Kontrollverlust, das war ja klar. Lucy verliebt sich. Hals über Kopf. Mit Haut und Haar. Mit Mann und Maus. Da hilft auch das Orakel des fahlen Fisches nicht mehr, das Lucy gerade für eine Schneekugel baut und das für diesen Fall vorschlägt: "Zieh dich warm an, Mädchen, es wird heiß."



Meine Meinung:
Lucy Schröder ist anders. Eigenbrötlerisch, etwas schrullig, hat keine sozialen Kompetenzen, möchte diese aber eigentlich auch gar nicht haben. Sie hat kein Bedürfnis, viel mit anderen Menschen zu tun zu haben. Sie lebt allein in einer großen Stadt, kennt aber kaum eine Person und bewegt sich auch nur in einem sehr kleinen Radius - wenn überhaupt. Eine Außenseiterin also, die nicht wirklich viel Pläne oder Wünsche im Leben hat. Und aufs Papier gebracht wurde sie von Susann Rehlein.

Hmmm... Moment mal, kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor? Ja, durchaus. Denn die Geschichte von Lucy Schröder erinnert mich sehr an die Geschichte von Dorle aus "Die erstaunliche Wirkung von Glück", die ebenfalls von Susann Rehlein geschrieben wurde. Und ich glaube, das ist auch das hauptsächliche Problem, das ich mit "Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten" habe - es wirkt auf mich wie eine aufgewärmte Geschichte, die es eigentlich schon gibt. Wer beide Bücher gelesen hat, wird kaum umhin kommen, Parallelen festzustellen.
Die Protagonistin Lucy ist ist ähnlich geraten wie die Figur "Dorle" mit ihren Schrullen, ihren sozialen Defiziten, ihrem bescheidenen "eingesperrten" Leben in einer kleinen Wohnung in einer großen unpersönlichen Stadt. Die Nebenfiguren sind auch ähnlich geraten, denn wie schon die netten Nachbarn bei Dorle versuchen hier die Mitarbeiter im Kaufhaus, ein bisschen Leben und Liebe aus Lucy rauszukitzeln. Wie schon bei Dorle entwickelt sich auch hier eine kleine Liebesgeschichte, deren Reiz jedoch nicht auf mich überspringen konnte, da ich keinerlei Emotionen oder sprühende Funken zwischen den Figuren erahnen konnte
Ähnlich wie Dorle ist Lucy ein eher reizloser Charakter, der nicht wirklich fürsorgend mit sich selbst umgeht. So isst sie beispielsweise seit Monaten nichts anderes als Ravioli aus der Dose, läuft mit kaputten Klamotten herum und Anspielungen, dass es Lucy - wie Dorle - nicht so genau mit der Hygiene nimmt, tauchen auch immer wieder mal auf. Irgendwie führt das ganze Erscheinungsbild und Lucys unglaubliche Patzigkeit und Naivität dazu, dass ich mit ihr einfach nicht wirklich warm geworden bin. Sie ist mir zu schräg und zu ja - unpersönlich dargestellt. Da fand ich manche Stories und Schilderungen der Nebenfiguren viel interessanter als Lucys, muss ich gestehen. Ich denke, das ist zu einem gewissen Grad auch von Frau Rehlein gewollt, dass Lucy eben ein Charakter mit Ecken und Kanten ist, nicht Everybody´s Darling. Um klarzumachen: es gibt nicht nur weichgespülte Romanheldinnen, sondern auch Menschen wie Lucy. Und wie Dorle. 
Letztlich bin ich froh, dass Frau Rehlein Lucy so eine schöne und warmherzige Geschichte auf den Leib geschrieben hat. Und dass sich für Lucy zwar erstmal alles auf den Kopf stellt, sie damit aber am Ende eigentlich ganz zufrieden ist. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass sich Lucy und Dorle einfach zu sehr ähneln und das gibt dem Buch in meinen Augen einen bitteren Beigeschmack. Schade.

Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Buchverlag für das Rezensionsexemplar!

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