Samstag, 14. Mai 2016

"Der Zirkus der Stille" - Peter Goldammer

Atlantik Verlag, 2016
20,00 Euro



Handlung:
Thaïs Leblanc wächst nach dem Tod der Mutter bei ihrer Großmutter auf, der unvergleichlichen Victoria, wie sie auf Zirkusplakaten tituliert wird. Thaïs verabscheut das Zirkusleben und zieht, kaum volljährig, nach Paris; sie will nur eins: Normalität. Doch als die Großmutter stirbt, konfrontiert deren seltsames Testament sie mit ihrer Familiengeschichte, die sie zum wundersamen Cirque perdu und seinem Direktor Papó bringt. Dort lernt Thaïs, dass man sich seinen Ängsten stellen muss und für die wichtigsten Dinge im Leben keinen Applaus von anderen braucht.


Meine Meinung:
"Mir war bewusst, wie absurd es war, sich in einem Totenhaus in den Ferien zu fühlen, aber manchmal kann man sich seine Gefühle eben nicht aussuchen." (S. 56)

"Der Zirkus der Stille" ist mir nach dem Lesen vor allem als bizarr und kurios in Erinnerung geblieben. Weniger, weil es um einen Zirkus geht - und die sind nun mal im besten Falle bizarr und kurios. Eigentlich finde ich, spielt der Zirkus, um den es hier in diesem Buch geht, sogar eher eine nebensächliche Rolle. Vielmehr geht es um Thais selbst, die sich nach dem Tod ihrer Großmutter - und darüber ist sie selbst überrascht - verloren fühlt und nicht so recht weiß, wie es weitergehen soll. Im Prinzip hat sie alles, was man im Leben so haben kann und will. Oder vielmehr glaubt sie, als das zu haben. Aber reicht das fürs Leben? Job, Beziehung, Wohnung, Leben in Paris? Ist da nicht noch mehr? Thais weiß, dass es mehr gibt, nicht zuletzt, weil sie selbst früher immer mit den eigenwilligen Lebenskonzepten von Zirkusleuten in Kontakt gekommen ist. Und die setzen ihre Prioritäten nun mal ganz anders.
Eigentlich ist es eine Geschichte über eine Frau, die mutig neue Schritte wagt, die über ihren eigenen Schatten springt, die sich auf Dinge einlässt, die sie vorher strikt abgelehnt hatte. Thais als Figur blieb mir während des Lesens zwar eher fremd, aber tatsächlich hat mich das nicht sehr gestört; ich habe sie dennoch gern auf ihrem Weg begleitet. Peter Goldammer hat mit seinem Buch eine bunte, unterhaltsame und lesenswerte Geschichte geschrieben, die im Zirkus spielt - aber dennoch keine Zirkusgeschichte ist. Vielmehr kommt es auf all die ernsten und nachdenklicheren Töne an, die anklingen, und die dazu führen, dass man nach dem Zuklappen wirklich mal stark über sein eigenes Leben nachdenkt. Mir zumindest ging es so.

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