Montag, 7. März 2016

[Kurz gesagt] Von Geschwistern, Häusern am See und rotem Meer

Jonathan Evison "Alles über Lulu"

"Alles über Lulu" hat mich anfangs völlig sprachlos sitzen lassen. Ich war hin und weg von dem, was ich las; ich habe Unmengen an Sätzen markiert, weil sie mir so gefallen haben. Die Geschichte von Will, der sich in Lulu verliebt, die durch die Heirat ihrer beider Eltern aber leider Halbgeschwister werden, ging mir nicht nur zu Herzen, sondern auch in den Kopf. Ich glaubte, ich hielte schon einen kleinen literarischen Schatz in den Händen. 
Allerdings nicht lange. Denn je älter die Protagonisten werden, umso mehr verliert die Geschichte - und insbesondere der Schreibstil des Autors - an Reiz. Mein Interesse sank von Seite zu Seite, weil ich mit Will und Lulu plötzlich so gar nichts mehr anfangen konnte. Lulu verändert sich als Teenager sehr und lässt Will, obwohl beide vorher eng befreundet waren, auf einmal ohne ersichtlichen Grund hängen. Das sorgt jedoch nicht zu einem Nachlassen von Wills Verliebtheit und so rennt er dieser (mir einfach nur unsympathisch und egoistisch wirkenden) Lulu über Jahre, fast Jahrzehnte hinterher. Und dabei ständig in sein eigenes Unglück. Mir hat das irgendwann einfach keinen Spaß mehr gemacht, nur davon zu lesen, wie Lulu ihn zappeln lässt, wie sie ihn veralbert und in ihrer Art und dem Auftreten einfach unecht ist. Da ich solche Menschen im wirklichen Leben nicht mag, kann ich mit ihnen auch auf Buchseiten nicht viel anfangen. Jedoch hielt sich auch mein Mitleid mit Will stark in Grenzen, denn mit so einer Person, die ihr halbes Leben lang blind durch die Gegend läuft, kann ich an irgendeinem Punkt auch nicht mehr mitfühlen. 
Was für mich also ganz wunderbar anfing, konnte leider nicht im Geringsten halten, was ich gehofft hatte. "Alles über Lulu" hat mich letztlich leider doch sehr enttäuscht.



Kate Morton "Das Seehaus"

Ein wunderbarer Schmöker für diese komische Jahreszeit da draußen, die sich nicht entscheiden kann, ob sie jetzt noch kalt oder doch eher schon frühlingshaft sein möchte. Da lässt man sich gedanklich doch gern mal nach Cornwall mit seinen eindrucksvollen Landschaften entführen. Ich zumindest konnte mich wunderbar für einige Stunden in diesem Wälzer (608 Seiten) verlieren und habe dabei sowohl Alice in der Vergangenheit als auch Sadie im Heute begleitet. Denn "Das Seehaus" verläuft auf zwei Zeitebenen: Alice Geschichte spielt vorrangig in der Zeit vorm Zweiten Weltkrieg, Sadie als Polizistin dagegen hat heute mit allerlei Dämonen aus ihrer und der Vergangenheit anderer Personen zu kämpfen. Zwei starke Frauen, die eines Tages das Schicksal zusammenführt. Klingt abgedroschen? Ja, das mag sein, und das dachte ich auch beim ersten Lesen des Klappentextes von "Das Seehaus". Glücklicherweise hat mich das dennoch nicht vom Lesen abgehalten, denn ich hätte dieses Buch nicht missen wollen. Mir haben die Verwicklungen um Alice und ihre Familie, die mit dem plötzlichen Verlust des jüngsten Sohnes zurechtkommen muss, gut gefallen, weil sie unweigerlich zum Rätselraten verleiten. Natürlich macht man sich als Leser Gedanken, was mit dem Jungen passiert ist, was dahinter stecken könnte - und wer hier wohl einiges zu verheimlichen hat. Und Sadie? Die rollt das Ganze von hinten auf, 70 Jahre später, mit polizeilichem Gespür. Der Wechsel zwischen Heute und Damals hat mir stets gut gefallen und sorgt für eine gewisse Dynamik in der Handlung. Langweilig wurde es mir auf keiner einzigen Seite, und auch wenn ich das Ende einen kleinen Tick zu dick aufgetragen empfunden habe, hat mir "Das Seehaus" rundum gut gefallen.


Maggie Stiefvater "Rot wie das Meer"
Lese-Bingo: Ein Buch mit einem "und" im ersten Satz

Von ihrer "Raven boys" - Reihe bin ich absolut begeistert und fiebere dem Erscheinen des vierten Teils im April schon entgegen. Genau aus diesem Grund wuchs bei mir aber der Wunsch, auch andere Bücher der Autorin zu lesen - denn ihr Schreibstil gefällt mir wirklich sehr gut. Nun schrecke ich vor der "Nach der Sommer"-Reihe jedoch ein wenig zurück, weil Wolf-Gestaltwandler einfach nicht so wirklich mein Fall sind - glaube ich zumindest; vielleicht lasse ich mich aber irgendwann auch noch eines Besseren belehren. 
So blieb mir also diese Alternative: "Rot wie das Meer", ein Einzelband der Autorin. Ich habe es an zwei Tagen verschlungen, denn viel zu leicht fiel es mir, mich auf die Insel Thisby, ihre mitunter kuriosen Bewohner und vor allem auf die jährlich aus dem Meer am Strand auftauchenden, gefährlichen Wasserpferde einzulassen. Schon nach wenigen Seiten hatte ich das Gefühl, Thisbys raue Landschaft genau vor mir sehen zu können, die beißwütige Gefahr, die von den schwer zu zähmenden Pferden ausgeht, durch die Buchseiten hinweg spüren zu können. Und mich vor allem in die beiden Hauptfiguren hineinversetzen zu können: Puck und Sean. Beide wollen am Rennen mit den Wasserpferden teilnehmen, beide aus unterschiedlichen Gründen. Zwangsläufig kreuzen sich ihre Wege und eine gemeinsame Geschichte beginnt - und was für eine schöne. Beim Lesen hatte ich manchmal wirklich Gänsehaut und musste unwillkürlich seufzen. Man liest die Handlung aus den Perspektiven von beiden, und das fand ich sehr angenehm, weil es viel mehr Einblicke erlaubt. Ich flog jedenfalls durch die Seiten, einerseits mit dem Wunsch, die Geschichte möge lange weitergehen, und zugleich mit dem Verlangen, zu wissen, wie das unheilschwangere Wasserpferde-Rennen am Strand wohl ausgehen wird. "Rot wie das Meer" hat mir ausgesprochen gut gefallen und mich einmal mehr darin bestärkt, Maggie Stiefvater als Autorin im Auge zu behalten.

2 Kommentare:

  1. "Rot wie das Meer" hat mir auch sehr gut gefallen. Ich habe die Beschreibungen von Thisby toll gefunden und mochte sowohl Puck als auch Sean sehr gern.

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  2. Ja, das war irgendwie so ein richtiges Wohlfühlbuch, obwohl es partiell fast sehr brutal war mit den Wasserpferden...

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