Sonntag, 21. Februar 2016

"Eine Therapie für Aristoteles" - Melanie Sumner

Dumont Verlag, 2016
19,99 Euro



Handlung:
Aristoteles »Aris« Thibodeau ist zwölfeinhalb Jahre alt. Nein, sie ist kein Junge. Und ja, sie ist zu Höherem berufen. Leider steckt sie seit dem Tod ihres Vaters in einer eher mäßig interessanten Kleinstadt fest, wo sie sich um das desolate Liebesleben ihrer Mutter kümmern muss. Nicht zu vergessen ihr Job als Koerzieherin ihres kleinen Bruders Max, für dessen Therapie das gesamte Geld der Familie draufgeht. 
Zum Glück hat Aris einen Plan. Mithilfe des Ratgebers ›Schreiben Sie einen Roman in 30 Tagen!‹, den ihre Mutter ihr als Therapieersatz in die Hand gedrückt hat, will sie einen Bestseller schreiben. Inhalt des Buches: ihre charmant dysfunktionale Familie. Wenn nur ihre Mutter endlich die Finger vom Onlinedating lassen würde, dann könnte sie erkennen, dass der perfekte Mann für sie der Handwerker und Nanny-Ersatz Penn Mac-Guffin ist. Und Aris hätte zumindest schon mal den romantischen Strang ihres Plots in der Tasche (und einen Vater im echten Leben). Als jedoch ein Unfall einen düsteren Teil der Thibodeau-Familienhistorie enthüllt, muss Aris einsehen, dass manches im Leben – genauso wie in der großen Literatur – nicht exakt so verläuft, wie es geplant war.


Meine Meinung:
Neugierig geworden durch den Klappentext hat sich "Eine Therapie für Aristoteles" recht schnell auf die oberen Ränge meiner Buch-Liste geschoben und wurde dann ebenso schnell von mir lesenderweise verschlungen. Aris Familie ist in der Tat „dysfunktional“, wobei das ganze Ausmaß erst im Laufe der Geschichte offensichtlich wird. Die ambitionierte und durch nichts zu entmutigende Aristoteles ist die Trägerin dieser herzlichen und zugleich nachdenklich stimmenden Geschichte. Eben diese Geschichte bekommt aber erst durch so viele liebevolle Nebenfiguren, Anekdoten, Details und vor allem außergewöhnliche Schreibstile von Aris den besonderes Reiz. So sind mitten im eigentlich Handlungsablauf hier und da ein paar Listen abgedruckt, die einen guten Eindruck davon geben, wie die Schreiberinnen ticken. Ebenso bekommt man verschiedene College-Hausarbeiten eines Studenten zu lesen, die eigentlich Aris´ Mom Korrektur lesen und benoten soll. Den Job übernimmt aber ganz gern mal spontan Aris selbst, schließlich ist die Literatur ihre Welt. Da liegt es nahe, dass auch sie selbst sich im Schreiben ausprobiert, und das Ergebnis bekommen wir nun in diesem Buch zu lesen.
Dabei ist Aris Geschichte klug, besserwisserisch, philosophisch und erheiternd, zum Ende hin sehr nachdenklich stimmend und polarisierend. Manchmal mit ein paar Längen, manchmal nicht lang genug.
Das größte Problem, das ich jedoch mit der Geschichte hatte, ist die Tatsache, dass ich ihr (also der Geschichte) nicht abkaufe, von einer 12-Jährigen geschrieben worden zu sein. Das ganze Buch soll aus der Sicht von Aris formuliert sein - eben ein Roman innerhalb von 30 Tagen, wie sich Aris vornimmt. So erfrischend ich ihre Sichtweisen anfangs fand, so unglaubwürdig wurde es nach und nach für mich. Denn für eine 12-Jährige (strenggenommen also noch nicht mal ein Teenager) wirkt die Schreiberin zu erwachsen, zu abgeklärt, zu philosophisch und einfach nicht altersentsprechend in den Inhalten, über die sie spricht. Sie benutzt Fremdwörter und spuckt so verschachtelte, komplizierte Sätze aus, dass man einfach merkt, hier hat eigentlich eine erwachsene Frau ihrer schreiberischen Ader freien Lauf gelassen. Das fand ich schade, zumal die Autorin im Vorwort sogar darauf hinweist, dass sie genau diesen Kritikpunkt von ihren Lektoren zu hören bekommen hat. Warum wurde dann nichts geändert? Warum hat sie Aris nicht einfach ein paar Jahre älter gemacht?

Abgesehen von dieser Frage, die ich mir beim Lesen jedoch leider durchgängig gestellt habe, ist "Eine Therapie für Aristoteles" ein schönes, kluges und unterhaltsames Buch, in dem man sich kurzweilig sehr verlieren kann. 

Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Verlag!

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