Sonntag, 17. Januar 2016

Aspen oder Maxon - Und warum gibt es eigentlich keine Rosen?!

"Selection" von Kiera Cass
Sauerländer Verlag, 2013
16,99 Euro
Lange lange hat mich "Selection" von Kiera Cass aus meinem Regal heraus angelächelt. Manchmal hat es richtiggehend gewunken und gerufen "Wieso lässt du mich so warten? Ich beinhalte Prinzen, Prinzessinnen in spe, ein Casting im Stile des "Bachelors" und obendrein eine Mädchengeschichte, die zuckersüßer nicht sein kann." Zumindest war das meine Vorstellung davon, was mir dieses Buch zurufen würde, wenn es denn könnte.
Nicht zuletzt weil mein diesjähriges Lese-Bingo "Ein Buch über einen Prinzen/ eine Prinzessin" erfordert, sondern auch, weil ich eigentlich längst mal in "Selection" reinschnuppern wollte, habe ich es mir am vergangenen Wochenende geschnappt und genau das getan: reingelesen. Am Ende hatte ich das ganze Buch an nur einem Tag durch. Das lag zum einen an der - meiner Meinung nach - recht großen Schrift und den dicken Seiten, zum anderen aber auch an der insgesamt sehr kurzweiligen Geschichte.

Ach, und mal noch was ganz anderes: Bin ich die Einzige, die findet, dass es auf diesem Cover so aussieht, als würde das Mädel mal eben kontrollieren, ob ihr Deo noch hält?! Das hat mich von Tag 1 an gestört, als ich das Cover zum ersten Mal gesehen habe. Vielleicht auch Schuld daran, dass ich das Buch so lange im Regal hab stehen lassen... :o

Der Grund, warum ich das Buch so lange nicht gelesen und ignoriert habe, war folgender: Eigentlich sind so Mädchen- und Prinzessinnen-Geschichten nicht wirklich meins. (Ich bin wohl auch so ziemlich die Einzige, die kaum einen Disney-Film kennt. Hat mich irgendwie nie so gereizt. Und das ganze Gesinge dadrin... :/ ) Ich bin ganz ehrlich, ich hatte bei "Selection" von vornherein viele Vorurteile, die nicht zuletzt auch dadurch geschürt wurden, dass ich auf so vielen anderen Blogs und in Rezensionen gelesen habe, wie banal und ... naja, Mädchen-Glitzerhaft da manches sein soll. Und die Parallelen zur beliebten Sendung "Der Bachelor" sind schon anhand der Inhaltsangabe offensichtlich. Beim "Bachelor" guck ich durchaus mal rein, wenn das läuft (ich gebe es zu!), allerdings immer nur in der ersten Folge, weil ich sehen will, welche naiven Mädels und Frauen sich da ernsthaft angemeldet haben. Alles danach interessiert mich nicht weiter und verfolge ich auch nicht.
Nun also das Ganze nicht mehr im TV, sondern auf den Buchseiten. Maxon (= der Prinz) sucht auf diese "Bachelor"-Manier ebenfalls die Dame seines (noch recht jungen) Lebens, und America Singer, die Hauptfigur des Buches, schafft es - oh Wunder - doch tatsächlich in die engere Auswahl. So weit, so gut. Ich muss sagen, mir hat die Story eigentlich (wider Erwarten) gut gefallen, auch wenn die Rosen fehlen. Denn "leider" werden die Damen von Maxon gar nicht wirklich gefragt, ob sie ihn eigentlich haben wollen und daher im Palast verbleiben möchten. So nach dem Motto "Möchtest du diese Rose...?!" wird das alles hier nicht aufgeführt. Maxon bestimmt, fragt aber nicht. Ein wenig überrascht hat mich in dieser Hinsicht auch, dass schon alleine im Buch 1 (von dreien, glaube ich??), die Mädels von 35 auf 6 dezimiert werden. Geht es in den nächsten beiden Büchern dann nur noch um die 6? Hoffentlich wird das nicht öde und vorhersehbar...(*zwinker zwinker*) Im Sinne der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung gibt es für Frauen hier - im wahrsten Sinne des Wortes - also keine Blumen zu gewinnen.

Neben diesem Aspekt blieb beim Lesen von Band 1 für mich aber auch manch anderes ungeklärt, und ich kann nur hoffen, dass das in den nächsten Büchern noch angesprochen wird. Die Bevölkerung ist beispielsweisen in ein "Kastensystem" eingeteilt, allerdings verpasst es Frau Cass ein bisschen, mal zu erklären, warum eigentlich. Und was dieses System eigentlich beinhaltet. Kann man sich hocharbeiten? Kann man sich rausheiraten? Muss man immer die zugeteilte Nummer bleiben? Und warum ist man überhaupt diese Nummer geworden? 
Natürlich gibt es auch fiese Rebellen, die gegen die Königsfamilie ankämpfen und dabei mehr oder weniger erfolgreich sind. Irgendwie schafft es Frau Cass, auch das ein kleines bisschen nebensächlich wirken zu lassen; ich könnte mir aber vorstellen, dass das in den Nachfolgebänden mehr an Bedeutung gewinnt. So mehr in Richtung Rebellion und Läuterung. Im ersten Teil ging es vermutlich eher darum, Bachelor-Feeling zu verbreiten und die beiden Horst Helden, die um America buhlen, vorzustellen.

Da wäre nämlich zum einen Aspen, ihr raubeiniger langjähriger Bekannter, der sich eine Kaste unter America befindet. Sie ist eine Fünf, er eine Sechs. Damit aber noch nicht so schlimm dran wie eine Acht. Aspen scheint ein ziemliches Schnuckelchen zu sein, hat aber ein Problem mit seinem (falschen) Stolz. Zumindest lässt er ein verletztes Machogehabe raushängen und meint, er als der Mann müsse sich um alles und jeden kümmern. Aufopferungsvoll und nachsichtig und bemüht ist er. Dadurch wird er fast ein bisschen zum langweiligen Weichei, so leid mir das tut. Vielleicht kriegt er ja noch seine großen Auftritte in den nächsten Büchern.
Gegenüber steht Maxon, der Prinz des Landes, und was für einer! Nicht nur scheint er gut auszusehen, sondern hat auch alle möglichen Tugenden und Verhaltensweisen, die man sich bei einem Prinzen so wünschen würde. (Nur auf einem Pferd saß er im Buch noch nicht, fällt mir gerade ein...) Klingt auch irgendwie ... langweilig? Naja, so ein bisschen vielleicht. Ich finde ihn recht vorhersehbar, weil er kaum Überraschungen parat hält. Dennoch haben mir die Dialoge zwischen ihm und America erstaunlich gut gefallen, weil sie so spontan und lustig und ehrlich wirkten. Unbekümmert auch, und da konnte man sich als Leser schnell denken, dass da zwischen den beiden mitunter auch die Funken fliegen könnten. (Was sie auch tun.) Trotzdem kann ich nur hoffen, dass Maxon in der Folgehandlung noch andere Facetten von sich präsentieren kann, denn sonst wäre es arg öde. 

Am interessantesten ist für mich momentan wirklich die Frage: Für wen entscheidet sich America? (Denn dass sie die Auserwählte Nummer 1 für Maxon zu sein scheint und eigentlich nur noch "Ja, gib mir endlich die verdammte nicht vorhandene Rose" sagen müsste, hat Frau Cass leider schon jetzt in Teil 1 recht deutlich gemacht. Ein bisschen mehr Spannung wär da nicht schlecht gewesen. Oder sie dreht in den Folgeteilen nochmal alles um. Gott, wie spannend... :D) 
Ich weiß im Moment tatsächlich noch nicht, wer Americas Herzflamme wird, und auch wenn ich mir wirklich die Folgebände schon bestellt habe (denn diese Frage ist einfach zuuuu drängend, um sie zu ignorieren!), habe ich mir die Inhaltsangaben noch nicht durchgelesen. Denn ich will mich überraschen lassen. Team Maxon oder Team Aspen? Aktuell kann ich mich noch nicht entscheiden. Mal sehen, was mir noch bevorsteht. Und vielleicht gibt´s ja dann doch irgendwann noch Rosen... :D

Seid ihr Team Maxon oder Team Aspen? Oder kommt sogar noch jemand Drittes ins Spiel???
Aber BITTE verratet mir noch NICHT, wie es ausgeht!!!

4 Kommentare:

  1. Hallo,

    ich muss sagen deine ist die beste Rezension die ich bis jetzt zu diesem Buch gelesen habe. Endlich lese ich auch mal Kritik und du hast das gut erklärt. Ich habe das Buch mal angefangen, aber bin nicht warm damit geworden und habe nach 78 Seiten abgebrochen. Allerdings will ich das Buch noch einmal irgendwann probieren.
    Eine sehr schöne Buchkritik.

    Viele Grüße
    Twineety

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  2. @ Twineety: Dankeschön :) Ich hatte das hier eigentlich gar nicht wirklich als Rezension gestartet, das war eher als "ich lasse mal meine Meinung zu diesem Buch ab" gedacht. Meine Rezensionen sind ja sonst eher kürzer und ich versuche, sie auch ein wenig objektiver zu halten. Aber hier ... hab ich einfach drauf los getippt und das ist dabei rausgekommen. Ich bin wirklich gespannt, wie die Story weitergeht und lasse mich mal überraschen. Dass du nach 78 Seiten aber abgebrochen hast, kann ich genauso gut verstehen. Ich war auch das ein oder andere Mal kurz davor, es wieder wegzulegen. Aber - wie schon geschrieben - ich finde, es ließ sich schnell weglesen und die große Schrift hat das Übrige getan, dass ich mich schnell durchgeackert hatte :D

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  3. Huhu :)

    Nach dem Lesen deiner wirklich sehr unterhaltsamen (Nicht-)Rezension (weil es ja keine werden sollte ^^), fühle ich mich hinsichtlich meiner Entscheidung bezüglich dieser Reihe noch einmal bestätigt. "Selection" ist einfach nichts für mich. Ich verstehe, warum es auf viele Leser_innen einen gewissen Reiz ausübt und kann mir durchaus vorstellen, dass die Geschichte eine gewisse Zugkraft besitzt, aber für mich... eher nicht. Gerade diese "Bachelor"-Ausgangssituation ist einfach nicht mein Ding und da das Liebesdreieck aus ziemlich vorhersehbaren Charakteren besteht, gehe ich davon aus, dass sie mich recht schnell nerven würden. Ich habe ja wirklich nichts gegen 'brain candy' und lese zwischendurch gern mal leichte und von mir aus auch banale Bücher, aber dieses ist mir wirklich etwas zu mädchenhaft. :D
    Ich freue mich aber schon auf deine (Nicht-)Rezensionen zu den Folgebänden, denn manchmal macht es eben auch Spaß, eine Meinung zu Büchern zu lesen, an denen man selbst kein Interesse hat. ;)

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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  4. @ Elli: Naja, meine spontane erste Begeisterung ist für den Moment auch erstmal wieder verpufft. Ich habe zwar mittlerweile den zweiten Teil der Reihe bei mir liegen, aber so direkt keine Lust, weiterzulesen. Und keine Zeit. Daher ... müssen Aspen und Maxon erstmal warten :D

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