Donnerstag, 26. November 2015

Meine Hass-Liebe zu den ungelesenen Büchern

Ich habe viele ungelesene Bücher. Sehr viele. Ich habe keine Ahnung, wie viele genau, denn ich habe mir nie die Mühe gemacht, sie zu zählen - und heute befinde ich mich damit in einer Größenordnung, in der ich einfach keine Lust habe, all diese Bücher zu zählen. Ich würde mal behaupten, mein Stapel ungelesener Bücher umfasst einen dreistelligen Betrag und ich bin ganz ehrlich - ich weiß nicht, ob die erste Ziffer dieser dreistelligen Zahl wirklich noch eine 1 ist.

Aber so ist das nun mal bei mir. Bücher gab es in meinem Leben schon immer viele und ganz besonders seit dem Blog-Start häufen sich die Bücher und werden mehr und mehr. Gestört hat mich das eigentlich nie, Platz war irgendwie immer da; mal mehr, mal weniger. Ab und an sortiere ich auch mal Bücher aus, wenn ich weiß, ich möchte sie nicht mehr haben. Und dann entstehen ja auch wieder ein paar kleine Lücken in den Regalen. Erst seit Kurzem musste ich mich mit der neuen, zugegeben unbequemen Situation befassen, dass ich keine Bücher mehr in den Regalen unterbekommen konnte und anfangen musste, sie auf dem Boden zu stapeln. Keine Sorge, es nimmt noch keine Messie-Ausmaße an und ich werde es auch nie so weit kommen lassen.

Man kann also sagen: ich liebe Bücher und bin froh, sie um mich zu haben. Aber manchmal... Manchmal hasse ich es geradezu, so viele Bücher zu haben. So viele ungelesene. Denn viele ungelesene Bücher bedeuten zwangsläufig die Qual der Wahl, wenn es darum geht, sich für das nächste Buch zu entscheiden, das man liest.
Am Sonntag hatte ich wieder so eine Episode. Voller Elan und Begeisterung hab ich mich vor meine Bücherregale postiert und habe den Blick über die Regalbretter schweifen lassen, auf der Suche nach dem nächsten Buch, das mir zuwinken oder sich irgendwie als meine nächste Lektüre bemerkbar machen würde. Nur ... leider passierte das nicht. Ich schaute und schaute und ... schaute - und nach und nach verschwand mein Lächeln aus dem Gesicht. Denn mir winkte kein Buch zu. Es räusperte sich auch keins oder sprang spontan heraus in meine Hände. Vielmehr sah ich mich einmal mehr diesen riesigen Menge an Büchern gegenüber und es passierte das, was eigentlich immer passiert, wenn ich unentschlossen und ohne wirkliches Bauchgefühl an die Auswahl eines neuen Buches gehe: 
Ich kann mich nicht entscheiden.

Denn da ist einfach zuviel Auswahl. Mal zieht es mein Auge in Richtung neues Buch, das ich erst letzte Woche erhalten habe. Dann wieder wandert mein Blick nach oben aufs Regalbrett, wo seit gut 4 Jahren "Das Haus zur besonderen Verwendung" auf mich wartet. Im nächsten Moment fällt mir "Liebe mit zwei Unbekannten" ins Auge, was ich ja eigentlich schon längst mal gelesen haben wollte. Und dann denke ich mir, ach nö, könnte auch mal wieder was Abenteuer-und Action-mäßiges sein. Vielleicht eins der Taschenbücher da unten in der Ecke? Oder ... ach ja, "Vango" wollte ich auch nochmal lesen. Dann fällt mir ein, dass ich fürs Lese-Bingo dieses Jahres noch die ein oder andere Kategorie offen hab - also vielleicht eins, was da passen würde? Dann wandert mein Blick erneut über die Regalbretter und bei nahezu jedem ungelesenen Buch bleibt er eine Nanosekunde hängen und mir schießt durch den Kopf, warum ich dieses Buch eigentlich habe und irgendwann mal lesen wollte. Mittlerweile ist das Lächeln komplett aus meinem Gesicht gewischt, weil ich zunehmend in schlechtere Laune abdrifte. Ich kann mich einfach nicht entscheiden! So viele Bücher und ich kann mir nur denken "Himmelherrgott, wann soll ich die eigentlich alle lesen?! Das schaff ich ja nie!" Und dann fange ich - aus Verzweiflung - an, abzuwägen: Welches Buch wäre jetzt gerade wirklich genau richtig und wichtig? Welches kann eigentlich noch gut eine Weile ungelesen warten, auch wenn es schon 5 Jahre dort steht? Und wonach zum Geier ist mir eigentlich wirklich?
Ende letzten Jahres habe ich mir ein Glas ins Regal gestellt und mit Zetteln gefüllt, auf denen Titel einiger Bücher stehen, die ich noch nicht gelesen habe. So nach dem Motto "To be read jar", was ich auf manchen Blogs gesehen habe. Meine Idee war, dass ich mir einfach einen Zettel ziehe, wenn ich mich mal wieder nicht für ein Buch entscheiden kann. (Ich hab das Problem oft.) Wer möchte mal raten, wie oft ich in diesem Jahr in dieses Glas gegriffen habe? Na? Genau, null mal. Ich hab´s nicht mal geöffnet. Denn tief in meinem Inneren weiß ich, dass ich letztlich mit der Wahl eines gezogenen (und daher doch nicht freiwillig ausgesuchten) Buches nicht zufrieden und glücklich wäre. War also eine Null-Nummer.

Was mach ich also? Denn ich kann ja beim besten Willen nicht ne Stunde vor den Regalen stehen und nur die Bücher anglotzen, das ist ja schade um die vergebene Lesezeit. Ich schnappe mir also eine Handvoll Bücher, und zwar jene, die sozusagen "dringend" in meinem Kopf sind. Auf die ich also wirklich gerade Lust habe, sie zu lesen, oder von denen ich mir denke, das könnte eine Geschichte genau nach meinem Geschmack sein, wie ich sie jetzt gern lesen wollen würde. Das sind dann oftmals so 5-7 Bücher. Und in die lese ich dann rein. Die ersten paar Seiten oder die ersten 2 Kapitel oder so. Und das Buch, das mir dann spontan am meisten gefällt und zusagt anhand dieser ersten paar Seiten, das wird es dann.

Ein schweres Unterfangen. Und so zeit- und nervenraubend. Und vor allem geht dabei oftmals meine gute Laune flöten. Denn ich fang noch gut an, freu mich auf ein neues Buch; aber weil ich mich dann partout für keins entscheiden kann, wird jedes Mal so eine Aktion da draus. Deswegen sind so viele ungelesene Bücher Segen und Fluch zugleich, finde ich. Man muss nie Angst haben, dass einem mal der Lesestoff ausgeht, denn man hat wahrlich genug in der Hinterhand. Außerdem mag ich - prinzipiell!!!! hehe - den Gedanken, ein bisschen Auswahl zu haben und nicht zwischen einem und keinem entscheiden zu müssen. Trotzdem ist es einfach nervig, wenn es einem so wie regelmäßig mir geht und man sich einfach nicht entscheiden kann. Weil man nicht weiß, was man vielleicht in anderen Büchern verpasst, während man seins gerade liest. Und ob andere nicht vielleicht viel besser sind.

Was lerne ich daraus? Nichts. Absolut nichts. Ich habe heute ein Paket von Arvelle bekommen mit ganzen 9 neuen Büchern. Als müsste ich es nicht besser wissen...

Wie seht ihr das? Geht´s euch genauso? Oder habt ihr einen schön kleinen übersichtlichen Stapel an ungelesenen Büchern und wisst immer recht schnell, was euer nächstes Buch wird?

Montag, 23. November 2015

"Und plötzlich klopft mein Herz" - Kat Spears

cbj 2015,
12,99 Euro


Handlung:
Jesse erledigt alles – für Geld! Drogen verticken, Prüfungen fälschen, Losern zu einem Date verhelfen, alles kein Problem. Der Rest ist irrelevant. Denn Jesses Mutter ist tot, sein Vater eine Null und die Welt ein Ort, an dem man sich besser nicht zu viele Gedanken macht. Als der Footballkapitän und ausgemachte Idiot Ken Jesse 200 Dollar bietet, damit er ihn mit der engelsgleichen Bridget verkuppelt, stimmt also der Preis. Doch der Auftrag ist heikel: Jesse muss sich ins Altersheim schmuggeln, einen Opa »borgen« und sich auch noch mit Bridgets behindertem Bruder Pete anfreunden, um einen Blick hinter die perfekte Fassade dieses Mädchens zu erhaschen. Was dabei herauskommt? Bridget ist tatsächlich perfekt und Jesse hoffnungslos in sie verliebt …


Meine Meinung:
Also...mal eins vorneweg: Mein Herz hat beim Lesen von diesem Buch nicht plötzlich geklopft, oder zumindest nicht mehr als im normalen Maße. Ich kann aber dennoch nachvollziehen, warum Kat Spears (oder vielmehr: die Übersetzer der deutschen Version) das Buch so genannt haben. Denn wie aus heiterem Himmel muss sich Jesse, seines Zeichens cooler unnahbarer Kerl, der Gefühle natürlich niemals zeigt, mit dem Gedanken anfreunden, sich verliebt zu haben. Und zwar in Bridget. Das Dumme daran: eigentlich wird er von Ken bezahlt, damit er ihn mit Bridget verkuppelt. 
Ich hab das Buch eigentlich ganz gern gelesen und mochte die Idee der Rahmenhandlung. Leider hat es die Autorin einem aber überhaupt nicht leicht gemacht, mit Jesse warm zu werden oder ihn gar zu mögen. Mir zumindest fiel das äußerst schwer. An sich ist er schon ein netter Kerl, der möchte, dass es seinen Freunden und Leuten, die ihm nahe stehen, gut geht. Gleichzeitig tut er aber Sachen, sagt Dinge oder tritt einfach so verpeilt und stur auf, dass ich ihn manchmal wirklich überhaupt nicht leiden konnte. Er vertickt Drogen, nimmt selbst zwar nur im äußersten Notfall mal welche - aber trotzdem. Schon die Tatsache, dass das ganze System des Drogenherstellens und -verkaufens für ihn kein Problem ist und er es nicht mal hinterfragt, wie korrekt es ist, damit sein Geld zu verdienen, machte ihn mir unsympathisch. Dann hängt er aber auch noch mit so fiesen Gestalten rum und heißt ihr Verhalten gut, er sieht dabei zu, wie andere ihre Aggressionen an unbeteiligten Dritten auslassen - immer mit dem Hintergedanken, dass es ihm besser geht, wenn er sich nicht einmischt. Ich kann diese Haltung sogar nachvollziehen; leider macht es in diesem Buch aber wahrlich keinen Helden aus ihm. 
Die Geschichte mit Bridget hat mir da schon besser gefallen, auch wenn sie sehr auf Klischees und der Gutmütigkeit von Bridget aufbaut, denn Bridget spielt Jesse irgendwie immer im richtigen Moment wieder den Ball zu, sodass er irgendwie weitermachen kann. Auch die Botschaft, die zwischen den Zeilen durchblitzt und wohl so etwas verlauten lassen möchte wie "Nur durch sie wird er zum besseren Menschen" fand ich eher unwahrscheinlich. Im wahren Leben wäre so eine Geschichte wohl kaum realistisch, sowas gehört eher in die Sparte "Teeniefilm, bei dem am Ende die blasse unbeliebte Außenseiterin zum Homecoming Queen gewählt wird" - was hier übrigens wirklich passiert. 
Warum hat mir "Und plötzlich klopft mein Herz" dennoch recht gut gefallen? Weil es kein vorhersehbarer Jugend-Schmalz-Roman ist, bei dem man schon nach kurzer Zeit absehen kann, wie der Hase läuft. Weil das Hauptaugenmerk im Buch nicht auf der "Beziehung" zwischen Bridget und Jesse liegt. Es entwickelt sich zwar was zwischen beiden, das kann man wohl verraten, aber es ist keine Liebesgeschichte oder gar eine abgeschmackte Story, die schon nach 3 Seiten ein Happy End vermuten lässt. Dazu trägt sicher auch der Erzählstil bei, denn die Geschichte ist in Ich-Form aus der Perspektive von Jesse geschrieben. Und Jesse bemüht nun mal so manchen jugendlichen Ausdruck, sagt einfach mal klipp und klar, was Sache ist, und ergeht sich nicht in Gefühlsduseleien - das würde ja schon gar nicht zu seinem Stil passen...
Mein Tipp also: einfach mal in den Roman abtauchen und sich von Jesse überraschen lassen.



Ein herzliches Dankeschön an cbj und Blogg dein Buch!


Sonntag, 22. November 2015

[Neue Bücher] In my mailbox...

Hallo ihr Lieben!
Ich nutze den freien Vormittag, um mich hier mal wieder zu Wort zu melden - ist ja selten geworden in letzter Zeit. Mein Plan für heute ist, mindestens 2 Rezensionen zu schreiben, damit ich mal wieder etwas habe, womit ich trotz Zeitmangel den Blog füttern kann. Mal sehen, ob ich heute die nötige Motivation dazu aufbringe, um das Vorhaben durchzusetzen...
Bis dahin gibt´s einen Überblick über neu eingetroffene Bücher in den letzten Tagen - und es sind ziemlich gute dabei! :) Meine Glücksfee war mir in letzter Zeit wohl sehr hold, zumindest was Buch-Gewinnspiele betrifft, denn bis auf ein Buch (nämlich "Die Nacht schreibt uns neu", das ich als Leseexemplar erhalten habe) sind alle folgenden Bücher Gewinne. Das ist mal ein Ding, würde ich sagen ;) "Das Apfelkuchenwunder" hab ich von Nanni bekommen, was mich sehr freut, weil ich darauf schon vor einer Weile ein Auge geworfen habe. 




Vom Fischer Verlag habe ich eine "Buchmesse- Literaturblogger"- Tüte gewonnen, gefüllt mit Büchern und Leseproben etc. Mit dabei waren:


Und schließlich erreichte mich in dieser Woche noch ein Paket vom Heyne Verlag mit einem Brief, in dem stand, dass ich beim Gewinnspiel verschiedene Neuerscheinungen des Jahres gewonnen hätte. Nicht schlecht! Ich muss zwar gestehen, dass ich mich an dieses Gewinnspiel nicht mehr erinnern kann, aber umso größer war die Überraschung und Freude ;) Nicht alle Bücher sind so mein Fall, aber es ist ja bald Weihnachten und da werden sich sicher andere buchbegeisterte Empfänger finden, denke ich.



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Wie sah eure letzte Woche aus? Habt ihr neue Bücher bekommen? Kennt ihr eins meiner neuen Bücher, das ich am besten sofort lesen sollte?

Dienstag, 17. November 2015

[Kurz gesagt] Von Edelmetallen, Gerüchen und verfluchten Ladies

Kerstin Gier "Silber - Das dritte Buch der Träume"

Nun habe ich also auch den dritten und letzten Teil der "Silber"-Reihe gelesen und kann nur erneut feststellen, was ich vorher schon gedacht habe: nämlich dass mir die Silber-Reihe eigentlich nicht so wirklich gefallen hat. Oder was heißt gefallen, es ist eher, dass diese Reihe mich nicht begeistert, mich nicht übermäßig beeindruckt oder dass sie gar Eindruck hinterlassen hat. Im Laufe der drei Bücher habe ich mich mehrfach gefragt, wohin diese ganze Traum- und Traumkorridor-Geschichte eigentlich laufen soll. Und jetzt, nach dem Ende, kann ich das immer noch nicht sagen. Ich habe das Gefühl, der rote Faden der eigentlichen Geschichte war anfangs vielleicht noch vorhanden, ist Kerstin Gier im Laufe der drei Bände aber irgendwie abhanden gekommen. Dieses Hin und Her der bösewichtigen Figuren, deren Absichten und Pläne, der "Nutzen" des Traumkorridors - wo sollte das denn eigentlich hinführen? Jetzt nach dem Lesen der Auflösung habe ich nicht annähernd einen solchen "Aha"- oder auch "Das ist aber clever gelöst"- Moment, wie ich ihn beispielsweise bei Frau Giers "Edelstein"-Trilogie hatte. Da hat das am Ende irgendwie gepasst. Hier nicht so sehr. Und hier hat mir auch das ganze Drumherum, das Schulleben, die kleinen Sticheleien, die Liebschaften und Trennungen und die verrückte Familie, einfach nicht so wirklich gefallen wie eben z.B. in "Rubinrot & Co."
Was mir in dieser Silber-Buchreihe zudem wirklich fehlt, ist der Humor. Die Bücher von Kerstin Gier sind ja allgemein für ihre Lustigkeit bekannt, sei es durch Situationskomik oder durch lustige Bemerkungen in Dialogen - ich finde in ihren Romanen häufig etwas, das mich ins Kichern versetzt. Das aber habe ich hier in den Silber-Büchern völlig vermisst. Es gab kaum eine Stelle, die wirklich zum Lachen geeignet gewesen wäre und das finde ich total schade.
Am meisten hat mir die Danksagung am Ende gefallen.


Patrick Süskind "Das Parfüm"

"Das Parfüm" habe ich schon einmal angefangen zu lesen, da war ich 16 oder 17 vielleicht. Damals fand ich es eklig und irgendwann hab ich es abgebrochen, nicht ohne den Gedanken im Kopf, dass dieses Buch irgendwie zur "Weltlektüre" gehört; immerhin kennen es so viele und finden es toll. Nun ist die Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille 30 Jahre alt, genauso alt wie ich. Ich hab dem Buch nochmal eine Chance gegeben, völlig unabhängig vom Lese-Bingo; ich hab mir immer gesagt, irgendwann lese ich es nochmal. Das hab ich jetzt getan. Und es hat mir wieder nicht gefallen. Es ist also schon mal keine Frage des Alters, wie ich feststellen konnte, ob einem dieses Buch gefällt oder nicht. Ich würde mal behaupten, dieses ist eins solcher Bücher, die die Menge spalten: entweder es gefällt einem total oder es gefällt einem überhaupt nicht. So ein Mittelding gibt es hier nicht.
Ich gehöre nun also nach dem 2. Versuch eindeutig zur zweiten Gruppe: es gefällt mir überhaupt nicht. Wobei, das stimmt so eigentlich nicht. Denn die Grundidee finde ich genial. Jemand, der quasi nur über seinen Geruchssinn lebt, die Welt nur durch Gerüche aufnimmt und sich aufmacht, den perfekten, ja, DEN Geruch schlechthin sozusagen, zu finden und zu besitzen. Und wenn man ihn nur besitzen kann, indem man andere Personen umbringt, nun ja, dann war das bei Grenouille halt so. So weit so gut. Idee top, Umsetzung in meinen Augen aber nicht. Denn was mich bei "Das Parfüm" nun schon zum zweiten Mal gestört hat: es ist entweder unglaublich langweilig oder unglaublich eklig. Langweilig, weil die Beschreibungen von Grenouilles geruchsartigen Ausflügen und Wegen quer durch Frankreich so langatmig sind, dass ich sie oft überlesen und trotzdem nichts verpasst habe. Und eklig, weil ... nun ja, hier wird selbst meine Ekelschwelle überschritten, wenn nur die Rede von widerlichen Gerüchen, stinkenden Menschen und Objekten und vor allem von detailreichen Ausführungen über Krankheiten und ihren Folgen ist. Igitt. Da kann mich dann auch das Ende nicht mehr schockieren. Schon zum zweiten Mal kann ich also nur festhalten: "Das Parfüm" ist einfach nicht mein Buch.


James Dawson "Sag nie ihren Namen"
Dieses Buch wollte ich eigentlich zusammen mit Elli lesen und zu Halloween vorstellen, aber wie das nun mal so ist, kommt einem dann doch irgendwas dazwischen. Bei Elli war es ein Krankenhausaufenthalt, bei mir war es keine Zeit. Dieses Buch habe ich daher kurzerhand neulich allein an einem Wochenende gelesen. Die Geschichte, oder vielmehr die Legende von "Bloody Mary" war mir schon vor dem Lesen des Buches bekannt. Diese Legende besagt, dass Mary (selbst längst verstorben) all jene heimsucht und mit ins Jenseits nimmt, die ihren Namen in einen Spiegel sprechen. So weit, so gut. James Dawsons Version der Mary-Geschichte hat mir an sich gut gefallen, weil er eine interessante und zumindest in Maßen nachvollziehbare Geschichte um die Legende von Mary webt. Hier geht es nun um zwei Internatmädels (Bobbie und Naya), die sich mit Mary und ihrem Fluch auseinander setzen müssen - gezwungenermaßen, denn die beiden haben "dummerweise" ihren Namen in den Spiegel gesagt. Da sie nun offenbar nur noch wenige Tage zu leben haben, hängt sich zumindest Bobbie knietief in Marys Geschichte, um etwas über deren Vergangenheit zu erfahren und so vielleicht sich selbst zu retten. Abgesehen von einigen Logiklöchern und dem eher "leichten" Grusel, den Dawson wahrscheinlich an seine lesende jüngere Zielgruppe angepasst hat (für meinen Geschmack hätte die ganze Geschichte ruhig ein wenig gruseliger sein dürfen und auch die Beschreibung von Mary hat mich eher an das kleine Mädchen aus dem Brunnen aus dem Film "The Ring" erinnert...) - nun, davon abgesehen, ist "Sag nie ihren Namen" eine spannende kurzweilige Leseunterhaltung zum nicht-so-ganz-ernst-nehmen; für ein gruseliges Halloween-Wochenende allemal geeignet.

Donnerstag, 12. November 2015

Neuerscheinungs-Highlights im November & Dezember

Ja, stimmt, damit bin ich schon recht spät dran. Immerhin ist der November schon wieder fast halb vorbei. (Kinder, wie die Zeit vergeht!) Ich schätze mal, einige der November-Bücher sind mittlerweile auch schon erschienen, aber sei´s drum. Durch den Beitrag hab ich mich jetzt selbst erstmal auf den aktuellen Stand gebracht, was buchige Neuerscheinungen in den nächsten Wochen betrifft, man verliert ja so schnell den Überblick. ;)
Ist etwas für euch dabei? Kennt ihr vielleicht schon eins von den Büchern und könnt es besonders empfehlen? Immerhin ist ja bald Weihnachten, da kann man die Buchwunschliste ja so langsam mal starten... :D










Mittwoch, 4. November 2015

"Die erstaunliche Wirkung von Glück" - Susann Rehlein

Dumont Buchverlag, 2015
18,00 Euro



Handlung:

Dorle lebt im Souterrain eines herrschaftlichen Hauses, in dem sonst nur wohlhabende, knarzige alte Leute wohnen. In Heimarbeit steckt sie für eine Kronleuchtermanufaktur Kristalle zusammen. Und sie lässt sich von ihren Nachbarn als Concierge missbrauchen, obwohl sie gar nicht die Concierge ist.
Doch Dorle ist genügsam und zufrieden mit ihrem Leben. Ganz im Gegensatz zu Annegret Sonne, vierundachtzig und voller Lebenslust. Als Frau Sonne sich zu einer dreimonatigen Reise aufmacht, bittet sie Dorle, ihre Wohnung zu hüten. Schnell wird klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Wohnung handelt. Sie hat angeblich eine Aura, es lebt ein Kater darin, der Dinge kann, die normale Kater nicht können und per Fax treffen Aufgaben für Dorle ein, die sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Sie muss zum Sport, zu jemandem unfreundlich sein und kochen. Sogar Dates hat sie plötzlich. Gut, die Männer sind alle über achtzig, aber sie verstehen etwas von der Liebe. So hat Joe, Dorles einziger Freund, alle Hände voll zu tun, um im Rennen zu bleiben. 



Meine Meinung:

"Atmen ist echt eine unterschätzte Sache. Und Fühlen kommt quasi unweigerlich hinterher. Da muss man drauf vorbereitet sein. Testen Sie das mal." (S. 250)

So richtig wusste ich nicht, worauf ich mich bei "Die erstaunliche Wirkung von Glück" einlasse. Aber die Inhaltsangabe klang so nett und heimelig, dass ich direkt neugierig auf das Buch geworden bin. Und enttäuscht wurde ich keinesfalls. Das hier ist die Geschichte von Dorle, die recht einsam lebt und eines Tages, dank dem Zutun lieber Menschen in ihrer Umgebung, beginnt die Welt von ihrer schönen Seite kennenzulernen.
Dorle ist ein naiver Gutmensch, der jedem alles recht machen möchte, und über diese ganze Hilfs- und Aufopferungsbereitschaft vergisst sie sich glatt selbst. Denn eigentlich ist Dorle nicht wirklich glücklich. Ihr geht es zwar gut und sie kommt gut mit sich selbst aus. Aber ist diese kleine miefige Wohnung wirklich alles, was sie erwarten darf? Das Zusammenschrauben von Kristallteilen für Kronleuchter wirklich der Traumjob, der für Dorle vorgesehen ist? Freunde hat sie eigentlich nicht. Und Jo? Ist das, was sie erlebt, wenn er in ihrer Nähe ist, vielleicht wirklich diese Verliebtheit, von der so viele reden?
In Dorles Leben gibt es viele Baustellen, von ihrem speckigen abgetragenen Kleid angefangen bis hin zu ihrer Vorliebe für Pralinen, von der sie nichts ahnt, bis sie mal welche geschenkt bekommt. Eigentlich könnte man ihr Leben als traurig, als unzureichend und als leer ansehen - auch wenn Dorle stets und ständig versucht, das Beste daraus zu machen. Sie kennt es ja auch nicht anders. 
Trotzdem hatte ich so meine Probleme mit Dorle und eigentlich eher selten Mitleid mit ihr. Wenn ich Dorle als reale Person kennen würde, würde ich sie mal schütteln und sagen "Mädel, mach doch mal die Augen auf! Das Leben steht vor dir!" Sie tut sich selbst so schwer, andere an sich ran zu lassen, möchte gern jedem gefallen und mit niemandem Streit. Doch sie steht sich immerzu selbst im Weg, stößt lieben Menschen, die ihr helfen wollen, vor den Kopf, und ändert ihr Einstellungen zu Menschen und Dingen fast jeden Tag neu. Ich fand sie manchmal richtiggehend anstrengend, weil sie wankelmütig und unentschlossen daherkam. 
Zugleich ist ihre Geschichte liebenswert und irgendwie auch herzerwärmend. Man würde sich wünschen, dass es irgendwo wirklich so gute Seelen gibt, die einer einsamen jungen Frau auf die Beine helfen wollen, wie es hier Dorles Nachbarin Frau Sonne tut, die Dorle die Augen für die schönen Dinge des Lebens öffnet. Ein bisschen kam mir die Geschichte wie eine Mischung aus "Die fabelhafte Welt der Amélie" und "Frühstück bei Tiffany" vor. Mit ein paar kleinen Längen im Mittelteil, die vor allem Dorles Unentschlossenheit zu schulden sind. Aber dennoch eine lesenswerte Geschichte, die einem nahelegt, dass das Leben viel mehr bereit halten kann, als man manchmal vermutet.


Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Buchverlag!

Sonntag, 1. November 2015

Das war los im Oktober...

Die gute Nachricht gleich vorneweg: Es ist November und das bedeutet, wir nähern uns in großen Schritten Dezember, und das wiederum bedeutet: Es ist bald Weihnachten. Yippieyayeeeh. Die Weihnachtszeit ist ja bekanntlich meine liebste Zeit im Jahr und so kann ich die Adventszeit mit allem Drum und Dran auch kaum noch erwarten.
Die nicht ganz so gute Nachricht folgt gleich darauf: Der Oktober war ein echt magerer Monat. Eigentlich in allen Lebensbereichen, aber vor allem, was das Lesen betrifft. Mit gerade mal 5 Büchern ist mein Monatsschnitt so schlecht wie ewig nicht mehr. Die Bücher, die ich gelesen habe, waren zwar fast alle ziemlich gut und lesenswert, aber quantitativ ist im Oktober nicht viel bei rumgekommen. Schuld ist meine neue berufliche Tätigkeit, ich drück´s mal so salopp aus. Ich arbeite zwar genauso viel (also genauso lang) wie vorher in meinem alten Job, aber zum einen muss ich nun nicht mehr pendeln, sodass die ganze Leserei im Zug schon mal weg fällt. (Was im Übrigen auch schlecht für die Kategorie "Lektüre meiner Zugnachbarn" ist, denn ich seh kaum noch lesende Menschen...) Das Hauptproblem (und ja, ich jammer jetzt mal so richtig rum) ist jedoch, dass mich die neue Tätigkeit "seelisch" ziemlich fordert und ich, wenn ich nach Feierabend nach Hause komme, einfach so platt und erschlagen bin von all den Eindrücken, den Problemen und dem Leid anderer Menschen, dass ich einfach nur schlagkaputt und zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Ich arbeite jetzt seit einem Monat im eher psychiatrischen Bereich. Es ist nie langweilig, aber es ist auch nie leicht. Ich glaube, gewöhnen wird man sich an diesen Job nie.
Mein Leseverhalten leidet also momentan ein wenig sehr darunter und das stinkt mich eigentlich ziemlich an. Aber ich kann es gerade nicht ändern. Ich hoffe sehr, dass ich zur Weihnachtszeit mal einen Gang runterschalten kann.

Bevor das Jammern zu ausführlich wird, zeige ich euch lieber kurz meine gelesenen Bücher im Oktober sowie das Highlight und meine Enttäuschung des Monats.

Gelesen im Oktober
Kiki Blu/ Daniela Rohr "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All" (5/5; Rezension)
Susann Rehlein "Die erstaunliche Wirkung von Glück" (4/5, Rezension folgt)
Maureen Johnson "Die Schatten von London - In memoriam" (3,5/5; bald Kurzmeinung)
Jonathan Stroud "Lockwood & Co. - Die raunende Maske" (5/5; bald Kurzmeinung)
Emily St. John Mandel "Das Licht der letzten Tage" (4/5; Rezension)

Mein Highlight im Oktober

... das war der dritte Teil der "Lockwood & Co." Reihe. Ich mag diese Buchreihe einfach total und finde das Ende dieses dritten Bandes sowas von fies (Cliffhanger!), dass ich den vierten Teil echt nicht erwarten kann.

Meine Enttäuschung im Oktober

Eine wirkliche Enttäuschung ist das nicht, weil das Buch an sich nicht schlecht war. Aber irgendwie hatte ich von diesem zweiten Band der Buchreihe ein wenig mehr erwartet, ein bisschen mehr Handlung und vor allem weitaus mehr Grusel und Geheimnisse. Vor allem aber hat das Ende dieses Teils wirklich dazu geführt, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich die Buchreihe überhaupt weiter lesen möchte...

Wie sah euer Oktober aus? Welches Buch hat euch sehr gut gefallen und welches war gar nicht euer Fall? Habt ihr Pläne für November?

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