Mittwoch, 28. Oktober 2015

"Das Licht der letzten Tage" - Emily St. John Mandel

Piper Paperback, 2015
14,99 Euro


Handlung:
Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.


Meine Meinung:
Eine kleine Warnung vorweg: Wenn ihr gerade so richtig gut drauf seid, euch wohl fühlt, alles ganz wunderbar ist und ihr euch dieses "alles ist rosarot"-Feeling noch eine Weile bewahren wollt - dann lest dieses Buch nicht. Zumindest jetzt nicht.
Denn es macht traurig. Das ist das Erste, was mir dazu einfällt. Nicht so eine "Ich muss gleich weinen"- Traurigkeit und auch keine, die dauerhaft bleibt. Aber es ist so ein dumpfes Gefühl der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, das hier auf nahezu jeder Seite durchscheint und von dem man beim Lesen unweigerlich eingefangen wird.
Diese Geschichte, die davon berichtet, wie die Menschheit fast endet, wie innerhalb weniger Tage 99,99% der Weltbevölkerung an einem mutierten Grippevirus ums Leben kommen, die geht einem nicht nur unter die Haut, sondern gleich an die Nieren. Man kann nicht davon lesen, wie einige wenige Überlebende auch noch 20 Jahre nach dem Weltuntergang ums Überleben kämpfen, und dabei nicht unweigerlich ins Grübeln verfallen und sich fragen "Was wäre wenn?". Genau dieser Punkt hat mir - so absurd es auch klingen mag - an diesem Buch gefallen: Das, was erzählt wird, ist tatsächlich möglich, nicht abwegig, ganz im Gegenteil. Wenn wir Menschen richtig Pech haben, dann kann uns dieses Schicksal auch irgendwann mal ereilen.
Vielleicht fällt es deswegen so leicht, mit den Figuren mitzufühlen, mitzuleiden, aber auch mitzulachen und mitzuhoffen. Das Buch besteht aus vielen einzelnen Erzählsträngen, in denen verschiedene Personen zu Wort kommen und ihre Geschichte und Erinnerungen berichten. Im Mittelpunkt all dieser Erzählungen steht ein Mann, Arthur Leander; ein Schauspieler, der am Vorabend der Katastrophe an einem Herzinfarkt stirbt und damit das ganze Drama gar nicht mehr miterlebt. Trotzdem halten er und seine Lebensgeschichte alles folgende zusammen.
Ich hab mich von Seite zu Seite trauriger, missmutiger und hilfloser gefühlt. Dennoch hat mir die Geschichte gut gefallen. Sie ist ehrlich und bemerkenswert gut geschrieben, trifft genau die richtige Mischung aus Dialogen und Beschreibungen und hat nebenbei das Zeug, den Leser mitzureißen. Denn natürlich lässt das Schicksal der paar Überlebenden einen beim Lesen nicht los und man wünscht sich letztlich trotzdem ein gutes (Buch-)Ende für alle. Sehr lesenswert, wenn man vor traurigen Geschichten mit Hoffnungsschimmer nicht zurückschreckt.


Montag, 19. Oktober 2015

[Neue Bücher] In my mailbox...

Hallo ihr Bücherfreunde!
Momentan gibt´s gefühlt auf fast jedem Blog Berichte und Fotos von den Ausflügen zur Frankfurter Buchmesse. Bei mir nicht, denn ich war in diesem Jahr nicht da. Ich hatte ein Wochenend-Seminar und deswegen fiel Frankfurt dieses Mal für mich aus. (Für meinen Geldbeutel definitiv eine richtige Entscheidung!) Ich werde auf anderen Blogs dennoch mal stöbern, was die anderen so erlebt und gesehen haben. 
Bei mir ist derweil wieder mal nicht so wirklich viel los auf dem Blog. Ich komme momentan kaum zum Lesen und zum Rezensieren oder Vorbereiten und Schreiben anderer Beiträge schon gleich gar nicht. Nach nur wenigen Tagen bin ich vollends "angekommen" in meinem neuen Job, zumindest was Aufgaben erledigen, Ausarbeiten und Vorbereiten anbelangt. Hier und da fühle ich mich fast ein wenig überfordert; ich hoffe, das legt sich nach und nach. Ist alles noch sehr neu für mich und jeder Tag steckt momentan noch voller Überraschungen. Nicht nur positiven, aber das gehört wahrscheinlich auch dazu.
Auf mein Lesepensum wirkt sich das nicht gerade gut aus und so habe ich im Oktober bisher auch noch nicht wirklich "viel" gelesen. Mit Ausnahme von dem vergangenen Wochenende: da ich schon am Samstag den dritten Teil von "Lockwood & Co." in der Hand halten konnte (Erscheinungsdatum ist nämlich erst heute), habe ich dieses Buch gleich in den 2 Wochenend-Tagen verschlungen. (Ziemlich fieser Cliffhanger am Ende! Gott sei Dank geht die Reihe noch weiter...)
Dass ich wenig zum Lesen komme, ist vor allem deshalb ärgerlich, weil ich ganz tolle Bücher in der letzten Zeit bekommen habe. 
(Inhaltsangaben sind verlinkt, Titel anklicken)

Mit dabei sind 2 Bücher, die ich mir in London gekauft habe: "Arcadia" von Iain Pears und "Armada" von Ernest Cline. Letzteres musste ich einfach haben, weil ich "Ready Player One" von Ernest Cline so unglaublich gut fand und dieses Buch hier scheinbar ähnlich gemacht sein soll. Die Verkäuferin hinter der Theke fragte mich auch gleich, ob ich das erste Buch des Autors kennen würde, was ich bejahte, woraufhin sie mir dann in einem Schwall schwer verständlichen Englisch´s mit starkem Dialekt zu verstehen gab, dass dieses hier, "Armada", noch besser sei. Da bin ich mal gespannt!


Mit dabei ist auch "Die erstaunliche Wirkung von Glück" von Susann Rehlein, das ich schon gelesen habe - ich müsste nur mal ein paar Sätze dazu schreiben. Da ich das hoffentlich in den nächsten Tagen schaffe, verzichte ich jetzt hier mal auf weitere Äußerungen dazu.
"Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel soll laut vorherrschenden Kritiken ja ziemlich gut sein, ich bin bisher jedoch nicht über die ersten 20 Seiten hinaus gekommen. Wahrscheinlich war mir bisher einfach noch nicht nach einer Weltuntergangs-Geschichte...
"Die Sehnsucht des Vorlesers" von Jean-Paul Didierlaurent habe ich euch schon vorgestellt.


Von "Stadt der Diebe" von David Benioff hatte ich vor einigen Tagen zum ersten Mal gehört, das Buch war mir vorher völlig unbekannt. Als ich dann bei Sarah von Pinkfisch ein Taschenbuch nach Wahl gewonnen habe, wünschte ich mir kurzerhand dieses und habe mich riesig gefreut. Ich bin gespannt, was mich erwartet.
Dann habe ich mir gleich zwei dritte Teile bestellt: Den dritten Teil von "Silber" von Kerstin Gier lese ich - zugegeben - eigentlich nur noch der Vollständigkeit halber und weil ich wissen will, der diesen blöden Blog im Buch schreibt. Mich hat die "Silber"-Reihe leider nicht annähernd so begeistert wie ihre "Edelstein"-Trilogie. Aber nun habe ich die ersten beiden Bände gelesen, da muss der dritte jetzt auch noch her. 
Sehr viel größer und ausschweifender war dagegen meine Vorfreude auf "Lockwood & Co.: Die raunende Maske", das ich wirklich sehnsüchtig erwartet habe. Und ich wurde mit der Geschichte auch echt nicht enttäuscht, es ist wie gewohnt aufregend, spannend, gruselig und zugleich höchst sympathisch. Es ist in diesem dritten Teil dennoch einiges anders, sodass ich die ersten beiden Bände irgendwie lieber mochte.
Schließlich gab es auch noch "Die unentdeckten Talente der Miss Merrywell", das ich am Wochenende ganz zufällig entdeckt habe und mir direkt bestellen musste. Warum? Weil ich von Eva Rice schon einmal ein ganz wundervolles bezauberndes Buch gelesen habe, nämlich "Die verlorene Kunst, Liebschaften zu pflegen". Ich mag dieses Buch sehr, hab´s bestimmt auch schon 4x gelesen. Und dieses Buch hier? Ich hoffe, es gefällt mir genauso gut.

Kennt ihr eins der Bücher? Gab es bei euch tolle Neuzugänge?

Montag, 12. Oktober 2015

"Die Sehnsucht des Vorlesers" - Jean-Paul Didierlaurent

dtv, 2015
14,90 Euro

Lese-Bingo: Einen Bestseller (aktuell oder ehemals) -> Spiegel-Bestseller Oktober 2015


Handlung:
Guylain Vignolles liebt Bücher und hasst seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Darum liest er jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Regionalzug um 6 Uhr 27 laut ein paar Seiten vor, die er am Tag zuvor der Schreddermaschine entrissen hat: sein ganz persönlicher Akt der Rebellion gegen die Vernichtung von Literatur.
Eines Tages entdeckt er im Zug einen USB-Stick, auf dem das Tagebuch einer jungen Frau gespeichert ist. Tief bewegt liest er nun ihre Geschichten vor – und der Zauber springt auch auf die Mitreisenden über. Viel wichtiger aber noch: Die Geschichten verändern Guylains Leben von Grund auf. Er muss diese Frau finden!


Meine Meinung:
"Nur mal kurz reinlesen" war mein eigentlicher Gedanke, als ich mir das Buch zur Hand nahm, neulich auf einer Zugfahrt. Eigentlich wollte ich nämlich ein ganz anderes Buch lesen und hatte dieses hier nur zusätzlich dabei (mit nur einem Buch verreisen - undenkbar!). 
Und dann? Dann konnte ich hiermit nicht wieder aufhören. Ich war - und das ist nicht übertrieben - schon nach 2 oder 3 Kapiteln in diese Geschichte verliebt. Vielleicht lag das ein bisschen am französischen Charme, der auf so vielen Seiten durchblitzt. Vielleicht auch an Guylain, der mir ein wenig Leid tat und zugleich durch seine kauzige Art sehr sympathisch war.Vielleicht durch die Art und Weise, wie Guylain ein Liebhaber des geschriebenen Wortes par excellence ist - und dennoch einen der für ihn schrecklichsten Jobs überhaupt ausführen muss. Er arbeitet in einer Papier-Verwertungsfabrik und muss tagtäglich dabei zusehen (schlimmer noch: er muss die Maschine bedienen!), wie tausende Bücher zerrissen, zerstört, ausgelöscht werden. Eine schlimme tägliche Aufgabe und er macht sie trotzdem. Seine Form des Widerstands: Jeden Tag in der Bahn liest er übrig gebliebene und von ihm heimlich gerettete Buchseiten laut im Zug vor. Schon nach kurzer Zeit hat er jede Menge zuhörende Fans, die ihn auch außerhalb der Zugfahrten für Lesungen engagieren möchten. Zudem hat er wunderbar schrullige Freunde, die so schräg gezeichnet sind, dass man sie schon als abwegig abtun könnte. Aber zugleich passen sie einfach wie die Faust aufs Auge in diese Geschichte und in Guylains Leben.
Dieses Leben wird nun für ihn auf einmal spannend, als er eines Tages einen USB-Stick mit selbstgeschriebenen Texten einer jungen Dame findet, die er kurzerhand auch im Zug vorliest. Mit jeder Seite wächst sein Interesse an dieser Frau, die irgendwie genauso kauzig zu sein scheint wie er. Guylain nimmt sein Leben und seinen Mut in die Hand und versucht, sie zu finden.
Und es war einfach so allerliebst, ihm dabei "zuzulesen", wie diese Frau mehr und mehr Raum in seinem Kopf einnimmt, wie er versucht, sie zu finden. Man wünscht Guylain so sehr ein wenig Glück und Aufheiterung in seinem kleinen grauen unbedeutenden Leben, das er mit einem Goldfisch teilt.

Ich habe diese Geschichte sehr gemocht beim Lesen und konnte das Buch letztlich auch nicht aus der Hand legen, bis ich wusste, wie es endet. Und dann klappte ich es mit einem Lächeln im Gesicht zu. Ein - in meinen Augen - richtiges "Wohlfühlbuch", das bei mir zur genau richtigen Zeit kam. Es wundert mich überhaupt nicht, dass die Geschichte verfilmt werden soll, wie ich im inneren Klappentext gelesen habe. Denn schon beim Lesen glaubt man, dem Vorleser Guylain richtiggehend dabei zuschauen zu können, wie er sein Glück findet.


Donnerstag, 8. Oktober 2015

"Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All: Fluggemeinschaft" - Kiki Blu/ Daniela Rohr

Kindle Edition, 2015
1,00 Euro



Handlung:

Sensationeller Sex mit einem attraktiven Alien – und dann mopst ihr der Kerl den Vibrator? Kiki, die kaffeesüchtige Kosmetikfachangestellte im technischen Support ist verwirrt. Gehört das zum Paarungsritual? Ist das gar die extraterrestrische Form eines Heiratsantrags? Oder handelt es sich doch nur um einen dreisten Diebstahl? 
Kiki Blu erzählt eine humorvolle und rasante Space-Opera, in der sie mit ihrem pessimistischem Handgepäck und einem telePhone voller (un)praktischer Apps durch die halbe Galaxis stolpert. Ein abenteuerlicher Selbstfindungstrip, bei dem die Protagonistin mal eindeutig ihre Prioritäten überdenken sollte.



Meine Meinung:
Vor einiger Zeit habe ich "Im Turm des Panopticons" (HIER) von der Autorin gelesen und war schwer beeindruckt davon. Diese Geschichte hat mich einige Tage gedanklich gar nicht wieder losgelassen. Als mich die Autorin nun fragte, ob ich Lust hätte, in ihre neue Buchreihe hineinzuschnuppern und den ersten Teil zu lesen, habe ich daher sofort begeistert zugesagt, auch wenn es inhaltlich hier leicht anders zugeht als beim "Panopticon".
Ich muss gestehen, als ich zum ersten Mal hörte bzw. las, dass es sich bei "Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All" um eine elf-teilige Reihe handeln würde, war ich zunächst ein wenig skeptisch (erscheint mir schon recht viel). Aber als ich einmal im Lesen drin war und Kiki bei ihrer Reise begleitete, verflog dieser Gedanke recht schnell. Es ist immerhin eine Space-Opera... Außerdem sind die Einzelteile schön portioniert, Folge 1 entspricht offenbar 91 Buchseiten. Da liest man zwar nicht allzu lange dran, dafür aber umso begeisterter.
Kikis Welt spielt in der Zukunft. In dieser Zukunft wird Berlin mal schnell zu Börlin und wenn man nicht völlig den Überblick verlieren will, sollte man sich schon in den gängigen 17 Social Media Channels blicken lassen; Wählen kann man gleich per Computer von zuhause aus. Reisen ins und durchs All sind zwar nicht gerade billig, wie wir an Kikis Seite erfahren dürfen, dafür aber geradezu alltäglich und normal geworden. Wie sonst sollte Kiki schließlich auch sonst eines Tages neben einem ziemlich attraktiven Außerirdischen im Bett landen?!
Durch unglückliches Zusammenwirken von Zufall und Schicksal (der Außerirdische ist am nächsten Tag einfach verschwunden) landet Kiki mit ihrem Mitbewohner Max am nächsten Tag in einem Raumschiff und macht sich auf die Suche nach ihrem Mr. Sexy namens Aggron. In Folge 1, "Fluggemeinschaft", begleiten wir Kiki und Max bei den ersten zurückgelegten Kilometern dieser Reise. 
Ich hab mich an vielen Stellen köstlich amüsiert. Voller Ideen und Witz wird die Geschichte von Kiki aus ihrer eigenen Sicht geschildert, ich hab mir bildlich alles wunderbar vorstellen können. Leicht tollpatschig und gutgläubig, außerdem Kaffee-süchtig, aber durch und durch "echt" hat die blauhaarige Kiki das Zeug, jede Menge Sympathien und Herzen zu erobern. Die Einzelfolge "Fluggemeinschaft" eignet sich bestens zum Wegschmökern an einem Nachmittag und hat mich sehr unterhalten - bei den nachfolgenden wird es sicher genauso sein. Ich muss unbedingt wissen, wie es mit Kiki und Aggron weitergeht, insofern bleibe ich auf jeden Fall schon mal dran...



Übrigens: Bei Gelegenheit solltet ihr auch mal auf der Homepage der Autorin vorbeischauen, dort gibt es nicht nur einen Trailer zu "Fluggemeinschaft" zu finden, sondern außerdem eine Playlist als inoffizieller Soundtrack, sowie einige interessante Fakten über Daniela und ihre anderen Bücher.

Dienstag, 6. Oktober 2015

"Hamlet" mit Benedict Cumberbatch live im Barbican Theatre London - und ich war dabei...

Letzte Woche Dienstag war ich noch in London und hatte das Glück, bei einer der komplett ausverkauften Veranstaltungen des Theaterstücks "Hamlet" im Londoner Barbican Theatre dabei zu sein. Das Stück ist vor allem deswegen so populär (und ausverkauft), weil Benedict Cumberbatch, vielen sicher besser bekannt als Sherlock Holmes aus der BBC-Serie Sherlock, den Hamlet spielt. Gut, ich gebe es zu, das war auch mein Beweggrund, dieses Stück sehen zu wollen - weil ich Sherlock echt liebe und Herrn Cumberbatch gern mal live sehen wollte. Immerhin ist er ja sehr erfolgreich seit einiger Zeit und war u.a. auch schon für den Oscar nominiert - irgendwie gut muss er also sein.

Nun gehör(t)e ich jedoch auch zu denjenigen, die keine Ahnung von "Hamlet" haben. Ich kannte die Geschichte überhaupt nicht. Wir mussten es nicht in der Schule lesen und - seien wir ehrlich - "Hamlet" gehört jetzt nicht gerade zu der Lektüre, zu der man in seiner Freizeit greift. (Ich zumindest kenne niemanden, der das tut.) Der Inhalt von "Hamlet" war mir also völlig unbekannt, bis auf folgende Punkte: Ich wusste, dass es etwas mit Dänemark zu tun hat; ich wusste, dass es um einen verstorbenen Vater geht; ich wusste, dass am Ende alle tot sind. (Aber das ist bei Shakespeare ja nun auch nicht gerade selten der Fall.)
Nicht viele Informationen also, und aus Gründen, die ich heute echt nicht mehr erklären kann, habe ich es eben auch vor meiner Abreise nach London nicht geschafft (eher: nicht dran gedacht), mir mal den Inhalt von "Hamlet" irgendwo durchzulesen. Schande auf mein Haupt. Ich bin also ordentlich ahnungslos in das Theaterstück reingegangen. Meine Befürchtung vorneweg: ein altmodisch gemachtes, verstaubtes Stück, in schwer zu verstehendem weil auch altertümlichen Englisch.

Die Realität sah anders aus. Kaum hob sich der merkwürdig glitzernde Vorhang im - für meine Vorstellung erstaunlich großen - Barbican Theatre, war ich völlig "geflasht" vom Bühnenbild. (Mir fällt gerade kein anderes Wort für "geflasht" ein, Sorry.) Was sich dort auf der Bühne abspielte, war eine - nun ja - merkwürdige Mischung aus "altem traditionellen" Bühnenwerk Shakespeares inklusive Teile der älteren Sprache, aber mit Anwandlungen von moderner(er) Kleidung (Hamlet trägt durchaus mal Jeans und Hoodie) und (ich glaube) auch ge-updateten Dialogen. "Ich glaube" deswegen, weil ich - natürlich - nicht alles verstanden habe. (Und ich kenn halt das Originalstück auch nicht.) Mein Englisch ist zwar gut, aber es gab doch immer mal Wörter, die ich gar nicht verstanden habe. Das lag teilweise auch am echt starken Dialekt, den manche der Spielenden mitbrachten. Wer weiß, wo die alle herkamen. Am deutlichsten und "saubersten" hat wirklich der Herr Cumberbatch gesprochen, den konnte man sehr gut verstehen. 
Und seien wir ehrlich: er hat seine Sache schon echt gut gemacht. Ich war schon nach der ersten Szene hin und weg. Ich hab ihm geglaubt, was er da auf der Bühne gezeigt hat, die Verzweiflung, den Frust, die gespielte Verrücktheit. Das wurde auch wunderbar unterstützt durch manche Kniffe im Stück. So wurden z.B. manchmal Szenen wie in Zeitlupe gezeigt, in denen sich nur Hamlet normal bewegte und nachdachte und leidete, während alles um ihn herum fast wie eingefroren wirkte. Dazu das fantastische Bühnenbild - ein Riesensalon, anfangs sehr opulent und prächtig, später dann nur noch eine heruntergekommene Ruine. Mittendrin gab es immer mal Musikeinlagen, die mir wirklich durch Haut und Knochen gingen, weil sie so passend eingeschoben wurden und z.B. manche Dramatik erst so richtig verdeutlicht haben. Manchmal hatte ich dabei richtig Gänsehaut. 
Dann wurden manche lustige Stellen und Kommentare eingebaut, die - so glaube ich einfach mal - sicher nicht im Original-Shakespeare´schen Stück zu finden sind, die aber optimal für das Publikum waren, weil Herr Cumberbatch, aber auch die anderen Spieler, dadurch viele Lacher und Sympathien auf ihren Seiten hatten. 

Die erste Hälfte lief 1 Stunde und 50 Minuten, dann gab es 20 Minuten Pause und anschließend noch einmal 50 Minuten Spielzeit. Vorher dachte ich, das wäre ja irgendwie sehr schlecht verteilt und dass mir die fast 2 Stunden vor der Pause sicher endlos erscheinen würden. Nicht im Geringsten. Die Zeit verflog so schnell, weil ich so gefangen war in diesem Theaterstück.
Und was soll ich sagen? Ich hab am Ende geweint. Hab ich wirklich, war mir fast ein bisschen peinlich. Nicht, weil alle sterben, das wusste ich ja schon. (Immerhin das.) Aber ich gehöre ja eh eher zu den emotionalen Menschen, die schnell mal von Gefühlen überrannt werden. Und am Ende wurde es einfach alles so viel und eindringlich. Die letzten gespielten Minuten von allen, bevor plötzlich alle am Boden lagen. Dann die Gewissheit, dass das Theaterstück jetzt vorbei ist. Dann die ganze Klatscherei und Begeisterung, die dabei unweigerlich entsteht. Dann schließlich noch Herr Cumberbatch, der die Chance nutzt, nach vorne tritt, die Zuschauer winkend zum Klatschen-Aufhören bewegt und ein ganz aktuelles Thema, das der Flüchtlinge nämlich, anspricht. Und dann noch ein Gedicht aufsagt, ich weiß leider Gottes nicht mehr, von wem es war, aber es war einfach traurig und schön und furchtbar und in dem Moment zu viel für mich und ich saß da und hab geweint. 
Das nenn ich mal Gänsehaut-Theater. Wie schon gesagt: ich war hin und weg.

Während der Vorstellung war das Benutzen von Kameras und Smartphones untersagt, was ich sehr begrüßt habe. Ich finde, es gibt in dunklen Räumen nichts Nervigeres als ständig aufleuchtende blaue Displays oder Blitzlichter. Aus dem Grund habe ich - mit Ausnahme des Riesenposters gleich am Eingang (Foto 1) - keine eigenen Bilder der Veranstaltung gemacht und zeige euch stattdessen ein paar der offiziellen Bilder aus der Presse:




Quelle

Quelle

Quelle

Quelle

Quelle

Quelle

Und das Beste gibt´s bekanntlich zum Schluss: Wegen des unglaublichen Erfolgs dieses Theaterstücks hat sich scheinbar irgendjemand überlegt, auch andere dran teilhaben zu lassen, als die paar Glücklichen, die irgendwann ein Ticket ergattern konnten. Am 15.10. (mithin schon nächste Woche!!!) wird "Hamlet" - so weit ich weiß weltweit - in verschiedenen Kinos LIVE übertragen. Ihr sitzt also im Kinosaal und könnt euch die Vorstellung mit Benedict Cumberbatch direkt mit einer Tüte Popcorn vor der Nase anschauen. Ist das nicht der Wahnsinn?! (Aber bitte leise essen!)

Ich hab mir schon vor einiger Zeit, noch bevor ich es letzte Woche selbst vor Ort erleben durfte, Karten für ein Kino in meiner Nähe gekauft. Ich weiß leider nicht, welche Länder sich beteiligen und auch nicht, welche Kinos. Es gibt eine Seite für die deutschen Kinos, DIESE hier, da könnt ihr schauen, ob ein Kino in eurer Nähe mitmacht und ob ihr noch Tickets erhalten könnt. Mit ein bisschen googeln findet man das wahrscheinlich auch für andere Länder heraus. Wenn es euch interessiert, kann ich euch wirklich nur raten, hinzugehen. Ich war echt begeistert und freue mich unglaublich auf nächsten Donnerstag :)


Sonntag, 4. Oktober 2015

Das war los im September

Hallo ihr Lieben!
Nachdem der Blog in den letzten Wochen doch eher sträflich vernachlässigt wurde von mir, starte ich im Oktober hoffentlich wieder ein bisschen besser durch. Immerhin haben sich bei mir mittlerweile einige Dinge neu geordnet und ergeben, sodass nicht mehr so viel Aufregung herrschen dürfte. Und Urlaub ist demnächst auch nicht wieder in Sicht, sodass ich also auf jeden Fall erstmal wieder "da" bin... :D

Der September war ein aufregender und abwechslungsreicher Monat, in dem ich eigentlich viel geplant und mir vorgenommen hatte. Denn im September hatte ich einige freie Tage und wollte diese, bevor es jetzt Anfang Oktober beruflich neu losging, natürlich voll ausnutzen. Das hat so halbwegs geklappt, manches besser, manches gar nicht. Ich hab ein paar schöne Tage an der Ostsee gehabt und war dann auch noch ein paar Tage in London. Mein Highlight dabei war der Theaterbesuch von "Hamlet" mit Benedict Cumberbatch, von dem ich euch aber vielleicht nochmal extra ein bisschen was erzählen werde. Seit Donnerstag nun hab ich einen neuen Job, der bisher noch gemächlich anläuft, der mich in den nächsten Wochen aber sicher zunehmend fordern wird. Ich bin gespannt.

Zum Lesen bin ich im September auch gekommen, allerdings gar nicht so sehr wie gedacht, muss ich gestehen. Ich habe 8 Bücher gelesen, das ist bei mir eher leicht unterdurchschnittlich. Aber ich war halt auch viel unterwegs und bin dabei gar nicht zum Lesen gekommen. Den September habe ich auch sehr für Re-Reads genutzt, denn gleich 3 der 8 Bücher habe ich schon einmal gelesen. Mit dabei war "Lockwood & Co.: Der wispernde Schädel", das ich nochmals gelesen habe, weil jetzt im Oktober ENDLICH der neue Teil der Buchreihe erscheint und ich mich schon total drauf freue. Außerdem war mir ein bisschen nach Gruseln zumute... ;) Und auch "Der Schatten des Windes" sowie der Nachfolger "Das Spiel des Engels" von Carlos Ruiz Záfon habe ich erneut gelesen, weil ich in diesem Jahr gern mal alle 3 bisher erschienenen Teile der "Barcelona-Tetralogie" hintereinander lesen wollte, bevor hoffentlich (irgendwann einmal!) das letzte Buch erscheint. Neben diesen 3 Büchern, die ich ohnehin sehr mag, ist mein Monats-Highlight aber noch ein anderes Buch geworden...

Gelesen im September

Kate Hattemer "Für Freiheit, Kunst und Mayonnaise" (4/5; Rezension)
Philip Kerr "Winterpferde" (3/5; Rezension folgt)
Meg Wolitzer "Was uns bleibt ist jetzt" (5/5; Rezension)
Carlos Ruiz Záfon "Der Schatten des Windes" (5/5)
Caleb Krisp "Little Miss Ivy" (2,5/5; Rezension)
Jonathan Stroud "Lockwood & Co.: Der wispernde Schädel" (5/5)
Carlos Ruiz Záfon "Das Spiel des Engels" (4/5)
Jean-Paul Didierlaurent "Die Sehnsucht des Vorlesers" (5/5; Rezension folgt)

Mein Highlight im September


... das war "Die Sehnsucht des Vorlesers". So eine niedliche Geschichte, die mich permanent zum Lächeln gebracht hat!! Ich möchte gern noch etwas zu dem Buch schreiben und euch vorstellen, allerdings weiß ich nicht, ob ich das gut in Worte packen kann, was mir hier alles gefallen hat. Lest es auf jeden Fall!


Meine Enttäuschung im September


... war "Little Miss Ivy", das ich zum einen nur halbwegs freiwillig gelesen habe und welches meine Erwartungen leider nicht halten konnte. Für Kinder finde ich dieses Buch schon sehr speziell, als Erwachsene fand ich es fast unerträglich...
~~~
Wie war euer September und welches Buch hat euch besonders gut gefallen in diesem Monat?


Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena