Dienstag, 17. November 2015

[Kurz gesagt] Von Edelmetallen, Gerüchen und verfluchten Ladies

Kerstin Gier "Silber - Das dritte Buch der Träume"

Nun habe ich also auch den dritten und letzten Teil der "Silber"-Reihe gelesen und kann nur erneut feststellen, was ich vorher schon gedacht habe: nämlich dass mir die Silber-Reihe eigentlich nicht so wirklich gefallen hat. Oder was heißt gefallen, es ist eher, dass diese Reihe mich nicht begeistert, mich nicht übermäßig beeindruckt oder dass sie gar Eindruck hinterlassen hat. Im Laufe der drei Bücher habe ich mich mehrfach gefragt, wohin diese ganze Traum- und Traumkorridor-Geschichte eigentlich laufen soll. Und jetzt, nach dem Ende, kann ich das immer noch nicht sagen. Ich habe das Gefühl, der rote Faden der eigentlichen Geschichte war anfangs vielleicht noch vorhanden, ist Kerstin Gier im Laufe der drei Bände aber irgendwie abhanden gekommen. Dieses Hin und Her der bösewichtigen Figuren, deren Absichten und Pläne, der "Nutzen" des Traumkorridors - wo sollte das denn eigentlich hinführen? Jetzt nach dem Lesen der Auflösung habe ich nicht annähernd einen solchen "Aha"- oder auch "Das ist aber clever gelöst"- Moment, wie ich ihn beispielsweise bei Frau Giers "Edelstein"-Trilogie hatte. Da hat das am Ende irgendwie gepasst. Hier nicht so sehr. Und hier hat mir auch das ganze Drumherum, das Schulleben, die kleinen Sticheleien, die Liebschaften und Trennungen und die verrückte Familie, einfach nicht so wirklich gefallen wie eben z.B. in "Rubinrot & Co."
Was mir in dieser Silber-Buchreihe zudem wirklich fehlt, ist der Humor. Die Bücher von Kerstin Gier sind ja allgemein für ihre Lustigkeit bekannt, sei es durch Situationskomik oder durch lustige Bemerkungen in Dialogen - ich finde in ihren Romanen häufig etwas, das mich ins Kichern versetzt. Das aber habe ich hier in den Silber-Büchern völlig vermisst. Es gab kaum eine Stelle, die wirklich zum Lachen geeignet gewesen wäre und das finde ich total schade.
Am meisten hat mir die Danksagung am Ende gefallen.


Patrick Süskind "Das Parfüm"

"Das Parfüm" habe ich schon einmal angefangen zu lesen, da war ich 16 oder 17 vielleicht. Damals fand ich es eklig und irgendwann hab ich es abgebrochen, nicht ohne den Gedanken im Kopf, dass dieses Buch irgendwie zur "Weltlektüre" gehört; immerhin kennen es so viele und finden es toll. Nun ist die Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille 30 Jahre alt, genauso alt wie ich. Ich hab dem Buch nochmal eine Chance gegeben, völlig unabhängig vom Lese-Bingo; ich hab mir immer gesagt, irgendwann lese ich es nochmal. Das hab ich jetzt getan. Und es hat mir wieder nicht gefallen. Es ist also schon mal keine Frage des Alters, wie ich feststellen konnte, ob einem dieses Buch gefällt oder nicht. Ich würde mal behaupten, dieses ist eins solcher Bücher, die die Menge spalten: entweder es gefällt einem total oder es gefällt einem überhaupt nicht. So ein Mittelding gibt es hier nicht.
Ich gehöre nun also nach dem 2. Versuch eindeutig zur zweiten Gruppe: es gefällt mir überhaupt nicht. Wobei, das stimmt so eigentlich nicht. Denn die Grundidee finde ich genial. Jemand, der quasi nur über seinen Geruchssinn lebt, die Welt nur durch Gerüche aufnimmt und sich aufmacht, den perfekten, ja, DEN Geruch schlechthin sozusagen, zu finden und zu besitzen. Und wenn man ihn nur besitzen kann, indem man andere Personen umbringt, nun ja, dann war das bei Grenouille halt so. So weit so gut. Idee top, Umsetzung in meinen Augen aber nicht. Denn was mich bei "Das Parfüm" nun schon zum zweiten Mal gestört hat: es ist entweder unglaublich langweilig oder unglaublich eklig. Langweilig, weil die Beschreibungen von Grenouilles geruchsartigen Ausflügen und Wegen quer durch Frankreich so langatmig sind, dass ich sie oft überlesen und trotzdem nichts verpasst habe. Und eklig, weil ... nun ja, hier wird selbst meine Ekelschwelle überschritten, wenn nur die Rede von widerlichen Gerüchen, stinkenden Menschen und Objekten und vor allem von detailreichen Ausführungen über Krankheiten und ihren Folgen ist. Igitt. Da kann mich dann auch das Ende nicht mehr schockieren. Schon zum zweiten Mal kann ich also nur festhalten: "Das Parfüm" ist einfach nicht mein Buch.


James Dawson "Sag nie ihren Namen"
Dieses Buch wollte ich eigentlich zusammen mit Elli lesen und zu Halloween vorstellen, aber wie das nun mal so ist, kommt einem dann doch irgendwas dazwischen. Bei Elli war es ein Krankenhausaufenthalt, bei mir war es keine Zeit. Dieses Buch habe ich daher kurzerhand neulich allein an einem Wochenende gelesen. Die Geschichte, oder vielmehr die Legende von "Bloody Mary" war mir schon vor dem Lesen des Buches bekannt. Diese Legende besagt, dass Mary (selbst längst verstorben) all jene heimsucht und mit ins Jenseits nimmt, die ihren Namen in einen Spiegel sprechen. So weit, so gut. James Dawsons Version der Mary-Geschichte hat mir an sich gut gefallen, weil er eine interessante und zumindest in Maßen nachvollziehbare Geschichte um die Legende von Mary webt. Hier geht es nun um zwei Internatmädels (Bobbie und Naya), die sich mit Mary und ihrem Fluch auseinander setzen müssen - gezwungenermaßen, denn die beiden haben "dummerweise" ihren Namen in den Spiegel gesagt. Da sie nun offenbar nur noch wenige Tage zu leben haben, hängt sich zumindest Bobbie knietief in Marys Geschichte, um etwas über deren Vergangenheit zu erfahren und so vielleicht sich selbst zu retten. Abgesehen von einigen Logiklöchern und dem eher "leichten" Grusel, den Dawson wahrscheinlich an seine lesende jüngere Zielgruppe angepasst hat (für meinen Geschmack hätte die ganze Geschichte ruhig ein wenig gruseliger sein dürfen und auch die Beschreibung von Mary hat mich eher an das kleine Mädchen aus dem Brunnen aus dem Film "The Ring" erinnert...) - nun, davon abgesehen, ist "Sag nie ihren Namen" eine spannende kurzweilige Leseunterhaltung zum nicht-so-ganz-ernst-nehmen; für ein gruseliges Halloween-Wochenende allemal geeignet.

3 Kommentare:

  1. Jetzt hast du mich auf Kerstin Giers Danksagung neugierig gemacht. :D

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  2. Mit Silber konnte ich auch gar nichts anfangen. "Das Parfüm" habe ich dagegen als Teenager geliebt und mochte es auch noch, als ich es später noch einmal gelesen habe.

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  3. Ja, ich glaube, bei "Silber" geht es vielen so, dass da die Enttäuschung ein wenig überwiegt. Und beim "Parfüm"... Ich weiß auch nicht, wahrscheinlich habe ich mich da sehr von den vielen begeisterten Meinungen mitreißen lassen, dass ich immer dachte, es müsste mir irgendwie auch gefallen. Aber das ist einfach nicht mein Buch und das sollte ich dann wohl auch einfach so hinnehmen :)

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