Dienstag, 6. Oktober 2015

"Hamlet" mit Benedict Cumberbatch live im Barbican Theatre London - und ich war dabei...

Letzte Woche Dienstag war ich noch in London und hatte das Glück, bei einer der komplett ausverkauften Veranstaltungen des Theaterstücks "Hamlet" im Londoner Barbican Theatre dabei zu sein. Das Stück ist vor allem deswegen so populär (und ausverkauft), weil Benedict Cumberbatch, vielen sicher besser bekannt als Sherlock Holmes aus der BBC-Serie Sherlock, den Hamlet spielt. Gut, ich gebe es zu, das war auch mein Beweggrund, dieses Stück sehen zu wollen - weil ich Sherlock echt liebe und Herrn Cumberbatch gern mal live sehen wollte. Immerhin ist er ja sehr erfolgreich seit einiger Zeit und war u.a. auch schon für den Oscar nominiert - irgendwie gut muss er also sein.

Nun gehör(t)e ich jedoch auch zu denjenigen, die keine Ahnung von "Hamlet" haben. Ich kannte die Geschichte überhaupt nicht. Wir mussten es nicht in der Schule lesen und - seien wir ehrlich - "Hamlet" gehört jetzt nicht gerade zu der Lektüre, zu der man in seiner Freizeit greift. (Ich zumindest kenne niemanden, der das tut.) Der Inhalt von "Hamlet" war mir also völlig unbekannt, bis auf folgende Punkte: Ich wusste, dass es etwas mit Dänemark zu tun hat; ich wusste, dass es um einen verstorbenen Vater geht; ich wusste, dass am Ende alle tot sind. (Aber das ist bei Shakespeare ja nun auch nicht gerade selten der Fall.)
Nicht viele Informationen also, und aus Gründen, die ich heute echt nicht mehr erklären kann, habe ich es eben auch vor meiner Abreise nach London nicht geschafft (eher: nicht dran gedacht), mir mal den Inhalt von "Hamlet" irgendwo durchzulesen. Schande auf mein Haupt. Ich bin also ordentlich ahnungslos in das Theaterstück reingegangen. Meine Befürchtung vorneweg: ein altmodisch gemachtes, verstaubtes Stück, in schwer zu verstehendem weil auch altertümlichen Englisch.

Die Realität sah anders aus. Kaum hob sich der merkwürdig glitzernde Vorhang im - für meine Vorstellung erstaunlich großen - Barbican Theatre, war ich völlig "geflasht" vom Bühnenbild. (Mir fällt gerade kein anderes Wort für "geflasht" ein, Sorry.) Was sich dort auf der Bühne abspielte, war eine - nun ja - merkwürdige Mischung aus "altem traditionellen" Bühnenwerk Shakespeares inklusive Teile der älteren Sprache, aber mit Anwandlungen von moderner(er) Kleidung (Hamlet trägt durchaus mal Jeans und Hoodie) und (ich glaube) auch ge-updateten Dialogen. "Ich glaube" deswegen, weil ich - natürlich - nicht alles verstanden habe. (Und ich kenn halt das Originalstück auch nicht.) Mein Englisch ist zwar gut, aber es gab doch immer mal Wörter, die ich gar nicht verstanden habe. Das lag teilweise auch am echt starken Dialekt, den manche der Spielenden mitbrachten. Wer weiß, wo die alle herkamen. Am deutlichsten und "saubersten" hat wirklich der Herr Cumberbatch gesprochen, den konnte man sehr gut verstehen. 
Und seien wir ehrlich: er hat seine Sache schon echt gut gemacht. Ich war schon nach der ersten Szene hin und weg. Ich hab ihm geglaubt, was er da auf der Bühne gezeigt hat, die Verzweiflung, den Frust, die gespielte Verrücktheit. Das wurde auch wunderbar unterstützt durch manche Kniffe im Stück. So wurden z.B. manchmal Szenen wie in Zeitlupe gezeigt, in denen sich nur Hamlet normal bewegte und nachdachte und leidete, während alles um ihn herum fast wie eingefroren wirkte. Dazu das fantastische Bühnenbild - ein Riesensalon, anfangs sehr opulent und prächtig, später dann nur noch eine heruntergekommene Ruine. Mittendrin gab es immer mal Musikeinlagen, die mir wirklich durch Haut und Knochen gingen, weil sie so passend eingeschoben wurden und z.B. manche Dramatik erst so richtig verdeutlicht haben. Manchmal hatte ich dabei richtig Gänsehaut. 
Dann wurden manche lustige Stellen und Kommentare eingebaut, die - so glaube ich einfach mal - sicher nicht im Original-Shakespeare´schen Stück zu finden sind, die aber optimal für das Publikum waren, weil Herr Cumberbatch, aber auch die anderen Spieler, dadurch viele Lacher und Sympathien auf ihren Seiten hatten. 

Die erste Hälfte lief 1 Stunde und 50 Minuten, dann gab es 20 Minuten Pause und anschließend noch einmal 50 Minuten Spielzeit. Vorher dachte ich, das wäre ja irgendwie sehr schlecht verteilt und dass mir die fast 2 Stunden vor der Pause sicher endlos erscheinen würden. Nicht im Geringsten. Die Zeit verflog so schnell, weil ich so gefangen war in diesem Theaterstück.
Und was soll ich sagen? Ich hab am Ende geweint. Hab ich wirklich, war mir fast ein bisschen peinlich. Nicht, weil alle sterben, das wusste ich ja schon. (Immerhin das.) Aber ich gehöre ja eh eher zu den emotionalen Menschen, die schnell mal von Gefühlen überrannt werden. Und am Ende wurde es einfach alles so viel und eindringlich. Die letzten gespielten Minuten von allen, bevor plötzlich alle am Boden lagen. Dann die Gewissheit, dass das Theaterstück jetzt vorbei ist. Dann die ganze Klatscherei und Begeisterung, die dabei unweigerlich entsteht. Dann schließlich noch Herr Cumberbatch, der die Chance nutzt, nach vorne tritt, die Zuschauer winkend zum Klatschen-Aufhören bewegt und ein ganz aktuelles Thema, das der Flüchtlinge nämlich, anspricht. Und dann noch ein Gedicht aufsagt, ich weiß leider Gottes nicht mehr, von wem es war, aber es war einfach traurig und schön und furchtbar und in dem Moment zu viel für mich und ich saß da und hab geweint. 
Das nenn ich mal Gänsehaut-Theater. Wie schon gesagt: ich war hin und weg.

Während der Vorstellung war das Benutzen von Kameras und Smartphones untersagt, was ich sehr begrüßt habe. Ich finde, es gibt in dunklen Räumen nichts Nervigeres als ständig aufleuchtende blaue Displays oder Blitzlichter. Aus dem Grund habe ich - mit Ausnahme des Riesenposters gleich am Eingang (Foto 1) - keine eigenen Bilder der Veranstaltung gemacht und zeige euch stattdessen ein paar der offiziellen Bilder aus der Presse:




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Und das Beste gibt´s bekanntlich zum Schluss: Wegen des unglaublichen Erfolgs dieses Theaterstücks hat sich scheinbar irgendjemand überlegt, auch andere dran teilhaben zu lassen, als die paar Glücklichen, die irgendwann ein Ticket ergattern konnten. Am 15.10. (mithin schon nächste Woche!!!) wird "Hamlet" - so weit ich weiß weltweit - in verschiedenen Kinos LIVE übertragen. Ihr sitzt also im Kinosaal und könnt euch die Vorstellung mit Benedict Cumberbatch direkt mit einer Tüte Popcorn vor der Nase anschauen. Ist das nicht der Wahnsinn?! (Aber bitte leise essen!)

Ich hab mir schon vor einiger Zeit, noch bevor ich es letzte Woche selbst vor Ort erleben durfte, Karten für ein Kino in meiner Nähe gekauft. Ich weiß leider nicht, welche Länder sich beteiligen und auch nicht, welche Kinos. Es gibt eine Seite für die deutschen Kinos, DIESE hier, da könnt ihr schauen, ob ein Kino in eurer Nähe mitmacht und ob ihr noch Tickets erhalten könnt. Mit ein bisschen googeln findet man das wahrscheinlich auch für andere Länder heraus. Wenn es euch interessiert, kann ich euch wirklich nur raten, hinzugehen. Ich war echt begeistert und freue mich unglaublich auf nächsten Donnerstag :)


1 Kommentare:

  1. Ich mag Benedict Cumberbatch sehr als Sherlock Holmes. Eine Freundin von mir fliegt diese Woche extra für ihn nach London mit anderen Freundinnen. Für mich ist Shakespeare nichts, ich mag klassische Theaterstücke nicht sonderlich und bin eher der Musiktheaterfreak, und diesen Aufwand und v. a. die Kosten würde ich nicht betreiben, um einen einzigen Schauspieler zu sehen. Aber wenn man eh schon in London ist oder das irgendwie verbinden kann, ist das natürlich super.
    LG, Bianca

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