Donnerstag, 24. September 2015

[Kurz gesagt] Von Legenden, nervenden Zofen und Trauerbewältigung

Heute gibt es kurze kürzere Leseeindrücke zu drei Büchern (eigentlich 5), die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Marie Lu "Die Legend-Trilogie"
Lese-Bingo: Ein Buch, das gefühlt "jeder" schon gelesen hat

Gefühlt bin ich eine der Letzten, die diese Reihe gelesen hat. Ich hab schon viel Schwärmerei und Werbung für diese Bücher gelesen und dadurch selbstverständlich einige Erwartungen aufgebaut. Und ich muss sagen, die Bücher haben mir gut gefallen und ziemliches Mitfiebern bei mir ausgelöst (sowohl zwischen den Kapiteln als auch auf den letzten Buchseiten); aber ein wirklich totales "Must-Read" ist die Reihe in meinen Augen nicht. June und Day sind zwei außergewöhnliche Charaktere, wobei ich mich nicht entscheiden kann, welcher der beiden mich mehr beeindruckt hat. Anfangs dachte ich, June würde sehr dem typischen Mädchenbild entsprechen, von dem man schon so oft irgendwo gelesen hat, und das die immer gleiche Leier durchlebt, nach dem Motto "Junges Mädchen lernt Bad Boy kennen und findet ihn ultra-heiß und vergisst darüber hinaus alles, was sie selbst ausmacht". Das war zum Glück nicht so; im Laufe der drei Bücher hat June viele Facetten von sich gezeigt und mich manchmal sehr beeindruckt, manchmal aber auch unwirsch werden lassen. Und Day? Der ist glücklicherweise zu sehr Einzelgänger und hört zu sehr auf sein Herz, um zu einem blassen Jugendhelden zu werden, wie man ihn in (Jugend-) Büchern leider viel zu oft antrifft und dann direkt wieder vergisst, weil es einfach zuviele davon gibt. Days Selbstlosigkeit und seine Aufopferungsbereitschaft gingen mir manchmal ein wenig auf den Keks, aber sei´s drum, das zeichnet ihn halt aus.
Die drei Bücher leben von diesen beiden Figuren und dabei wird das ganze Drumherum - die Auseinandersetzungen zwischen Republik und Kolonien, die Krankheiten, die Armut und dieses verquere Staatssystem - fast zur Nebensache, was ich schade fand. Wo in den Büchern 1 und 2 noch Verwicklungen und überraschende Wendungen zu finden waren, haben mir diese im finalen Teil ein wenig gefehlt. In meinen Augen macht es sich die Autorin hier letztlich auch etwas einfach, was die Auflösung des Konfliktes betrifft. Das war so plötzlich vorbei, dass es mir beim Lesen gar nicht richtig aufgefallen ist. Mit dem richtigen Ende und damit auch dem Ausgang der Geschichte von Day und June war ich anfangs so gar nicht zufrieden, muss ich gestehen. Da hab ich 2, 3 Tage gebraucht, um einzusehen, dass es eine galante Lösung ist, die man auch nicht allzu häufig zu lesen bekommt. Insgesamt behalte ich die Buchreihe als lesenswert im Hinterkopf, wenn sie in meinen Augen auch nicht an andere Geschichten heranreicht. (4/5)


Caleb Krisp "Little Miss Ivy"
Ivy Pocket ist Zofe und Dienstmädchen bei adeligen Damen und gerät eines Tages in ein wahres Abenteuer. Eine Baronin übergibt Ivy einen wertvollen Diamanten an einer Halskette mit dem Auftrag, diesen als Geburtstagsgeschenk an ein junges Mädchen zu übergeben. Ivy ist leider zu neugierig und legt sich den Diamanten in der Zwischenzeit einfach mal selbst um den Hals, woraufhin ihr wundersame Dinge geschehen. Sie kann plötzlich sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft sehen, wenn sie in den Diamanten blickt. Als sie schließlich auf dem herrschaftlichen Schloss eintrifft, um den Diamanten zu überreichen, wird sie nicht nur von merkwürdigen Gestalten verfolgt, sondern gerät zugleich in einige familiäre Verwicklungen...
Soll ich ehrlich sein? Ich war froh, als ich die Geschichte von Ivy Pocket durchgelesen hatte. Das Buch ist für Leser ab 10 Jahren gedacht, was ich an sich nachvollziehbar finde; ich habe mich jedoch gefragt, ob die Sprache im Buch und die Verwicklungen, die sich nach und nach auftun, nicht vielleicht doch etwas zu schwer sind für ganz junge Leser. Ivy selbst ist 12 und ich konnte sie überhaupt nicht leiden. Der Autor wird Ivy schon wegen des Unterhaltungsfaktors bewusst als "nicht ganz einfach" dargestellt haben, aber Ivy ist das Exemplar einer Buchfigur, die mich persönlich irgendwann in den Wahnsinn treibt. Sie ist nicht nur unglaublich naiv und gutgläubig, sondern auch sowas von schwer von Begriff, checkt rein gar nichts, kann sich in andere nicht hineinversetzen und ist daher überhaupt nicht in der Lage, so etwas wie Ironie zu verstehen. Sie wird im Buch reihenweise übers Ohr gehauen und hat es nur mit falsch spielenden Personen zu tun - was dem Leser bereits nach wenigen Seiten klar ist -, nur sie versteht es einfach nicht und hinterlässt dadurch einen selten dummen Eindruck. Das ist nicht nur schrecklich zu lesen, sondern es ruiniert in meinen Augen auch jegliche Anwandlung von spannender Handlung, die in Grundzügen durchaus zu erahnen ist. Aber Caleb Krisp macht einfach nichts aus seiner interessanten Idee, welche Bedeutung der Diamant hat. Viel mehr verliert er sich in den dümmlichen und naiven Ausschweifungen seiner Anti-Heldin Ivy und verdarb mir damit von Seite zu Seite mehr das Interesse am Buch. Es mag sein, dass jüngere Leser vielleicht ihren Spaß an Ivys Seite haben und gern von ihrem Abenteuer lesen. Eine Vorbild-Funktion oder gar etwas, das man hier aus der Geschichte für sich mitnehmen könnte, finde ich jedoch nicht. (2,5/5)


Meg Wolitzer "Was uns bleibt ist jetzt"
Das ist das erste Buch, das ich von Meg Wolitzer gelesen habe und ich bin begeistert. Anfangs war ich skeptisch, ob die Geschichte von Jam, die ihren Freund verliert und sich daher so sehr in Trauer befindet, dass sie nichts mehr in ihrem Leben zustande bringt, mir nicht zu tränenlastig werden würde. Aber das war überhaupt nicht der Fall. Zwar beschäftigt sich das Buch sehr mit dem Thema Trauer, Verlust und wie man damit zurecht kommt - oder eben auch nicht. Aber eigentlich wird der Schwerpunkt viel mehr auf die Geschehnisse gelegt, die in Jams neuer Schule passieren. Nach dem Verlust ihres Freundes Reeve fängt sie an einer neuen Schule an und wird einem kleinen, elitären Literaturkurs zugeteilt. Dort werden den Teilnehmern Tagebücher ausgeteilt, die die besondere Fähigkeit haben, den Schreibenden in eine fremde Welt zu entführen - in eine Welt, in der alles noch in Ordnung ist, in der Jams Freund Reeve noch lebt. Was für Jam anfangs noch wie ein Wunder ist und ihr die schönsten Stunden beschert, die sie wieder an Reeves Seite verbringen kann, wird nach und nach zum Problem - spätestens, als das Tagebuch nur noch wenige leere Seiten zum Schreiben beinhaltet...
Das mag fast ein wenig fantastisch klingen, ist es ja irgendwie auch. Aber diese kleine Form der Magie ist so unaufdringlich, dass ich dieses Buch nie als "Fantasy" bezeichnen würde. Denn in erster Linie geht es um die Personen, die man in diesem Literaturkurs erlebt und die mit ihren jeweils ganz persönlichen Formen des Verlustes, des Schmerzes und der Trauer auskommen müssen. Das Reisen in die fremde Welt ermöglicht es allen, nach und nach abzuschließen und sich anderen Dingen in ihrem Leben zuzuwenden. Neue Freunde, neue Interessen, neue Liebschaften. Dabei fand ich keine der dargestellten Geschichten zu übertrieben oder aufgesetzt, auch wenn sie alle sehr unterschiedlich sind. Meg Wolitzer hat eine tolle Art zu schreiben und zu erzählen; ich habe mich keine Seite lang gelangweilt. Vor allem aber bin ich begeistert von dem Plot-Twist, den sie hier in die Geschichte von Jam einbaut, denn der kommt so unerwartet, dass ich richtig überrascht war. 
Sensibles Thema, ruhige Töne, zugleich sehr spannende Erzählung. Hat mir ausgesprochen gut gefallen. (5/5)

1 Kommentare:

  1. "Was uns bleibt ist jetzt" klingt wirklich ziemlich spannend von der Geschichte her. Wobei ich persönlich leider immer nicht so gut damit zurecht komme, wenn es nur so einen Hauch von Fantastischem gibt. Entweder ganz oder gar nicht, ist da meine Devise ;)

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