Dienstag, 1. September 2015

"Auf und davon" - David Arnold

Heyne fliegt, 2015
14,99 Euro

Handlung:
Wer würde nicht gerne einfach mal verschwinden? In den nächsten Bus springen und alles hinter sich lassen? Genau das macht die sechzehnjährige Mim Malone. Es reicht ihr, immer das zu tun, was ihr Vater und seine neue Frau für richtig halten. Sie will wissen, weshalb ihre Mom aus ihrem Leben verschwunden ist. Und ihre Gedanken sollen endlich aufhören, in ihrem Kopf Karussell zu fahren. Also steigt sie einfach in den Greyhound-Bus und haut ab, zu ihrer Mom. Während draußen die Landschaft vorbeifliegt, macht Mim einige unvergessliche Bekanntschaften – die wunderbare Arlene, den unheimlichen Ponchomann und den äußerst attraktiven Beck, an den sie ihr Herz zu verlieren droht ... Doch dann verändert ein tragischer Unfall von einem auf den anderen Augenblick alles. Und Mim muss sich den wirklich entscheidenden Fragen in ihrem Leben stellen.


Meine Meinung:

"Und so simpel das klingt, ich glaube zu begreifen, wer man ist - und wer nicht - ist das Wichtigste von allem Wichtigen." (S. 77)

"Auf und davon" ist eins solcher Bücher, bei denen sich die Post-its und Klebezettelchen an den Seitenrändern nur so tummeln, weil sie tolle, denkwürdige oder einfach wahre Sätze und Sprüche markieren. Denn davon habe ich in diesem Buch unglaublich viele gefunden. Wenn man aber mal genauer hinschaut, sieht man, dass sich fast alle meiner Klebezettelchen in diesem Buch in der ersten Buchhälfte befinden, fast kaum noch eins auf den letzten Seiten. 
Der Grund dafür ist folgender: Am Anfang war ich von der Geschichte in "Auf und davon" und von der Heldin Mim begeistert. Sie hatte eine Art an sich, die mir sehr gefallen hat, weil sie mir trotz aller Schrägheit sehr echt und authentisch erschien. Sie scheut sich nicht, manche Dinge einfach mal beim Namen zu nennen, wovor andere zurückschrecken, und beweist dabei oftmals einen herrlichen Humor. Mim selbst hat es nicht ganz leicht im Leben, einige körperliche Aussetzer schleppt sie mit sich herum, noch dazu psychische Probleme, die dazu führen, dass sie Tabletten nehmen muss. Manchmal erscheint es fast, als müsse Mim sich ständig selbst daran erinnern, wer sie ist und was sie tut, dann z.B. wenn sie wieder einen solchen Gedanken von sich gibt 

"Ich bin Mary Iris Malone, und mit mir stimmt etwas nicht." (S.7)

Mim ist einfach ein sehr spezieller Charakter, von der ich aber - obwohl sie hier und da wirklich zu aufgesetzt und unecht erscheint - sehr gern gelesen habe. Dazu kam, dass ich sehr neugierig auf ihre Geschichte war, denn sie ist auf dem Weg zu ihrer Mutter und dafür einfach mal unerlaubterweise und ohne jemandem Bescheid zu geben, von der Schule getürmt. Was es mit ihrer Mutter und Mims vermeintlich kaputter Familie auf sich hat, erfährt man erst nach und nach, was ich auch schön fand.
Schräge Charaktere können einem jedoch auch ab einer Stelle gehörig auf den Keks gehen. Irgendwann wurde mir Mims Art, ihre Gedanken und ihre komischen Auffälligkeiten nämlich doch zuviel. Zuviel Naivität, zuviel gutgläubige Begeisterung, zuwenig Weitsicht und zuwenig Gefühl dafür, was manchmal angebracht ist und was nicht. All das habe ich irgendwann bei Mim gefunden und es hat mir nicht alles gefallen, auch wenn es zu Mim passt. Daher wurden dann auch meine Klebezettelchen immer weniger. Die Story nimmt zum Ende hin eine recht abrupte Wendung, was ich schade fand. Die ganze Zeit arbeitet man mit Mim auf diesen einen Moment hin, auf die "Wahrheit" sozusagen, und dann verfliegt dieser Moment so sang- und klanglos in dieser Geschichte, die nur so von "Mim-ositäten" strotzt. Zumindest war es mein Eindruck.
Letztlich habe ich "Auf und davon" gern gelesen und mit Mim einen durchaus interessanten, denkwürdigen Charakter kennengelernt. Leider wurde sie mir irgendwann ein bisschen zuviel und ich hätte mir kleine, andere Schlenker in der Handlung für sie gewünscht. 


3 Kommentare:

  1. Schade, wenn ein Buch zum Ende hin eher nachlässt. Ich kenne das aber auch, dass ich bei schrägen Figuren oft mal nach einer Weile übersättigt bin. Da begeistert mich dann die erste Hälfte, bin aber irgendwann eher genervt. Bei diesem Buch scheint es dir ja ganz ähnlich ergangen zu sein.

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  2. @ Neyasha: Ja, das ist immer schwierig, da die Balance zu halten zwischen "außergewöhnlich" und "zu abgedreht". Anfangs fand ich Mim erfrischend anders und ehrlich. Ihre Weltsicht hat mir gefallen. Aber irgendwann kam ich mit ihr nicht mehr klar und ich war wirklich nicht böse, als ein Ende der Geschichte in Sicht kam...

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  3. Das Buch interessiert mich auch definitiv. Ich höre eigentlich sehr viel Positives davon. Mal sehen, ob es mich durchgängig begeistern kann.

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