Donnerstag, 11. Juni 2015

"Vielleicht mag ich dich morgen" - Mhairi McFarlane

Knaur Verlag, 2015
9,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch, das schon deine Eltern gelesen haben (in dem Fall: meine Mutter)


Handlung:
Wiedersehen macht nicht immer Freude. Schon gar nicht Anna, die nach 16 Jahren beim Klassentreffen mit genau jenem Typen konfrontiert wird, der ihr damals den Schulalltag zur Hölle machte. Damals, als sie noch die ängstliche, pummelige und so gern gehänselte Aureliana war. Wie wenig sie heute als schöne und begehrenswerte Frau mit dem Mädchen von einst gemein hat, wird klar, als James sie nicht erkennt. Er ist fasziniert von der schönen Unbekannten. Anna kann es kaum glauben und wittert ihre Chance: Endlich kann sie ihm alles heimzahlen. Beide ahnen nicht, wie sehr sie das Leben des anderen noch verändern werden. Nicht heute. Aber vielleicht morgen.


Meine Meinung:
Die Story ist nicht neu, bietet aber Potential, finde ich. In der Schule waren wir ja (bezogen auf manche Aspekte) alle noch so, wie wir heute nicht mehr sein wollen. Und Klassentreffen, egal nach wievielen Jahren, sind nun mal nicht jedermanns Sache, das kann ich gut nachvollziehen und Anna in diesem Punkt verstehen, als bei ihr einige Jahre nach dem Abschluss ein solches Treffen ansteht. Was mir aber in dem Buch schon mal völlig gefehlt hat, ist eine Begründung, warum Anna dann schließlich doch hingeht. Wirklich klar, was sie damit bezwecken will, wird es im Buch nicht. Wenn man jahrelang gehänselt und verspottet und beleidigt wurde - verspürt man dann nach einigen Jahren tatsächlich Lust, all diese Leute wiederzusehen, denen es man zu verdanken hat, dass die eigene Schulzeit furchtbar war?! Ja, um sich zu rächen, könnte man denken. Aber nix da. Selbst als Anna dort vor Ort ist, passiert nichts. Sie wird von niemandem erkannt, aber anstatt diesen Trumpf auszuspielen, geht sie einfach wieder. Das war Punkt 1, der mich irgendwie im Buch gestört hat. Aber dann ging es weiter. Ich bin keinesfalls übermäßig emanzipiert, aber dieses Buch bedient so sehr das Klischee, dass eine Frau nur dann schön und beliebt (bei Männern) und erfolgreich (im Beruf) ist, wenn sie schlank und modisch gekleidet ist und den gängigen Schönheitsnormen und Modelmaßen entspricht, und vor allem: kein sich bietendes Date auslässt, dass ich hier nicht selten die Augen verdreht habe. Sowas plakatives.
Nicht nur deswegen war mir Anna völlig unsympathisch, das muss ich so sagen. Zu Beginn des Buches gibt es einen Rückblick auf den letzten Schultag von Anna, der ihr ziemlich unangenehme Erinnerungen bescheren soll. Anfangs hatte ich noch gehofft, auch als Erwachsene würde sie noch an die unsichere, pummelige Aureliana erinnern, die zu Tagträumereien neigt (denn die mochte ich). Stattdessen begegnet einem die älter gewordene Anna als humorlose, fast verbiestert wirkende, total langweilige Frau, die mich in ihrer kühlen, besserwisserischen Art immer wieder an eine Oberlehrerin erinnert hat. Zwischen ihr und ihrem ehemaligen verhassten Schulkameraden James flogen in meinen Augen so gar keine Funken hin und her, romantisch fand ich ihr kleines Geplänkel leider gar nicht.
Was mich aber insbesondere am Buch gestört hat, war die sich ziehende Handlung. immer wieder gab es ganze Passagen, die einfach so nichtssagend und unbedeutend erschienen, ja - einfach seitenfüllend, dass ich mich nicht selten gefragt habe, warum sie hier eigentlich alle im Buch auftauchen. Die Hochzeit von Annas Schwester, das Hickhack von James mit seiner irgendwie-Ex-Frau, sämtliche Treffen zum Biertrinken und Annas Dates. Soviele Szenen und Dialoge, die das "normale" Leben zwar abrunden und daher auch durchaus realistisch erscheinen, aber die mich einfach Seite um Seite haben umschlagen lassen, zunehmend angenervt. Und das geht leider das ganze Buch so. Bücher wie "Vielleicht mag ich dich morgen" haben ja oftmals den Nachteil (oder Vorteil?), dass man schon zu Beginn erahnen kann, wie alles ausgeht. Aber ein paar kleine Überraschungen dürfen dennoch gern sein, finde ich. Das hat mir das Buch nicht geben können. 

Gehofft hatte ich auf eine kurzweilige, amüsante und romantische Geschichte mitten in London, aber das konnte "Vielleicht mag ich dich morgen" in meinen Augen leider alles nicht halten. Sowohl die beiden Hauptfiguren als auch die schleppende Handlungsentwicklung habe ich ohne weiteres beim Zuklappen des Buchdeckels hinter mir gelassen.


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