Donnerstag, 25. Juni 2015

"Die achte Wächterin" - Meredith McCardle

ivi Verlag, 2015
16,99 Euro

Handlung:
Wer auf eine geheime Spezialschule der Regierung geht, den sollte eigentlich nichts mehr wundern. Dennoch fällt die junge Amanda aus allen Wolken, als eine mysteriöse Geheimorganisation sie rekrutiert und vorzeitig vom College holt. Noch viel unglaublicher ist jedoch, dass diese Organisation namens Annum Guard echte Zeitreisen unternimmt! Seit Jahren optimiert sie unsere Vergangenheit. Bisher bestand sie aus sieben Wächtern, doch nun soll ein achtes Mitglied hinzukommen - Amanda. Wieso ausgerechnet sie ausgewählt wurde, ist ihr schleierhaft. Tatsache ist jedoch: Ist man einmal in der Organisation, bleibt man dort für immer. Amanda muss lernen, bei Annum Guard klarzukommen - mit den Zeitreisen, der furchtbaren Zicke Yellow und mit dem mysteriösen Blue. Doch Amanda kommt einer gefährlichen Verschwörung auf die Spur ...


Meine Meinung:
Vielleicht gleich zu Beginn mal ein Wort zum Cover: Anhand des Buchcovers hätte ich nie und nimmer eine Zeitreisegeschichte erwartet. Überhaupt finde ich das Cover nicht wirklich passend in dem Zusammenhang; man erwartet einfach etwas ganz anderes, was sich dahinter verbergen könnte, als eine jugendlich gehaltene Geschichte über speziell ausgebildete Jungagenten, die munter in der Zeit hin und her springen. Da ich aber die Inhaltsangabe gelesen hatte, wusste ich, worum es gehen würde und ich stürzte mich in die Geschichte.
Der grundsätzlicher Gedanke, den die Autorin in ihrem Buch verfolgt, hat mir gut gefallen - auch wenn ich ihn etwas schwierig finde. Amanda (fortan im Team nur noch Iris genannt) landet in einer Gruppe von Zeitenspringern, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Vergangenheit nicht zu verändern, aber zu verbessern. Dass dieser Unterschied oftmals nicht wirklich auszumachen ist und auch eine Verbesserung letzten Endes ja eine Veränderung der Historie bedeutet, wird Amanda schnell klar und so fällt es ihr auch unglaublich schwer, sich darauf einzulassen. Ihre Einsätze laufen daher auch nicht ganz so ab, wie eigentlich vorgesehen. Von den Zeitreise-Einsätzen habe ich gern gelesen (auch wenn sie leider zu oft nur an der Oberfläche kratzen), zumal sie recht vielschichtig waren und beispielsweise sowohl ins 18. Jahrhundert als auch "nur" in die 1960er geführt haben. Auch sind die Arten des "Eingreifens" recht unterschiedlich und oftmals vorher überhaupt nicht auszumachen. Dass aber nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen scheint während der Zeitreisen und manche Mitglieder im Team offenbar zu viel zu verbergen haben, merkt Amanda auch schnell, steht damit aber allein auf weiter Flur. 
Ich muss ehrlich sagen, mit Amanda bin ich lange Zeit nicht warm geworden, weil sie eine unmögliche Art an den Tag legte. Sie ist aufbrausend, vorschnell, undankbar, bemitleidet sich permanent selbst und ist - obwohl als Letzte ins Team gekommen - manchmal arg vorlaut. Gleichzeitig werden ihr kaum Hintergründe und Informationen vermittelt, sodass man ihre Unzufriedenheit durchaus nachvollziehen kann. Trotzdem war sie eine Figur nicht nach meinem Geschmack, auch wenn sie im Laufe der Handlung noch ihre Vielschichtigkeit zeigen kann. Ganz im Gegensatz zu ihren Mitspielern. Das hat mich wirklich wesentlich gestört: gerade in der Figurenkonstellation bleibt manches völlig verborgen und unerklärt. Die anderen sieben Zeitenspringer neben Amanda/Iris beispielsweise erhalten so ungleich verteilte Aufmerksamkeit im Buch. Über mindestens drei von ihnen wurde kaum etwas gesagt und ich konnte mir keinerlei Eindruck von ihnen machen. Tatsächlich weiß ich jetzt, einige Tage nach dem Lesen, nicht mal mehr, ob die weiblich oder männlich waren. Überhaupt macht in diesem Zeitreise-Gespann jeder nur seins, eine Team-Zusammenarbeit unter den Agenten gab es eigentlich überhaupt nicht, und so blieben auch eventuelle freundschaftliche Bande, Kontakte oder Interaktionen völlig außen vor. 
Was mich auch ein wenig gestört hat: Die Autorin beschäftigt sich nur unterschwellig bis gar nicht mit den typischen Logik-Problemen, die beim Thema Zeitreisen ganz automatisch auftauchen und gibt sich auch nicht weiter mit Erklärungen ab, welche Funktionsweise und Mechanismen in ihrer Welt dazu führen könnten, dass Zeitreisen möglich werden. Das hat mir ein bisschen gefehlt; die ein oder andere zusätzliche Erklärung, wie das alles funktionieren soll. Zwar werden hier tatsächlich auch mal körperliche Auswirkungen von Zeitreisen beschrieben, aber etwas mehr Hintergrund hätte es schon sein dürfen.
Zum anderen tauchen hier und da auch immer mal kleine Schnitzer oder Logik-Lücken auf. So funktionieren beispielsweise Handys in der Vergangenheit nicht, Peilsender dagegen aber schon. Die Agenten springen in der Vergangenheit munter herum, frieren sich dabei im Winter aber halb zu Tode (weil: nur mit leichtem Kleid bekleidet), anstatt auf die Idee zu kommen, dann schnell weiter in den Sommer zu springen. Angeblich ist das Hin- und Herspringen hier doch so einfach und relativ unproblematisch, da frage ich mich das dann schon, warum daran niemand denkt.

Alles in allem hat mir "Die achte Wächterin" von der Grundidee schon gut gefallen, aber ein paar Details hier und da hatten für mich zuviele Ecken und Kanten. Außerdem bin ich (zumindest im Moment) nicht neugierig genug, um erfahren zu wollen, wie das ganze weitergeht - vielleicht kommt das, sobald die Fortsetzung erscheint.


2 Kommentare:

  1. Die Idee klingt ja ganz interessant - schade, dass die Umsetzung nicht so recht gestimmt hat. Aber mit der Logik von Zeitreisen habe ich so manchmal auch meine Probleme (das stört mich auch mitunter bei Doctor Who ziemlich).
    Bei dem Cover hätte ich jetzt übrigens auch eine ganz andere Art von Buch erwartet.

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  2. Ach, ich mag das eigentlich, wenn diese ganzen Zeitreise-Logikproblemchen usw. einem beim Lesen das Hirn verknoten. Natürlich kann das nie zweifelsfrei und ohne Lücken in einem Buch erklärt werden. Aber so einen kleinen Ansatz als Erklärung hätte ich schon ganz gern. Und hier? Hier gibt es halt einfach 8 Personen, die das können, und damit ist gut. Und das Cover ... Tja. Ich glaube, da sind viele verwirrt. Ist auch wieder so ein Beispiel für "Anhand des Covers weiß ich schon, dass das nichts für mich ist, also lese ich mir gar nicht erst die Inhaltsangabe durch..." :o

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