Freitag, 8. Mai 2015

[Kurz gesagt] Von Stimmen, Flöten, Bodyguards und Mondscheinküssen

Heute in aller Kürze gleich 4 Meinungsäußerungen zu Büchern und ebooks, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. 

Ursula Poznanski "Stimmen"
"Stimmen" ist der neue und zugleich dritte Fall von Ermittlerteam Bea und Florin, den Frau Poznanski zum Buch macht. Ich habe sehnsüchtig auf das Buch gewartet und auch direkt losgelesen, als es da war. Und "Stimmen" ist, wie erwartet, toll geschrieben und bietet eine Menge Spannung. Schon alleine wegen des Handlungsrahmens, der dieses Mal in einer psychiatrischen Anstalt angelegt ist. Das mag ich an den Geschichten von Ursula Pozanski, die strotzen immer so vor Ideen. Hier allerdings waren mir eben diese Ideen einen Tick zu viel, zumindest als es Richtung Auflösung ging. Natürlich werde ich nichts verraten, aber ich muss ehrlich sagen, dass mir das hier dieses Mal alles zu konstruiert und ausgedacht wirkte, einfach zu unecht. So eine abgründige und nicht nachvollziehbare Auflösung hätte ich nicht erwartet, und das hat dann wohl auch meine Begeisterung ein wenig geschmälert. Und tatsächlich muss ich sagen, dass mich auch dieses Vorantreiben der Beziehung zwischen Bea und Florin etwas gestört hat. Mir kam es fast so vor, als müsste jetzt unbedingt mal ein riesiger Schritt nach vorn gewagt werden, um hier neue Akzente zu setzen, als könnten die beiden eben nicht einfach nur weiterhin ihren Job machen - nämlich ermitteln. Das fand ich etwas schade. In meinen Augen ist "Stimmen" durchaus lesenswert, aber gefühlt der schwächste der drei Teile um Bea und Florin. (3,5/5)


Nikola Hotel "Flötenzeit"
"Flötenzeit" ist das dritte Buch (das dritte ebook, um genau zu sein), das ich von Nikola Hotel lese. Und es ist das dritte Mal, dass ich total begeistert bin von der Autorin und ihrer Art zu schreiben. Während "Rabenblut drängt" noch magisch-unwirklich daher kam, hab ich mich bei "Fernsehköche küsst man nicht" teilweise kringelig gelacht. "Flötenzeit" dagegen ist nun weitaus ernster und historischer angesiedelt, konnte mich aber ebenso überzeugen. Auf zwei Zeitebenen erlebt man die Geschichte von Julia und Clemens mit, die sich - durch merkwürdige Umstände - kennenlernen, obwohl sie eigentlich mehrere Jahrzehnte trennt. Während Clemens eigentlich schon gar nicht mehr am Leben ist, gelingt es Julia im Jetzt, durch gewisse magische Eigenschaften der Musik, die durchs Haus schallt, in die Vergangenheit zu reisen und dabei Clemens den Kopf zu verdrehen. Die romantischen Bahnen, die sich zwischen beiden entwickeln, ließen mich geradezu verzückt aufseufzen. Zwischen beiden stimmte irgendwie die Chemie. Dabei ist "Flötenzeit" aber keine futuristisch anmutende Sci-Fi Geschichte mit merkwürdigen Theorien zu Zeitensprüngen oder gar Parallelwelten. Nein, es passiert immer eher so nebenbei und "aus Versehen", dass Julia in der Vergangenheit landet, und durch die unbeholfene Art von ihr und Clemens wird das Ganze überaus sympathisch. Mir hat "Flötenzeit" wirklich gut gefallen, auch wenn ich den Schluss ehrlich gesagt ein wenig zu überstürzt und plötzlich fand. Auf einmal war es vorbei und das hat mich etwas unerwartet erwischt, weil ich wahrscheinlich doch letztlich noch ein paar weitere erklärende Sätze vermisst habe. Ansonsten: Daumen hoch! (4/5)


Stefanie Lahme "Küss mich, Bodyguard"
Von diesem ebook habe ich zunächst die Leseprobe gelesen, die mir auch ziemlich gut gefallen hatte. Die Zutaten zu einer locker-leichten Sommergeschichte mit romantischen Aspekten war gegeben: eine kleine Insel, auf der eine Schriftstellerin (Tracy) nach neuen Ideen und Impulsen für eine Geschichte sucht. Da ihr ein fieser Stalker auf den Fersen ist, wird ihr kurzerhand ein Bodyguard, ein Aufpasser namens Decker, an die Seite gestellt, der sie bewachen und - hach, seufz - beschützen soll. Alles gut und schön. Anfangs hat mir alles gut gefallen; das kleine Katz-und Maus-Spiel zwischen beiden Charakteren mit spitzen Dialogen fand ich ebenfalls gelungen und hat ein bisschen Feuer auflodern lassen. Dann stellte sich bei mir aber nach und nach der Eindruck ein, dass die ganze Geschichte leider recht oberflächlich bleibt und nur so vor sich hinplätschert, ohne mal richtig zur Sache zu kommen. An sich fand ich den Plot nicht schlecht, der Handlungsort war interessant und die Nebenpersonen gut eingebaut. Aber sowohl die Figuren als auch die Entwicklung der Geschichte blieben für mich zu blass und zu wenig spannend. Die für meinen Geschmack viel zu schnell aus dem Nichts gezogene und zu wenig nachvollziehbare Liebesromanze zwischen Tracy und Decker fand ich nicht passend in dem Kontext, zumal Tracy zeitgleich fleißig mit einem anderen Helden flirtet. Und die gesamte Stalkergeschichte, die ja eigentlich der Aufhänger der gesamten Problematik sein sollte, wurde letztlich zu plump abgehandelt. "Küss mich, Bodyguard" ist somit eine nette kleine Geschichte zum Nebenbei-Lesen, die aber nur wenig im Kopf hängen bleibt. (3/5)


Carolin Wahl "Mondscheinküsse halten länger"
Ich muss gestehen, ich weiß gar nicht mehr, wie dieses Buch seinen Weg zu mir gefunden hat. Ich weiß nicht mehr, ob ich es irgendwann mal gekauft habe oder es mir geschenkt wurde. Jedenfalls fristete es ein ungelesenes Dasein in meinem Regal, bis ich es vor einiger Zeit mal erlöste und jeden Abend ein paar Seiten darin las. Und zum Glück, kann ich nur sagen, denn "Mondscheinküsse halten länger" ist ein wunderbares Buch! Mal abgesehen vom Titel, der eher nicht so mein Fall ist, und schnell dazu verleitet, das Buch als kitschige Jugendromanze abzutun. Aber es ist so viel mehr, eigentlich eher eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt. Hauptfigur Marlene schlägt sich mit vielerlei Problemen rum, die jeder von uns bis zu einem gewissen Grad in der Teeniezeit auch erlebt hat - aber sie macht es mit soviel Witz, Mut und Überzeugung, dass ich mich hier bestens amüsiert habe. Marlene ist eigensinnig und definitiv nicht auf den Mund gefallen. Als sie ein Wanderwochenende mit dem Schulschwarm durchstehen muss, geht ihr vieles gegen den Strich - allen voran Gefühle der romantischen Art... Ich fand das Buch toll und lustig und unterhaltsam - auch wenn ich sicher nicht mehr zur Zielgruppe gehöre. Aber hier stimmt einfach alles, und umso beeindruckender ist es, dass die Autorin noch so jung ist (Jahrgang 1992). (5/5)

5 Kommentare:

  1. Das Cover von "Flötenzeit" ist ja ganz bezaubernd! :-)
    Mit Poznanskis Ermittlerduo wollte ich eigentlich auch mal weiterlesen - bisher kenne ich nur den ersten Band, den ich ganz gut fand, der mich aber nicht wirklich begeistert hat. Trotzdem wollte ich danach durchaus noch mehr von Bea und Florin lesen.

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  2. Ja, ich finde die Buchreihe ja eigentlich auch ganz nett und hab diesen dritten Teil sehr herbeigesehnt. Aber der konnte dann inhaltlich nicht so das halten, was ich gehofft hatte. Ich würde dir trotzdem empfehlen, sie weiterzulesen :)

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  3. Achso, und bei "Flötenzeit" ist nicht nur das Cover bezaubernd ;)

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  4. *wink*
    Ich bin auch endlich mal wieder hier ...
    Nikola Hotel wird mir von Facebook ständig empfohlen. Ich hab aus Prinzip erst mal weggeschaut. Vielleicht sollte ich mir die Autorin aber doch mal näher ansehen ...
    Liebste Grüße Nanni

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  5. @ Nanni: Ja, Nikola Hotel kann ich wirklich empfehlen, mir hat bisher jede ihrer Geschichten gefallen und demnächst will ich mit ihrem neuen Buch "Jetzt oder Nils" anfangen, freu mich schon drauf :) Vielleicht findest du mal eine Leseprobe von ihren Büchern, denn einen eReader hast du doch nicht, oder?

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