Mittwoch, 27. Mai 2015

"Heute beginnt der Rest des Lebens" - Marie-Sabine Roger

Atlantik Verlag, 2015
20,00 Euro

Handlung:
Es ist Mortimers 36. Geburtstag, und er wird sterben. So wie alle Männer aus seiner Familie mit 36 gestorben sind. Doch als Mortimer abends immer noch lebt, wird im klar: Der Fluch hat ihn verschont. Doch was nun? Sein Job und seine Wohnung sind gekündigt, und bisher hat er keine Ziele oder Ambitionen gehabt. Plötzlich muss er lernen zu leben! Dabei helfen ihm Paquita und Nassardine vom Crêpe-Stand an der Ecke. Und zum Glück ist da auch noch Jasmine, die manchmal auf Parkbänken sitzt und weint, damit es den Menschen besser geht ...


Meine Meinung:
"Es gibt solche Tage, die alle vorangegangenen Tage zu einem Vorher machen, und alle folgenden zu einem Nachher." (S.125)

Mortimer hat überlebt. Geplant hat er das nicht; eigentlich dachte er, an seinem 36. Geburtstag wäre Schluss. Schluss mit allem. Entsprechend vorausschauend hat er von Beginn an sein Leben gelebt: wenige Bekanntschaften, bis auf eine große Ausnahme schon gar keine Liebschaften oder Personen in seinem Leben, die sein Herz allzu sehr erobern könnten, keine Verpflichtungen, keinen wirklichen Besitz, keine Kinder, nichts, an das er sein Herz hängen könnte. Immerhin ist nach seinem 36. Geburtstag alles vorbei - denkt er -, da kann er es sich wirklich nicht leisten, irgendwelche Verantwortungen zu übernehmen. Und warum groß planen und Träumen hinterherhängen, wenn diese doch eh bald ihr Ende finden?!
Zumindest war das seine Vorstellung. In Rückblenden und Erzählungen erfahren wir als Leser an Mortimers 36. Geburtstag nun, dass das ganze Vorhaben dann doch nicht so funktioniert hat. 
Denn trotz des vermeintlichen Familienfluches, der jedem männlichen Nachkommen seiner Familie ein frühes Ableben am 36. Geburtstag verspricht, lebt Mortimer nun mal über seinen Zeitpunkt hinaus. Was soll er jetzt tun? 
Als ich den Klappentext des Buches von Marie-Sabine Roger zum allerersten Mal las, dachte ich noch "Was für eine makabere Idee". Und ja, das ist sie letztlich auch. Das Buch setzt sich mit der merkwürdigen Frage auseinander, was passiert, wenn man plötzlich doch mehr Leben vor sich und zur Verfügung hat als gedacht. Auf diese Weise wird der Leser an Fragen herangeführt, die wichtig sind, die man sich in seinem eigenen Leben jedoch viel zu selten stellt - und noch wichtiger: die man sich selbst viel zu selten beantwortet. Denn was möchte man denn in seinem Leben erreichen? Wenn man sein Todesdatum vor Augen hätte, wie würde man diese Zeit bis dahin nutzen? Welche Ziele hätte man? Was würde man tun wollen, was dagegen lieber nicht? Mit wem würde man diese Zeit verbringen wollen?
Mortimer lebt sein Leben nicht unbedingt so, wie ich es an seiner Stelle getan hätte, das habe ich mir oft denken müssen. Aber genau das macht letztlich den Reiz an dieser Geschichte aus. Und Mortimer ist vor allem eins: zu sympathisch, als dass man ihm dieses schrecklich ungerechte Ende wünschen würde. Als es für ihn dann unverhofft weitergeht, stehen ihm alle Möglichkeiten offen. Oder ... wirklich alle? Ist es für ihn wirklich möglich, all die verpassten Chancen und Bekanntschaften in seinem Leben wieder aufzuholen?

"Heute beginnt der Rest des Lebens" ist locker-leicht geschrieben, mit Witz, Humor, Fantasie und in einer unnachahmlichen Art der Autorin. Sie schafft es mühelos, den Leser am Ball zu halten. An mancher Stelle musste ich sehr lachen, an mancher Stelle hat mich das Buch arg nachdenklich gestimmt. Genau das war sicher Ziel von Mortimers Geschichte, und genau durch diese wunderbare Mischung behalte ich das Buch in sehr schöner Erinnerung.




1 Kommentare:

  1. Schöne Rezi :) Ich habe mich sehr gefreut, dass du dabei warst :)
    Liebe Grüße Nanni

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena