Mittwoch, 13. Mai 2015

"Ein Diktator zum Dessert" - Franz-Olivier Giesbert

carl´s books
14,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch, dessen Cover du hässlich findest


Handlung:
Rose ist 105 Jahre alt, eine begnadete Köchin mit einem kleinen Restaurant in Marseille. Sie hat den Genozid an den Armeniern, die Schrecken der Nazizeit und die Auswüchse des Maoismus erlebt. Deshalb hat sie vor nichts und niemandem mehr Angst. Für den Fall, dass ihr jemand blöd kommt, trägt sie immer einen Colt in der Tasche. Sie lässt sich von Mamadou, ihrem jugendlichen Gehilfen im Restaurant, auf dem Motorrad durch Marseille kutschieren, hört Patti Smith, treibt sich im Internet auf Singlebörsen herum und denkt auch im biblischen Alter immer nur an das Eine. Und sie meint, dass sie nun alt genug ist, ihre Memoiren zu schreiben: Um das Leben zu feiern und die Weltgeschichte das Fürchten zu lehren.


Meine Meinung:
Rose, mittlerweile 105 Jahre alt, schreibt ihre Memoiren auf. Als Leser können wir an ihrem bewegten, abwechslungsreichen, aber zugleich mit vielerlei schlimmen und unschönen Momenten gespickten Leben teilhaben und begeben uns gemeinsam mit Rose auf eine Reise in ihre Vergangenheit, die sie uns häppchenweise präsentiert. 
Das ganze kommt aber nicht wie ein langweiliger, ermüdender, historischer Tatsachenbericht daher. Vielmehr hat Rose alles wirklich mit Leib und Seele erlebt und ihre Erzählungen sprühen nur so über vor Weisheit und Spitzzüngigkeit. Ja, genau, denn Rose ist wahrlich nicht auf den Mund gefallen, betitelt ihre Mitmenschen auch mal schnell als "Vollidioten" oder "Klugscheißer". Ihre Sprache ist mitunter recht derbe und direkt, aber mit 105 muss man wohl auch kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. 
An sich mochte ich die Idee des Romans, mit Rose 105 Jahre, die sie quer durch die ganze Welt geführt haben, gemeinsam als Rückblicke zu erleben. Allerdings bleibt bei mir kein wirklich positiver Eindruck nach dem Lesen zurück. Zum einen fiel es mir unglaublich schwer, eine Verbindung zu Rose aufzubauen. Sie einzuschätzen. Als alte Dame macht sie einen lockeren Eindruck, als könne ihr das Leben nicht mehr viel anhaben, was, wenn wir ehrlich sind, wohl auch so ist. Die Jugend heute würde sie wohl als "coole Oma" bezeichnen. Durch ihre Berichte hat sie sich mir allerdings nicht wirklich als sympathisch dargestellt. Das, was sie erlebt hat, worauf sie sich eingelassen hat, was sie hingenommen und akzeptiert hat im Laufe der Jahre - das hat bei mir eher einen unschönen Nachgeschmack hinterlassen. Rose hat das gesamte 20. Jahrhundert durchlebt, ein Jahrhundert mit schönen, aber vor allem leider auch vielen sehr unschönen Momenten. Und ich hätte anfangs, als ich das Buch startete, nicht gedacht, dass der Titel des Buches so wortwörtlich gemeint sein könnte - soviel dazu, ohne inhaltlich zuviel zu verraten. So schwankte ich beim Lesen also stets zwischen Unverständnis und merkwürdigem Wohlwollen für Rose, für die Frau, die soviel erlebt hat. Vielleicht lag daran auch diese gewisse Gefühlskälte, die in ihren Schilderungen immer mal durchscheint. 

Ein Fazit fällt mir schwer. "Ein Diktator zum Dessert" mag die richtige Lektüre sein für alle, die die Geschehnisse des letzten Jahrhunderts aus einer eher lockeren, tatsachenberichts-ähnlichen Erzählung erleben wollen. Rose selbst polarisiert, zumindest mir ging es so. Ich kann sie schwer einschätzen und muss gestehen, dass sie keinesfalls einen nur positiven Eindruck bei mir hinterlässt, auch wenn sie manchmal so unverhofft "lässig" erscheint.  


1 Kommentare:

  1. Von der Beschreibung her erinnert mich das ein wenig an "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" - und den fand ich ja großartig. Ich glaube, ich werde mal schauen, ob es den Roman in der Bücherei gibt, um es quasi unverbindlich ausprobieren zu können. Schade, dass es dich nicht so recht begeistern konnte.

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena