Montag, 18. Mai 2015

"Die Königin der Orchard Street" - Susan Jane Gilman

Insel Verlag, 2015
19,95 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch mit einer weiblichen Heldin

Handlung:
New York, 1913. Die kleine Malka lebt mitten im Trubel der dicht gedrängten Straßen und übervölkerten Mietskasernen im Einwandererviertel auf der Lower East Side. Die meisten hier sind arm, haben zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel, leben von der Hand in den Mund. Doch listig und raffiniert, wie sie ist, lernt Malka schnell, sich im Viertel durchzuschlagen. Und genau da, mitten im abenteuerlichen Gemenge, wo die jiddischen und italienischen Rufe der fahrenden Händler durch die Straßen schallen, wendet sich Malkas Schicksal. Denn dort trifft sie Papa Dinello, der sie in das köstlichste Geheimnis der Welt einweiht: das Wunder der Eiscreme, die Verführung der süßen Magie. Für Malka beginnt eine wahre Tour de Force durch das Leben – und aus dem pfiffigen und erfinderischen Mädchen wird die Grand Dame Lillian Dunkle, die »Eiskönigin von Amerika« und berühmt-berüchtigte Herrscherin über ein Eiscreme-Imperium …

Meine Meinung:
"Die Königin der Orchard Street" behandelt die Lebensgeschichte von Malka, die mit ihrer bettelarmen jüdischen Familie als Einwanderer in die USA kommt und dort - wegen einiger unschöner Zwischenfälle - schließlich beim Eismacher Mr. Dinello landet, der ihr zeigt, was es bedeutet, gutes Eis herzustellen. Für Malka ist das der Beginn einer großartigen Karriere.
Diese Geschichte wird aus Malkas Sicht erzählt, und zwar auf eine Art und Weise, wie ich sie selten in Büchern erlebe. Auf eine so flapsig-sympathische Art erzählt sie von ihrem Leben, dass man fast das Gefühl bekommt, eine alte Bekannte würde beim Kaffee einen kleinen Plausch halten. Zugleich erhält man beim Lesen einen Eindruck davon, wie sehr Macht und Erfolg eine Person ändern kann, denn aus dem netten kleinen unschuldigen Mädchen, das bei Mr. Dinello anfing, entwickelt sich bald eine kalte und berechnende Karrierefrau. Nicht umsonst trägt sie den doppeldeutigen Spitznamen "Die Eiskönigin von Amerika", der sie auch charakterlich beschreibt.
Da sie ihr Leben und ihre Erlebnisse über die Jahrzehnte hinweg schildert, erhält man viele Einblicke in die Historie der ärmlichen Verhältnisse der Einwanderer in den USA vor dem 1. Weltkrieg. Die Zeitsprünge gelingen der Autorin dabei sehr gut. Es werden Fakten über wahre Begebenheiten, beispielsweise aber auch über die Herstellung von Eiscreme, in die Geschehnisse eingebunden und ergeben so ein stimmiges unterhaltsames und zugleich sehr informatives Leseerlebnis. Leider zog sich die Gesamterzählung an mancher Stelle sehr, weil Malka sehr ausschweift oder sich einfach zu lang mit Beschreibungen befasst. Anfangs mochte ich das noch sehr, aber irgendwann wird es zuviel, worunter leider auch die Spannung leidet. Ich muss ehrlich sagen, dass ich dazu neigte, manche Seite zu überblättern, und das Buch hätte gut und gern 100 Seiten kürzer sein können.

Letztlich hat mir "Die Königin der Orchard Street" gut gefallen. Ein geschichtlicher Roman über eine Frau, die ihren Weg geht, gut geschrieben und vor allem unterhaltsam. Man hat wirklich Lust, Malka zu begleiten und zu erfahren, wie sie zu der starken und erfolgreichen Frau wurde, die uns hier die Rückblicke in die Vergangenheit gewährt. Für einen Debütroman sehr beeindruckend!


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