Mittwoch, 6. Mai 2015

"Das ist der Sommer im Paradies, wie er eben aussieht, wenn man die Sonnenbrille absetzt" - Hilde Kvalvaag

Gerstenberg Verlag, 2015
13,95 Euro

Handlung:
Johanne liebt es, die Sommerferien gemeinsam mit ihrer Schwester Katrin bei den Großeltern zu verbringen: Sonne, Schwimmen im Fjord, der Job im Lebensmittelladen, Schaumbananen futtern, Partys, eng anliegende Kleider - das ist der Sommer im Paradies! Und dann ist da noch Are, der ihr den ganzen Winter über nicht aus dem Kopf gegangen ist ... Doch dieses Jahr ist alles anders: Katrin kommt nicht wie versprochen nach und Are scheint sich nicht sonderlich für Johanne zu interessieren. Dann lernt sie Ares jüngeren Bruder Mattias kennen, aber eines Tages ist er spurlos verschwunden. Ein atmosphärisch dichter Roman über die Sehnsucht nach dem Paradies, einen Sommer der Veränderungen und den Abschied von der Kindheit.


Meine Meinung:
Dieses Buch war ein reiner Titel-Kauf. Kaum hatte ich diesen Buchtitel erspäht und anhand der Inhaltsangabe eine nette, sommerleichte Jugendgeschichte übers Erwachsenwerden versprochen bekommen, landete das Buch im Einkaufswagen. Was mir dann aber beim Lesen begegnete, hat nicht nur meine Erwartungen NICHT erfüllt, sondern hat mich obendrein auch noch enttäuscht.
Warum? Zum einen lag es am Sprachstil. Emotionslose, kalte Sprache, abgehackte und kurze Sätze. Das mag von der Autorin so gewollt sein und vielleicht spiegelt es auch die norwegisch-kalte Art wieder, aber ... über Johanne erfährt man kaum etwas. Das mag typisch norwegisch sein, ich weiß es nicht. Aber dieser Stil hat mir nicht gefallen. Ich möchte etwas über eine Figur erfahren, über eine Hauptfigur erst recht! Ich möchte mich im besten Fall in einer Figur wiederfinden, ihre Motive nachvollziehen können, sie aber zumindest verstehen können.
Stattdessen hatte ich so meine Probleme mit Johanne. Denn sie ist nicht nur unsympathisch und scheinbar gefühlslos wie ein kalter Fisch, sondern wird zum Ende der Geschichte auch noch ziemlich feige. Ein Charakter zum Abgewöhnen, würde ich fast sagen. Allerdings steht sie als komischer Kauz hier keinesfalls alleine da, denn irgendwie haben alle Figuren in diesem Buch eine kleine Klatsche. Allen voran ihre Schwester, die tut und lässt, was sie will, und von Verantwortungsgefühl wahrscheinlich noch nie gehört hat. Ihre Mutter ist nicht besser und auch ihre Großeltern sind vorrangig gleichgültig gegenüber allem. Johannes Urlaubsbekanntschaft Are bleibt dagegen völlig blass. Figurentechnisch war für mich hier nicht viel rauszuholen, um das Buch in guter Erinnerung halten zu können. Dann vielleicht aus der Handlung?
Nein. Denn die war mir von Seite 1 an zu oberflächlich. Mir leuchteten weder die Motive von nahezu allen handelnden Personen ein (Johanne, Mattias, Katrin), noch hatte ich den Eindruck, dass die Autorin mit ihrer Geschichte irgendeinen Zweck verfolgt hat. Höchstens, die Erkenntnis zu bekommen, wie man eine Sommergeschichte lieber nicht gestalten sollte. Mir fehlte ein roter Faden und eine Erkenntnis am Ende. Etwas, das einem die Augen öffnet oder meinetwegen auch sprachlos macht. Etwas, das prinzipiell etwas bewirken kann durch die Worte, in denen es verfasst ist. Aber hier ... war nichts. Plötzlich war dann einfach Schluss und die Handlung vorbei. Keine der Figuren hat sich wirklich entwickelt oder einen Aha-Moment gehabt, der auf den Leser hätte überspringen können. Plötzlich ist dann der Sommer und damit auch das Buch zu Ende.
Ich war nach dem Lesen enttäuscht. Das ist der Eindruck, wie er eben aussieht, wenn man den tollen Buchtitel wegnimmt.


3 Kommentare:

  1. Dein letzter Satz ist super!
    Mich hätte dieser lange Titel irgendwie eher abgeschreckt als angezogen - irgendwie sprießen solche Buchtitelsätze wie Unkraut aus den Titelwiesen. Ich mag es da lieber kurz und knackig.
    Dass das Buch einfach irgendwann endet, ohne dass groß irgendetwas passiert ist, erinnert mich ein wenig an Utta Danellas „Der Kuss des Apollo" - da hätte das Buch quasi auch jederzeit enden können.

    Es gibt aber auch gute Beispiele, die zeigen, dass ein Buch, solange es gut geschrieben ist, gar keine ausgefeilte Handlung braucht, um interessant zu sein. „Was sie begehren" von Kenneth Mackenzie z. B. ist auch so ein Roman rund um die ersten Gefühle, wenn auch eher melancholisch angehaucht. Da passiert zwar nicht viel, aber ich musste trotzdem immer weiterlesen.

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  2. Ja, ich kenne solche Bücher auch, die eigentlich wenig(er) Handlung haben und dennoch in ihren Bann ziehen können. Mein Problem hier war einfach, dass diese Geschehnisse in dem Sommer von Johanne, der hier beschrieben wird, nirgendwo hinführen. Da gibt es keine Erkenntnis oder sowas am Ende. Ich hab ja geschrieben, Johanne wird zum Ende hin noch ziemlich feige, und dann das Buch so enden zu lassen - das fand ich mehr als komisch.
    Mich hat dieser Titel irgendwie eher angezogen, auch wenn ich dir recht gebe: es gibt mittlerweile wirklich jede Menge Buchtitel, die einfach nur irgendwie Aufmerksamkeit erregen wollen, und dann steckt leider nichts (oder nicht viel) dahinter...

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  3. Hm, das klingt ja eher nicht so toll. Ich habe den Roman aufgrund der Inhaltsangabe auf meinen Wunschzettel gepackt, habe aber nun auch den Eindruck, dass er wohl nicht meinen Erwartungen entsprechen würde.

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