Sonntag, 5. April 2015

"Nacht ohne Namen" - Jenny-Mai Nuyen

dtv, 2015
16,95 Euro

Handlung:
Manche Menschen sind für einander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Zum Beispiel ihre wahren Namen. Als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – und der steckt in üblen Schwierigkeiten …


Meine Meinung:
Mit "Nacht ohne Namen" hat die Autorin eine interessante Ideenkiste geöffnet. Als ich anfing, das Buch zu lesen, wusste ich überhaupt nicht so recht, worum es gehen und was mich erwarten würde. Die Anfänge der Geschichte von Nicky und Canon haben mich dann positiv überrascht. Lokalisiert in der Metropole Berlin, mitten zwischen Sozialbauwohnungen und B-Bahnschächten, wird die Bekanntschaft zwischen beiden mit einem ganz besonderen Zauber dargestellt. Man liest nur aus der Perspektive von Nicky, erfährt nicht viel über Canon; nur das, was Nicky eben selbst weiß. Oder zu wissen glaubt. Und trotzdem spürt man auf jeder Seite, dass zwischen beiden eine besondere Verbindung besteht, die über die täglichen Treffen in der U-Bahn hinausgeht.
Dann jedoch wird man als Leser mitten hinein in die Welt der Dämonen geworfen - Dämonen, die in der Romanwelt der Jenny-Mai Nuyen ganz normal in Menschengestalt unter uns weilen. Das fand ich einerseits zwar sehr gut ausgedacht, gleichzeitig wurde es für mich da holprig, der Geschichte zu folgen. Den Dämon Jucitell Tallis, der an Nickys Seite steht, fand ich dank seines vielseitigen und schillernden Auftretens sehr interessant, wenn auch etwas aufdringlich. Das wiederum lag an seinem Naturell bzw. seiner Rolle als Inkubus. Während ich dem Geplänkel zwischen Menschen- und Dämonenwelt anfangs noch gern gefolgt bin, wurden für mich die Zusammenhänge und Verbindungen zunehmend schwierig zu folgen. Gerade im letzten Buchdrittel fand ich alles ein wenig konfus und undurchsichtig, wer mit wem und gegen wen agiert, mit welchen Absichten und unter Anweisung welchen Dämons.
Letztendlich hat mir das Buch durch seine kurzweilige Art, seine Ideen und einnehmenden Sprachstil gut gefallen. Einmal angefangen, will man wissen, was passiert, und bleibt automatisch dran. Berlin als Handlungsort ist in meinen Augen super ausgewählt in seiner Vielschichtigkeit und auch Nicky als Handlungsträgerin konnte bei mir punkten. "Nacht ohne Namen" ist ein gutes, lesenswertes Buch; trotzdem wollte der letzte Funke zum richtigen Begeistertsein einfach nicht recht überspringen bei mir.


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