Sonntag, 19. April 2015

"Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" - Mira Jacob

Eichborn Verlag, 2015
19,99 Euro

Handlung:
Da stürzt sich ein Mann von einer Brücke in Seattle - und Amina schießt das Foto, das berühmt werden wird. Doch wie abgebrüht muss man sein, in einem solchen Moment auf den Auslöser zu drücken? Amina verzeiht sich das nicht, verdingt sich fortan als Hochzeitsfotografin. Als ihr Vater sterbenskrank wird, muss sie sich ihrer bewegten Vergangenheit stellen, einer Geschichte, die in den 70er Jahren in Indien begann und nun in New Mexiko ihren Lauf nimmt. Amina beginnt, die Unwägbarkeiten des Lebens anzunehmen, und sich endlich mit den Geistern ihrer Familie auseinanderzusetzen


Meine Meinung:
Es geht um eine indische Einwandererfamilie, die im Süden der USA lebt und mit den kulturellen Eigenheiten dieser "anderen" Welt mal mehr, mal weniger zurecht kommt. Tochter Amina hat sich den traditionell-familiären Klauen irgendwann entrissen (ihre Mutter hegt stetige Pläne, sie gut zu verheiraten, mit einem Inder natürlich!) und lebt und arbeitet mittlerweile als Fotografin in Seattle. Obwohl die Familie in der Vergangenheit schon einige Schicksalsschläge erleben musste, hängt auch dieses Mal, als das Buch beginnt, ein Damoklesschwert über Amina: scheinbar ist ihr Vater erkrankt, und so macht sie sich auf den Weg zu einem Besuch bei ihren Eltern. Dieser Aufenthalt in ihrem Elternhaus lässt sie über einige Dinge nachdenken und führt dazu, dass diverse Erinnerungen wachgerufen werden.
Mir hat "Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" an sich sehr gut gefallen. Die Story ist schön geschrieben und hat mich z.B. an vielerlei Stellen sehr an den Film "My big fat greek wedding" erinnert; die Familie dort ist ebenso nervtötend und aufdringlich wie Aminas familiärer Anhang, aber genau deswegen wird es auch immer mal absurd lustig und amüsant. Leider weist das Buch hier und da ein paar Längen auf und zieht sich sehr, sodass mir das Lesen teilweise fast ein wenig ermüdend vorkam. Die Dialoge sind wiederum sehr ausführlich, salopp und flapsig gehalten; gerade dadurch erschienen sie mir jedoch sehr realistisch. Die Story an sich hat mir dann aber wieder sehr gut gefallen, denn in einzelnen Abschnitten werden Rückblenden in Aminas Geschichte geworfen und wechseln sich mit den Geschehnissen von Heute ab. Diese sind gespickt mit kuriosen Gesprächen zwischen Tochter und Mutter, einigen kleinen und großen Dramen, lustigen Wendungen, traurigen Momenten und vielen kleinen Aspekten, die die indischen Einwanderer "in den großen bösen USA" erleben, zumindest ist das der Glaube von Aminas Großmutter in Indien.

"Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz" ist ein Buch über Familie, Zusammenhalt, Herkunft und Tradition - und wie die Wurzeln des eigenen Lebens all diese Dinge miteinander verknüpfen, ob man will oder nicht. Ein lesenswertes Buch, das zum Mitfühlen, aber ebenso zum Nachdenken anregt.


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