Donnerstag, 30. April 2015

"Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen" - Susan Juby

cbj Verlag, 2015
16,99 Euro

Handlung:

Das Leben ist nichts für Feiglinge...

… denken sich die drei Freunde Dusk, Neil und Normandy, zu Beginn des 11. Schuljahres und starten ein gewagtes Experiment: Einmal jede Woche wird abwechselnd einer der drei einem Menschen aus ihrer Schule eine Frage stellen, die bisher keiner auszusprechen wagte, obwohl alle nach der Antwort lechzen.
Hasst die ewig grantige Sekretärin wirklich alle Schüler, ist der schöne Tyler jetzt schwul oder nicht, nimmt der Freak aus der 12. Drogen und hat die Coole aus dem Langlaufteam mit einem ihrer beiden Teamkollegen was oder gar mit beiden? Was die drei besten Freunde allerdings damit lostreten, hätten sie nie geahnt. Ein kluges Buch über Freundschaft, Liebe und die Frage, was wir mit uns und unserem Leben anfangen und, was das eigentlich alles zu bedeuten hat.



Meine Meinung:
"Wenn man jemanden zur Rede gestellt hat und derjenige mit der Wahrheit rausgerückt ist, kann man sich nicht einfach vom Acker machen. Die Wahrheit schweißt einen zusammen, egal, ob es einem passt oder nicht." (S. 162)

Jeder kennt das. Gerüchte, die im Umlauf sind. Halbwahrheiten und wüste Vermutungen, die nur gemurmelt geäußert werden. Über andere Personen. Egal, ob in der Schule, auf der Arbeit, im Bekanntenkreis, bei den Nachbarn. Jeder kennt das. Keiner traut sich zu fragen, denkt sich nur seinen Teil.
Normandy, Neil und Dusk trauen sich nun aber doch. Sie beschließen eines Tages, einfach jene Fragen, die irgendwie allen unter den Nägeln brennen, laut zu stellen, und so der Wahrheit des Alltags ein wenig mehr auf die Spur zu kommen. Sie befragen Mitschüler und Lehrer nach Dingen, die keiner wirklich weiß, aber jeder zu gern erfahren möchte. Und treten damit eine richtige "Wahrheitsbewegung" los, die ihre Kreise nicht nur an der Schule zieht, sondern zunehmend auch das private Leben der Drei betrifft. Gerade der Heldin der Geschichte, Normandy, geht diese Wahrheitsgeschichte nach und nach zu weit, denn sie bringt Dinge in ihrer Familie an Licht, die sie so lieber nie erfahren hätte und die nun fast ihr Leben ruinieren können.
"Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen" lässt zunächst eine reine Jugendlichen-Geschichte vermuten, ist letztlich aber viel mehr und kommt auch viel erwachsener daher, als ich dachte. Die drei Hauptfiguren gehen aufs College, auf eine Kunstschule, um genau zu sein. Damit sind sie per se schon einmal Exoten mit außergewöhnlichen Hobbies und Interessen, aber das hat mich überhaupt nicht gestört, im Gegenteil. Das lag auch schon daran, dass die drei trotz ihrer vereinzelten Schrulligkeiten sehr echt und sympathisch rüberkommen. Gerade Normandy hat mir gefallen in ihrer Art zu schreiben und beschreiben. (Das Buch ist aus ihrer Sicht verfasst.) Die Geschichte hat Humor, aber zugleich viele ernste Stellen, die nachdenklich stimmen. Sollte man wirklich immer nach der Wahrheit fragen, nur weil sie einen interessiert? Sollte manches nicht lieber ungefragt bleiben? Und wie geht man damit um, wenn man die Wahrheit plötzlich kennt?
Diese - nicht ganz unwesentlichen - Fragen hat Susan Juby sehr gekonnt in ihrem Roman verpackt und eine unterhaltsame Geschichte drumherum gesponnen, die ich sehr genossen und innerhalb 2 Tage inhaliert habe. Ein wenig störend mag man die ständigen Fussnoten empfinden, die Normandy mit Vorliebe einbaut und die - meiner Meinung nach - meistens keine wirklich relevanten Informationen enthalten. Ich bin nach einigen Seiten dazu übergegangen, sie gar nicht mehr zu lesen, und das ging sehr gut für den Rest der Geschichte. Das Ende des Buches gipfelt noch fast in einem Drama, einem ziemlich ungerechten, wie ich finde; das mag vielleicht ein wenig aufgesetzt und melodramatisch, vor allem aber unvorhersehbar daherkommen. Ich fands dennoch ok, weil es zeigt, dass nicht alles nur schwarz-weiß ist.
"Der Tag, als wir begannen, die Wahrheit zu sagen" - ein lesenswerter jugendlicher Roman über Wahrheits- und Identitätsfindungen.


1 Kommentare:

  1. Huhu :)

    Danke für die tolle Rezension, das Buch landet auch der Wunschliste! :D

    Viele liebe Grüße,
    Elli

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