Montag, 23. März 2015

"Ich sehe was, was niemand sieht" - Tim O´Rourke

Chicken House Verlag, 2015
14,99 Euro


Handlung:
Charley sieht Dinge, die sonst niemand sieht. Ihre Visionen sind wie Blitze, kurz und intensiv – ein Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs. Charley ist felsenfest davon überzeugt, dass sie Verbrechen sieht, bevor sie geschehen. Niemand glaubt ihr, bis auf Tom. Der attraktive junge Police Officer bearbeitet gerade seinen ersten Fall: ein totes Mädchen, das auf Bahngleisen gefunden wurde.

Während die Polizei noch nach der Todesursache sucht, hat Charley wieder Visionen: ein anderes Mädchen, Schreie, das Rattern eines Zugs ...



Meine Meinung:
"Ich sehe was, was niemand sieht" wird als "packender Mystery-Thriller" beworben. Und während ich mit den Einzelworten "Mystery" und "Thriller" noch so mitgehen kann, fehlte mir beim Lesen ein wenig das "packend".
Charleys Geschichte ist nicht ohne. Sie sieht, wie andere Menschen (gewaltsam) sterben und erlebt diese grausigen letzten Minuten hautnah mit - so sehr, dass sie danach meistens selbst völlig am Ende ist und nicht selten ohnmächtig wird. Diese Einblicke ereilen Charley in Form von kurzen "Gedankenblitzen", denen sie sie nicht entziehen kann. Ich fand ziemlich gut, wie der Autor diese Blitze dargestellt hat, sehr bildlich, das ging mir an mancher Stelle fast ein wenig nah. Mir gefällt auch die Grundidee des Romans, der tatsächlich sehr spannend gemacht ist und sich gerade deswegen recht schnell weglesen ließ. Trotzdem hapert es in meinen Augen ein bisschen an der Umsetzung. 
Zum einen sind die Figuren im Roman fürchterlich klischeehaft gezeichnet, manche sind richtiggehend plakativ schwarz-weiß geraten. Der besserwisserische und oberfaule Polizistenkollege von Tom beispielsweise ist so vorhersehbar wie selten jemand. Tom dagegen hat die Rolle zugesprochen bekommen, durch und durch der Gute und Hilfsbereite sein zu müssen und Hals über Kopf Gefühle für Charley zu entwickeln, die er ja eigentlich gar nicht haben darf. Und Charley? Die ist das naive Opfer. Aus diesen vorgesehenen Rollen kommt keiner heraus und das macht das Verfolgen der Aktionen einzelner Personen leider sehr vorhersehbar. Dazu kommt, dass die Handlung manchmal arg konstruiert wirkt. Gerade beim Showdown am Ende kam ich nicht umhin, mir denken zu müssen, wie unglaubwürdig das alles erscheint. Außerdem wurden für mich wesentliche Fragen am Ende nicht geklärt. Manche Leser werden das Ende durchaus sehr überraschend finden - der Aha-Moment ist auch da -, aber mich hat am Ende viel mehr das "Wieso" interessiert und da fehlte einiges an Erklärung. 
Insgesamt gesehen ist "Ich sehe was, was niemand sieht" ein unterhaltsamer, schnell zu lesender Jugendthriller, der Mysteryelemente mit einem Mord und einer Liebesgeschichte verbindet. Die plakativen Figuren und einige Ungereimtheiten im Verlauf der Geschichte trüben das Leseerlebnis meiner Meinung nach ein wenig.



Ein herzliches Dankeschön an den Chicken House Verlag!

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