Freitag, 23. Januar 2015

"MUC" - Anna Mocikat

Knaur TB Verlag, 2014
12,99 Euro 


Handlung:

München, 2120: Hundert Jahre nach dem großen Sterben, dem beinahe die gesamte Menschheit zum Opfer fiel, ist von dem Wohlstand der Stadt wenig übrig. Zerstörte Häuser, Müll und Dreck in den Straßen und Skelette in der U-Bahn, so präsentiert sich MUC, wie die Stadt mittlerweile heißt, der Kletterkünstlerin Pia.
Pia ist auf der Suche – nach ihrem Bruder, der vor Jahren verschollen ist, und nach Antworten. Denn das große Sterben haben nur Rothaarige überlebt, ihre Haare jedoch sind pechschwarz. Aber MUC ist kein Ort des Wissens und der Freiheit mehr, sondern eine ­gnadenlose Diktatur. Pia muss sich entscheiden, ob sie auf der Seite der Unterdrücker oder der Unterdrückten stehen will.



Meine Meinung:
"MUC" spielt in einer trüben und tristen Zukunft, von der man sich heute wünscht, sie möge nie Wirklichkeit werden. Pia aber lebt in dieser Welt. Sie flüchtet aus ihrem Dorf in den Alpen, um sich auf den Weg nach MUC zu begeben - dem ehemaligen München, wo sie ihren Bruder zu finden hofft.
Ich muss sagen, dass sich die Geschichte "MUC" ganz anders entwickelt, als ich zunächst gedacht habe. Anstatt einer actiongeladenen, fast dystopisch anmutenden Endzeitgeschichte wird in eher ruhiger Art von Pias Erlebnissen berichtet, die auf ihrer Reise die Schrecken und Nöte der Menschen nach dem großen Sterben selbst erleben muss. Für einen Debütroman fand ich das Buch beeindruckend, gut ausgedacht und gleichzeitig unterhaltsam und realistisch und geschrieben. 
Denn insgesamt gesehen wirkt die von Frau Mocikat entworfene postapokalyptische Welt interessant und durchaus glaubwürdig und vorstellbar - bis auf ein paar kleine Dinge vielleicht, die mich haben stutzen lassen. (So kann beispielsweise nicht ganz glauben, dass sich eine Konservendose nach über 100 Jahren noch problemlos öffnen lässt und dass die Pfirsiche darin tatsächlich noch ihre Süße und Konsistenz behalten haben...) Aber abgesehen von solchen kleinen Aspekten fand ich die Ideen, die die Autorin eingebaut hat, wirklich gut gemacht, wenn auch etwas langatmig an mancher Stelle. Ich hätte mir rückblickend ein wenig mehr "Action" gewünscht, denn wirklich Spannung kann das Buch nicht bieten, eher eine Erzählung über Pia und ihren Weg. Insgesamt dauert es, bis die Handlung wirklich Fahrt aufnimmt und MUC als Schauplatz eine Rolle spielt. Die Ereignisse, die Pia dann in MUC ereilen, sind anders, als ich zunächst gedacht habe - wissen aber dennoch zu unterhalten.
Diese Ereignisse wurden für mich aber vor allem durch die Nebenfiguren lebhaft, denn Pia selbst blieb mir die meiste Zeit leider recht fremd. Auf mich erschien sie eher wie eine ahnungslose 12-Jährige, die zum ersten Mal die Welt erkundet (was irgendwie ja auch stimmt), und nicht wie eine mutige 20-Jährige, die sich den Gefahren in den Weg stellt. Ich habe in ihr leider keine tapfere Heldin sehen können, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit natürlich verändert. Trotzdem blieb bei mir vor allem der Eindruck eines kindlich-naives Mädchens hängen, den ich bis zur letzten Seite nicht wirklich abschütteln konnte.

Insgesamt gesehen kann "MUC" durch ein interessantes postapokalyptisches Szenario sowie gut verpackte Ideen der Autorin punkten. Mir war das Buch dennoch ein wenig zu "geradeaus" mit zu wenig Spannungsanteilen und verblüffenden Momenten, auch wenn es als Debütroman bemerkenswert ist.


Ein herzliches Dankeschön an den Knaur Verlag!

3 Kommentare:

  1. Schöne Kritik :)

    In Sachen "Dose":
    Es werden auch heute noch Lebensmittel in Dosen aus dem ersten und/oder zweiten Weltkrieg gefunden, die durchaus genießbar sind und wenn man sich vorstellt, dass die in "MUC" es ja nicht in "echt" kennen, schmeckt es ihnen vielleicht, auch wenn es für uns schon fad wäre :P

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  2. *lach* Über die Konservendosen und ihre Haltbarkeit bin ich auch gestolpert! :D Aber dann dachte ich mir, dass die Autorin bestimmt in der Lage war, oder spätestens die Lektorin, so ein Detail zu recherchieren und daher hab ich es dann auf sich beruhen lassen. ;) Aber man wird schon erstmal stutzig... :D

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  3. @TheReal Kaisu & WortGestalt: Nee, ich weiß schon, dass sich Konservendosen ziemlich lange halten. Darum ging es auch weniger, sondern eher um die Tatsache, dass die Dosen sich nach all der Zeit offenbar ganz problemlos öffnen lassen (und das von Pia, die vorher noch nie einen Dosenöffner gesehen, sondern nur davon gehört hat...) und der Inhalt dann auch keinerlei Schaden genommen hat. Das konnte ich halt nicht so glauben ;)

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