Dienstag, 16. Dezember 2014

Gemeinsam lesen

Heute bei Weltenwanderer



1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Neulich habe ich spontan zu "Tschick" von Wolfgang Herrndorf gegriffen und lese seitdem abends immer mal ein paar Seiten darin. Aktuell bin ich auf Seite 104.

Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine unvergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz.



2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Mein Arm hing aus dem Fenster, mein Kopf lag auf meinem Arm."

3. Was willst du unbedingt zu deinem aktuellen Buch loswerden?
Anfangs bin ich mit der Story nicht so wirklich warm geworden, aber mittlerweile find ich es eigentlich ziemlich nett zu lesen - wahrscheinlich weil auch Tschick endlich richtig mitspielt. Gerade gestern habe ich einen herrlichen Dialog zwischen ihm und Maik gelesen, als sie sich über das Wort "Walachei" unterhalten haben und Maik partout nicht glauben konnte, dass dieses Wort eine echte Region bezeichnet. Da musste ich echt richtig lachen. Insofern glaube ich, dass mich hier noch einige lustige Momente erwarten werden, aber sicher nicht nur. 
Was ein bisschen merkwürdig beim Lesen ist: ich kann irgendwie nicht abstellen, das Buch wie eine Schullektüre zu lesen. Ich weiß, dass "Tschick" teilweise als Pflichtlektüre im Deutschunterricht gelesen wird und irgendwie bin ich in diesem "Ich muss interpretationsmäßig auf jede Zeile achten"- Modus, den ich früher immer bei so lahmen Klassikern & Co. hatte, die ich in Deutsch lesen musste. (Dank "Unterm Rad" von Hermann Hesse bin ich absolut geschädigt, was das betrifft...) Wenn ich das Gefühl hatte, ich muss hier total was reindenken und zwischen den Zeilen lesen, damit ich später irgendwas dazu sagen kann. Halt kein Lesen nur zum Spaß. Dieses Gefühl hatte ich im Deutschunterricht leider viel zu häufig; ich weiß nicht, ob das gegen die Lektüre oder gegen meine Lehrer spricht. (*hüstel* Wahrscheinlich beides...) Jedenfalls: ich find das voll blöd, weil ich mir beim Lesen von "Tschick" irgendwie ständig denke "Ah, an dieser Stelle könnte der Lehrer das und das fragen!" oder "Oh, das wär ein guter Satz zum Interpretieren..." 
Ist das bescheuert?! Ja, definitiv, ich weiß! Und ich finds vor allem voll schade, denn so geht mir irgendwie der Reiz der eigentlichen Geschichte ein wenig verloren... :o

4. Wie schlimm sind für dich Spoiler? Bist du genervt, wenn du irgendwo etwas erfährst - sei es Klappentect oder in einer Rezension - oder ist es dir egal?
Ganz ehrlich, ich hasse Spoiler. Ich meine, gut, manchmal passiert das, dass man aus Versehen wirklich mehr verrät, als man wollte und als gut ist für das Verständnis der Geschichte. Aber ich kann das nicht leiden, wenn in Rezensionen oder Buchbesprechungen etc. so wahnsinnig viel von der Handlung erzählt wird. Eine Rezension ist eine Meinungsäußerung und keine Inhaltszusammenfassung! Wenn ich sehe, dass Rezensionen zu lang sind, lese ich sie daher auch gleich gar nicht. Spoiler sind wirklich fies und können einem ganz gewaltig das Leseerlebnis verderben. Ich gehöre beispielsweise zu der Minderheit, die "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" nie gelesen oder als Film gesehen hat. Das liegt zum einen daran, dass ich so eine Geschichte wegen Inhalt und Thema einfach nicht lesen möchte und zum anderen, weil ich vor einer Weile mal einen Text gelesen habe, in dem prompt das Ende der Geschichte verraten wurde. Ich weiß also, wie das ausgeht, und da habe ich gleich noch weniger Lust, das kennenzulernen. 


6 Kommentare:

  1. Hallo, :)
    bei der zweiten Frage geht es mir ähnlich. Ich habe auch schon Rezensionen gelesen, die zu zwei Drittel aus einer Inhaltszusammenfassung bestanden. Das ist echt ärgerlich, wenn man ein Buch wegen eines Spoilers nicht mehr liest, weil man keine Lust mehr darauf hat.
    Schade, dass beim Lesen so ein Gefühl aufkommt. Vielleicht kannst du das ja noch abstellen? Ich wünsche dir auf jeden Fall noch viel Spaß beim Lesen. :)

    Liebe Grüße,
    Marina

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  2. Naja, ich lass mich von der Deutsch-Unterrrichts-Erinnerung nicht abschrecken. Ich lese "Tschick" schon bis zum Ende :D

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  3. Oh, "Tschick" ist wirklich ein bezauberndes Buch! Mir hat es sehr gut gefallen und ich hoffe du wirst noch deinen Spaß damit haben!

    Liebste Grüße,
    Kasia

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  4. Hey,

    Tschick möchte ich auch irgendwann nochmal lesen. Ich hoffe, mir geht es da nicht so wie dir o.O :D
    Auf jeden Fall wünsche ich dir noch viel Spaß mit dem Buch :)

    Schade, dass du Rezensionen gar nicht erst liest, wenn sie zu lang sind. Ich neige auch eher zu langen Rezensionen, würde aber von mir behaupten da nicht den Inhalt wiederzugeben, sondern schon meine Meinung wiederzugeben ;) Ich bin schriftlich nicht sehr gut mich kurz zu fassen, es sei denn es ist (wie zum Beispiel in Hausarbeiten an der Uni) eine Mindestlänge vorgegeben. Dann kann ich mich perfekt kurz fassen, sodass ich die Mindestlänge garantiert NICHT erreiche :D

    Liebe Grüße,
    Julia

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  5. @Julia: Naja, das kommt immer auf die Rezension an, ob ich sie lese oder nicht. Zum einen, wer sie geschrieben hat: bei manchen Bloggern weiß ich, dass ich deren Rezensionen mag und nachvollziehen kann, dann lese ich sie auch, selbst wenn sie etwas länger sind. Zum anderen geht es auch um das Buch: wenn ich schon mit Blick auf das Cover und die Inhaltsbeschreibung merke "Das ist nichts für mich", dann lese ich die Rezensionen auch gar nicht. Ist halt so. Es interessiert einen ja nun mal nicht immer alles. Umgekehrt lese ich Rezensionen aber auch dann nicht, wenn mich ein Buch sehr interessiert und ich definitiv weiß, dass ich es selbst auch noch (demnächst) lesen werde. Dann will ich gar keine großen Meinungen dazu hören und lesen, sondern mich lieber überraschen lassen. Rezensionen lese ich eigentlich vorwiegend wirklich dann, wenn ich mir nicht sicher bin, ob ein Buch etwas für mich ist und ich schauen will, was andere dazu sagen.
    Aber wenn sie eben so unglaublich lange Rezensionen sind ... hab ich oftmals keine richtige Lust, das alles zu lesen, das geb ich schon zu :o

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  6. Hmm, komisch, dass du dabei überhaupt an Schule denkst. Ich habe das Buch einfach so gelesen und es war einfach *zack* und durch, weil es ja eigentlich leicht zu lesen ist...
    Andererseits kann ich eine Abneigung gegen Bücher nicht verstehen. Mir hat Unterm Rad damals sehr gefallen, zumal das Buch in einer sehr ironischen Lage ist. An einer Stelle von dem Buch beklagt sich Hermann nämlich (sinngemäß) darüber, die Texte im Unterricht würden fürchterlich zerkäut und man ließe den Schülern kaum noch Zeit, die Bücher zu genießen und an einer anderen steht (wieder nur sinngemäß) Avantgardisten würden während ihrer Jugend erst einmal für verrückte gehalten, dann aber nach ihrem Tod würde man ihr Genie so würdigen, dass die meisten Schüler der folgenden Generationen sie für genauso verstaubt und langweilig halten wie ihre Lehrer, weil sie ihnen von Lehrern vermittelt werden würden...
    Und das war dann bei Hermann Hesses "Unterm Rad" genau der Fall, weil meine Klassenkameraden das Buch einfach nur gehasst haben, weil unser dämlicher Deutschlehrer das Buch mit uns so furchtbar zerkäut hat, dass eigentlich keine außer mir bemerkt hat, wie cool das Buch ist und wie ironisch, dass wir es gerade im Unterricht so verhackstücken.

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