Donnerstag, 20. November 2014

Lesung: Jason Segel in Hamburg

Hallo Leseleute!
Die letzten beiden Tage habe ich in Hamburg verbracht. Der Grund dafür war ein besonders aufregender: am Dienstag Abend war ich bei der Lesung von Jason Segel dabei, der sein Kinderbuchdebüt "Nightmares" bei dieser einzigen Lesung in Deutschland vorgestellt hat. 

Jason Segel werden die meisten von euch wohl eher als "Marshall" aus "How I Met Your Mother" kennen. Neben der Schauspielerei macht er aber auch Musik, schreibt Drehbücher und jetzt eben auch ein Kinderbuch, in Zusammenarbeit mit der Kinderbuchautorin Kirsten Miller. 

Stattgefunden hat die Lesung im Hamburger Cinemaxx am Dammtor mit einer Besucherzahl, die je nach Quelle irgendwo zwischen 800 und 1000 lag. Leider war ich nicht so früh da, wie ich gern wollte, daher befand sich auch mein Sitzplatz letztlich weiter hinten als eigentlich gewünscht. Das machte aber nichts, weil die Lesung sowie das Interview auf einer großen Leinwand gut sichtbar für den ganzen Kinosaal übertragen wurde - ein Umstand, den Jason Segel zunächst äußerst verwunderlich fand. Sich selbst so groß zu sehen, sei befremdlich, meinte er. Mit dem Hamburger Wetter (halt typisch grau) habe er dagegen gar kein Problem, er sehe in Sweater sowieso besser aus als in Badeklamotten. So ähnlich amüsant gestaltete sich die ganze Unterhaltung. 
Es war einfach herrlich; er war so lustig und sympathisch in dem, was er berichtete und vor allem - wie er berichtete. Das Interview führte eine Dame vom NDR (wenn ich mich nicht täusche); leider weiß ich ihren Namen nicht, aber sie hat das ziemlich gut gemacht, muss ich mal sagen. Seine englischen Antworten hat sie stets in Kurzform übersetzt wiedergegeben, was für die Vielzahl der Besucher gar nicht nötig gewesen wäre, man hat ihn super verstehen können in dem, was er so erzählt hat. Einmal erzählte er von einem "crazy dude", was die Interview-Dame mit "schräger Typ" übersetzte. Daraufhin fragte Jason, wie sie denn jetzt "Dude" übersetzt hätte, welches Wort das gewesen wäre, woraufhin sie mit "Typ" antwortete. Er sprach "Typ" dann prompt gleich zwei-dreimal nach und amüsierte den ganzen Saal. 
Das Interview war kurzweilig und interessant, auch wenn Jason Segel diese typischen Fragen nach dem Buch und seiner Schreiberei wahrscheinlich schon zig mal gestellt bekommen hat. Einiges wurde über das Buch und seinen Inhalt erzählt. Er habe die Idee für das Buch schon mit 21 gehabt und damals eigentlich als "Script", also als Drehbuch geschrieben. Da er jemand ist, der gern mit anderen Menschen zusammen arbeitet ("I love people"), fand er es ganz wunderbar, sich mit der Autorin Kirsten Miller zusammentun zu können und dieses Buch fertigzustellen. Dabei habe er auch viel von sich selbst eingebaut. So sei er selbst eine Mischung aus den beiden Brüdern Charlie und Jack, die im Buch vorkommen. Früher sei er selbst mit einem Superman-Kostüm in die Schule gegangen und habe seinem Bruder Adam damit manch peinliche Momente beschert, erzählte Jason. Und auch das große Thema des Buches "Angst und Albträume" kommt nicht von ungefähr. Er selbst habe früher oft und viele Ängste gehabt. Das gehört sicher zum Kindsein dazu. Er selbst ist aber der Meinung, dass Ängste auch im Erwachsenenleben gut und nützlich sind. Sonst wäre das Leben so vorhersehbar und langweilig. Man könne sich selbst gar nicht ausprobieren und sich Herausforderungen stellen, wenn man frei von Ängsten wäre. Und er hat es ganz gern, dass ihn in seinem Leben immer wieder "Challenges" erwarten, denen er sich stellen will, sonst wäre sein Leben unglaublich "boring". 
Auch dass er sich für das Medium "Buch" entschieden hat, habe einen Grund. In der heutigen schnelllebigen Zeit sehe jeder sein Leben und das der anderen nur noch "through the i-Phone lens", keiner würde sich mehr richtig Zeit für etwas nehmen. Dass es dann aber noch Menschen gibt, die sich tatsächlich noch ein Buch nehmen und sich für einige Stunden nur mit diesem Buch beschäftigen, sei für ihn etwas ganz Besonderes. Er findet deswegen diese Beziehung zwischen Autor und Leser so außergewöhnlich, meinte er. Als Autor schreibt man etwas auf, aber jeder Leser empfängt das Geschriebene letztlich ganz unterschiedlich, jeder nehme etwas anderes für sich daraus mit und kommt mit anderen Eindrücken aus dem Buch zurück - was wirklich besonders sei.

Dann wurde aus dem Buch gelesen; Jason Segel las einen Abschnitt auf Englisch und Rainer Strecker las zwei weitere Abschnitte auf Deutsch. Beide machten das toll, mit unterschiedlichen Stimmen und Betonungen für verschiedene Charaktere. Rainer Strecker - nun, man merkt ihm einfach an, dass er Erfahrung als Hörbuchsprecher hat. Seine Vorstellung der einzelnen Figuren war wirklich fantastisch und er brachte damit nicht nur das deutsche Publikum, sondern vor allem Jason Segel selbst ständig zum Grinsen und Lachen - und der hat die deutschen Abschnitte ja nicht mal verstanden.

Rainer Strecker und Jason Segel beim Vorlesen.


Tatsächlich war das Buch als solches manchen Besuchern jedoch eher ... egal, hatte ich so den Eindruck. Ich glaube, viele wollten einfach nur mal "Marshall in echt" sehen, live und in Farbe, und sich bei der Gelegenheit gleich mal noch etwas signieren lassen. Viele hatten DVD-Staffeln von "HIMYM" zum Signieren dabei - anstelle des Buches. Ich als leidenschaftliche Leserin natürlich nicht ( ;) ); ich hatte mir am Montag in weiser Voraussicht extra noch schnell das Buch gekauft und dann auf der Zugfahrt nach Hamburg begonnen, darin zu lesen. "Weise Voraussicht" deshalb, weil es zu dem Zeitpunkt, als ich endlich in die Nähe des Signiertisches kam, keine Bücher mehr vor Ort zu kaufen gab. Als das im Saal verkündet wurde, murrten viele laut herum, aber naja, nur halbes Pech gehabt, denn Autogrammkarten verteilte der Herr Segel dennoch fleißig. Wirklich fleißig, denn es haben tatsächlich alle fast 800 Besucher irgendeine Unterschrift von ihm bekommen. Er hat bis zur letzten Person geduldig dagesessen und allen Interessenten ein Autogramm gegeben. Und wurde dabei nicht mal schlecht gelaunt. Selbst nach mehreren hundert Signier-Willigen lächelte er immer noch jeden einzeln an, sagte mindestens "Hi", meistens aber noch viel mehr zu jeder einzelnen Person. Bei mir bedankte er sich, dass ich das Buch gekauft und gelesen habe, woraufhin ich - ganz verdattert und selbst heute immer noch überrascht angesichts meiner Geistesgegenwart, zu antworten (und auch noch passend zu antworten!!), die sonst kläglich versagt!! - sagte "Thanks for writing it", woraufhin er mich dann anstrahlte, nickte und sagte "Yes, you got it!". Dann hab ich mein signiertes Buch und eine Autogrammkarte mitgenommen und war selig.

Letztlich war es ein wirklich toller und lustiger Abend. Jason Segel sieht auch in echt tatsächlich wie "Marshall" aus und ist total sympathisch. Ich hab schon mehrfach über die Unterschriften getätschelt und glaube, das Buch wird einen besonderen Platz in meinem Regal bekommen :)


© für alle Bilder: i-am-bookish.blogspot.com

3 Kommentare:

  1. Hach, klingt nach einer tollen Veranstaltung! Da wär ich auch gerne dabei gewesen. Vor allem, dass er auch privat ein sehr sympathischer Mensch ist (800 Autogramme gibt bestimmt nicht jeder), finde ich schön. Da würde ich das signierte Buch auch in Ehren halten :)

    Irgendwie schade, dass viele nur wegen ihm und nicht wegen seinem Buch gekommen sind, aber das ist ja leider zu erwarten, wenn man den meisten aus dem TV bekannt ist.
    Ein wirklich schöner Bericht! :)

    LG Doris

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  2. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber Hamburg ist ja am anderen Ende der Welt - na ja, zumindest am anderen Ende von Deutschland. ;-)

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  3. Dankeschön :)
    Naja, Hamburg liegt bei mir auch nicht gerade um die Ecke, aber diese Veranstaltung war´s mir wert, extra hinzufahren. Und mal so 2 freie Tage mitten in der Woche sind auch nicht zu verachten :D

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