Sonntag, 23. November 2014

"Eines Morgens in Paris" - C.S. Richardson

Atlantik Verlag, 2014
14,99 Euro

Handlung:
Octavio ist Bäcker, sammelt Bücher und lernt durch eine Verkettung von Zufällen Isabeau kennen - die Liebe seines Lebens. Ein in grünes Leinen gebundenes Buch spielt dabei eine genauso große Rolle wie ein halbblinder Uhrmacher, eine Buchhändler-Familie und ein Künstler. Und dann ist da noch die schrullige Stammkundschaft der Boulangerie… Wir werden Zeuge einer gleichermaßen außergewöhnlichen wie unwahrscheinlichen Liebesgeschichte, die vom Glück des Zufalls und der Liebe erzählt.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:

"In der einen Minute allein im eigenen Kopf, starrte man in der nächsten jemand an, den man noch nie zuvor gesehen hatte - oder schon hundertmal, nur jetzt mit ganz neuen Augen." (S. 224)

Pheeww. Dieses Buch hat mich in ein Wechselbad der Gefühle geworfen, und das ist nicht übertrieben. Dieses kleine, vergleichsweise schmale, unscheinbare Büchlein mit dem tollen Cover lief mehrfach Gefahr, von mir abgebrochen und entnervt in die Ecke gepfeffert zu werden. So sehr ging es mir teilweise auf den Keks. Ich kann gar nicht genau erklären, woran das eigentlich lag. Die Handlung spielt zu Zeiten des Ersten Weltkrieges und irgendwie hat sich Autor C.S. Richardson wohl gedacht, da muss ich entsprechend altmodisch und verschwurbelt reden. Ist auch in Ordnung; es hätte mich sogar sehr gestört, wenn diese historisch zurückliegende Geschichte in neumoderner Alltagssprache abgefasst gewesen wäre. Da hab ich es lieber ein wenig komplizierter in Satzbau, Wortauswahl und Beschreibungen von Land, Leute und Zeit. 
Trotzdem hat mich der Schreibstil geschafft. Das Buch ist gänzlich ohne Anführungszeichen bei wörtlicher Rede, was zwar ungewohnt ist, man aber irgendwann einfach so hinnimmt beim Lesen. Was ich jedoch nicht so ohne Weiteres hinnehmen mochte, war dieser typisch französische Stil, jede Person nur mit "Madame" und jeden Herrn nur mit "Monsieur" zu betiteln. Denn wenn das der Autor bei mehr als drei Personen tut, kommt der Leser unweigerlich ins Schwimmen. Welche Madame war jetzt gemeint? War es die Frau des Bäckers? Oder doch die schwangere Ehefrau von dem Inhaber des Bekleidungsgeschäfts? Und wer ist eigentlich Jacob Kalb? Was tut der hier drin? Wieso werden hier so unglaublich viele Personen eingeführt und immer nur häppchenweise in der Handlung vorangetrieben? Warum ist das alles so undurchsichtig und wirklich schwer zu verstehen? Wo soll das alles hinführen?
Diese ständigen Fragen im Hinterkopf habe ich mich trotzdem durch das Gewirr von Handlungsplätzen, Figuren und vor allem unterschiedlichen zeitlichen Ebenen gelesen (gekämpft) - und erlebte plötzlich mein blaues Wunder. Denn auf einmal kam ein Punkt (zugegeben, erst weit nach der Mitte des Buches), an dem mir auf einmal alles einleuchtete. Plötzlich waren mir die Zusammenhänge klar, die unterschiedlichen Zeitebenen machten Sinn und die einzelnen Figuren schienen tatsächlich alle auf ein gemeinsames Ziel hinzusteuern. 
Und dieses Ziel? Das besteht in einer der schönsten Liebesgeschichten, die ich je in einem Buch gelesen habe. Sie besteht nur aus einer ganz kleinen, flüchtigen Bekanntschaft - sie ist nicht laut, aufdringlich oder gar fordernd in dieser Geschichte. Sie ergibt sich nach und nach. Und ich ertappte mich zum Buchende immer öfter dabei, selig zu grinsen oder leise aufzuseufzen. Ich kann gar nicht viel mehr dazu schreiben, ohne zuviel zu verraten, denn diesen Aha-Moment in der Geschichte gönne ich jedem, der Interesse an dem Buch hat. Und lesenswert fand ich es nach den ganzen anfänglichen Schwierigkeiten dann letztlich doch.  



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