Mittwoch, 26. November 2014

"Das beste Buch der Welt" - Peter Stjernström

Dumont Verlag, 2014
16,99 Euro


Handlung:
Titus Jensen ist Schriftsteller und Alkoholiker. Vergeblich wartet er darauf, dass man seine eigenen Romane ernst nimmt, und macht sich stattdessen mit Lesungen fremder Werke zum Clown. Beim Zechgelage mit dem gefeierten Dichter Eddie X kommt ihm jedoch eine glorreiche Idee: Warum nicht einfach mal alles in ein Buch packen, was das Zeug zum Bestseller hat – ein wenig Liebe, ein paar gute Rezepte, ein bisschen Selbstfindung, die sicherste Diätmethode und den ultraspannenden Krimi-Plot?

Sofort macht sich Titus ans Werk und entwickelt ungeahnte Produktivität, auch dank seiner bezaubernden Lektorin Astra, die das Beste aus ihm herauszukitzeln versteht. Mit ihrer Hilfe schafft er den Absprung vom Saufen, findet zurück zum Schreiben und entdeckt, was ihm wirklich wichtig ist. Schon naht der ersehnte Durchbruch auf der Buchmesse in Göteborg – da macht ihm auf den letzten Metern Eddie X einen Strich durch die Rechnung: Auch der scheinheilige Liebespoet hat an der Idee des weltbesten Buchs Feuer gefangen und will Titus um jeden Preis zuvorkommen …


Meine Meinung:

"Ich mein, Glück entsteht manchmal einfach, sogar für mich. Aber das liegt nicht daran, dass ich ihm nachgerannt bin, eher im Gegenteil. Erst wenn man ihm nicht mehr die ganze Zeit nachrennt, kann es zu einem kommen. Aber es ist auch so gut wie unmöglich, dem Glück nicht nachzurennen. Dem Glück nachrennen ist das Menschlichste, was man sich denken kann." (S. 79)

"Das beste Buch der Welt" ist in meinen Augen leider genau das nicht. Man muss schon sehr von sich und seiner Schreibkunst überzeugt sein, um sein Buch so zu nennen. Die Geschichte, die Autor Peter Stjernström hier zu Papier gebracht hat, ist auch in der Tat kurzweilig, teils amüsant, teils verwunderlich zu lesen. Aber ein bestes Buch der Welt macht ja mehr aus, denke ich mir. Seine gebeutelte Hauptfigur Titus Jensen beschließt eines Tages, das beste Buch der Welt zu schreiben. Sehr viel mehr bleibt ihm auch nicht übrig; nach einigen alkoholbedingten Abstürzen und peinlichen Momenten in der Pressewelt muss er einen Totalerfolg vorlegen, um sich zurück in die Bekanntschaft zu kämpfen. Mit verschiedenen "Zutaten", die ein solches Buch beinhalten müsste, um seinem Titel gerecht zu werden, versucht er, eine Hammerstory zu entwerfen, nebenbei einige Do it yourself-Tipps einzubauen, lebenskluge Ratschläge fürs "Besser Leben" zu verteilen und dabei vor allem zu unterhalten mit seinem Buch. Tatsächlich gelingt es Titus Jensen, einen solchen Bestseller zu schreiben und er erlebt letztlich in seiner eigenen Geschichte all jene Punkte, die seiner Auffassung nach in einem "Besten Buch der Welt" vorhanden sein sollten. 
Nebenbei schafft es Peter Stjernström, in Titus´ Geschichte die Verlagswelt und die Arbeit eines Autors ein wenig auf die Schippe zu nehmen. Manchmal weiß man als Leser nicht so recht, ob das alles echt oder arg auf die Spitze getrieben ist. Ich hoffe, zweites.

Leider vergisst Stjernström (und damit auch Titus im Buch) für meinen Geschmack jedoch eines: eine Aneinanderreihung von einzelnen Punkten, die abgearbeitet und zu einem Manuskript verarbeitet werden, macht noch kein gutes Buch. Für mich gehört in ein bestes Buch der Welt (oder zumindest ein gutes) auch etwas Innovatives, irgendetwas Neuartiges, noch nicht Gelesenes; etwas, das den Leser überrascht. Das konnte ich hier leider nicht finden. So recht Begeisterungsstürme wollten bei mir nicht aufkommen, während ich Titus bei seinem Vorhaben lesenderweise begleitet habe. Und das Ende fand ich leider völlig abgegriffen, da hätte ich mir etwas anderes gewünscht. 
Letztlich legt man das Buch gelesen zur Seite und ist - bis auf das abgedruckte Rezept für die beste Pizza Quattro Stagioni der Welt vielleicht - auch nicht unbedingt schlauer und reicher an Eindrücken.
In meinen Augen macht "Das beste Buch der Welt" seinem Titel somit zwar keine Ehre, kann aber dennoch zuweilen unterhalten und zeigt, was passieren kann, wenn man auf Brechen und Biegen einen Bestseller schreiben möchte.



Ein herzliches Dankeschön an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar!

1 Kommentare:

  1. Hm, schade, der Inhalt klang an sich ganz interessant, auch wenn ich mir schon gedacht habe, dass die Idee schnell schiefgehen kann. Offensichtlich ist der Roman auch weniger ironisch als es den Anschein hat?
    Mir fällt da übrigens ein Roman ein, den ich vor Jahren gelesen habe und der thematisch ein bisschen ähnlich ist - "Bestseller" von Klaus Modick, den ich tatsächlich sehr gelungen fand.

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