Montag, 10. November 2014

Auch noch gelesen (Kurzrezensionen)

Joy Preble "Dreaming Anastasia"
Ich hab´s hier irgendwann schon einmal erzählt: ich mag Geschichten, die mit der Russischen Zarenzeit zu tun haben und in denen diese lange vergessenen, pompösen Zeiten der Adelsfamilien etc. zur Sprache kommen. Tatsächlich habe ich geschichtlich zwar eigentlich kaum eine richtige Ahnung von dieser Zeit, ich kenne viele zeitgeschichtlichen, politischen und was weiß ich noch für Hintergründe nicht - ich geb´s zu. Aber ich lese trotzdem gern davon.
Irgendwann bin ich über dieses ebook gestolpert, in dem die Stichworte "russian history", "Baba Yaga" und die "Romanovs" schon in der Inhaltsangabe fielen. Und genau das bekommt man hier auch geboten: Eingebettet in eine Geschichte über ein amerikanisches Teeniemädel geht es um die Familie Romanov, um alte russische Sagen und Legenden, um Baba Yaga und ihre verborgene Hütte im Wald, um Unsterblichkeit und um Verpflichtungen. Klingt gewaltig, das dachte ich zunächst auch. Aber interessanterweise gelingt es der Autorin, das hier wirklich gut miteinander zu vermischen und in eine Handlungslinie zu verpacken, die vielleicht nicht so ganz ernst genommen werden kann (schließlich ist nicht davon auszugehen, dass Baba Yagas Riesenhände tatsächlich am Himmel erscheinen und nach einem greifen, so wie es hier Anastasia Romanov geschieht...), aber trotzdem bestens unterhält. Ich hab mich hier eigentlich auf keiner Seite gelangweilt. Noch dazu ist "Dreaming Anastasia" in wirklich sehr angenehmen und trotz des Sagen- und Legendeninhaltes in verständlichem Englisch geschrieben; auch ungeübte Leser dürften hier wenig Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Dieser Serienauftakt hat mich wirklich überrascht und Teil 2 der Reihe, "Haunted", habe ich mir bereits auf den Kindle geladen.

Kindle Edition // 2009 // z. Zeit 5,75 Euro

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Benjamin Lebert "Mitternachtsweg"
Ich muss gestehen, ich hatte Benjamin Lebert ziemlich lange nicht mehr auf dem Lese-Schirm. Vor vielen Jahren habe ich - natürlich - auch "Crazy" gelesen, wobei der Kinofilm letztlich irgendwie viel mehr Eindruck hinterlassen hat als das Buch. Irgendwann habe ich auch noch "Der Vogel ist ein Rabe" gelesen, an das ich mich aber wirklich absolut gar nicht mehr erinnern kann - weiß nicht, ob das insofern gegen die Geschichte spricht oder eher gegen mein Erinnerungsvermögen. In diesem Jahr habe ich nun an vielen verschiedenen Stellen von "Mitternachtsweg" gehört und ich wurde neugierig. Die Idee eines "geheimen" Weges im Watt, den Liebende nur einmal im Jahr gemeinsam gehen können, klang geheimnisvoll und nach einer Legende. Jemand verschwindet - aha, aufregend! Bücher, die an der Nordsee bzw. auf Sylt spielen, lese ich auch nicht jeden Tag - also war mein Interesse geweckt. Den Preis von 18,00 Euro fand ich zwar nicht ganz klein, aber dafür hat man ein gebundenes Buch mit sehr schönem Schutzumschlag (ein Hingucker!) im Regal stehen, das zudem sprachlich zu überzeugen weiß. Und die Geschichte vom "Mitternachtsweg" hat mir letztlich auch gefallen. Was zunächst etwas verwirrend mit zahlreichen Zeitsprüngen und unterschiedlichen Erzählebenen beginnt, macht schließlich durchweg Sinn und ist gerade deswegen besonders, weil es so ungewohnt ist. Die ganze Geschichte sämtlicher Protagonisten wird nach und nach aufgedröselt und dabei erlebt man als Leser so manch unerwartete Wendung. Man wird lange Zeit gedanklich in eine bestimmte Richtung geschubst, und auch wenn ich mir zwischendrin schon gedacht habe, dass das noch nicht alles sein kann und hier bestimmt gleich noch ein großes "Aha" vor der Tür steht, stellt die Auflösung doch eine kleine Überraschung dar und hat mir sehr gut gefallen.

Hoffmann und Campe Verlag // 2014 // 18,00 Euro

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Oliver Uschmann & Sylvia Witt "Log Out!"
"Log Out!" verfolgt eigentlich eine sehr nette und interessante Idee: Was passiert, wenn man sich mal ein paar Tage komplett aus allen sozialen Netzwerken ausklinkt? Was passiert, wenn man in den Wald zieht und mit den Ressourcen zurecht kommen muss, die einem dort zur Verfügung stehen? Paul möchte nach seinem Abitur genau das versuchen, allerdings gar nicht so sehr freiwillig. Er lässt sich online dazu anstacheln und weil ihm gerade ein wenig die Perspektiven fehlen, macht er das halt einfach.
Ich fand die Grundidee dieses Romans wirklich gut. Kombiniert mit einer tollen Erzählart und ab und zu in Email- und Blog-Form geschrieben, baut sich eine lässige und einfach zu verfolgende Story für die jugendlichere Leserschaft auf, dank der man durch die Seiten fliegt und schneller am Ende angelangt ist, als man zunächst glauben möchte. Die Umsetzung hapert in meinen Augen jedoch an mancher Stelle. Zum einen fand ich es schade, dass Paul seinen eigenen Plan nicht konsequenter durchzieht. Er hat stets und ständig seinen Laptop dabei, ist also sehr wohl immer wieder online und somit informiert, was außerhalb seiner Wanderroute geschieht. "Back to nature" sieht nun mal anders aus. Dann passiert, was bei solchen Aktionen wohl immer passiert: jeder möchte ein Stückchen vom großen Presse-Kuchen abbekommen. Plötzlich reißen sich Radiosender und TV-Shows um Paul, möchten Exklusiv-Interviews bekommen und sich selbst mit dem "Aussteiger" im Scheinwerferlicht suhlen - es geschieht also genau das, was Paul vermeiden wollte. Mir hat an dieser Stelle einfach nicht wirklich gefallen, dass Paul das alles mit sich machen lässt. Er besucht eine Show nach der anderen, widerspricht seinen anfänglichen Überlegungen damit letztlich selbst und wird sich gewissermaßen selbst untreu. Wahrscheinlich ist das nur der normale Lauf der Dinge und insofern ist es Oliver Uschmann und Sylvia Witt gut gelungen, diesen Irrsinn unserer heutigen Zeit einzufangen und mal auf interessante Art und Weise darzustellen. Das Ende ist obendrein wirklich gut gelungen. Übrigens: "Log Out!" ist dank diverser Anspielungen und Zitate auch gut geeignet für alle Freunde der Serie "Navy CIS"...

Script5 Verlag // 2012 // 12,95 Euro


2 Kommentare:

  1. "Log Out" reizt mich irgendwie, auch wenn du nicht vollkommen überzeugt bist. Dein letzter Satz ist aber wieder sehr verführerisch. :D

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  2. Ach ja, du magst ja "Navy CIS", oder? :) Na dann wirst du mit einigen Anspielungen sicher was anfangen können - im Gegensatz zu mir... Ich fand das Buch nicht schlecht, kann man durchaus mal gelesen haben.

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