Samstag, 16. August 2014

"Marie Marne und das Tor zur Nacht" - Christoph Werner

Osburg Verlag, 2014
17,99 Euro

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Handlung:
"Schlafen Sie nicht, wenn Sie müde sind! Schlafen Sie, wenn Sie Lust dazu haben" 
Mit diesem Slogan wirbt eine mysteriöse New Yorker Firma. Wer schlafen für vergeudete Zeit hält, kann in ihren Filialen eine patentierte Brille aufsetzen und einen besonderen Traum träumen danach bleibt er wach! Drei Tage, fünf Tage, zwei Wochen. Doch der ewige Tag verwandelt die Menschen. Bei Maries Vater geht etwas schief. Er bleibt in seinem Traum gefangen. Die Dreizehnjährige setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihn zurückzuholen. Als Marie begreift, dass sie damit die ganze Welt in eine globale Katastrophe stürzt, versucht sie zu retten, was zu retten ist. Ein Albtraum! Mit jeder verstreichenden Minute wächst das Chaos auf der Erde.


Meine Meinung:
Habt ihr euch auch schon einmal gewünscht, unendlich lange wach bleiben zu können ohne schlafen zu müssen - einfach, weil man Besseres zu tun hat? Eine Nacht durchgemacht hat der ein oder andere sicher schon. Vielleicht auch zwei, jedoch dürften das schon weitaus weniger geschafft haben. Und was ist mit mehreren Tagen, oder gar Wochen?
In der Zeit, in der Marie Marne lebt, ist das keine Unmöglichkeit, sondern eher an der Tagesordnung. Wenn man mal Wichtiges zu tun hat, seinen Urlaub ausgiebig genießen möchte, einfach mal in Ruhe mehrere Tage ein Videospiel durchspielen möchte - jeweils ohne dabei einzuschlafen, dann ist das hier kein Problem mehr. Eine Firma namens All Day Industries - kurz ADI - macht es möglich. Sie bietet ADI-Träume an, die man träumt, und dann danach so lange wach bleibt, wie es der eigens für sich selbst ermittelte Wachwert ermöglicht. Marie ist eigentlich zu jung, um so einen Traum träumen zu können und zu dürfen. Dennoch gerät sie wegen ungeahnter Fähigkeiten nach kurzer Zeit in die Fänge von ADI und deren Handlanger Mr. Phisto, und plötzlich steht nicht nur ihre Welt Kopf, sondern die aller Menschen. 

Die Idee des Romans hat mir gut gefallen, die ist dem Leser so bisher noch nirgends begegnet und bietet Stoff für interessante Ausführungen. Trotz aller Fantasie auch Ausführungen für das "reale" Leben, denn auch wie die Konsequenzen des mehrtägigen Schlafmangels dargestellt werden, fand ich gut und wichtig. Was passiert, wenn die Menschen plötzlich mehrere Nächte nicht mehr schlafen können, welche körperlichen, seelischen und sozialen Folgen Schlafmangel haben kann - das wird hier glaubhaft und kindgerecht dargestellt. 
Dennoch hat die Geschichte von Marie Marne nicht durchweg positiven Eindruck bei mir hinterlassen können. Dafür fand ich es etwas zu langatmig, gerade in den Traumsequenzen, die immer mal beschrieben werden; und ganz besonders für Kinder, die es nun mal vielleicht lieber etwas spannender haben. Vieles wird außerdem nicht in Frage gestellt, sondern einfach als gegeben angesehen. Auch Marie, von der man das mit 13 Jahren durchaus schon erwarten könnte, hinterfragt nichts und zweifelt nichts an. Sie führt stattdessen einfach alles aus, was der ominöse Mr. Phisto ihr aufträgt, ohne sich mit den Konsequenzen oder dem Sinn dahinter zu beschäftigen. Das fand ich nicht immer so nachvollziehbar - und letztlich hat genau das ja auch verheerende Folgen.
Ansonsten punktet "Marie Marne und das Tor zur Nacht" mit einer interessanten Idee, einer mutigen Heldin, die über sich selbst hinaus wächst - und einem eindrucksvollen Buchcover, das wirklich ins Auge fällt.



Ein herzliches Dankeschön an den Osburg Verlag und Pia Mortensen der PIA Presseagentur für das Rezensionsexemplar!

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