Mittwoch, 6. August 2014

"Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte" - Mikael Bergstrand

Btb Verlag, 2014
14,99 Euro

Handlung:
Die 50 liegt weit hinter ihm, die Exfrau weilt mit ihrem Neuen im Liebesurlaub, und das Wohlstandsbäuchlein spannt schon etwas unter dem Cordjackett. Es ist nicht von der Hand zu weisen: Die Midlife-Crisis hat Göran Borg fest im Griff. Als er auch noch seinen Job verliert, tut er das einzig Vernünftige, was man(n) in so einer Situation tun kann: sich hängen lassen und in Selbstmitleid baden. Doch dann lässt sich Göran in einem schwachen Moment zu einer Gruppenreise (!) nach Indien überreden. Eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Denn kaum ist der Schwede im Land der heiligen Kühe angekommen, geht alles schief. Doch mit Hilfe des findigen Textilhändlers Mr. Yogi, der betörenden Schönheitssalonbesitzerin Preeti und ca. 1000 Hindu-Gottheiten kommt Göran nicht nur dem Zauber Indiens auf die Spur, sondern auch seiner eigenen Sinnkrise ...
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
Das erste, was bei diesem Buch auffällt, ist der Titel, denn der erinnert unweigerlich an andere Bücher, die ihren Erfolg schon gehabt haben. Ob man damit bewusst an eben diese Erfolge anknüpfen und diesem Buch zu mehr "Erkennenswert" verhelfen wollte, weiß ich nicht. Ich finde das jedoch eigentlich nicht unbedingt positiv; mir kommt es so vor, als würde man dem Buch damit gleich einen Stempel aufdrücken.
Aber das hat es gar nicht nötig, denn "Der 50-Jährige,..." ist für sich allein genommen eine ganz wunderbare und herzliche Geschichte über den Mann im besten (und eben leider schon etwas fortgeschrittenen) Alter. Midlife-Crisis, allgemeine Unzufriedenheit im Job, Liebesflaute und kaum Kontakt zu den eigenen Kindern - halt alles nicht so optimal. Göran geht es da nicht anders. Und obwohl er eher der gemütliche Typ ist, der kaum offen ist für Abenteuer, lässt er sich dennoch auf ein eben solches ein. Er fährt nach Indien. Ein unglücklicher Zufall sorgt dafür, dass er von seiner Reisegruppe getrennt wird - was sich letztlich aber als Glücksfall entpuppt. Denn er macht fortan unglaubliche Entdeckungen, lernt Menschen kennen, die sich zu echten Freunden entwickeln, er verliebt sich, und er lernt im bunten, lauten, völlig überfüllten Indien ein ganz anderes Leben kennen als das, was er in Schweden hatte.

Mir hat das Buch gut gefallen. Obwohl mich wenig mit der Figur Göran verbindet, hatte ich dennoch sofort einen Draht zu ihm, denn er ist einfach ein sympathischer Kerl, der sich trotz aller Widerlichkeiten des Lebens noch überraschen lassen kann. Mir selbst ist beim Lesen klar geworden, dass das Leben in Indien nichts für mich wäre. Genau hier liegt jedoch ein Punkt, der mir an der Geschichte sehr gut gefallen hat: der Autor Bergstrand stellt Indien in den schillerndsten Farben dar und lässt alles wirken wie ein Märchen; gleichzeitig verheimlicht er nicht die Schattenseiten, die unschönen Ecken in Indien. Die Armut, die verwahrlosten Kinder auf der Straße, die Slums - all das wird ebenso thematisiert wie die Farben, die atemberaubenden Gerüche, die für Göran unbekannten Delikatessen, die Sehenswürdigkeiten und den Trubel dieses Landes. Diese Mischung macht das Ganze, trotz einiger kleiner Augenzwinker-Momente, durchaus glaubwürdig und nachvollziehbar. Man leidet und fiebert mit Göran mit, man wünscht ihm das Glück, das er offenbar zu finden schafft. Außerdem hat der Autor mit Yogi einen wunderbaren kauzigen Nebencharakter geschaffen, der ständig indische Weisheiten und Sprichwörter vom Stapel lässt, und der das Leben einfach als das nimmt, was es ist: ein von indischen Göttern gegebenes Abenteuer. Und nach und nach schafft Göran es, sich von Yogi eine Scheibe abzuschneiden.

"Der 50-Jährige, der nach Indien fuhr und über den Sinn des Lebens stolperte" ist schillernde, bunte und aufregende Literatur mit vielen Überraschungen, in einem Land, in dem alles möglich zu sein scheint. Ein Selbstfindungstrip der etwas anderen Art.


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