Sonntag, 20. Juli 2014

"Gut gegen Nordwind" - Daniel Glattauer

Goldmann Verlag, 2008
8,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch, das ein Freund von dir liebt

Handlung:
Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?
(Quelle: hier)


Meine Meinung:
Vor zwei oder drei Jahren habe ich schon einmal angefangen, „Gut gegen Nordwind“ zu lesen. Damals ging mir das E-Mail-Geschreibe zwischen Leo und Emmi jedoch irgendwann so auf die Nerven, dass ich das Buch abgebrochen habe. Auch dieses Mal war ich versucht, das Buch nach etwa 40 Seiten entnervt in die Ecke zu feuern, bin aber dennoch dran geblieben und habe weiter gelesen. Und das war letztlich auch gut so. Denn an weiten Teilen hat mir „Gut gegen Nordwind“ dann doch erstaunlich gut gefallen. Ich hab gelacht, ich hab gekichert, ich hab geradezu laut aufgeseufzt, als ich Leos Satz las „Wenn ich sehe, dass eine E-Mail von Ihnen einlangt, klopft mein Herz.“ (S. 155).

Aber ich hab mich auch geärgert. Denn es ist nun mal so, dass es Dinge gibt, die mir an dieser Geschichte wirklich gar nicht gefallen haben.
1. Mir wurden die Korrespondenzen zwischen Emmi und Leo dann und wann einfach zuviel und zu ausschweifend. So um den heißen Brei herumgeredet. Ich habe wirklich manchmal nicht nur eine, sondern gleich zwei oder drei Seiten überblättert und an einer anderen Stelle wieder eingesetzt, weil mir das Geplänkel zwischen den beiden an mancher Stelle einfach auf den Keks ging.

2. Ich mag Leos rechthaberische Art nicht. Wie er immer den Klügeren raushängen lässt, immer alles besser weiß und sich so arg gewählt und nachdenklich ausdrücken muss; wie er bedächtig tut, wie er Emmi immer wieder zurecht weist und ihr stets aufzeigt, wie falsch sie liegt mit ihren Äußerungen und Annahmen. Dass er immer die Oberhand im Gespräch behalten muss, das hat mich nicht nur genervt, das fand ich auch unglaublich schade. Schade für Emmi, die in meinen Augen hier so oft den Kürzeren zieht.

3. Das Ende ist eine Beleidigung. Ich habe selten (nie?!) ein so mieses Buchende lesen müssen. Versteht mich nicht falsch, nicht jedes Buch muss ein rosarotes Happy End haben. Aber das hier?? Ich weiß nicht, was der Herr Glattauer sich dabei gedacht hat. Wie er darauf kommt, seine Leser über 220 Seiten mit zu ziehen und mitfiebern und mithibbeln zu lassen – nur um ihnen dann so etwas vorzusetzen. Wäre das Buch zwei Seiten früher vorbei gewesen – das Ende wäre perfekt gewesen. Jeder Leser hätte daraus was für sich machen und mitnehmen können, sich seinen Teil dazu denken können. Aber diese letzten zwei Seiten des Buches, die machen alles kaputt. Diese letzten 2 Seiten sind eine Ohrfeige. 


7 Kommentare:

  1. Schade, dass dir das Buch nicht so gefallen hat - ich liebe es ja, vor allem auch das Ende. Es hat mich zwar einigermaßen an den Rand der Verzweiflung getrieben, aber für mich ist es absolut passend und perfekt. Als dann eine ganze Weile später eine Fortsetzung angekündigt wurde, habe ich mich zwar gefreut, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das Ende für mich nicht so mit Band 1 passender gefunden hätte.
    Leo fand ich übrigens gar nicht rechthaberisch, Emmi dagegen aber oft ziemlich hysterisch und anstrengend. ;-)

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  2. Ja, ich fand Emmi jetzt auch nicht wirklich durchweg angenehm; gerade ihre kleinen Eifersüchteleien waren manchmal doch zu sehr offensichtlich... Aber Leo fand ich oftmals wirklich unmöglich in seiner Art. Zwar immer ruhig und bedächtig, aber manchmal hätte ich direkt eine stichelnde E-Mail-Antwort an ihn parat gehabt.
    Naja. Schwierig. Ich bin halt auch schon mit Vorurteilen an das Buch herangegangen, weil es mir beim ersten Leseversuch schon nicht so zugesagt hatte. Das hat jetzt vielleicht auch einfach abgefärbt.
    Gehört denn das zweite Buch zwingend zu der Geschichte von Leo und Emmi dazu, oder kann man das ganze nach Band 1 abhaken? Ich meine... nicht, dass es noch schlimmer kommen könnte nach dem Ende... ;)

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  3. Ich stimme Neyasha voll und ganz zu: Gerade das Ende macht das Buch für mich so genial, wie es ist.
    Ich habe "Alle sieben Wellen" auch total gerne gelesen und es kann sein, dass du mit dem Ende zufriedener bist.

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  4. Ich glaube, man braucht auch eine Weile, um mit dem Ende zurecht zu kommen. Heute z.B. find ich es schon gar nicht mehr so arg wie noch am Freitag, als ich es gelesen habe...

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  5. Ich mochte die Geschichte gerade wegen dem Email Austausch. Aber wenn dir dieser Band schon nicht gefallen hat, wird dich der zweite Band wahrscheinlich auch nicht begeistern. Der war wirklich scheiße. Das kann man nicht anders ausdrücken, sorry. ;))

    btw: cooler Song da inner Ecke (the 1975)

    LG

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  6. Tut mir leid, ich habe deine Antwort auf meinen Kommentar ganz übersehen: Ich finde nicht, dass der Folgeband zwangsläufig dazu gehört. Ich fand ja, wie gesagt, das Ende toll, aber da ich den Mailverkehr zwischen Emmi und Leo so mochte, wollte ich natürlich mehr davon. Aber wenn du auch an ihren Gesprächen schon nicht so viel Freude hattest, bringt das wohl nicht viel.
    Auch wenn ich neugierig wäre, wie dein Urteil über Emmi und Leo nach dem 2. Band ausfallen würde: Da finde ich nämlich Emmi noch deutlich anstrengender und war sehr beeindruckt von Leos Geduld. ;-)

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  7. @ Sarah: Freut mich, wenn dir die Musik gefällt ;)

    @ alle: Offensichtlich kann und sollte ich mir den zweiten Teil also ersparen. Ok, mach ich :)

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