Samstag, 7. Juni 2014

"Eine vorläufige Theorie der Liebe" - Scott Hutchins

Piper Verlag, 2014
21,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch, das auf einem anderen Kontinent spielt


Handlung:
Mit Mitte dreißig steht Neill Bassett jr. wieder ganz am Anfang. Seine Frau hat ihn abserviert, jetzt muss er sich auf erniedrigende Tennis-Abende für Singles einlassen. Auf der Haben-Seite seines Lebens steht nur das aberwitzig umfangreiche Tagebuch, das sein Vater ihm hinterlassen hat. Im Silicon Valley soll er damit einen empfindsamen Computer entwickeln. Während Neill nebenbei dem Grund für den Selbstmord seines Vaters auf die Spur kommt, macht der Computer ebensolche Fortschritte in Liebesangelegenheiten wie Neill selber.




Meine Meinung:

"Inzwischen ist es so weit gekommen, dass ich in meiner Freizeit Begriffe wie "kommerzielle Anwendung" in den Mund nehme. Vielleicht bin ich bloß verunsichert, weil ich die richtige Entgegnung auf "Was geht?" nicht kenne." (S. 65)

"Eine vorläufige Theorie der Liebe" ist das Romandebüt von Autor Scott Hutchins. Die grundlegende Idee für das Buch hat mir ziemlich gut gefallen: Neill ist Teil einer Arbeitsgruppe, die einen intelligenten Computer programmieren will. Einen Computer also, mit dem man sich unterhalten kann, ein Gespräch führen kann, als wäre es ein richtiger, selbstständig denkender Mensch. Dieser Computer muss daher mit jeder Menge Informationen gefüttert werden, und irgendwie kommt es, dass dafür die Tagebucheintragungen von Neills Vater genutzt werden. Neills Vater hat sich vor einigen Jahren jedoch selbst umgebracht, und so sind die persönlichen Einträge ganz besonders sensible Inhalte für Neill, der verstehen möchte, warum sein Vater diese Tat begangen hat. Während seiner Arbeit mit dem denkenden Computer lernt Neill somit ganz andere Seiten an seinem Vater kennen und kommt nicht umhin, viele dieser Erkenntnisse auf sein eigenes Leben anzuwenden.

Wie bereits angemerkt, mag ich die Grundidee des Romans. Die Unterhaltungen zwischen Neill und dem Computer waren oftmals sehr unterhaltsam, weil sie nun mal gerade am Anfang noch gespickt sind mit Fehlern und Logiklöchern in der Denkweise des Computers. Der reagiert auf einzelne Schlagwörter, aber oftmals leider im völlig falschen Kontext und vor allem: mit sehr falschen Entgegnungen. Erst nach und nach gelingt es Neill, die Gedankenschleifen des Computers aufzulösen und wirklich echte Unterhaltungen durchführen zu können.
Während die Romanidee also solche also noch punkten kann, ist ihre Umsetzung in meinen Augen jedoch nicht durchweg geglückt. Denn Neills Erzählung ist unglaublich zäh zu lesen. Viel zu häufig schweift er vom Grundgedanken ab; Hutchins erzählt lieber mehr von Neills Liebeleien und Bettbekanntschaften oder seinen Problemen mit seiner Exfrau, packt hier und da noch kleine Insiderwitze und Kommentare ein, die einem als Nicht-in-San-Francisco-Lebenden nichts sagen - und das wird an vielerlei Stelle einfach zu viel. Zu lang, zu langweilig und zu wenig fesselnd, vor allem aber auch so nichtssagend. Ich habe das Buch mit diversen Pausen lesen müssen, weil mein Interesse daran stets schon nach wenigen Seiten immer erschöpft war.

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