Freitag, 30. Mai 2014

"Radiergummitage" - Miriam Pielhau

DuMont Verlag, 2014
9,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch, von dem du online erfahren hast


Handlung:
Maja Pauly ist Schauspielerin am Braunschweiger Theater. Nicht Berlin. Nicht München. Braunschweig. Und Maja ist Single. Nicht verzweifelt. Nicht unglücklich. Aber ungern. Alles in allem ist ihr Leben eher so mittel. Mittel bis gut. Nicht mittel bis schlecht. Doch dann steht der 35. Geburtstag an. Und Maja hasst die große 35 mit auch für sie selbst nicht ganz nachvollziehbarer, dafür aber umso heftigerer Inbrunst. Damit dieses Unglücksjahr am Ende kein verlorenes war, beschließt sie, sich selbst Aufgaben zu stellen, sich herauszufordern. Der Plan lässt sich gut an. Doch nach den ersten drei Missionen findet sie plötzlich eine vierte im Briefkasten und die hat es ganz schön in sich. Hat Edu, ihr neurotischer, sexbesessener Kollege vom Theater, in den sie heimlich verliebt ist, etwas damit zu tun? Oder versucht sich Exlover Karl wieder in ihr Leben zu schleichen? Wer sich da einmischt, wird sie erst am Schluss herausfinden. Als sie sich findet. Und noch etwas mehr ...

Meine Meinung:
Schon, als ich zum ersten Mal über den Buchtitel "Radiergummitage" stolperte, dachte ich mir ´Perfekt! Das will ich lesen.` Denn wer kennt sie nicht; diese Tage, die so völlig falsch laufen, an denen einfach nichts funktionieren will, an denen man spätestens am Ende des Tages einen Radiergummi zur Hand nehmen möchte, um die ganzen letzten Stunden auszulöschen? Ich kenne solche Tage und ich war glücklich, als mir Miriam Pielhau endlich einen Titel für solche Tage liefern konnte.
Leider ging mir der Aufhänger der vermaledeiten Radiergummitage dann in der fortlaufenden Handlung jedoch ein wenig verloren. Erzählt wird ein Jahr aus dem Leben von Maja - noch dazu beginnend mit ihrem 35. Geburtstag, jenem Geburtstag also, auf den sie wirklich gut hätte verzichten können. Denn mit Mitte 30 ist man in dieser schwierigen Situation, sich ständig mit anderen zu vergleichen, sich rechtfertigen zu müssen, falls man noch Single und kinderlos ist, und eigentlich schon längst wissen müsste, was man vom Leben erwartet. Um sich dieses Trübsal-Blasen zum 35. zu ersparen, fasst Maja kurzerhand den Entschluss, in ihrem folgendem Lebensjahr verrückte, unerwartete und spontane Dinge zu tun, jeden Monat eine Maja-untypische Sache. Dazu gehören Meilensteine wie Stricken lernen, einen Abend als Mann verbringen, eine Frau küssen. In diesem Jahr erlebt Maja damit nicht nur jede Menge Überraschungen, sondern entdeckt auch ganz unbekannte Seiten an sich selbst. 
Diese Art Selbstfindungstrip der typischen Mittdreißigerin hat mir über weite Strecken gut gefallen, auch wenn ich mich oftmals überhaupt nicht mit den Sorgen und Problemchen von Maja identifizieren konnte. (Nun ja. Bin auch noch nicht 35...) Zumindest die Ideen und das Zusammentreffen diverser erwarteter und unerwarteter Aspekte in Majas Leben haben gepasst und ergaben ein schönes Bild von einem Jahr, das mit Absicht anders wird als so viele andere Lebensjahre.
Für meinen Geschmack hätten Majas Erlebnisse von einem Geburtstag zum nächsten ein Stück weit kürzer gefasst sein können. Hier und da wird´s recht ausführlich, vor allem, wenn Maja am Grübeln ist. Ansonsten muss ich ehrlich gestehen, dass mir Frau Pielhaus Schreibweise oftmals zu hochgestochen war. Sie hat eine interessante Art zu schreiben, mal leicht verträumt, mal herrlich unverblümt und direkt - und das oftmals im prompten Wechsel. Aber ich hatte vermehrt das Gefühl, als wäre lange an den Sätzen herumgebastelt worden, damit sie eben so klingen, wie sie klingen. Es ließ sich nicht leicht über die Absätze hinweg lesen, sondern ich blieb immer mal an irgendwelchen Redewendungen oder Satzteilen hängen. Schwierig zu erklären, aber mir erschien der Wortlaut manchmal einfach zu bemüht.

"Radiergummitage" hat alleine wegen seines Titels ein Sternchen verdient. Vor allem zeigt es aber 365 Tage im Leben von Maja, die sich selbst überraschen möchte, indem sie austestet, was sie kann, was sie schafft und was sie möchte. All jenen, denen es (zumindest manchmal) genauso geht im Leben, sei der Debütroman von Miriam Pielhau hiermit empfohlen.


Ein herzliches Dankeschön an den DuMont Verlag für das Rezensionsexemplar!

2 Kommentare:

  1. Das klingt ja nach einem netten Buch, auch wenn es dich dann nicht so sehr überzeugen konnte. Aber diesen Selbstfindungstrip in den Dreißigern kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich glaube, ich werde mal in der Bücherei danach Ausschau halten.

    AntwortenLöschen
  2. Ja, ich fand den Schreibstil - ehrlich gesagt - an vielen Stellen so ... gewöhnungsbedürftig. Sehr bemühte Sätze, bei denen man einfach gemerkt hat, dass an ihnen so lange rumgebastelt wurde, bis sie klingen. Ich hab ungewöhnlich lange zum Lesen hierfür gebraucht - daran merke ich dann immer schon, dass irgendetwas ist ;)

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena