Donnerstag, 22. Mai 2014

"Das Liebespulver" - Gerald Wolf

Mitteldeutscher Verlag, 2013
12,95 Euro


Handlung:
Dr. Lucas Liebetrau hat das Liebespulver erfunden. Es ist noch viel wirksamer als das natürliche Vorbild, das Oxytocin landläufig Liebes- oder Kuschelhormon genannt, auch Treue- oder Vertrauenshormon. 
In den Kaffee oder Wein geschmuggelt, klappen Dates auf Anhieb, Ehekonflikte werden im Handumdrehen beigelegt, Geschäftspartner über den Tisch gezogen, und Depressive finden zum Glück zurück. Die Pharmabranche ist an Lucas Geheimnis interessiert, Terroristen sind es ebenfalls, auch seine Laborantin Jessika und Marion, die attraktive und beunruhigend gescheite Kollegin.


Meine Meinung:
"Das Liebespulver" schildert wissenschaftlich und detailgetreu, was passiert, wenn man eine Entdeckung macht. Und nicht nur irgendeine, sondern obendrein von etwas, das für jedermann von Bedeutung sein könnte. Lucas Liebetrau ist mit seinem Forschungsergebnis zunehmend überfordert, weil einfach jeder plötzlich Interesse an ihm, oder zumindest seinem Fund, zu haben scheint.
Forschungsarbeit in all ihrer Breite, realitätsnah und unbeschönigt. Das ist, was man in "Das Liebespulver" zu lesen bekommt. Ich denke, jeder, der in der Forschung tätig ist, dürfte sich hier wiederfinden. Ich selbst kann mich zu dieser Berufsgruppe dazuzählen, und so hab ich tatsächlich diverse der beschriebenen Situationen und Anekdoten auch schon selbst erlebt. Es gab kaum eine Seite, auf der ich mich (auch wenn ich nicht in der Biochemie tätig bin) nicht wiedergefunden und geradezu "verstanden" gefühlt habe. 

Was mir in dem Zusammenhang besonders gut gefallen hat, ist, dass das wissenschaftliche Dasein gern mal ein wenig auf die Schippe genommen wird; Ironie und kleine Seitenhiebe auf das "Forschungs-Business" blitzen hier in der Tat immer mal durch und dürften Gleichgesinnte zum Lächeln und verständnisvollen Nicken verleiten. Aber auch die Absurditäten mancher Gegebenheiten, wenn es um Publikationen, dem Verfassen von Manuskripten und dem Rechtfertigen und Vertreten der eigenen Forschungsergebnisse geht, finden hier Gehör. Mein Lieblingssatz im ganzen Buch ist übrigens dieser hier, denn er ist so unglaublich wahr:

"Stupidität, wo Außenstehende aufregende Forschungsarbeit wähnen." (S. 199)

Herr Wolf bringt auf den Punkt, was die Arbeit in der Forschung ausmacht. Genau da liegt jedoch in meinen Augen auch der kleine Nachteil des Buches: es richtet sich trotz seiner Allgemeinverständlichkeit und den Versuchen, manche (biochemischen) Zusammenhänge verallgemeinernd zu erklären, nun mal vorwiegend an Gleichgesinnte und nicht an die breite Leserschaft. An Personen, die wissen, was gemeint ist, wenn die Rede von "Signifikanzen", "Impact factors" oder "Doppelblindstudien" ist. Leser, die die Ironie und den eigentlich traurigen Hintergrund hinter Lucas Liebetrau´s Entdeckung und deren Konsequenzen, verstehen und annehmen. An manchen Stellen mag die Geschichte in "Das Liebespulver" vielleicht einen Tick zu wissenschaftlich werden, zu inhaltsschwer. 
Mir selbst hat "Das Liebespulver" sehr gut gefallen. Ich war neugierig auf den Roman (nicht zuletzt, weil ich nun mal im ähnlichen Bereich arbeite) und bin froh, ihn gelesen zu haben. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass er inhaltlich nicht für jedermann geeignet ist, sondern eben wirklich eher für diejenigen, die sich fragen, was in einem Forschungsinstitut eigentlich so tagsüber los ist.  



Ein herzliches Dankeschön an Frau Hengstenberg vom Mitteldeutschen Verlag für den netten Kontakt und das Leseexemplar des Buches!

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