Freitag, 4. April 2014

"Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" - Joël Dicker

Piper Verlag, 2013
22,99 Euro

Lese-Bingo: Ein Buch mit mehr als 500 Seiten


Handlung:
Ein Skandal erschüttert das Städtchen Aurora an der Ostküste der USA: 33 Jahre nachdem die zauberhafte Nola dort spurlos verschwand, taucht sie wieder auf. Als Skelett im Garten ihres einstigen Geliebten ...Dieser raffinierte, anspielungsreiche Roman liest sich wie ein Krimi und ist doch viel mehr! Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln ...


Meine Meinung:

"Nach den Büchern kommen andere Bücher. Nach dem Ruhm kommt anderer Ruhm. Nach dem Geld kommt anderes Geld. Aber nach der Liebe, Marcus, nach der Liebe bleibt nur das Salz der Tränen." (S.559)


Nach mehreren gescheiterten Versuchen, in Wort zu fassen, warum mich dieses Buch so begeistert hat, beschränke ich mich jetzt auf Fakten.
Was ist es, was dieses Buch so besonders macht?

Es ist die Mischung: "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" ist Roman, Liebesgeschichte, Krimi und Detektivarbeit in einem. Und nicht eine Komponente kommt dabei zu kurz. Hier wird stets der richtige Ton getroffen und nie hat man das Gefühl, es würde langwierig werden oder manche Aspekte würden zu sehr ausschweifen. So ein Verdacht liegt bei über 700 Seiten gar nicht mal fern; aber ich kann versichern: es wird hier nicht auf einer einzigen Seite langweilig. Auf Seite 724 dreht man stattdessen wehmütig die allerletzte Seite um, liest dann noch die Danksagung des Autors und muss sich dann eingestehen, dass das Buch jetzt tatsächlich vorbei ist. 

Es sind die vielen einzelnen Figuren, die diesem Buch erst so richtig Leben einhauchen. Hier ist einfach jeder richtig besetzt und wunderbar gezeichnet. Von den Hauptfiguren Marcus und Harry selbst, über die Bewohner der kleinen Stadt Aurora, sei es der leicht trottelige Polizist oder die Kellnerin, die überzeugt ist, etwas besseres verdient zu haben, über den mächtigen Verlegerboss, der nur den Profit an der ganzen Geschichte sehen mag. Zu meiner Lieblingsfigur im ganzen Buch hat sich nach und nach Marcus´ Mutter entwickelt, denn diese Frau ist einfach herrlich in ihrer Art und ihrem Kommentaren.

Es sind die vielen kleinen und großen wunderbaren Sätze, die so unvermittelt im Buch auftauchen, die aber eine Wucht in sich haben, dass man beim Lesen geradezu umgerissen wird. Manche Sätze liest man noch einmal und haucht dann "Jaaaa!" Ich habe mir - wie immer - schöne Zitate und Sätze mit Papierschnipseln gekennzeichnet. Es sind eine Menge geworden. 

An einer Stelle im Buch sagt eine Figur "Vielleicht schreibt jeder Autor in seinem Leben nur ein einziges Buch." (S.572). Ich kann nur hoffen, dass sich Autor Joël Dicker diesen seinen eigenen Satz nicht zu sehr zu Herzen nimmt, sondern dass man von ihm noch ganz viel lesen und hören wird. Alles andere wäre zu schade.


2 Kommentare:

  1. Danke für die Rezension!
    Bei einem Roman über 700 Seiten läuft mir aufjedenfall schon mal das Wasser im Mund zusammen. Da es sich nicht nur um einen Roman sondern auch gleichzeitig noch um eine Liebesgeschichte, einen Krimi mit ordentlicher Portion Detektivarbeitet handelt und mit tollen Charakteren und Anekdoten aufwartet, macht das Buch für mich jetzt nur noch interessanter.
    Gestern, vor Deiner Rezension, war ich mir schon sicher das Buch zu kaufen, aber jetzt fiebere ich dem Augenblick regelrecht entgegen das Buch in den Händen zu halten und die erste Seite zu lesen! (Du kennst sicher das Gefühl!)

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  2. Ja, ich kenn das Gefühl ;)
    Was liest du denn sonst so, wenn du vor so dicken Wälzern nicht zurückschreckst?

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