Samstag, 12. April 2014

"Die Geschwister Gadsby" - Natasha Farrant

Carlsen Verlag, 2014
15,90 Euro

Handlung:
Bluebells Familie wird täglich verrückter: Die ständig über Wochen abwesenden Eltern; die große Schwester Flora mit dem Hang zum Drama und den ständig wechselnden Haarfarben; Jasmin und Twig mit ihren geliebten Ratten, die sich plötzlich drastisch vermehren (obwohl doch angeblich alle Weibchen waren); der Au-Pair-Student Zoran, der den ganzen Laden mit Würstchen und gesundem Menschenverstand zusammenhält. Dann zieht im Nachbarhaus auch noch Joss ein, und er ist doch netter, als Bluebell zuerst dachte …
(Quelle: hier)


Meine Meinung:

"Es kommt mir so vor, Blue, als wärst du verlorengegangen", sagte Zoran nach einer Weile. "Und doch auch so, als wolltest du gar nicht gefunden werden." (S. 190)

Bluebell Gadsby berichtet von ihrer Familie. Von ihren Eltern und von ihren Geschwistern. Das tut sie mithilfe von Tagebucheinträgen und Videomitschnitten, denn auf diese Art möchte sie ihr Leben festhalten - und schon auf den ersten Seiten fühlt man sich als Leser dadurch direkt wohl. Die Familienmitglieder wirken alle auf ihre Art schrullig, aber insgesamt macht alles einen sehr netten und sympathischen Eindruck, eben mit den typischen alltäglichen Familienproblemen (pubertierende Töchter, genervte schwerbeschäftige Eltern etc.).
Schon nach einigen Seiten beginnt diese Fassade jedoch zu bröckeln und als Leser erhascht man Einblicke, wie es wirklich bei den Gadsbys aussieht. Deren friedliches Zusammenleben macht nur nach außen hin einen zufriedenen Vorzeigefamilie-Eindruck. In Wahrheit ist hier einiges im Argen: die Eltern sind ständig unterwegs, reisen quer durch die Welt und lassen ihre Kinder teils tagelang mit einem überforderten Au-Pair allein. Es wird einem recht schnell klar, dass das nicht allzu lange gut gehen kann.
Mittendrin steht nun Bluebell und ist - auch wenn sie es nicht zeigt - unglücklich. Den Grund erfährt man auch recht schnell: Blues Zwillingsschwester Iris ist vor 3 Jahren gestorben. Blue hat mehr und mehr das Gefühl, sie wäre die Einzige in ihrer Familie, die das überhaupt noch bekümmert, die noch an Iris denkt, die sie vermisst und manchmal das Gefühl hat, Iris´ Schatten zu sehen. Die restliche Familie lebt ihr Leben weiter und obwohl Blue sich nichts anmerken lässt, kann sie dies einfach nicht so recht fassen.
Mir hat Blue als Sprecherin hier sehr gut gefallen. Die Momente, in denen sie an Iris denkt und von ihr berichtet, haben mich manchmal so kalt erwischt, dass ich beim Lesen tatsächlich die Tränen zurückblinzeln musste. Und das, obwohl dieses Buch nach außen hin so einen fröhlichen und unbeschwerten Eindruck macht! Davon sollte man sich wirklich nicht täuschen lassen, das Buch ist sehr viel eindringlicher und nachdenklich stimmender, als es zuerst den Anschein macht.

"Die Geschwister Gadsby" hat mich wirklich positiv überrascht. Was in der Inhaltsangabe zunächst nach lustigem locker-leichtem Jugendbuch klingt (und dieser Eindruck wird auch durch den rosa Buchdeckel verstärkt), verbirgt vielmehr eine unterhaltsame, aber gleichwohl ernste Geschichte über Verlust, Verliebtsein und Familienbande - und wie man all das unter einen Hut kriegt, ohne dabei sich selbst zu verlieren.


3 Kommentare:

  1. Ich mag das Cover so gerne, schön, dass auch der Inhalt gut ist. Ich merke es mir definitiv mal. :)

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  2. Ich habe gerade zu meiner Freude festgestellt, dass das Buch momentan bei meiner Stadtbibliothek "in Einarbeitung" ist - also nur noch zwei bis drei Monate und ich könnte es auch mal lesen. Deine Rezi macht auf jeden Fall Lust dazu. :)

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  3. Ja,lest ruhig auch mal rein. Mich hat das Buch wirklich positiv überrascht. Ich hatte eher mit einem typischen Jugendbuch gerechnet, alles eher so pseudo-dramatisch und pubertär. Aber die Story ist erstaunlich tiefgründig und ging mir an mancher Stelle wirklich ziemlich nahe. Würde mich interessieren, was ihr dazu sagt.

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