Samstag, 26. April 2014

"Der stete Lauf der Stunden" - Justin Go

Hoffmann und Campe Verlag, 2014
22,99 Euro


Handlung:
Ein unermessliches Erbe, bald für immer verloren. Der junge Tristan Campbell muss herausfinden, wer die geheimnisvolle, schöne Imogen war. Und warum sich der vermögende Ashley in sie verliebt hat - vor fast einem Jahrhundert. Und vor allem, warum die beiden nicht zueinander finden konnten. Zwei Monate bleiben Tristan. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem der Herzschlag immer stärker wird: Von den Höhen des Himalaya über London, Paris, Berlin bis nach Schweden und Island. Überall entdeckt er Spuren einer großen Liebe.


Meine Meinung:
Kennt ihr das auch? Dass ihr nach dem Lesen das Gefühl habt, euch rast ein Zug durch den Kopf und ihr steht haarscharf direkt an der Bahnsteigkante, seht ihm hinterher, eure Haare flattern noch im Zugwind und ihr fühlt nur eine große unbeschreibbare Leere in euch?
So fühle ich mich gerade nach dem Auslesen von "Der stete Lauf der Stunden" - irgendwie dumpf. Und leer. Gleichzeitig aber absolut begeistert, denn das Buch war wirklich fantastisch. Aber es gehört definitiv zu solchen Büchern, die einen nach dem Beenden irgendwie ratlos zurück lassen, wie mit einem Brett vor dem Kopf; sei es, weil man das Gefühl hat, etwas nicht ganz verstanden zu haben, oder weil man glaubt, etwas wesentliches überlesen zu haben. Beides ist bei mir nicht das Fall. Trotzdem habe ich das Buch nach der letzten Seite zugeklappt und kann bis jetzt dieses ungute Gefühl der Unzufriedenheit nicht abstellen.
Denn man kämpft sich gemeinsam mit den Protagonisten durch gleich zwei Handlungsstränge: einmal wird die Vergangenheit der kurzen Liebesgeschichte von Ashley und Imogen im frühen 20. Jahrhundert aufgerollt. Andererseits begleitet man Tristan im Jetzt dabei, eben diese Liebesgeschichte zu rekonstruieren und zu verstehen, was damals alles passiert ist. Diese Suche führt Tristan quer durch Europa und hat mir unglaublich Spaß gemacht, ihr zu folgen. Wie eine Schnitzeljagd bauen sich einzelne Puzzleteile aufeinander auf, ergeben mal plötzlich Sinn, nur im nächsten Moment in eine scheinbare Sackgasse zu verlaufen. Tristans Suche in Europa fand ich nicht auf einer einzigen Seite langweilig, und beeindruckend fand ich, wie der Autor hier alles so scheinbar mühelos zusammengefügt und in Einklang gebracht hat. Von Briefen über Gemälde bis zu Schmuckstücken dient einfach alles als Hinweise. Und auf einmal - zwar etwas unglaubwürdig, aber dennoch verblüffenderweise - glaubt man ebenso wie Tristan, auf dem richtigen Weg zu sein und das wesentliche Teilchen - die Lösung, die Erklärung! - gefunden zu haben. Dann aber enttäuschte Autor Justin Go mich schließlich doch noch auf den letzten Seiten. Ich kam mir nach all den Seiten ein wenig betrogen vor - und das führt wohl zu meiner Unzufriedenheit und meiner Leere im Kopf, durch den über mehrere Hundert Seiten zuvor ein voll bepackter Zug gerast ist.
Unabhängig davon kann ich guten Gewissens sagen, dass "Der stete Lauf der Stunden" eine wunderbare Schmöker-Geschichte um eine Liebesgeschichte in der Vergangenheit ist, die Familienbande quer durch Europa aufdröselt und bis ins Heute verfolgt. Für alle Roman-Fans eine echte Empfehlung!


Ein herzliches Dankeschön an den Hoffmann und Campe Verlag für das Rezensionsexemplar!


2 Kommentare:

  1. Das klingt ja (beinahe) großartig. Ich liebe Schnitzeljagd-Plots, bin aber wegen deiner Meinung zum Ende nun etwas unsicher, ob das Buch was für mich wäre. Ich wurde schon so oft von Enden enttäuscht. Gerade das von dir beschriebene Gefühl der Leere kenne ich etwa von "Paper Towns", das ich genial fand - bis auf die letzten Seiten, die mich dann auch enttäuscht am Bahnsteig stehen gelassen haben.

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  2. Oh schade, bei "Paper Towns" gibt es auch so ein Ende?? Ich möchte das Buch unbedingt mal noch lesen, ich glaube, ich habe es auch schon längst als ebook auf dem Kindle. Aber solche Enden, die einen so unzufrieden zurück lassen - sowas mag ich nicht :(

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