Dienstag, 28. Januar 2014

Die Lektüre meiner Zugnachbarn #12

Dieser Beitrag zur Kategorie wird anders als sonst. Denn er ist von PUREM ENTSETZEN meinerseits geprägt. Gestern .... Gott, ich muss erstmal Luft holen.
 
Also, gestern saß ich im Zug wieder einem Leser gegenüber. Schon etwas älter, dick eingepackt in Daunenjacke und Pudelmütze. Die Pudelmütze hat er die ganze Zeit nicht abgesetzt. Naja.
Er saß schon, ich hab mich ihm gegenüber gesetzt. Nun starre ich Leuten ja nicht so unverschämt aufs Buch, insofern habe ich zunächst einfach nur erstmal registriert "Er liest.", aber nicht was. Irgendwann habe ich dann einen Blick aufs Cover erhaschen können, es war was von Perry Rhodan. Entschuldigt, dass ich nicht genauere Angaben machen kann, aber ich war in dem Moment schon ZU ABGELENKT von dem, was sogleich passierte. Nur, die Perry Rhodan Bücher erkennt man ja recht simpel, die sehen ja alle irgendwie gleich aus. So silber mit großer Schrift. Daher war´s leicht.
 
Ja. Jedenfalls blieb mein Blick dann eben an diesem Buch kleben. Ich sah, dass die oberen Ecken der Seiten irgendwie völlig zerknittert aussahen, kreuz und quer, völlig ausgebeult mit Dellen - und kaputt. Ich habe da einen Moment drauf gestarrt, und das hat er wohl bemerkt. Denn er machte auf einmal Anstalten, das Buch zu schließen, nicht jedoch - und jetzt kommt es!  - Alle buchliebenden Lesefreunde sollten an dieser Stelle vielleicht nicht weiterlesen ... -
 
... Er wollte das Buch also zuklappen, nicht jedoch, ohne vorher die Buchseite, auf der er eben noch gelesen hatte, zwischen die Finger zu nehmen und SIE EINZUREIßEN!!! Er hat in die Seite oben gut einen 1cm langen Riss gemacht!!! Plötzlich wurde mir klar, warum die anderen Seiten so zerfleddert aussahen, die waren ALLE schon so eingerissen!!
Ich schätze, ich habe ihn und das Buch angeglotzt wie ein Schaf, denn auf einmal gluckste er und meinte zu mir, "Joa, ich hab halt kein Lesezeichen dabei." (Leichter bayrischer Dialekt!!! Verdächtig!!!)
Normalerweise quatsche ich Leute im Zug ja nicht einfach so an. Im gleichen Moment hörte ich mich jedoch schon - völlig entsetzt - sagen: "Dann nehmen Sie doch irgendeinen anderen Zettel. Geht doch alles mögliche." Ich glaube, ich konnte nur noch flüstern.
Daraufhin zuckte er mit den Schultern und meinte: "Nee, des is scho okay, ich mach des oft so. Meine Bücher sehn alle so aus."
Woraufhin meine Augen wahrscheinlich noch einmal bierdeckel-groß wurden. Aber ich hab nichts mehr gesagt, ich hab dann meine Nase in mein eigenes (völlig intaktes, möchte ich hier mal anmerken!!) Buch gesteckt. War aber zu geschockt und konnte mich nicht auf den Inhalt konzentrieren.
Also echt mal. Sowas geht doch nicht! Klar kann jeder mit seinen Büchern umgehen, wie er will. Aber das tat mir wirklich schon vom Hinsehen weh. So richtig. Ich meine, das ist ja noch viel viel schlimmer als Eselsohren, die man oben reinknickt - und ich werfe Leuten, die das machen, schon immer zutiefst verachtende Blicke zu... Und es ist doch obendrein völlig hässlich! Sowas will man sich doch dann zuhause nicht hinstellen, und immerhin hat er ja noch angemerkt, dass er zumindest ein paar weitere Bücher besitzt. Ich kann doch meine Bücher nicht so ruinieren!!
Ich bin heute noch ganz geplättet von dieser Begegnung. Daher kann ich auch nichts weiter dazu sagen. Bin aber sehr gespannt, was ihr darüber denkt.

13 Kommentare:

  1. Für so ein Verhalten fehlt mir ja auch jegliches Verständnis, auch wenn es wirklich seine Sache ist, was er mit seinem Buch macht. Aber wie geht er vor, wenn er das Buch noch einmal lesen möchte? Reißt er dann die gelesenen Seiten raus, damit er nicht durcheinander kommt? Oo

    AntwortenLöschen
  2. Dieser Post hat mich irgendwie zum Schmunzeln gebracht. Der Fahrgast, der Seiten EINREIßT, um sie sich zu merken, sein Dialekt und dein Entsetzen. Ich kann mir diese Situation sehr gut vorstellen! :D
    Ich muss jedoch zugeben, dass ich manchmal Seiten einknicke, also kleine Eselsohren mache, entweder, um zu kennzeichnen, wo ich zuletzt war, oder manchmal auch, um mir wichtige Stellen zu merken.
    Das mache ich jedoch nur mit alten Büchern und die meisten Bücher, die ich kaufe, sind alt. Second Hand und so. Und die haben dann auch schon ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel.
    Jene Bücher, die schon angegilbt sind, wenn man sie kauft. Aber ich mag das. Und ich mag dabei auch den "gelesenen Zustand". (Eingerissen aber natürlich nicht!")
    Bei neuen Büchern bin ich anders. Die sollen bitte so gut und sauber bleiben, wie ich sie selber gekauft habe. :)

    AntwortenLöschen
  3. *lol* Ich bin ja mit sowas nicht wirklich zu schockieren. Auch wenn ich selbst das niemals machen würde, entsetzt es mich nicht sonderlich, wenn andere rüde mit ihren Büchern umgehen. Wenn sie sich nicht dran stören, naja bitte, ihre Sache. Für mich selbst sind Bücher auch in erster Linie Gebrauchsgegenstände, ich seh das (als offensichtlich einzige Leseratte auf der Welt) völlig unsentimental.
    Allerdings frage ich mich auch, wie er das dann macht, wenn er das Buch vielleicht nochmal lesen möchte. Anders als Eselsöhrchen, die man dann halt beim Weiterlesen wieder aufklappt, ist so ein Riss ja dauerhaft und daher auch völlig unpraktisch.

    AntwortenLöschen
  4. Puh....das ist ja schrecklich!! Ich bin da genauso pingelig wie du und ich hätte den herren wohl genauso schockiert angeschaut! Du meine Güte, dass geht ja gar nicht!!!!!
    Liebe Grüße
    Martina

    AntwortenLöschen
  5. Himmelarsch, das geht ja mal echt nicht! Das könnte ich mir vielleicht noch grad so angehen lassen, wenn ich ein altes, halb auseinandergefallenes Buch habe, das ich danach 100%ig wegschmeißen werde. Aber so? Puh, na klar, es ist sein Buch, damit kann er machen, was er will, aber ich könnte das auch nicht ertragen.
    Hab jetzt erst gemerkt, dass ich dir offiziell gar nicht folge, obwohl ich dich in meiner Blogroll habe. *Augen verdreh*

    AntwortenLöschen
  6. Ich schätze mal, er gehört zu den Menschen, die ein Buch tatsächlich nur ein einziges Mal lesen. Und dann wär´s ja egal, wo die Risse drin sind... Allerdings brauch er die Bücher ja dann wiederum auch nicht aufheben.

    AntwortenLöschen
  7. Oh. Mein. Gott.
    Also ich wette, er stellt die Bücher zu Hause nicht unbedingt schön ins Regal. Wahrscheinlich liegen die da auch nur auf einem Häufchen in der Ecke...
    Arme Bücher :o

    AntwortenLöschen
  8. *lach* Oh man es gibt echt ein paar Typen! Abgefahren. Da kann ich nur noch den Kopf schütteln.

    AntwortenLöschen
  9. Oh je, mir bereitet das Lesen dieses Textest wahre Höllenqualen. Ich glaub ich wär auch entsetzt gewesen. Manche Leute sind schon wirklich komische Vögel, aber mit dem Dialekt oder der Herkunft hat das nichts zu tun :-p

    AntwortenLöschen
  10. Oje, nein, das sollte auch auf keinen Fall so klingen, als würde ich allen Bayern ein solches Verhalten zutrauen ;) Es war einfach nur so dieses "Gesamtbild"...

    AntwortenLöschen
  11. *kicher* Mir ist es eigentlich egal, wie andere ihre Bücher behandeln, aber das finde ich doch auch recht, hm, ungewöhnlich. Und auch unpraktisch - wie kennzeichne ich das Buch denn, wenn ich es nochmal lesen will? Aber vielleicht liest er Bücher immer nur einmal.
    Ein Bekannter von mir geht auch sehr rabiat mit den Büchern um, dafür kauft er alle doppelt - das edle Hardcover zum Angucken im Regal, das Taschenbuch wird dagegen geknickt, mit Eselsohren versehen, dadrin wird wild herumgeschrieben - und anschließend wirds weggeworfen...

    AntwortenLöschen
  12. Hmmm, ok, ist auch eine Möglichkeit - wenn man soviel Geld besitzt, dass man sich jedes Buch zweimal kaufen kann... ;) Das wär mir aber irgendwie auch zu schade. Ums Geld und um das weggeworfene Buch.

    AntwortenLöschen
  13. Ich wäre dafür auch zu geizig. ;)

    AntwortenLöschen

Powered by Blogger.

© i am bookish, AllRightsReserved.

Designed by ScreenWritersArena