Donnerstag, 26. September 2013

"Sehnsucht nach Mill River" - Darcie Chan

Verlag Marion von Schröder, 2013
16,99 Euro

Handlung:
Seit Jahren lebt Mary zurückgezogen auf ihrem großzügigen Anwesen oberhalb von Mill River. Nur Priester Michael besucht sie und erzählt ihr vom Leben in der quirligen Stadt: Von dem verwitweten Polizisten, der mit seiner kleinen Tochter aus der Großstadt geflüchtet ist, von der habgierigen Krankenschwester, die ihre Familie mühselig über Wasser hält, und von der ungewöhnlichen Daisy, die in ihrem Wohnwagen geheimnisvolle Kräutertees braut. Niemand ahnt, welches Leid Mary erlebt hat. Als sie tödlich erkrankt, stellt sie sich endlich ihrer alten Schuld. Und sie beginnt mit der Suche nach ihrer Tochter.

Meine Meinung:
"Sehnsucht nach Mill River" ist in meinen Augen ein völlig falscher Titel für dieses ... nun, ich nenne es mal Frauenbuch. Ich glaube nämlich kaum, dass ein Mann zu diesem eher in rosa-rot gehaltenem Buch mit Blumenmuster am Buchschnitt greifen wird. Aber dass es sich dabei um ein typisches Frauenbuch handelt, ist auch gar nicht das Problem. Wie gesagt: der Titel. Man hätte die Geschichte auch "Marys Leben am Rande von Mill River" nennen können. Das hätte es eigentlich mehr getroffen, und würde mich nicht so ratlos zurücklassen, wer hier eigentlich die besagte Sehnsucht haben soll.
Sei es drum. Das hier ist jedenfalls die sehr harmlos anmutende Erzählung einer kleinen Stadt und ihrer Einwohner, in zwei Zeitschienen: einmal in der Vergangenheit, die erklärt, wie Mary das wurde, was sie heute ist, und in der Gegenwart zum Zeitpunkt ihres Todes. Es ist alles überschaubar, harmlos, gemütlich, kleinstädtisch eben. Die Skandale verdienen nicht einmal wirklich diesen Namen. Find ich alles ok, ein Buch muss nicht immer hochtrabend verwickelt und skandalös daherkommen. Hier kommen alle Schmökerbegeisterte auf ihre Kosten. Mill River wirkt verschlafen, und diesen Eindruck macht auch das Buch dazu. 
Da ist auch nichts gegen einzuwenden; was mich jedoch wirklich gestört hat, sind die plakativ gezeichneten Figuren. Jeder ist entweder gut oder böse, es gibt nur schwarz oder weiß, und jeder bleibt seiner auf den Leib geschriebenen Persönlichkeitseigenschaft durchgängig treu. Das wird über kurz oder lang langweilig. Ein bißchen mehr Fiesheit oder Durchtriebenheit bei den Gutmenschen wär nicht so übel gewesen. Obendrein bieten die Geschehnisse überschaubar wenig Action und Überraschungen, die es hätten rausreißen können. Man weiß recht schnell, woran man ist.
Aber wer sich nicht an einer unaufgeregten gemütlichen und gleichsam schicksalsträchtigen Erzählung stört, kann bedenkenlos zu "Sehnsucht nach Mill River" greifen, zuerst die Blümchen am Seitenrand bewundern und dann für ein paar Stunden abtauchen. Nicht mehr, nicht weniger.



Ein herzliches Dankeschön an bücher.de!

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