Dienstag, 25. Juni 2013

"Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen" - Albert Borris

Carlsen Verlag, 2013
13,90 Euro

Handlung:
"Bei meinem dritten Versuch, mich umzubringen, nahm ich einen Strick." Weil Owen aber auch dieser Versuch misslingt, sucht er im Netz nach Gleichgesinnten und trifft auf Frank, Audrey und Jin-Ae. Sie beschließen zusammen Richtung Death Valley zu fahren, um sich dort gemeinsam umzubringen. Auf dem Weg dorthin wollen sie die Grabstätten berühmter Selbstmörder besuchen, wie die von Hunter S. Thompson, Anne Sexton oder Kurt Cobain. Und schreiben Listen mit Dingen, die sie vor ihrem Tod noch erleben wollen: für Sports Illustrated schreiben, Sex haben oder Gitarre spielen lernen. Das ist gar nicht so wenig, und so langsam wächst die Erkenntnis, dass es sich trotz allem lohnen könnte weiterzuleben. Kann diese Fahrt doch noch anders enden als im Death Valley?
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
4 Jugendliche wollen aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Leben beenden. Die 4 treffen sich online und schließen einen Pakt, einen Selbstmord-Pakt: sie wollen sich treffen, einmal quer durch die USA reisen, um die Gräber berühmter Selbstmörder zu besuchen, und schließlich, im Death Valley, ... wollen sie gemeinsam zur letzten Tat schreiten.
Klingt pseudo-tragisch und melodramatisch? Ist es nicht. "Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen" hat mich sehr überrascht. Ein solches Wechselbad der Gefühle wie hier habe ich beim Lesen schon längere Zeit nicht mehr erlebt. Dieses ständige Schwanken zwischen Entsetzen, Hoffnung und sogar Unterhaltung, sowas geht nicht ganz spurlos an mir vorbei. 
Entsetzen darüber, was man hier liest, und mit welcher Selbstverständlichkeit Owen, Frank, Audrey und Jin-Ae über Selbstmord und entsprechende Versuche, diesen umzusetzen, reden und sogar witzeln. Es ist befremdlich, zu lesen, wie andere sich darüber unterhalten, sich umbringen zu wollen; dennoch klebte ich förmlich an den Seiten.
Unterhaltung deshalb, weil man die 4 unweigerlich lieb gewinnt und man ihnen etwas so viel besseres wünscht, und sie einfach so unglaublich gute und eindrucksvolle Momente während ihrer Reise erleben. (Und auch, weil das Buch diverse - zwar morbide, aber doch sehr interessante - Informationen zum Thema enthält. Owen und seine Reisefreunde fertigen diverse Top-Ten-Listen über Selbstmord-bezogene Dinge an, und diese sind oftmals sehr erstaunlich.)
Und Hoffnung, weil man sich für die 4 ein besseres Ende wünscht; keins, das im Dreck im Death Valley endet. Weil man sich beim Lesen über die Gruppe die ganze Zeit wünscht, die 4 würden doch bitte selbst erkennen, welche guten und schönen Seiten das Leben auch parat halten kann. 
Man mag die Gründe, die die 4 für ihre Pläne anführen, mehr oder weniger nachvollziehen können - ich konnte es nicht. Aber ich fand die Art und Weise, wie Autor Borris jeden mit seinen eigenen gedanklichen Dämonen kämpfen lässt, sehr gut und eindringlich umgesetzt. Alle haben ganz unterschiedliche Motive. Keines davon rechtfertigt in meinen Augen den Wunsch nach Selbstmord, aber das ist meine eigene Meinung. Und genau das hat mir auch am Buch gefallen: dass man anfängt, sich darüber Gedanken zu machen. Dass man sich in die Köpfe der 4 hineindenkt und es zulässt, dass deren Probleme einem nahe gehen. 
Owen, Frank, Audrey und Jin-Ae landen tatsächlich im Death Valley. Wie - und für wen - die Reise der Selbstmordgruppe aber dort endet, sollte jeder interessierte Leser für sich selbst herausfinden.

Fazit:
"Zehn Gründe, die todsicher fürs Leben sprechen" ist anspruchsvoll, ernst und gleichzeitig unterhaltsam. Ein so schwieriges Thema wird in genau den richtigen Worten, Wendungen und mit genau den richtigen Figuren vom Autor umgesetzt. Am Ende beim Zuklappen des Buches hatte ich Tränen in den Augen - immer ein gutes Zeichen für ein Buch, das nicht einfach spurlos an mir vorbeigeht.


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