Samstag, 15. Juni 2013

"Wer die Nachtigall stört" - Harper Lee

(Ja, das ist tatsächlich eine ziemlich alte
DDR-Ausgabe des Buches. Von 1972, um
genau zu sein...) 
Handlung:
Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit des Rassenhasses in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer "ehrbaren" Mitbürger zum Trotz. Unvergessliche Figuren, menschliche Güte und stiller Humor zeichnen den Roman aus, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde und Millionen von Lesern in seinen Bann zog.
(Quelle: hier)


Meine Meinung:

Vor dem Lesen...
  • ... dachte ich, Harper Lee wäre ein Autor. Also männlich. Fragt mich nicht, wie ich darauf kam, aber ich ging immer davon aus, es wäre von einem Mann geschrieben worden.
Nach dem Lesen...
  • ... weiß ich es jetzt zwar besser, aber eigentlich ist das völlig egal. Ist nur so ein Punkt am Rande und ändert ja nichts am Buch :)
Vor dem Lesen...
  • ... habe ich mich immer gefragt, warum der Originaltitel "To kill a mockingbird" zum deutschen "Wer die Nachtigall stört" wurde. Immerhin ist ein mockingbird keine Nachtigall, und es gibt offenkundig kleine qualitative Unterschiede zwischen kill und stören. 
Nach dem Lesen ...
  • ... bin ich diesbezüglich auch nicht schlauer. Es gibt im Buch - soweit ich das überblickt habe - dazu keine Erklärung, man kann wohl davon ausgehen, dass es hier an der Übersetzung liegt. Und auch die Begründung für den Titel an sich ist eigentlich so verschwindend und versteckt im Text, noch dazu schon fast am Ende des Buches, dass man während des Lesens eigentlich schon ganz vergisst, dass das Buch so heißt, und die Frage, "Warum dieser Titel?" zumindest bei mir völlig nebensächlich wurde. Erst als es dann am Ende tatsächlich von Scout erwähnt wurde, machte es bei mir noch einmal Klick: stimmt, da war ja noch was.
Vor dem Lesen...
  • ... war ich selbst total gespannt auf den mysteriösen Nachbarn Boo Radley. In anderen Büchern haben Figuren schon von Boo Radley erzählt, ihn erwähnt, über ihn gesprochen, als wären sie ihm selbst begegnet - irgendwie ist er ein Mythos in der Literatur, hab ich so das Gefühl. Ich war daher sehr gespannt, ihn selbst in diesem Buch anzutreffen.
Nach dem Lesen...
  • ... bin ich fast ein bißchen enttäuscht. Boo Radley als - letztlich - DER Dreh- und Angelpunkt des ganzen Buches hat am Ende fast einen so unscheinbaren Auftritt, dass ich den ganzen Aufriss um ihn zunächst nicht verstehen konnte. Aber vielmehr geht es wohl auch um den Wirbel, der um ihn vorher gemacht wurde, als tatsächlich um ihn selbst, der dieses Buch hier am Laufen und am Leben hält.
Vor dem Lesen...
  • ... ich gebe es zu: dachte ich, "Wer die Nachtigall stört" ist ein langweiliges Buch, vermutlich höchst sozialkritisch mit erhobenem Zeigefinger - immerhin werden die Konflikte zwischen Weißen und Schwarzen thematisiert -, und wahrscheinlich schwer zu lesen, mit anstrengendem Schreibstil, verschlungenen Sätzen, verklemmten Hauptfiguren, die mir null sympathisch werden würden - kurzum: Ich dachte, ein Buch, das mir einfach nicht gefallen wird.
Nach dem Lesen...
  • ... kann ich erfreut feststellen, dass kein einziger der eben genannten Punkte zutrifft. Vielmehr hat "Wer die Nachtigall stört" richtiggehend Spaß gemacht. Das liegt vor allem an Scout und ihrem Bruder Jem. Die beiden sind echte Sympathieträger, erleben so viele Abenteuer und machen sich auch selbst welche, um ihre Welt bunter zu gestalten. Die ständige Frage: Wer ist Boo Radley und was ist mit ihm?!, zieht sich durch das ganze Buch, führt zu den unmöglichsten Überlegungen, Schreckensgedanken, Schnitzeljagden und zu jeder Menge Aufregung. Scout und ihr Bruder sind herrlich schnodderig, leben in ihren Tag hinein und haben eine wunderbare Zeit im Alabama der 30er Jahre - trotz aller gesellschaftlichen Probleme, mit denen sie konfrontiert werden, nicht zuletzt durch die Arbeit ihres Vaters, Atticus Finch. (Was für ein Name!! Kommt fast an meine Begeisterung für den Namen Holden Caulfield heran...) Obendrein gibt es hier soviele Figuren, von denen ich gern gelesen habe, die mir im Zusammenspiel sehr gut gefallen haben und die mir fast ans Herz gewachsen sind: natürlich Scout, ihr Bruder, aber auch die Haushälterin Calpurnia oder der Nachbarsjunge Dill beispielweise.
  • ... aber natürlich ist das Buch auch sozialkritisch. Darum geht´s ja gerade. Das Buch hat seit seinem Erscheinen 1960 zu soviel Wirbel und Diskussionen, Verboten und Kritiken geführt - schon alleine deswegen sollte man es wohl gelesen haben, um all diesem Denken ein Schnippchen zu schlagen.

2 Kommentare:

  1. Das Buch habe ich vor ein paar Wochen angefangen und komme - vor allem aus Zeitgründen - nicht so recht weiter. Aber deine Rezension macht mir definitiv wieder mehr Lust darauf! Oh, und mir ging es genauso wie dir! Ich dachte immer, Harper Lee wäre ein Mann. :D

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    1. Ja, komisch, oder? Harper Lee - das war für mich immer der Inbegriff eines Autors. Ich hab das Buch neulich eigentlich recht flott durchgehabt, weil es sich aber auch so schön leicht und unkompliziert weglesen lässt, finde ich.

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