Samstag, 22. Juni 2013

"Liberty Bell - Das Mädchen aus den Wäldern" - Johanna Rosen

Arena Verlag, 2013
15,99 Euro

Handlung:
Sie ist siebzehn Jahre alt. Sie kennt kein Internet und kein Facebook, keine Hochhäuser und keine Autos. Liberty Bell ist im Wald aufgewachsen, fernab von jeder Zivilisation. Und Ernesto ist der erste Junge, den sie zu Gesicht bekommt.
Ein mitreißender Roman über eine zarte Liebe zwischen zwei Jugendlichen, die den ungewöhnlichen Umständen trotzen und für ihre ganz persönliche Freiheit kämpfen. Berührend, aufwühlend und ganz außerordentlich.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Liberty Bell" ist eins jener Bücher, die mich zu Beginn der Geschichte völlig vereinnahmen konnten. Ein Buch, das so außergewöhnlich beginnt, dass man nicht aufhören kann - und nicht möchte - zu lesen, um zu erfahren, wie es weitergeht. Ein Buch, bei dem ich mir dachte "Wow, tolle Idee, und die Umsetzung klingt auch ziemlich gelungen." 
Das Problem: "Liberty Bell" wurde für mein Empfinden ab der Hälfte des Buches zu verworren, zu unglaubwürdig und zu konstruiert. Mein Interesse an der Geschichte von Liberty Bell nahm von Seite zu Seite ab, weil sowohl die Figur als auch ihre Entwicklung für mich nicht nachvollziehbar wurden. Das "Phänomen" Liberty Bell - ein Mädchen, das völlig abgeschnitten von der Außenwelt in einem Wald aufwächst - hat für mein Dafürhalten leider zu wenig Bedeutung und Augenmerk von der Autorin verpasst bekommen, ebenso wie die Konsequenzen, die das für einen Menschen haben kann. Was es für Liberty Bell bedeuten könnte, von einem Tag auf den anderen plötzlich in dieser fremden lauten Welt zu landen. 
Viel zu schnell wurde Liberty Bell vom 21. Jahrhundert sprichwörtlich überrollt und mitgezogen - und plötzlich befinden sich Figuren und Leser nur noch in den Auswirkungen des "Jetzt". Kein Interesse mehr daran, wie Liberty Bell aufgewachsen ist, wie sie ihre Kindheit verbracht hat, was sie kann und was sie nicht beherrscht. Für mich haben hier in dieser doch eigentlich eher ruhig angelegten Geschichte außerdem gefühlt zu viele Personen agiert. Die Vielzahl an Freunden von Ernesto war manchmal wirklich verwirrend, ebenso deren auftretende Eltern. Manchmal konnte ich sie alle nicht auseinander halten. Ernesto und seine Freunde sind irgendwie immer präsent, sind laut und gewollt cool und lässig, ständig passiert etwas, jemand redet ohne Punkt und Komma, ein Schicksalsschlag jagt den nächsten - und das Außergewöhnliche an Liberty Bells Geschichte bleibt irgendwie auf der Strecke. 
Die Entwicklung vom verschüchtert-eigenbrötlerischen Waldmädchen, das sich vor anderen Menschen fürchtet, kaum spricht und keine Kleidung trägt, hin zum Mädchen, das gern Auto fährt, Sex hat, Limodosen trinkt, die Funktionsweise eines Telefons nicht hinterfragt und sich scheinbar mühelos ins 21. Jahrhundert integrieren kann, und das innerhalb weniger Tage (!!) - diese Entwicklung ging mir zudem zu schnell und erschien für mich völlig unglaubwürdig. Wo sich Liberty Bell anfangs noch kaum artikulieren kann, zig Wörter nicht kennt und benutzt - da ist sie gute 2 Wochen später in der Lage, in korrekten und sehr ausgefeilten Sätzen zu antworten und sich mit Ernesto und seinen Freunden zu unterhalten, als hätte sie nie etwas anderes getan. Für mich erscheint das nicht authentisch.

Nein, das war nicht mein Buch. Ab der Hälfte des Buches hab ich mich hier nicht mehr wohl gefühlt und mein Interesse für die komplizierte (Lebens-) Geschichte von Liberty Bell und den Annäherungen zwischen ihr und Ernesto ist merklich abgeflaut. Hier hätte ich einfach etwas anderes - und mehr - erwartet.


Ein herzliches Dankeschön an buecher.de für das Leseexemplar!

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