Samstag, 11. Mai 2013

"Der geheime Garten" - Frances Hodgson Burnett

Handlung:
Nach dem Tod ihrer Mutter kommt Mary nach England auf das Schloss ihres sonderbaren Onkels. Die geheimnisvollen Umstände, die das verwöhnte Mädchen dort antrifft, krempeln sie völlig um. Heimlich findet sie Zugang zu dem hinter hohen Efeumauern verborgenen Lieblingsgarten ihrer verstorbenen Tante und baut sich dort eine eigene Welt auf. Als sie eines Nachts ihren zehnjährigen Vetter in einem der hundert Zimmer des düsteren Hauses schreien hört, fasst Mary einen wichtigen Entschluss...


Meine Meinung:
In der Liste der Bücher für die "100 Bücher- Challenge" stand u.a. der Kinderbuchklassiker "Der geheime Garten" von Frances Hodgson Burnett aufgeführt. Ich kannte das Buch bisher nicht und wusste auch eigentlich nicht so recht, worum es geht. Trotzdem ist das Wörtchen "geheim" ein echter Trigger, ein Auslöser also, bei dem ich hellhörig werde. Könnte ja sein, dass sich da eine absolute Abenteuergeschichte verbirgt, natürlich altersfreundlich aufbereitet für Kinder. Also habe ich mir als eins der 12 Bücher, die für die Challenge zu lesen sind, eben "Der geheime Garten" ausgesucht. Jedoch habe ich - wenn ich mal ehrlich sein soll - nicht allzu viel dazu zu sagen. Das Buch hat bei mir leider kaum einen Eindruck hinterlassen, und ich kann weder guten Gewissens behaupten, dass es mir richtig gefallen hat, noch dass es mir nicht gefallen hat. Schwierig also.
Eigentlich hatte ich schon nach dem ersten Satz im Buch keine wirkliche Lust mehr, weiterzulesen. Wenn man seine Hauptprotagonistin so vorgestellt bekommt, ist das aber vielleicht auch kein Wunder:

"Als Mary Lennox zu ihrem Onkel nach Misselthwaite geschickt wurde, waren sich alle einig, dass man so ein widerwärtig aussehendes Kind wie sie noch nie gesehen habe." (S. 5)

Ich habe trotzdem weitergelesen, nicht zuletzt, um herauszufinden, was diesen besagten Garten denn nun so "geheim" macht. Was mich dann als Geschichte erwartete, würde ich als harmlos bezeichnen; als harmloses, für Kinder geeignetes Schmökerbuch. Ich persönlich habe die ganze Zeit auf einen Knall gewartet, auf ein Highlight, das der Story irgendeine Wendung verpasst - aber nein, das bleibt aus, keine Wendung in Sicht.
Was mir aufgefallen ist, ist folgendes: Heute gelesen, hält einem das Buch die Unterschiede zwischen den Kindern von heute und denen von 1900 vor Augen. Im Gegensatz zu den heutigen Wii-, Handy- und Markenklamotten - verwöhnten Kindern wussten Kinder von damals einen Garten in all seiner Pracht noch zu schätzen. Eine solche Freude und Begeisterung, wie Mary, Dickon und Colin hier angesichts der blühenden Pflanzen, Bäume und einiger kleiner Tiere im Garten erleben, ließ mich das Geschriebene geradezu ungläubig verfolgen - das wirkte für mich irgendwie gar nicht nachvollziehbar. Nicht, dass man mich falsch versteht - ich mag die Natur. Ich mag meinen Garten zuhause. Solche Begeisterungsstürme löst er bei mir allerdings nicht aus. 
Aber "Der geheime Garten" wurde 1909 veröffentlicht; und es ist daher wohl als zeitgemäß anzusehen, wenn Mary und Dickon in ausschweifende Dialoge über Rotkehlchen und aufblühende Tulpen versinken - worüber sollten sich die Kinder, die sonst nur im eigenen Zimmer sitzen könnten, sonst unterhalten? 
Die Rahmenhandlung über Colin, der kränklich seit Jahren die Zeit in seinem Zimmer verbringt, dabei aber eigentlich nur ein wenig frische Luft und Freunde braucht, um aufzublühen, ist nett zu lesen - allerdings hat mir, wie schon bemerkt, irgendein besonderes Vorkommnis gefehlt, das die vor sich hinschwappende Handlung etwas aufrührt. Die Geschichte ist liebevoll erzählt und spiegelt dabei vor allem kindliches Niveau wieder. Actionreiche Abenteuer vermisst man ebenso wie bedeutende Erwachsene, die hier einfach nur Nebenrollen einnehmen - und wenn sie doch mal auftauchen, sind sie gar nicht so arg wie befürchtet, wie beispielsweise das herzliche Dienstmädchen Martha.
Was bleibt mir also zur Lektüre von "Der geheime Garten" zu sagen? Ich muss gestehen, ich habe ein wenig mehr erwartet, insgesamt mehr Handlung als solche, und ich dachte auch, der Schwerpunkt würde mehr auf "geheim" als auf "Garten" liegen. Das ist nicht wirklich der Fall. Stattdessen erleben 3 Kinder zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert die Wunder und den Zauber eines verwilderten Gartens, der durch ihr Zutun langsam wieder zum Leben erwacht. Gesundheit, Freundschaft und Gemeinschaft sind die Kernpunkte in "Der geheime Garten", und da diese in ihrer Bedeutung auch heute nichts verloren haben, ist die Geschichte durchaus lesenswert.

1 Kommentare:

  1. Ich hab das Gefühl, dass das bisher der am häufigsten gelesene Roman der Challenge ist. *g* Mal sehen, ob ich ihn auch noch dazwischen schiebe.

    Den ersten Satz finde ich übrigens großartig und möchte sofort über dieses widerwärtige Kind lesen. :-)

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