Donnerstag, 16. Mai 2013

" Der Fänger im Roggen" - J.D. Salinger

Handlung:
Der 16-jährige Holden Caulfield wird aus Pencey, einem Internat in Pennsylvania, verwiesen, weil er in vier von fünf Fächern durchgefallen ist. Eigentlich soll er bis zu Beginn der Ferien in der Schule bleiben, doch er packt kurzentschlossen seine Sachen und macht sich auf den Weg in seine Heimatstadt New York. Da seine Eltern noch nichts von seinem Rauswurf wissen und ihn erst drei Tage später erwarten, irrt Holden ziellos durch die winterliche Stadt und steigt in einem Hotel ab. (...)
(Quelle: amazon.de)

Meine Meinung:

"Manche Sachen sollten so bleiben, wie sie sind. Man sollte sie in einen großen Glaskasten stecken und so lassen können. Natürlich ist das unmöglich, das weiß ich, aber ich finde es trotzdem schade." (S. 90)

- Als ich neulich das Buch hier bei mir zuhause so herumliegen ließ, warf meine Schwester einen Blick drauf, rümpfte die Nase und meinte "Uäärrr, "Der Fänger im Roggen", wieso liest du das denn?! Das war so ein bescheuertes Buch; mussten wir in der Schule lesen..." Nun, ich hab es nicht in der Schule gelesen, überhaupt noch gar nie gelesen, um mal genau zu sein. Und immer hatte ich dieses Gefühl "Das muss man doch gelesen haben. Der Fänger im Roggen - das ist doch jedem ein Begriff, oder nicht?!". Ich habe viele Meinungen dazu im Laufe der Zeit gehört. Manch einer sagt, es sei sein absolutes Lieblingsbuch. Andere - wie meine Schwester - halten es für bescheuert (allerdings lenkte meine Schwester dann selbst ein: "Es kommt wahrscheinlich darauf an, wann und wieso man das Buch liest. In der Schule hat man ja keine Wahl."), andere gar für ein Sch**ß-Buch. Ich hab alles schon gehört. Und bin dennoch erstaunlich unvoreingenommen ans Lesen gegangen.

- Und soll ich ehrlich sein? Ich fand das Buch gar nicht bescheuert, vielmehr hat es mir eigentlich ziemlich gut gefallen. Es ist ganz anders als viele Bücher. Wohl auch anders als die meisten Bücher. Eigentlich hat "Der Fänger im Roggen" kaum eine Handlung. Und ein wirkliches Ende schon gar nicht. Genau genommen fehlt ein roter Faden, der einem klar macht, worüber man hier tatsächlich liest. Man begleitet die Hauptfigur auf dem Nachhauseweg, der sich zwar zieht und schließlich erst über Hotelübernachtungen, Barbesuche und merkwürdige Dates nach Hause führt. Man erfährt zwar, wieso sich Holden auf den Weg macht, aber als Leser wird man genauso unbedarft und lässig wie Holden, der alles eher locker und unproblematisch ansieht. Es ist tatsächlich gar nichts dabei, sich wenige Tage vor Weihnachten als Minderjähriger durch New York zu kämpfen, sich mit dem Taxi herumfahren zu lassen, sich mit Whisky-Soda volllaufen zu lassen, mitten in der Nacht unmögliche Anrufe zu machen - zumindest, wenn man die Welt mit Holdens Augen sieht.

- Ich habe noch nie ein Buch gelesen, in dem so oft die Wörter "verdammt" und "verflucht" vorkommen. Holla die Waldfee, ich würde sogar glatt behaupten, dass in kaum einem anderen Buch so oft geflucht wurde wie hier. So ein schlechtes Leben kann Holden gar nicht haben, um all diese Flucherei zu rechtfertigen. Aber gleichzeitig gibt ihm das etwas schwer Verwegenes.

- "Holden Caulfield" ist einer der tollsten Namen in der Literatur, die ich je gehört habe. Ich hab das nicht oft, dass ich den Namen einer (Haupt-) Figur nochmal und nochmal vor mir hersage und mir sprichwörtlich "auf der Zunge zergehen lasse". Aber Holden Caulfield klingt einfach so markant, so bemerkenswert, so interessant und so ... anders. Und er passt zu der Figur, die er im Buch wird. Wie die Faust aufs Auge.

- Bei Holden selbst handelt es sich um einen Schaumschläger ohne Gleichen, der aber trotzdem zu unglaublich weisen und klugen Sprüchen und Gedanken neigt. Ich bin seinen Gedankengängen wirklich gern gefolgt, habe seine partiell sehr ausschweifenden Anmerkungen komplett gelesen - wenn er vom Hundersten ins Tausendste verfällt beispielsweise, und von irgendwelchen ehemaligen Mitschülern berichtet, die dieses und jenes getan und gesagt haben - selbst dann konnte ich mir sicher sein, dass am Ende des Absatzes irgendein cleveres Fazit kommt, irgendetwas, das bei mir hängen bleibt. Und wenn es nur Holdens Wahlspruch "Das wirft mich um." ist. Holden neigt unglaublich zu Übertreibungen und Sprücheklopfen, aber das hat ihn mir irgendwie sehr sympathisch gemacht. Ich habe mich trotz der Irrungen, auf die er sich hier begibt, und auf die ungewisse Reise, von der man als Leser nicht weiß, wo sie letztlich hinführt und was sie bringt, nicht ein einziges Mal gelangweilt beim Lesen. "Der Fänger im Roggen" hat mich durchweg positiv überrascht. Es wird sicher nicht mein neues Lieblingsbuch. Aber mir hat es wirklich gefallen.

2 Kommentare:

  1. ich würde dir gerne die Ausgabe abkaufen, hättest du Interesse? :) Du kannst mir gern auf meine private Mail constanzemudra@gmail.com melden

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  2. Hallo Constanze, nein, tut mir Leid, das Buch steht nicht zum Verkauf.

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