Dienstag, 28. Mai 2013

"Das Ende der Sterne wie Big Hig sie kannte" - Peter Heller

Eichborn Verlag, 2013
19,99 Euro

Handlung:
Eine Liebeserklärung an die Welt, wie sie hätte sein können. Die Welt ist untergegangen, aber Hig hat überlebt. Ebenso sein einziger Nachbar, ein menschenfeindlicher Waffennarr mit dem Herz auf dem rechten Fleck, der ihn - brutal, aber verlässlich - beschützt. Hig lebt im Hangar eines verwilderten Flughafens und tuckert mit einer alten Cessna übers Gelände, sein Hund Jaspar ist sein treuer Copilot. Man schlägt sich halt so durch. Dann empfängt er plötzlich ein Funksignal. Gibt es doch noch Leben, jenseits seines kleinen Flughafens? Hig beginnt eine abenteuerliche Reise, und was er entdeckt, übertrifft seine schlimmsten Ängste - und seine größte Hoffnung.
(Quelle: hier)

Meine Meinung:

"Es ist nicht so, dass da nichts mehr wäre. Alles, was vorher war, ist noch da. Alles minus Hund. Minus eine Ehefrau. Minus der Krach, das Lärmen (...)" (S. 121)

Das ist die Geschichte von Hig. Hig lebt mit nichts weiter als seinem Hund Jasper und seinem leicht durchgeknallten Nachbarn Bagley mitten im Nirgendwo in der Nähe von Denver. Oder dem, was davon übrig ist, und das ist nicht viel. Im Laufe des Buches wird erklärt, dass sowohl eine Grippewelle als auch ein mysteriöses Fieber 99% der Menschheit ausgelöscht hat. Hig kommt es so vor, als wären er und Bagley die einzigen Überlebenden weit und breit. Mit seiner Cessna unternimmt er Flüge in der Umgebung, nur um festzustellen, dass da bis auf vereinzelte infizierte Überlebende nichts und niemand mehr ist. Bis ... bis er eines Tages ein Funksignal empfängt, das ihn nicht loslässt. Und Hig fragt sich, ob da draußen vielleicht doch noch mehr ist?

Was hier zunächst nach Endzeitroman klingt und an eine weitere Dystopie auf dem Markt denken lässt, ist genau das nicht. Vielmehr lernen wir die so begrenzt wirkende Welt aus Higs Sicht kennen, erleben mit ihm, was es heißt, seinen Tag einsam und allein über die Runden zu bringen und denken, lachen und weinen mit ihm. Genau das habe ich wirklich getan. Schon alleine deswegen erhält diese Geschichte einen Daumen hoch - ich muss schließlich nicht bei jedem Buch weinen! 
Wer sich jetzt denkt, dass das alles eher überschaubar in der Handlung und irgendwie nicht so sonderlich spannend klingt, hat damit gar nicht mal so Unrecht. Denn die Geschichte von Hig ist ruhig, gemächlich, enthält kaum Action, dafür jede Menge Gedanken und Grübeleien über das Ende der Welt. Wie fühlt man sich als nahezu einziger Überlebender, was geht einem durch den Kopf?
Hig hat einige sehr schöne Gedanken in dieser Lage, die ich mir beim Lesen sogleich markiert habe. Dennoch empfand ich das Lesen des Buches nicht als durchweg angenehm. Peter Heller neigt zu ungewöhnlichen, manchmal unvollständigen Sätzen, die mittendrin abbrechen. Wörtliche Rede wird komplett ohne Anführungszeichen dargeboten und wagt dadurch im Wust der ganzen Sätze unterzugehen, wenn man nicht stets aufpasst. 
Wer sich von dieser ungewöhnlichen Art zu erzählen jedoch nicht abhalten lässt, den erwartet eine schön ausgedachte, gleichzeitig sehr nachdenklich stimmende und ernste Geschichte mit einem Überraschungsende, welches sehr zum Grübeln einlädt.

Fazit:
Tolles Buch, teils eigenartig erzählt, teils auch einen Tick langatmig. Aber sehr lesenswert. 5 Bücherstapel.


2 Kommentare:

  1. Das klingt ja nach einem sehr ungewöhnlichen Buch. Ich glaube, ich muss mal schauen, ob ich das in der Bücherei auftreiben kann.

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  2. Das hat mich bei Amazon auch ganz auffordernd angelächelt, also werde ich es mir beim nächsten Mal schnappen. Schön dass es "anders" ist, auch ruhige Dystopien können mich begeistern.

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