Dienstag, 16. April 2013

"Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?" - Hervé Jaouen

Urachhaus Verlag, 2013
14,90 Euro

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Handlung:
Véro, 13, hat es nicht leicht: Ihre wechselnden Freunde sind notorisch untreu, ihr Bruder ist ein Ekel, und jetzt soll sie auch noch ihr Zimmer räumen, weil ihre Oma dort einzieht. Und die leidet an Alzheimer …
Innerhalb kürzester Zeit ist das Familienleben komplett auf den Kopf gestellt. Omama plündert nachts die Küche, hortet Unmengen Schokoriegel und Silberlöffel unter ihrem Bett, weil sie glaubt, dass der Krieg noch immer andauert, telefoniert stundenlang ins Ausland oder löscht versehentlich extrem wichtige Dateien auf Mamans Computer ...
(Quelle: hier)

Meine Meinung:
"Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?" mag einem lustig erscheinen, mit jeder Menge komisch anmutenden Situationen der alten Dame, die zunehmend ihr Erinnerungsvermögen verliert. Wer einmal selbst einen solchen Fall in der Familie hat oder hatte, dem bleibt hier jedoch unweigerlich das Lachen im Hals stecken, denn für denjenigen ist das hier alles andere als lustig. 
Der Autor Jaouen hatte sicher nur das Beste im Sinn, als er sich daran machte, diese Geschichte zu schreiben. Und natürlich ist es löblich, das Thema zu behandeln; viel zu selten wird es gemacht - viel zu selten vor allem in einer eher lockeren und umgänglichen Form, die nicht sofort an Pflegeheime, Krankenbetten und Tablettendosen denken lässt. Das ist sicher auch der wesentliche Punkt, den man dem Buch hoch anrechnen kann: durch die gewählte "unterhaltsame" Art der Vermittlung des Problems - Alzheimer - und der daraus resultierenden Konsequenzen ist es ein Buch vor allem für jüngere Leser, eine Zielgruppe also, die sich normalerweise wohl eher selten mit diesem Thema auseinandersetzt. Dass dieses Buch mittlerweile zur Pflichtlektüre an französischen Collèges gehört, hat mich zunächst erstaunt. Gleichzeitig denke ich mir, dass das wenigstens ein interessanter Weg ist, das Problem, die Krankheit, anzusprechen. 
Gleichwohl ist es jedoch genau diese saloppe und auf gewollt unterhaltsam gemachte Art der Erzählung, die mich hier den Kopf hat schütteln lassen. So, wie der Autor das Leben der Omama und ihrer kleinen und großen Aussetzer darstellt, lässt es einfach an der nötigen Ernsthaftigkeit vermissen. Man könnte glatt den Eindruck bekommen, es wäre ein wahnsinniger Spaß, eine demente ältere Frau im Haus zu haben, weil sie für soviele lustige und kuriose Episoden im Zuhause von Véro sorgt - solche Unterhaltung haben Véro und ihr Bruder bis dahin selten gehabt. Überhaupt konnte ich dem gewollten Friede-Freude-Eierkuchen-Vorgegaukele nichts abgewinnen: man kann sich als Alzheimerpatient wohl nur wünschen, von seiner Familie zur Pflege aufgenommen zu werden - aber welcher Familie gelingt das schon derart, sowohl finanziell, zeitlich als auch ausdauermäßig?! Das heile Familienleben hier war für mich richtig unglaubwürdig. Die Ansätze, wie sich Véros Familie und die Omama arrangieren und ein gemeinsames Zusammenleben ermöglichen möchten, waren zwar nett, auch schön durchdacht; doch die Realität sieht nun mal ganz anders aus.
Was mich zudem an dem Buch gestört hat, war Erzählerin Véro. Die soll 13 sein, und das kaufe ich ihr einfach nicht ab. Sie berichtet so leidenschaftlich und ununterbrochen von irgendwelchen Verflossenen, von aktuellen Liebhabern, von Treue und amoureusen Verwicklungen - das ist keine 13-Jährige. Der Autor lässt sie daherreden wie eine Erwachsene, so abgeklärt und allwissend; sie benutzt Wörter wie "exaltiert" (nicht mal ich weiß, was das heißt), oder lässt sich zu Äußerungen wie "höheren Sphären des kritischen Denkens" (S. 169) hinreißen. Dieses altklug-resignierende "Lassen wir das.", das alle paar Absätze von ihr nach einigen gedanklichen Ausschweifungen eingeworfen wird, ging mir irgendwann nur noch auf die Nerven und führte dazu, dass ich mir dachte, "Ja, lass es doch einfach.". Man merkt einfach zu sehr, dass Véro die erwachsenen Wörter ihres Verfassers in den Mund gelegt bekommen hat.
Und schließlich: "Pardon, Monsieur..." erinnerte mich stark an diese typischen französischen Dialogfilme, in denen die Darsteller möglichst energisch, hektisch und mit viel Gesten eine Diskussion führen - und dabei möglichst ganz viel quatschen und dazwischenreden. Ich mag französische Filme nicht, das sollte ich wohl dazu sagen. Und dieses Buch strotzt nur so vor kurzen, stakkato-artigen Dialogfetzen, Schlagabtäuschen und Sätzen, die mich teilweise ganz wirr im Kopf machten. Nur reden um des Redens willen - das ist nichts für mich.

Fazit:
Ich hatte keinerlei Erwartungen an "Pardon, Monsieur...", und das war wohl auch gut so, denn sie wären sonst alle nicht erfüllt worden. Hier war es nicht nur sprachlich, mit einer zu frühreifen und auf zu erwachsen gemachten Protagonistin, ein schwieriges Unterfangen für mich, sondern vor allem inhaltlich. Ich weiß nicht, welche Botschaft der Autor hier vermitteln wollte; mich jedenfalls hat gar keine erreicht, bis auf die erneute Erkenntnis, dass ich mich mit französischen Autoren schwer tue. Gut gemeinte 3 Bücherstapel.

 

 Ein herzliches Dankeschön an Blogg dein Buch und den Urachhaus Verlag für das Rezensionsexemplar!

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